Archiv: Das Studentenwohnheim in Adlershofer Abram-Joffe-Strasse wurde am 21.10.14 mit 384 Plätzen übergeben (Quelle: imago/Ulli Winkler).
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Knapper Wohnraum in Berlin und Potsdam - Tausende Studenten warten auf Zimmer in Wohnheimen

Einen Monat vor Beginn des Wintersemesters warten in Berlin noch mehr als 3.500 Studenten auf einen Platz in Wohnheimen. Die Warteliste werde sich bis zum Monatsende erfahrungsgemäß noch weiter verlängern, wohl auf mehr als 4.000, sagte die Sprecherin des Studierendenwerkes, Jana Judisch. "Nicht alle kriegen sofort etwas."

Die Wartezeit liege zwischen einem Semester und mehr als drei Semestern. Zuständig ist das Studierendenwerk mit seinen knapp 9.500 Wohnheimplätzen laut Judisch für rund 167.000 Studenten.

Berater unterstützen bei der Wohnungssuche

Weil weiter Mangel herrsche, eröffnet das Studierendenwerk am 19. September ein Info-Center eigens zum Thema Wohnen im Mensa-Foyer in der Hardenbergstraße, wie die Sprecherin ankündigte. Berater sollen Wohnungssuchende bei der Suche auf dem freien Markt unterstützen.

Interessierte könnten über das Info-Center zum Beispiel andere Studenten für eine WG-Gründung finden, sagte Judisch. Gemeinsame Budgets ermöglichten andere Lösungen als die Suche auf eigene Faust.

Bundesratsinitiative für höhere Wohnpauschale scheiterte

Aus der Sozialerhebung des Studierendenwerks [stw.berlin] geht hervor, dass Studierende im Schnitt Mietausgaben von 361 Euro haben  – dies liege deutlich über dem Bundesschnitt. Schon länger gibt es angesichts der gestiegenen Wohnkosten Forderungen nach einer Anhebung der Bafög-Wohnpauschale. Empfänger, die nicht bei ihren Eltern wohnen, bekommen bisher maximal 250 Euro. Eine unter anderem vom Land Berlin eingebrachte Bundesratsinitiative, die auch eine Erhöhung dieser Pauschale vorsah, war Ende April gescheitert. Vorgeschlagen wurde, den Zuschuss auf 300 Euro zu steigern und darüber hinaus ortsabhängige Zuschläge von bis zu 100 Euro zu zahlen.

Ohnehin sinkt die Zahl der Bafög-Empfänger seit Jahren. "Die Ursachen liegen auf der Hand: Die Bemessungsgrundlagen für die Förderung sind nicht mehr zeitgemäß und gehen an den Lebensrealitäten vorbei", erklärte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) kürzlich.

Bis 2020: 5.000 landeseigene Studentenwohnungen geplant

Engpässe beim Wohnraum für Studenten gibt es in Berlin seit Jahren. Bereits 2013 hatte der damalige Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) versprochen, dass das Studentenwerk neue Plätze errichten soll. Ein Plan von 2015 sieht die Errichtung von Wohnungen für 5.000 Studenten bis 2020 durch die landeseigenen Wohnungsbauunternehmen vor. Wie der aktuelle Stand unter dem Strich aussieht, war zunächst nicht zu erfahren. Mehrere Projekte sind aber erst in der Vorbereitungsphase.

Das Studierendenwerk selbst baut gerade an zwei neuen Wohnheimen mit insgesamt mehr als 130 Plätzen: eines nahe dem Teufelsberg am Stadtrand und eines in der Nähe von Schloss Charlottenburg. Bezogen werden können die Heime voraussichtlich im Sommer 2019.

Wohnraum für Studenten auch in Potsdam knapp

Auch in Potsdam ist es für Studenten in Potsdam schwierig, eine Wohnung zu finden. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur vom Samstag. "Genug bezahlbaren Wohnraum gibt es für die Studierenden nicht", sagte eine Sprecherin des Studentenwerks Potsdam. Danach gab es für die 2.860 eigenen Wohn- und Bettplätze in Potsdam, Brandenburg an der Havel und Wildau (Dahme-Spreewald) gut 3.000 Bewerber. Vor fünf Jahren waren es nur halb so viele.

Der Wohnungsmarkt in Frankfurt (Oder) gilt dagegen als entspannt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.09.2018, 00.00 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    Gibt genug Fehlbelegung in Berlin, Pärchen in einer 4-Zimmer Wohnung, mal klingeln...

