12.04.2018, Berlin: ein Radfahrer fährt hinter einer Müllabfuhr (Quelle: dpa/Riedl)
Audio: Inforadio | 25.09.2018 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa/Riedl

Senat fordert Umrüstung bei Landesunternehmen - BSR hat bereits 46 Lkw mit Abbiegeassistent bestellt

Zum Schutz von Radfahrern und Fußgängern fordert Berlins Wirtschaftssenatorin, dass die Landesunternehmen mit gutem Beispiel vorangehen und Lkw-Abbiegeassistenten einführen. Firmen wie die BSR zeigen sich offen dafür.

Nach den Plänen von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sollen zum Schutz von Radfahrern  und Fußgängern die Berliner Stadtreinigung (BSR), Verkehrsbetriebe (BVG), Wasserbetriebe und Messe ihre Lastwagen schnellstmöglich mit Abbiegeassistenten nachrüsten.

Auf Nachfrage des rbb teilte die BSR mit, dass bereits 46 neu bestellte Müllautos mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet werden sollen. Außerdem teste man bis zum Jahresende verschiedene Systeme - zum Beispiel mit Radar und 360-Grad-Kameras.

Die Messe Berlin und die Verkehrsbetriebe gaben an, jeweils vier Lkw im Fuhrpark zu haben, die mit Abbiegeassistenten ausgestattet werden müssen. Der Einbau eines Systems koste rund 2.000 Euro, so ein BVG-Sprecher.

Bei den Berliner Wasserbetrieben könnten etwa 400 Fahrzeuge mit dem System ausgestattet werden, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage. Derzeit werden die Systeme auf ihre Alltagstauglichkeit getestet. Für 50 neue Fahrzeuge, die angeschafft werden sollen, hätte man den Abbiegeassistenten "auf dem Schirm", hieß es.

"Verkehr für Radfahrer muss sicherer werden"

Zuvor hatte die Verwaltung von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop am Dienstag mitgeteilt, der Verkehr für Radfahrer und Fußgänger müsse sicherer werden. "Wir brauchen endlich verpflichtende Abbiegeassistenten für Lkw." Bevor es aber eine bundesgesetzliche Regelung gebe, müsse Berlin tätig werden. Die Sensoren und Kameras der Abbiegeassistenten warnen die Lkw-Fahrer vor Zusammenstößen.

In einem Brief, der dem rbb vorliegt, forderte Pop die vier Landesunternehmen zu mehr Tempo bei der Nachrüstung auf. Sie sollen Zeit- und Kostenpläne vorlegen und alle Fahrzeuge bis spätestens 30. Juni 2019 nachrüsten. Die Senatorin sitzt qua Amt in den Aufsichtsräten der Unternehmen, mit Ausnahme der Messe jeweils als Vorsitzende.

Nach BSR, BVG, Messe Berlin und Wasserbetriebe sollen weitere Landesunternehmen folgen.

Im Sommer hatte der Bundesrat auf Anregung des Landes Berlin beschlossen, dass alle neuen Lkw ab 7,5 Tonnen mit Abbiege-Assistenzsystemen ausgestattet werden müssen. Die Bundesregierung soll sich nun für eine europäische Umsetzung stark machen.

Bis zu 200 schwere Unfälle könnten vermieden werden

Nach Angaben des Allgemeinen Fahrradclubs (ADFC) Berlin sind in diesem Jahr in der Hauptstadt vier Radfahrer nach Unfällen mit abbiegenden Lastwagen ums Leben gekommen. Der ADFC Berlin fordert eine Pflicht zum Abbiegeassistenten für Lkw. Viele Logistik-Unternehmen würden den Einbau noch verweigern, sagte Nicolas Linck in der vergangenen Woche. "Die Systeme kosten 2.000 bis 3.000 Euro und helfen dabei, die meisten dieser Abbiege-Unfälle zu verhindern", sagte Linck. "Deshalb braucht es von der Politik eine Verpflichtung, diese Systeme einzubauen."

