Polizisten vor dem Google-Campus (Foto: rbb|24/Tim Schwiesau)
Video: Abendschau | 07.09.2018 | Heike Schüler | Bild: rbb|24/Tim Schwiesau

Berlin-Kreuzberg - Polizisten lösen Blockade vor dem Google Campus auf

Gentrifizierungsgegner haben am Freitag das Umspannwerk am Paul-Lincke-Ufer in Berlin-Kreuzberg in Beschlag genommen. Sie protestierten damit gegen den geplanten Google Campus. Zwei Stunden dauerte die Aktion - dann schritt die Polizei ein.

Nach einer Protestaktion vor dem geplanten Google Campus in Berlin-Kreuzberg haben Polizisten am Freitagnachmittag die Blockade vor dem Umspannwerk aufgelöst. Anti-Gentrifizierungs-Aktivisten hatten das Kreuzberger Umspannwerk gegen 13.30 Uhr in Beschlag genommen.

Nach rbb-Informationen wurden das alte Fabrikgebäude und das angrenzende Gelände nach etwa zwei Stunden von der Polizei geräumt. Mehrere Dutzend Aktivisten hatten sich demnach im Gebäude versteckt und es verbarrikadiert.

Vier Festnahmen, ein Verletzter

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit zwei Einheiten der Bereitschaftspolizei im Einsatz. Die Räumung verlief blitzartig, berichteten Beobachter. Vier Personen wurden laut Polizei wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs überprüft. Ein Securitymitarbeiter, der am Umspannwerk eingesetzt war, wurde nach Polizeiangaben leicht verletzt – möglicherweise durch den Einsatz von Pfefferspray. Die Polizei ermittelt die Hintergründe.

Nachdem die Polizei die Blockade aufgelöst hatten, wurde die Aktion als Kundgebung auf der Straße vor den Toren des Umspannwerkes fortgesetzt. Gegen 16.30 Uhr habe der Veranstalter die Protestaktion aber beendet, sagte ein Polizeisprecher rbb|24. Für 18 Uhr lud die Gruppe #besetzen die Nachbarschaft zu einer Kiezversammlung am Umspannwerk ein.

Aktivisten wollen Google Campus in Kreuzberg verhindern

Wie der Sprecher der Initative #besetzen, Maxi Winhold, rbb|24 sagte, befanden sich zum Zeitpunkt der Blockade rund 100 Menschen vor und im Kreuzberger Umspannwerk. Die Berliner Polizei sprach von 50 Personen, die eine spontane Anti-Google-Demo veranstalteten.

Die Aktivisten wollten mit der Besetzung  ein "Zeichen gegen Verdrängung" und "explodierende Mieten" setzen. Das Ziel der #besetzen-Aktivisten ist es nach eigenen Angaben, Google aus dem Kiez zu vertreiben. Der Google Campus werde ein Magnet für "nervige Jungunternehmerinnen" und treibe die Mieten in der Gegend in die Höhe, kritisieren die Besetzer in einer Pressemitteilung [besetzen.noblogs.org]. Sie fordern die Google-Konzernspitze auf, sich "unverzüglich und unwiderruflich aus dem Umspannwerk zurückziehen" – sonst würden sie weiter "stören, sabotieren, nerven und besetzen."

Der baupolitische Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, Christian Gräff, verurteilte am Abend die Aktion. Die Besetzung von Häusern sei ein Rechtsbruch sagte Gräff in der rbb-Abendschau. Das dürfe in Berlin nicht stattfinden. Unabhängig davon, müsse die Politik aber dafür sorgen, dass genug Wohnungen und Gewerbeflächen für die Berliner zur Verfügung stünden.

Start-up-Zentrum im Umspannwerk geplant

Google plant, bis Ende des Jahres das ehemalige Umspannwerk an der Ohlauer Straße zu einem Start-up- und Technologiezentrum umzubauen. Auf 3.000 Quadratmetern sollen Start-ups und Entwickler in den Räumen arbeiten – unterstützt von Google. Gründer sollen dort außerdem bei Themen wie Produktmanagement oder -design weitergebildet werden.

200 Menschen demonstrierten gegen Google Campus

Der Protest gegen den Campus formierte sich bereits im vergangenen Jahr auf der Website "Fuck off Google". Damit wollten die Gegner Google an ihrem Vorhaben hindern, sich in Kreuzberg anzusiedeln.  

Am vergangenen Samstag hatten bereits rund 200 Menschen gegen den geplanten Google Campus in Kreuzberg demonstriert. Das Projekt des Internetkonzerns sei ein Eingriff in die gewachsene Kiezstruktur, hieß es. Es sorge indirekt für weitere Verdrängung und Mieterhöhungen – sowohl bei Wohnungen als auch bei Gewerberäumen.