  2. 11.

    Dramatischer Fachkräftemangel, immer mehr Schulabbrecher und unvermittelbare Ungelernte...was muss eigentlich noch passieren, damit wir unserem Nachwuchs die Grundlage bieten, sich bilden und gute Berufe erlernen zu können? Angefangen beim Bildungseklat an den Schulen, gehen die Versäumnisse an Hochschulen und Universitäten weiter. Die FU ist eine der begehrtesten Unis Europas. Dort studieren viele junge Menschen aus vielen Nationen. Dazu unsere jungen Leute. Alle brauchen bezahlbaren Wohnraum. Das alles geht so nicht weiter. Außer weiter bergab...

  3. 10.

    Hier bei mir ums Eck jibt et 2 Neubauten mit je 13 Etagen von einer Bürgermeister Reuter Siftung mit StudentenBuden für nur 599€ Monat aufwärts. So das Werbeplakat. Die Menschen die dort wohnen, sind jedenfalls nicht von hier und auch keine Bettelstudenten.

  4. 9.

    Außerdem welche "Zimmer"? Hört sich nach Feuerzangenbowlen-Romantik an. Wenn's die gäbe, wäre die Situation nicht so angespannt.
    Da die gesamte Wohnungssituation extrem schlimm ist, kann sich ja kaum noch jemand so große Wohnungen leisten, dass Zimmer übrig wären, die vermietet werden könnten.
    Die Zeiten sind schon lange vorbei.

  5. 8.

    Die Studenten (hochdeutsch, Plural) sollten erstmal was leisten bevor sie so leben wollen wie die hart arbeitende Bevölkerung.
    Zimmer sollten wie früher reichen, die man privat vermieten kann.

  6. 7.

    Leider können sich nicht alle Studierende die Universität bzw. Stadt aussuchen. Manche bekommen ihren Studienplatz zugewiesen.
    Im übrigen gibt es auch Studierende, die eben in Berlin studieren, weil sie dann bei ihren Eltern wohnen können und dann weder in Berlin noch in einer anderen Stadt auf Wohnraum angewiesen sind.
    Im übrigen: Sind Sie sich sicher, dass es in Cottbus so einfach ist, als Studierende bezahlbaren Wohnraum zu bekommen?

  7. 6.

    Natürlich in Cottbus studieren.
    Was hat das Studium in Deutschland mit der Stadt zu tun? Wenn es danach ginge müssten alle in Bayern studieren, um halbwegs nachweislich etwas auf dem Kasten zu haben.
    Dunkeldeutschland - zum Glück gibt es in Deutschland solch mutige Bürger.

  8. 5.

    Statt sich mit dem albernen Genderwahn zu beschäftigen, sollten die Verantwortlichen lieber billigen Wohnraum für Studenten schaffe. Wenn schon das "Studentenwerk" es nicht schafft. Student bleibt Student und Studentin Studentin.

  9. 4.

    @Nachdenker:
    Cottbus als Dunkeldeutschland zu bezeichnen, ist schon höchst arrogant. Waren Sie überhaupt einmal in dieser Stadt? Ich bin aus Berlin, war schon einige Male in Cottbus und kann nur sagen, die Stadt hat durchaus Lebensqualität. Berlin hingegen wird allmählich wirklich ätzend. Nur noch dreckig, laut und aggressiv, einfach zu voll. Und wenn weiter so wild gebaut wird, wird das nicht besser werden, zumal Sicherheit und Nahverkehr da scheinbar nicht mehr Schritt halten. Da sind kleinere Städte, in denen es entspannter zugeht, in denen es auch viel Grün und Wasser gibt, durchaus eine Alternative.

  10. 3.

    In Cottbus studieren??? Es gibt viele junge Menschen, die nicht in Dunkeldeutschland studieren wollen. Glücklicherweise!!!!

  11. 2.

    Der Senat sollte die Studienplätze auf das Niveau der 80er senken, ach nee geht ja nicht, das sind ja alles Öko-Wähler.

  12. 1.

    Man kann auch an der BTU Cottbus prima studieren und leben. Ich verstehe gar nicht, warum die Leute sich in die überfüllten Berliner Unis quälen. Die Qualität der Lehre ist in Berlin nicht besser und ein aufregendes Studentenleben gibt es in Cottbus auch.

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