Die Unfallforschung der Versicherer glaubt, dass technische Assistenten für die Fahrer jedes Jahr bundesweit knapp 200 Unfälle mit getöteten oder schwer verletzten Radfahrern verhindern könnten. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass sie Abbiegeassistenten verbindlich vorschreiben. Der Bundesrat fordert darüber hinaus eine Nachrüstpflicht.

Erst am vergangenen Montag war es in Berlin-Mitte erneut zu einer tödlichen Kollision eines Lastwagens mit einem Radfahrer gekommen. Kurz zuvor kam es auch in Berlin-Tempelhof zu einem Unfall zwischen einem Lkw und einem Fahrrad. Dabei verletzte sich die Radfahrerin schwer.

Bisher sind in Berlin in diesem Jahr zehn Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Insgesamt gab es 30 Verkehrstote in Berlin. Im gesamten Jahr 2017 waren es laut Polizei 36.

Kommentar

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21 Kommentare

  1. 21.

    Ich glaube sie haben da was falsch verstanden, lesen Sie mal meine restlichen Beitrage durch.

    Manchmal hilft nur bissige Ironie.

  2. 20.

    @19: Nur um sicherzugehen: Sie haben aber gesehen, dass "IchMeinJaNur" mit seinen Beitraegen nur auf vorige Aussagen reagiert; konkret auf #9 (Juergen Schunder) und #13 (Ickeberlin)? Beide Kommentatoren behaupten naemlich pauschal, dass die Radfahrer die toedlichen Unfaelle der Vergangenheit haetten verhindern koennen und muessen. Dies finde ich, wie Sie offenbar auch, eine extreme Frechheit und Respektlosigkeit.
    "IchMeinJaNur" greift dies nun auf, und interpretiert in #11 die Aussage von #9 ironisch: Nicht "IchMeinJaNur" haelt also Radfahrer fuer dumm, sondern stellt dar, dass #9 dies indirekt gesagt habe.
    In #15 bezeichnet er die Aussage #13 als Unsinn. Muss nicht sein, ist hier aber normaler Umgangston und eher harmlos. Die Vergleiche, die "IchMeinJaNur" dann zieht, finde ich sehr gut - und passen ja genau zu dem Vergleich, den Sie in Ihrem Beitrag #19 machen.

  3. 19.

    Ich lese von diesem Kommentator ein wenig zu viel von "Unsinn", "dumm" etc. Ist derjenige tatsächlich nicht in der Lage, sich weniger unhöflich (nett gesagt) auszudrücken?

    Was die Forderung, Radler mögen doch absteigen usw., angeht, da ging mir nur durch den Kopf "es ist doch noch gar kein Karneval".
    Aber um auch so zu argumentieren: Wie wäre es denn, jeder Autofahrer würde aussteigen und nachschauen, ob ein Fußgänger oder Radfahrer gern seine Vorfahrtsrechte wahrnehmen will.

    Gerade eben wieder im Auto erlebt, wie ein Riesen-Baufahrzeug ohne die Geschwindigkeit zu verringen oder sich gar umzusehen, einfach abbog. Zum Glück war da niemand, den er hätte töten können.

  4. 18.

    @17: Nun bin ich zwar nicht immer einer Meinung mit 'IchMeinJaNur', aber die scharfe Ironie in den Beitraegen # 11 und 15 finde ich eine hier voellig angemessene Reaktion auf die jeweils vorausgehenden Forderungen, Radler sollten doch "einfach anhalten" bzw gar absteigen. Das machen ja auch die m.E. sehr passenden Vergleiche in #15 deutlich.

  5. 17.

    Warum sind Sie eigentlich in all Ihren Kommentaren immer nur am Stänkern und Beleidigen?

    Und was das Thema angeht: Ich habe gesehen, wie ein Autofahrer rückwärts aus einer Einbahnstraße fuhr (nachdem er zuvor einfach in die falsche Richtung reingefahren war). Und das ohne den Verkehr zu beachten. Ein ohnehin vorfahrtsberechtigter Radfahrer hat sich nur durch einen filmreifen Stunt retten können. Sowas geht gar nicht. Autofahrer müssen einfach auf schwächere Verkehrsteilnehmer ein bisschen mit aufpassen.

    Klar, es gibt auch rücksichtslose Radfahrer. Aber die gibt es unter allen Verkehrsteilnehmern.

