Symbolbild - Grundschüler in einer Unterrichtsstunde. (Quelle: imago/photothek)
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Reaktion auf Studie - Grundschulverband will Quereinsteiger gleichmäßiger verteilen

Eine aktuelle Bertelsmann-Studie zeigt: An Brennpunktschulen in Berlin unterrichten doppelt so viele Quereinsteiger wie an Schulen in bürgerlichen Stadtteilen. Der Grundschulverband fürchtet um die Bildungschancen von ohnehin schon benachteiligten Kindern.

Der Grundschulverband in Berlin fordert eine andere Verteilung der Lehrer an den Grundschulen. Besonders die überproportional vielen Quereinsteiger an Grundschulen in sozialen Problemvierteln machen dem Verband sorgen. "Es ist nicht hinnehmbar, dass an Schulen in einem schwierigen sozialen Umfeld weit mehr Menschen ohne genuine Lehramtsausbildung zum Einsatz kommen als in den vorwiegend bürgerlichen Stadtvierteln", betonte der Verband am Donnerstag in einer Mitteilung.

Er reagierte damit auf eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, wonach Quereinsteiger an Berliner Brennpunktschulen fast zehn Prozent des Kollegiums stellen. An Grundschulen in privilegierteren Lagen sind es demnach nur halb so viele.

Verband befürchtet schlechtere Bildungschancen

Der Grundschulverband sprach sich für einen entschiedenen Eingriff und eine Steuerung durch den Staat bei der Personalverteilung aus. Die Studie bestätige mit eindrucksvollem statistischem Material die Befürchtung, dass die gegenwärtige Praxis des Einsatzes von Quer- oder Seiteneinsteigern die Bildungschancen insbesondere von Kindern mit schwierigen Lebens- und Lernbedingungen weiter schmälere.

Ähnlich äußerte sich die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Hildegard Bentele. Nach ihrer Ansicht vertieft die ungleiche Verteilung die soziale Spaltung. Denn damit entwickelten sich die Chancen auf guten Schulunterricht weiter auseinander, hieß es in einer Stellungnahme vom Donnerstag.

Der FDP-Bildungsexperte Paul Fresdorf nannte die Personalsituation an den Grundschulen "erschreckend" und hob die Bedeutung der Qualifizierung von Quereinsteigern hervor.

Unis stocken Studienplätze auf

Rund 2.700 Lehrkräfte sind in Berlin für das aktuelle Schuljahr neu eingestellt worden. Nur etwa 1.000 von ihnen haben ein abgeschlossenes Lehramtsstudium absolviert. 750 sind Quereinsteiger und mehr als 900 sind sogenannte Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung, also Hochschulabsolventen, die weder ein Lehramtsstudium noch ein Fach studiert haben, das an Berliner Schulen unterrichtet wird.

Angesichts des Lehrermangels in Berlin haben das Land und die Universitäten vereinbart, die Zahl der entsprechenden Absolventen auf 2.000 pro Jahr zu verdoppeln. Im bevorstehenden Wintersemester bieten die Berliner Universitäten bereits deutlich mehr Plätze für Studienanfänger, die Lehrer werden wollen. Doch bis die Aufstockung Wirkung an den Schulen zeigt, werden noch Jahre vergehen. 

Der starke Lehrermangel betrifft nicht nur Berlin und Brandenburg: Ursache ist der starke Fachkräftemangel. In den meisten Bundesländern wurden für das neue Schuljahr händeringend nach Pädagogen gesucht. 

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1 Kommentar

  1. 1.

    im Artikel sind ja alle wesentlichen Fakten erwähnt , und die gleichmäßige Verteilung von sogenannten Lehrkräften wird nur ein noch weiteres Absinken des Bildungsniveaus der Schüler zur Folge haben , dazu braucht es keine prophetischen Gaben.
    Und der Nachsatz, dass In den meisten Bundesländern für das neue Schuljahr händeringend nach Pädagogen gesucht wird , zeigt doch überdeutlich das allg. politische Desinteresse an der Bildung . Und dass die Berliner Universitäten bereits deutlich mehr Plätze für Studienanfänger, die Lehrer werden wollen ,ist ja zu begrüßen , aber wieviele der Absolventen werden denn bei den unakttrativen Bedingungen überhaupt den Lehrberuf ergreifen ?

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