Demonstranten auf dem Zug der Liebe (Quelle: Geisler-Fotopress/Ben Kriemann)
Video: rbb aktuell, 09.08.2018, | Bild: Geisler-Fotopress

Berliner Techno-Demonstration - Der Zug der Liebe findet 2018 zum letzten Mal statt

Als Antwort auf rechtspopulistische Bewegungen wie Pegida riefen einige Berliner 2015 den Zug der Liebe ins Leben. Laut, bunt und fröhlich zogen Zehntausende durch die Stadt. In diesem Jahr findet die Demo zum letzten Mal statt.

Die vierte Ausgabe wird auch die letzte sein: Die Techno-Demonstration Zug der Liebe wird zukünftig nicht mehr stattfinden und am 25. August zum letzten Mal durch Berlin ziehen. Zunehmende Schwierigkeiten bei der Finanzierung sowie der hohe Aufwand, mit dem die Organisatoren konfrontiert würden, seien die Gründe für das Aus, teilten die Veranstalter am Donnerstag mit.

"Teilweise geht auch das Urlaubsgeld flöten, weil wir es auch einfach selbst finanzieren, wenn es nicht mehr geht", sagte Mitorganisator Jens Schwan während einer Pressekonferenz. Mittlerweile sei deshalb bei den Organisatoren die Luft raus, einige seien der Aufgabe müde geworden. "Letztendlich bräuchten wir einfach 20 Leute, die uns wirklich auch ehrenamtlich helfen und konsequent am Ball bleiben und nicht nach einer Woche wieder abspringen."

Weniger Wagen, um Kosten zu sparen

So seien von den 120.000 Euro Planungskosten bisher nur Viertel gesichert. Das Musicboard Berlin habe einen Förderung von 18.000 Euro zugesagt, über Crowdfunding seien weitere 9.000 Euro zusammengekommen. Der ehrenamtliche Verein, der die Demonstration ausrichtet, werde deshalb nach dem Umzug aufgelöst. Die Anzahl der Wagen, auf denen DJs spielen, wurde wegen der hohen Kosten um fünf auf insgesamt 15 reduziert.

Neben verschiedenen Berliner Clubs werden unter anderem auch die Obdachlosenhilfe und der Berliner Tierschutzverein an dem Demonstrationszug teilnehmen. Der Umzug beginnt in diesem Jahr im Treptower Park am Sowjetischen Ehrenmal und endet am S-Bahnhof Lichtenberg.

Zug der Liebe ist stolz auf sein politisches Erbe

Der Zug der Liebe war 2015 als Antwort auf Pegida in Dresden und ähnliche rechtspopulistische Bewegungen entstanden. Gleich im ersten Jahr nahmen etwa 28.000 Menschen an dem Demonstrationszug durch Prenzlauer Berg teil.

Schwan hob am Donnerstag das politische Vermächtnis hervor, das der Verein hinterlasse. So würden andere Veranstalter auch Musikkonzepte und DJs nutzen, um auf soziale Probleme aufmerksam zu machen oder Vereine zu unterstützen. "Seien es Clubs, seien es Festivals oder auch wirklich andere Demos, die sich bei uns angelehnt haben", so Schwan.

Als Beispiel nannte Schwan die Demonstrationen "AfD wegbassen", die am 27. Mai vor dem Brandenburger Tor stattfand, oder den Protestzug "Wem gehört die Stadt", der im vergangenen September durch Kreuzberg zog.

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    "Warum bezahlen auch die Obdachlosenhilfe und der Tierschutzverein diesen Lärm? "

    Steht das irgendwo???

    Über die Form von Protest und Demonstrationen kann man sicher diskutieren. Auch die sogenannten "besorgten Bürger" machen sehr viel Lärm, wenn sie gewählte Vertreter des Volkes bei Ansprachen stören wollen. Da ist mir Musik - egal welcher Art - sehr viel sympathischer, als dummes, nationalistisches Gebrüll!

    Ein Protest gegen den wachsenden braunen Sumpf in Deutschland MUSS politisch sein - wie sonst???

    Wenn uns, 73 Jahre nach dem Ende des von Nazis angezettelten Weltkrieges, heute wieder dumpfe und dumme Parolen, völkisches Gedankengut, Rassismus und Intoleranz entgegen treten, wäre es eigentlich sogar wünschenswert viel öfter möglichst laute Demonstrationen dagegen zu stellen. Sonst sagt irgendwann wieder die schweigende Bevölkerungsmehrheit, sie hätte von allem ja nichts gewußt.

