Besuchergruppe in der Gedenkstätte Hohenschönhausen, dem ehemaligen Stasi-Gefängnis. (Quelle: imago/Jürgen Ritter)
Audio: Inforadio | 20.09.2018 | Torsten Mandalka | Bild: imago/Jürgen Ritter

rbb exklusiv | "Struktureller Sexismus" - Belästigungs-Vorwürfe in der Gedenkstätte Hohenschönhausen

In der Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen soll es zu sexuellen Belästigungen gekommen sein. Sieben Frauen erheben Vorwürfe gegen den stellvertretenden Direktor. Außerdem sprechen sie von einem "strukturellen Sexismus" in der Gedenkstätte.

Sieben Frauen werfen dem stellvertretenden Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen sexuelle Belästigung vor. Helmuth Frauendorfer soll über Jahre hinweg jungen Frauen in der Ausbildung zu nahe getreten sein, indem er ihnen spätabendliche oder nächtliche SMS geschrieben haben soll. Auch soll es zu körperlichen Annäherungen und unerwünschten Berichten über sexuelle Vorlieben gekommen sein. Frauendorfer soll Mitarbeiterinnen zudem zum Trinken animiert und sie später zu sich nach Hause eingeladen haben – verbunden mit dem Angebot, bei ihm zu schlafen. Das geht aus umfangreichen Interviews und Gesprächen des rbb mit betroffenen Frauen hervor.

Gedenkstättenleiter: Bin Beschwerden nachgegangen

Frauendorfer selbst lässt seinen Anwalt Fehlverhalten und Mangel an Sensibilität einräumen, betont aber, das abgestellt zu haben, nachdem er vor gut zwei Jahren vom Direktor der Gedenkstätte darauf angesprochen worden sei. Dem rbb liegen jedoch Berichte vor, die sich auch auf die Zeit nach 2016 beziehen.

Der Direktor der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, betont, Beschwerden über seinen Stellvertreter nach bestem Wissen und Gewissen nachgegangen zu sein. Er habe Frauendorfer schon im Frühjahr 2016 einbestellt, ihm "derartige Kommunikationsformen untersagt" und im Wiederholungsfall Konsequenzen angedroht. Auch habe er nach weiteren Beschwerden, die allerdings nicht konkretisiert worden seien, im Frühjahr 2018 Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Das Verfahren sei dann von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden.

Frauendorfer selbst lässt seinen Anwalt Fehlverhalten und Mangel an Sensibilität einräumen, betont aber, das abgestellt zu haben, nachdem er vor gut zwei Jahren vom Direktor der Gedenkstätte darauf angesprochen worden sei. Dem rbb liegen jedoch Berichte vor, die sich auch auf die Zeit nach 2016 beziehen.
Frauendorfer selbst lässt seinen Anwalt Fehlverhalten und Mangel an Sensibilität einräumen, betont aber, das abgestellt zu haben, nachdem er vor gut zwei Jahren vom Direktor der Gedenkstätte darauf angesprochen worden sei. Dem rbb liegen jedoch Berichte vor, die sich auch auf die Zeit nach 2016 beziehen.

Frauen beklagen "strukturellen Sexismus"

Dessen ungeachtet sprechen die betroffenen Frauen von einem "strukturellen Sexismus" im Betriebsklima der Gedenkstätte. Auch Knabe habe gegenüber einigen von ihnen inadäquate Äußerungen getätigt. Der Stellvertreter und sein Direktor sollen so insgesamt ein Klima erzeugt haben, das einem "Frauenbild der 50er Jahre" entsprochen habe.

Hubertus Knabe weist auch solche Vorwürfe zurück: Die Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen fühle sich einem modernen Frauenbild verpflichtet. Anzüglichkeiten gehörten nicht zu seinem Sprachgebrauch. Er behandle seine Beschäftigten mit Respekt und Wertschätzung. Dazu gehöre auch Anteilnahme an ihrem persönlichen Leben und "eine Prise Humor".

Sendung: Inforadio, 20.09.2018, 06.00 Uhr

Kommentar

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24 Kommentare

  1. 24.