Sendung: Abendschau, 07.09.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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36 Kommentare

  1. 36.

    Ich glaube sie werfen hier zwei Sachen absichtlich durcheinander. Die Sorte die "wenn Autos brennen, Fassaden beschmiert werden, ausländerfeindliche Übergriffe stattfinden" gehören eher zu denen die sie hier sonst verharmlosen und zu denen sie ihre Sympathie zeigen.

    Wieviele Arbeitsplätze schafft denn dieser "Campus" und wieviele vernichtet er wenn z.B. Handwerker wegziehen müssen weil "Ein Google-Campus würde die Gegend enorm aufwerten" würde?

    Und die die diesen "Campus" ablehnen stehen nicht "verschiedenen Ländern und Kulturen" skeptisch gegenüber sondern was ein solcher "Campus" unweigerlich mitbringt. Hohe Mieten, Gentrifizierung, Vernichtung von sozialverträglichen Arbeitsplätzen und die Zerstörung eines gewachsenen Kiezes.

  2. 35.

    Letztlich ist doch egal, was Sie in unserer Stadt haben wollen oder nicht. Letztlich entscheiden darüber nicht Linksradikale oder Leute Ihres Schlages.
    Ein Google-Campus würde die Gegend enorm aufwerten, Arbeitsplätze schaffen. Ich freue mich darauf, bald in der Nachbarschaft, Google mit seinen innovativen Menschen begrüßen zu dürfen. Viele Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen werden das Arial bevölkern und bunter machen.
    Natürlich werden die, die Ausländern skeptisch gegenüber stehen, sich Veränderungen widersetzen, Probleme machen - das kennt man ja, wenn Autos brennen, Fassaden beschmiert werden, ausländerfeindliche Übergriffe stattfinden. Aber, auch Sie werden sich letztlich den Veränderungen stellen müssen.

  3. 34.

    Nein aber ganz gewiß auf ihren hier. Zumindest in Anführungszeichen.

    Oder haben sie uns Argumente für und wider diesen "Campus" mitzuteilen? Ich habe welche genannt warum ich dieses oder ähnliche Projekte NICHT in der Stadt haben will.

  4. 32.

    Was bitteschön, wollen sie uns mit diesem "geistreichen" Kommentar mitteilen?

    Zuviel Plasberg gesehen? Oder meinen sie das jetzt jeder der gegen Gentrifizierung ist kein Google Android benutzen darf? Bei Android handelt es sich um freie Software, Basis ist der Linux-Kernel. Und wozu gibt es z.B. LineageOS?

  5. 31.

    Liebe Aktivisten, bitte alle eure Android-Smartphones sofort entsorgen!

  6. 28.

    Sozialromatische Träumer gegen Arbeitsplätze.
    Und was aus meinem beschriebenes Szenario wird, wird die Zeit zeigen. Wenn Linksradikale den Google-Campus angreifen, beschmieren, deren Autos anzünden, die Scheiben einwerfen, Mitarbeiter denunzieren und diffamiere.
    Das ist die reale Welt, wovor Leute wie Sie die Augen verschließen und sich lieber in Ihr Wolkenkuckucksheim flüchten.

  7. 27.

    Das sind keine sozialromantische Träume, hier geht es um die Zukunft unserer Stadt. Leute wie sie die Kapitalmaximierung und eine Verödung unserer Innenstädte den Vorzug geben haben unsere Stadt fast ruiniert.

    Da hilft es auch nicht wenn sie ihre Räuberpistole von "Terror überziehen, Autos werden brennen, Scheiben werden splittern, Fassaden mit kruden politischen Forderungen besprüht." noch -zig mal wiederholen. Das bleibt substanzloses Gefasel wenn man sieht was aus "sozialromantische Träume(n)" statt aus Betonwüsten werden kann.

    Regenbogenvilla und CABUWAZI sind nur einige Beispiele dafür. Das sind Projekte die den Kiez nicht zerstören wie es mit dem geplanten Projekt aber unvermeidlich ist.

  8. 26.