  2. 19.

    Na wie schön, dass bei Berliner Stadtfesten keinerlei Müll verursacht wird.
    Und Kommerz? Oh! Pfui!
    Deprimiert es Sie auch so sehr, nach Ostberlin fahren und dann sogar (ohne Kugel im Kreuz) wieder in den Westen zu dürfen?
    Tja, die gute, alte Zeit. Damals gab es weder Kapitalismus noch Kommerz und fast alle waren irgendwie total gleich.

  3. 18.

    Kein Problem. Wäre mir nicht zugegebenermaßen mitunter sehr nach Retourkutsche, dürften solche Begriffe in meinem Wortschatz gern verrosten.
    Gleichfalls ein schönes Wochenende.

  4. 17.

    Ach ja und noch was... R.I.P. gute alte LoveParade... aber nur die BERLINER LoveParade... denn das komische Ding was danach in NRW stattgefunden hatte war einfach nur noch Müll und Kommerz!!

  5. 16.

    Eine Bitte an beide: Wir fänden es dufte, wenn Sie sich ohne Wörter wie "Bullshit" austauschen. Danke und ein schönes Wochenende

  6. 14.

    "Warum bezahlen auch die Obdachlosenhilfe und der Tierschutzverein diesen Lärm?"

    Bitte keinen Bullshit erzählen, wenn man keine Ahnung hat.

  7. 13.

    Langfristig wird es solche "Feste" immer wieder geben, da die darin befindlichen Personen (so meine Einschätzung) nach Beachtung gieren, ohne jemals etwas Beachtenswertes zu tun.
    Man will sich zeigen und nach Möglichkeit Zustimmung für den eigenen Opportunismus erhalten.
    Wer einfach nur (ohne konkreten Anlass) feiern wollte, könnte das auch außerhalb einer Großstadt tun.
    Aber wer schaut da schon zu?
    Erst wenn sich ein Fest etabliert hat und auch genug Beachtung in den Medien findet, wird es u. U. in die Provinz ausgelagert.

  8. 12.

    Empathie und eine politische Meinung drücken sich durch laute "Musik" aus?
    Und ich hingegen halte "Die AfD wegbassen" für eine dumpfe Parole.
    Klar kann man die Probleme im Lande auch weglächeln (und nur zum "sauertöpfischen Miesmacher" werden, wenn es um die Probleme von Migranten geht), doch was sollte das langfristig bringen?
    Übrigens ist es sehr voreingenommen, anderen Leuten gute Laune und Sinn für Spaß abzusprechen, weil sie an überlauten Massenveranstaltungen nichts finden können.

  9. 11.

    Lieber kommzupapa,
    gute Laune habe ich freitags grundsätzlich.
    Diese Nachricht hilft mir dabei übrigens auch.
    Da ich aber ziemlich leise tippe, kann von Lärm kaum die Rede sein.
    Mein Gegenvorschlag: Hören Sie nicht nur eine Musikrichtung, dann wird sich Ihr Horizont blitzgeschwind erweitern.
    Und echte Toleranz (also auch jenen Meinungen gegenüber, die man NICHT teilt) ist etwas, was ich u. a. bei diesen Liebeszüglern so bitter vermisse, die mit Krach auf Argumente reagieren.
    Aber die eigene Medizin schmeckt irgendwie nicht so gut, hm?

  10. 10.

    Da hab ich zugegebenermaßen zu viel herausgelesen.
    Doch ist eine Beteiligung in irgendeiner Hinsicht besser oder schlechter als eine (Mit)Finanzierung?
    Dummes Gebrüll mag kaum jemand. Doch was Sie Nationalismus (= die Überhöhung des eigenen Volkes) nennen, bezeichne ich als Patriotismus (also Stolz auf die Heimat und deren Werte).
    Den "wachsenden braunen Sumpf" halte ich für eine Wahnvorstellung.
    Politischer Protest muss zwangsläufig politisch sein.
    Und Obdachlosenhilfe sowie Tierschutz haben damit genau WAS zu tun...?
    Stimmt: Intoleranz ist abzulehnen. Hass übrigens auch. Und "Ganz Berlin hasst die AfD" klingt sehr stark nach beidem.

  11. 9.

    Lieber Tremor,

    das ist wie immer ansichtssache. bei dem was sie sagen, kann ich ebenfalls keine melodie raushören, was es für mich zu Lärm macht.
    und schnell sich bessere laune verschreiben lassen. gibt es auch auf rezept!