    Richtig so und gleich die Arbeit der Gedenkstätte evaluieren lassen von einer unabhängigen Historikerkommission.

  2. 23.

    Ein Teil des Problems ist der Umstand, dass zwei ganz dicke Freunde den ganzen großen Laden schmeißen. Herr Frauendorfer scheint ein wenig Hybrisanfälliger zu sein als sein Kumpel Knabe.

    Herr Knabe ist jetzt wie lange Leiter der Gedenkstätte? Es wird Zeit für einen Führungswechsel.

  3. 22.

    Sehr sinnvoller Kommentar, Lothar. Wo bitte ist denn der Zusammenhang ihrer Forderung, dass die Gedenkstätte geschlossen werden soll, weil Belästigungs-Vorwürfe gegen die Führungsetage erhoben werden? Würde diese, also Ihre Forderung, immer so umgesetzt werden, dann hätten wir in Deutschland wohl nur noch wenige staatliche Einrichtungen und wahrscheinlich noch viel weniger privatwirtschaftliche Betriebe. Das Eine hat mit dem Anderen doch herzlich wenig zu tun. Hier geht um einzelne Person(en) und nicht um die Aufgaben und den Zweck der Stiftung. Also bitte immer schön sachlich bleiben und nicht irgendwelches sinn- und zusammenhangloses Zeug von sich geben.

  4. 21.

    Ich bin total erschüttert, dass Sie gemocht wurden. Konnten Sie sich nicht wehren? Als Frau?
    Warum haben Sie dann nicht gekündigt und sich bei anderen Firmen zu bewerben, als sich bei einem Dienstleister der Post zu verdingen? Malerinnin und Lackiererinnin werden doch total gesucht.

  5. 19.

    Den A*......in der Hose hatte ich und habe offen meinen Unmut geäußert mit dem Ergebnis dass ich gemobbt wurde. Ich war beim Dienstleister DPAG beschäftig. Was glauben Sie was ich mir alles anhören mußte, ob von der Gewerkschaft o. der Abteilungsleitung. Aber solange die betroffenen Frauen sich damit arrangieren, bevorzugt zu werden ( Sondervergünstigungen, wie kurzfristig angemeldete Freie Tage oder auch schon mal früher als üblich Feierabend machen dürfen ), werden sie sich hüten gegen Ihren Vorgesetzten vorzugehen. Fördert nicht gerade die Stimmung am Arbeitsplatz.

  6. 18.

    Ob sich da tatsächlich jemand etwas hat zu Schulden kommen lassen oder auch nicht vermag ich nicht zu beurteilen. Irgendwie klingt mia das alles recht nebulös. Unabhängig der Tatsache dass diese Vorfälle, so sie es denn wert sind überhaupt als solche zu werden, schon einige Zeit zurückliegen. Ich bin ungefähr zweieinhalb Jahre des öfteren in der Gedenkstätte, ich höre das heute zum ersten Mal. Ich weiß allerdings, dass dieses Haus unter besonderer Beobachtung steht. Diese Einrichtung hat aufgrund ihrer Öffentlichkeitsarbeit nicht nur Freunde. Die Tatsache, dass dort sehr viele Zeitzeugen die Besucher durch die Gedenkstätte begleiten, gefällt nicht jedem auf der politischen Schiene. Dieser Seite wird die aktuelle Berichterstattung wahrscheinlich gerade recht kommen. Was mich betrifft, ich kann weder über Herrn Doktor Knabe noch über Herrn frauendorfer, noch über irgend jemand anderes in der Gedenkstätte im Zusammenhang mit dieser Berichterstattung etwas Negatives sagen. Ich bin sehr dankbar, dass ich mich dort einbringen kann.

  7. 15.

    Offensichtlich hatten Sie aber auch keinen Ar* in der Hose und haben die Vergehen Ihres Vorgesetzten angezeigt! Wo haben Sie gleich noch einmal gearbeitet?

  8. 13.