  6. 15.

    Der Unsinn wird nicht logischer wenn man ihn wiederholt. "...wenn man an seinem Leben hängt steigt man einfach mal vom Fahrrad ab." kann nur von einem Autofahrer kommen. Selbst schuld diese Radfahrer, warum wollen sie ja auch partout in der Stadt radfahren?

    Wenn in BB mal wieder einer an einem Baum gurkt wird sofort verlangt die Alleen abzuholzen oder es wird viel Geld in die Hand genommen die Gefahr, die ja nur dadurch entstanden ist weil man nicht angepasst fährt, zu beseitigen.

    Da schreibt keiner: "wenn man an seinem Leben hängt steigt man einfach mal nicht ins Auto." oder fordert generell die Geschwindigkeit auf Bundesstraßen mit alten Baumbestand die Geschwindigkeit herabzusetzen.

    Genau das fordern sie aber. Ich soll an jeder Ausfahrt, Kreuzung oder unübersichtlichen Straßenführung absteigen? Wie lange soll ich denn ihrer Meinung nach von Spandau bis Neukölln brauchen? 2 Tage?

    Sowas kann nur von einem Autofahrer kommen der weiter rücksichtslos rasen will.

  7. 14.

    @11: Es ist fuer das Problem in der Tat egal, wie oft Juergen oder sonstwer kommentiert.
    Nicht egal ist es aber, wenn wer-auch-immer unterstellt, Radfahrer wuerden sich zu Tode fahren, um im Recht zu sein.
    Und wenn auf diese Weise immer und immer wieder Opfer zu Taetern gemacht werden.
    Radfahrer sind gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer. Wenn also LKW-Fahrer aus diversen Gruenden nicht regelkonform abbiegen koennen, muss dies umgehend geaendert werden. Andernfalls muessen sie leider einfach vom Fahrersitz absteigen und den Zuendschluessel im Gully versenken.
    ES REICHT!

  8. 13.

    Lieber Frank aus Pankow,
    ist es nicht so ziemlich egal ob Jürgen Schunder zu regelmäßigen Kommentierenden gehört. Wichtig ist doch die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Wie Jürgen Schunder schon schreibt, wenn man an seinem Leben hängt steigt man einfach mal vom Fahrrad ab. Es sei denn man möchte auf dem Grabstein den zu stehen haben:
    ER WAR IM RECHT

  9. 12.

    Zitat: "Statt auf meinem Vorfahrtrecht zu bestehen warte ich die Situation ab. Problem?" - äh ja, ist ein Problem. Hat sich schonmal jemand totgewartet an einer grünen Ampel... verstehste? Es kommen IMMER Motorisierte, die IMMER gerne durchziehen, egal, ob da ein Fußgänger oder Radler ist.
    Es ist und bleibt einfach so: der Motorisierte darf nur fahren, wenn die Straße frei ist. Ist sie das nicht, muss er warten. Kann er das nicht sehen, darf er nicht fahren. Ist die Sch...-Regel so schwer zu verstehen?

  10. 11.

    Kein Problem! Selbst schuld diese dummen Radfahrer. Wie kann man denn auch in dieser Stadt radfahren wollen?

    Würden die im Auto fahren oder mit der BVG würden alle noch leben.

    Wollten sie uns DAS mitteilen? *facepalm*

    So ein dummer Vorschlag kann nur von einem eingefleischten Autofahrer kommen und /oder von einem der sein Rad einmal im Jahr hervorholt.

  11. 10.

    @8: Hr Schunder, nun gehoeren Sie nicht zum Kreis der regelmaessigen Kommentatoren hier und koennen daher nicht wissen, dass Ihre Frage schon nach vielen Unfaellen von vielen Leuten beantwortet wurde. Deshalb also mal wieder die Antwort: - Ja, das ist ein Problem! Und zwar ein Riesiges: Denn bei vielen Unfaellen war und ist es den Radlern nicht moeglich, dem LKW auszuweichen, weil er viel zu schnell neben dem Radler auftauchte und abbog, ohne dass der Radler dies rechtzeitig registrieren konnte.
    Im Uebrigen koennte man Ihre Frage als Versuch verstehen, Opfer zu Taetern zu machen, wie es leider regelmaessig passiert. Ich frage mich dann immer, ob die jeweiligen Schreiber selber so oft, regelmaessig und lange in den Innenstaedten mit dem Rad unterwegs sind, um wirklich zu wissen, was sie da fordern.