    Wenn ich mal Ihre sozialromantischen Träume unterbrechen darf, erinnere ich Sie daran, dass das Arial ein ehemaliges Umspannwerk ist.
    Das sich da Firmen ansiedeln ist um so besser, sonst würde das denkmalgeschützte Gebäude dem Verfall preisgegeben.
    Vielleicht sollten Sie und ihresgleichen das im vorab Googlen.
    Das sich aber Fortsschrittsverweigerer anmaßen, im Namen Aller, die Ansiedlung des Google-Unternehmen durch Besetzungen zu verhindern, grenzt doch schon an Naivität. Leider wissen Alle, was jetzt passiert: Gruppierungen, die sich für bessere Menschen halten, werden die Stadt mit ihrem Terror überziehen, Autos werden brennen, Scheiben werden splittern, Fassaden mit kruden politischen Forderungen besprüht. Vielleicht können Sie als Maler & Lackierer denen noch Tipps geben?

  9. 25.

    Sie sagen es. Himmel noch mal, was vermisse ich diese schönen kleinen Handwerksbetriebe. Damals brauchte man seinen Kiez nicht einmal verlassen, da es fast überall solche Betriebe gab. Ich wohnte 16 Jahre im Prollkiez Neukölln an der Hermannstraße. Den Kiez brauchte ich nicht verlassen um Besorgungen zu machen. Diese Shoppingcenter oder Malls finde ich einfach nur ätzend. Mich kriegen da keine zehn Pferde rein. Ich meide Sie wie die Pest. Jedesmal erfreue ich mich an nette Unterhaltungen in kl.Läden, wo der Kunde noch König ist.

  10. 24.

    Handwerk hat schon lange keinen goldenen Boden, auch wenn das mein ursprünglicher Lehrberuf war.

    ...

    Wir als Bewohner dieser Stadt müssen uns entscheiden wie wir leben wollen. In Kunststädten (von künstlich, nicht von Kunst) wie dem Potsdamer Platz o.ä. mit Shoppingmalls und anderen Gedöns oder in einer lebendigen, gewachsenen Stadt, wo noch der Schlosserbetrieb im Hinterhof, der Fahrradladen und der kleine Frisörladen überleben kann.

    Öde Innenstädte gibt es schon viel zu viel.

  11. 23.

    Danke für diesen sehr zutreffenden Kommentar. Arbeitsplätze schafft diese Firma schon, doch zu welchen Bedingungen und wieviele? Auch wenn behauptet wird wir bräuchten solche Arbeitgeber, halte ich dagegen, solche Unternehmen verschlimmern die Mietsituation nur noch mehr. Der K. Kiez wird unwiderruflich vernichtet. Solange die Möglichkeit besteht sollte konsequent dagegen angegangen werden. Ich wünsche mir, dass Google einen sauberen“ Abgang“ hinlegt und gar nicht erst dort einzieht.
    Handwerk hat goldenen Boden hieß es und so lernte ich damals einen anständigen Handwerksberuf. Bis heute bereue ich nicht diesen Schritt getan zu haben.

  12. 22.

    Gut gebrüllt Löwe! Erzählen sie das Gockel oder anderen "Global Playern". Im günstigsten Fall werden sie einfach nur ausgelacht.

    Was interessiert Gockel und Co. Probleme auf dem Planeten Erde? Nur wenn es dem Image und zur Profitmaximiert dient.

  13. 21.

    "...und fleißige Menschen angezogen werden, von neuen erstklassigen Arbeitsplätzen."

    Die massenhaft sozialverträgliche Arbeitsplätze vernichten und einen gewachsenen Kiez zerstören.

    Handwerker und Bewohner werden sich die explodierenden Mieten nicht mehr leisten können. Ergebnis: Der Kiez ist so tot wie eine Shoppingmall nachts um 3.

  14. 20.

    Weil Aktivisten mehr sind als "nur" Hausbesetzer. Aber für sie sind das ja eh alles nur langhaarige, ungewaschene Hippies, wie man ihrem zweiten Satz entnehmen kann, deshalb spare ich mir auch eine Erklärung über den Unterschied.

    Die wäre bei ihnen sowieso vergebens.

  15. 19.

    Ich kann mich nicht erinnern gefragt worden zu sein. Soviel zu Mehrheitsentscheidung.

    Apropos. Ich will demnächst abstimmen ob eine Müllhalde direkt an ihrem Wohnort errichtet werden darf, mit der Wahl entweder bei ihnen oder bei mir. Was die FDP kann...

  16. 17.

    Zuviel Science-Fiction-Filme geguckt?
    Haben Sie sich mal die Fülle an Problemen auf dem Planeten Erde angeguckt? Es gibt massenhaft zu tun; ein paar Softwareentwickler können das Ganze vielleicht etwas effizienter machen, das war's dann aber auch schon.
    Und schon mitbekommen, es gibt einen Mangel an Handwerkern, Feuerwehrmännern, Lehrern, etc.!

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