  12. 8.

    Na ein Glück hat dieser Spuk ein Ende.
    Die Stadt ist doch schon laut genug und damit auch gesundheitsgefährdend.
    Warum sollen wir uns den Lärm auch noch am Wochenende anhören müssen.
    Sollen sie nach Brandenburg gehen,da gibt es so viele freie Flächen,wo sich niemand belästigt fühlt.

  13. 7.

    "Die Stadt gehört uns" - und damit auch den gut 20.000 Ravern und gutgelaunten Menschen, damit gegen die vielfältigen Probleme und die Bedrohung unserer Gesellschaft durch den wiedererstandenen rechten Geist in all seinen Schattierungen ein Zeichen setzen. Das diese Leute keineswegs nur "dumpfe Feierbiester", sondern empatische und politische Leute sein können, haben wir mit dem gigantischen "Afd Webassen" - Demozug im Mai bewiesen.
    Aber das wird die sauertöpfischen Miesmachen natürlich wenig überzeugen, die am liebsten sehen, wenn andere Menschen genauso spaßbefreit wären, wie sie selbst in ihrer armen Welt.
    Ich bin beim leider letzten Zug der Liebe zum 4. x mit dabei und freue mich schon auf die vielen, sich mitreißen lassenden, aber auch auf die "entsetzten" Zaungäste entlang der Route. Gute Laune braucht die Welt, und das laut, laut, laut....

  14. 6.

    "Warum bezahlen auch die Obdachlosenhilfe und der Tierschutzverein diesen Lärm? "

    Steht das irgendwo???

    Über die Form von Protest und Demonstrationen kann man sicher diskutieren. Auch die sogenannten "besorgten Bürger" machen sehr viel Lärm, wenn sie gewählte Vertreter des Volkes bei Ansprachen stören wollen. Da ist mir Musik - egal welcher Art - sehr viel sympathischer, als dummes, nationalistisches Gebrüll!

    Ein Protest gegen den wachsenden braunen Sumpf in Deutschland MUSS politisch sein - wie sonst???

    Wenn uns, 73 Jahre nach dem Ende des von Nazis angezettelten Weltkrieges, heute wieder dumpfe und dumme Parolen, völkisches Gedankengut, Rassismus und Intoleranz entgegen treten, wäre es eigentlich sogar wünschenswert viel öfter möglichst laute Demonstrationen dagegen zu stellen. Sonst sagt irgendwann wieder die schweigende Bevölkerungsmehrheit, sie hätte von allem ja nichts gewußt.

  15. 5.

    Ansichts- bzw. Anhörungssache. Ist es sehr laut und kann ich keine Melodie heraushören, ist es für mich Lärm.

  16. 3.
    Antwort auf [Mario] vom 10.08.2018 um 10:17

    Kriminalität bringt auch viel Geld.
    Würden Sie deren Rückgang oder Verschwinden ebenfalls bedauern?
    Und auch daran, in Ruhe leben zu können, sehe ich nichts bedauerliches.
    Wer unbedingt laute Musik hören will, soll in die nächste Disko gehen oder sich Kopfhörer kaufen (letztgenannte Erfindung scheinen aber viele Musikfans nicht zu kennen).
    Und wer partout seine Mitmenschen damit behelligen will, soll halt weit raus ins Umland und sich dort ausschließlich unter seinesgleichen austoben.
    Dass solche Feiern sinnloser Egozentrik aus der Stadt verschwinden, bedaure ich keine Sekunde.

  17. 2.

    Typisch Berlin erst die Loveparade weg,hat viel Geld in die Stadt gebracht und jetzt der Zug der liebe alles weg damit hier alle in Ruhe leben können es ist einfach nur traurig

  18. 1.

    Warum bezahlen auch die Obdachlosenhilfe und der Tierschutzverein diesen Lärm?
    Inwiefern hilft es Obdachlosen und Tieren, wenn anderen Menschen ein besinnlicher und beschaulicher Wochenendspaziergang vorübergehend unmöglich gemacht wird und Tiere durch Krach verängstigt werden?
    Und sollten solche Organisationen nicht überparteilich und politisch neutral bleiben (Pegida richtet sich meines Wissens weder gegen Obdachlose noch gegen Tiere)?
    Mir bleibt das sympathische Fazit, dass die (mehr oder weniger) Verantwortlichen über die Erkenntnis gestolpert sind, dass mitunter auch das Chaos von irgendwem organisiert werden muss.
    Schönes Wochenende.

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