  12. 9.

    Es sollte nun wirklich jedem Radfahrer gegenwärtig sein, dass Unfälle durch rechtsabbiegende PKW/LKW passieren.
    Also: wenn ich am Leben hänge, dann schaue oder höre ich auf abbiegende Lkw. Statt auf meinem Vorfahrtrecht zu bestehen warte ich die Situation ab. Problem?

  13. 8.

    Wie an anderer Stelle schon ausgeführt bringen Rückspiegel an Fahrräder u.a. bei den typischen Rechtsabbiegeunfällen, die leider zu oft tödlich enden, schlicht nichts!

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/09/kreisfahrt-adfc-berlin-protest-fahrrad.html

    Warum wiederholen sie diesen haarsträubenden Unsinn?

  14. 7.

    Was nützt dem Radfahrer ein Rückspiegel wenn er von einem abiegenden Lkw übersehen wird. Bitte erst Nachdenken bevor man so einen Mist schreibt. Oder soll der Rückspiegel mir Bescheid sagen das neben mir ein Lkw steht der mich gleich übersieht. Die armen Speditionen müssen per Gesetz verpflichtet werden die Assistenten nachzurüsten wer so ein System nicht hat darf eben in Deutschland nicht mehr fahren. Klappt doch mit den Diesel Fahrzeugen auch und da geht es auch um Menschenleben .

  15. 6.

    @rbb, wie siehts mit eurer Ü-Wagen-Flotte aus? Wird hier auch nachgerüstet?

  16. 5.

    Wofür braucht ein Radler einen Rückspiegel? Der motorisierte Fahrer darf erst abbiegen, wenn die Straße FREI ist. Wenn er das nicht sieht, muss er Maßnahmen ergreifen, dass er es sieht. Der Radler hat grün, wie der Fußgänger auch, soll der auch einen Taschenspiegel beim Gehen tragen????
    Wer hier im UNrecht ist, dürfte klar sein - der, der fährt, obwohl die Straße nicht frei ist.

    Selbst wenn der Fußgänger rot hätte, darf der abbiegende PKW ja nicht einfach draufhalten und dabei aus geöffnetem Seitenfenster brüllen "isch hab jetze Voafaht, du Penna!".

  17. 4.

    @2: Rueckspiegel an Raedern sind eine gute Sache; auch ich habe einen. Sie koennen aber technische Masznahmen an LKW und in der Gestaltung der Verkehrswege allenfalls ergaenzen, jedoch keinesfalls ersetzen: Wenn ein LKW zuegig neben einen Radler faehrt und dann quasi ungebremst abbiegt, hilft dem Radler auch der Blick in den Spiegel wenig, weil solch ein Unfallgeschehen zu schnell geht. Wuerde man als Radler bei jedem sich annaehrenden KFZ stoppen, weil es einem die Vorfahrt nehmen koennte, kaeme man nicht mehr vorwaerts.
    Zudem fuehren Rueckspiegel dazu, dass andere Verkehrsteilnehmer unvorsichtiger werden: Wenn andere Radfahrer mich auf zu engen Radspuren oder Radwegen quasi mit Koerperkontakt ueberholen und ich sie daraufhin anschnauze, kommt als Entgegnung gern mal, dass ich sie doch im Rueckspiegel haette sehen muessen. Eine solche Einstellung bei anderen Radlern ist meist nur nervig - bei abbiegenden LKWs kann sie toedlich fuer den Radler sein. Da ist Assistenz erforderlich.

  18. 3.

    Das wäre ein Anfang. Und als Standard in neuen Lkws einführen.

  19. 2.

    Die Lösung sind nicht teure Abbiegeassistenten sondern Kosten günstigere Rückspiegel an den Rädern. Diese sind durch die Radfahrer zu bezahlen. Das entlastet das Staatssäckel.

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