    Wenn Sie die gleiche Unschuldsvermutung gegenüber Männern auch gegenüber den Frauen anwenden würden würden Sie wahrscheinlich zu besseren Ergebnissen kommen.
    Wer sagt, dass die Frauen nicht Nein gesagt haben (unabhängig natürlich davon dass es hier ein Machtgefälle gibt). Gleichzeitig: Wieso sollen Frauen Nein sagen müssen? Eine Kultur der Belästigungen sollte es nicht geben.

  9. 11.

    Das geht nun gar nicht, wie kommt M auf die Idee W während der Arbeitszeit (!) zu fragen, ob W Interesse an einem Kaffee hat. Genauso bei den Optionen M und M, W und W. So etwas hat während der Arbeitszeit nicht statt zu finden. Zu recht hat W eine Beschwerdeaktion über M geführt.

  10. 10.

    Sie beschreiben es vollkommen richtig. Ein Beispiel von meinem ehemaligen Arbeitsplatz: unser Vorgesetzter baggerte ständig Frauen an, bis diese nachgaben. Nicht eine Mitarbeiterin fand sich bereit dagegen vorzugehen. Im Gegenteil. Er ist weiterhin beliebt unter den Frauen ( Alter Charmeur)und immernoch in seiner alten Anstellung als Vorgesetzter.

  11. 9.

    Hubertus Knabe ist eine Fehlbesetzung. Sexismus, Rechtsextremismus scheinen ihm egal zu sein.

  12. 8.

    Mal ein reales Beispiel wie diese eigentlich wichtige #metoo Debatte ausufern und fehlgeleitet werden kann.

    In einer großen Berliner Behörde haben mehrere Leute eine Schulung, M und W verstehen sich gut. Nach Abschluss der Schulung fragt M dann W ob sie nicht Lust auf einen Kaffee außerhalb der Behörde hätte. Bupps, das war's. Am Ende stand die Abmahnung des Mitarbeiters wegen unangemessenem Verhalten, vorangetrieben durch W.
    OK, nach einem Verfahren vor dem Arbeitsgericht musste die Abmahnung wieder aus der Akte entfernt werden weil kein unangemessenes Verhalten erkennbar war, aber ein sehr bitterer Beigeschmack bleibt.

    Es war nur eine Frage nach einem Kaffee zum besseren kennen lernen. Kein Herrenwitz, keine Anzüglichkeiten, nichts dergleichen. Ein einfaches Nein hätte ausgereicht. Nicht nur Männer müssen sich beherrschen, Frauen ebenso.

  13. 7.

    3 Kommentare und alle von Männern, wow.

    @Karsten was soll das heißen?
    " Zuhause sind die Frauen das Gegenteil."

    Lieber Männer die Ihr euch hier über #metoo aufregt, es scheint als ob Sie selber es auch nicht sehr genau nehmen, wie man mit Frauen redet und so richtig behandelt.

    Die Frau soll und muss "NEIN" sagen, aber wie ist es bei einem Vorgesetzten? Man will seinen Job nicht verlieren und das weiß der Chef, somit ist die Angestellte Freiwild?! Es ist absolut inakzeptabel vom einem Vorgesetzten in jeglicher Weise sexuell angesprochen zu werden. Was mache Herren der Schöpfung als Witz abtun und die Frau gleich zickig nennt. ist im höchsten maße absolut unangebracht.
    Auf der Straße bei Fremden kann man sich wehren. Aber auf Arbeit? Männer reißt euch einfach mal zusammen!

  14. 6.

    Eine "Prise Humor"? Wenn man das auf die Vorwürfe der Frauen bezieht, meint er offenbar Altherrenwitze - wenn nicht Schlimmeres. Dann wäre das eine "Prise Sexismus".

  15. 5.

    Sehe ich auch so. Wenn sich dann keiner nach Ihnen umdreht, ist es auch nicht recht. Man muss langsam aufpassen, dass durch diese #metoo Debatte nicht jegliches kleines Flirten, was einfach zum NORMALEN Umgang gehört, irgendwann bestraft wird. Die Grenze darf natürlich nicht überschritten werden.

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