Bundespolizisten durchsuchen einen Mann nach Waffen und illegalen Substanzen. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Radioeins | 10.09.2018 | Nancy Fischer interviewt Ralph Ghadban | Bild: dpa/Paul Zinken

Interview | Tödliche Schüsse auf Nidal R. - "Er war ziemlich brutal und hemmungslos"

Der in Berlin polizeibekannte Intensivtäter Nidal R. ist am Sonntag mutmaßlich bei einer Auseinandersetzung zwischen kriminellen Clans getötet worden. Wer war dieser Mann genau? Kann sein Tod zu weiteren Racheakten führen? Ein Gespräch mit dem Experten Ralph Ghadban.

rbb: Herr Ghadban, Nidal R. wird häufig als Berlins bekanntester Intensivtäter beschrieben. Am Sonntag wurde er erschossen. Wer war dieser Mann?

Ralph Ghadban: Das ist ein palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon. Diese Leute werden hier in Deutschland als ungeklärte Staatsangehörige geführt. Deshalb schreiben manche, dass er Libanese ist, aber er ist Palästinenser. Er war schon ziemlich früh auffällig. Mit zehn Jahren hat er seine ersten Straftaten begangen, aber er war strafunmündig und er hat nicht aufgehört.

Er hat insgesamt rund elf Jahre im Gefängnis verbracht, also ungefähr ein Drittel seines Lebens. Er ist jetzt mit 36 gestorben. Nachdem er zuletzt aus dem Gefängnis entlassen wurde, ist er wieder sehr schnell in das kriminelle Milieu eingestiegen. Welche Vereinbarungen er getroffen hat, wo er sich einfach in diesem ganze Milieu niederlassen wollte, ist unklar. Das wird die Polizei irgendwann vielleicht ermitteln.

Nidal R. ist ja nun nicht "nur irgendein Straftäter", sondern hat auch eine bestimmte Rolle gespielt in diesen Neuköllner Clanstrukturen. Wissen Sie denn welche?

Also er war ziemlich brutal und hemmungslos. Man sagt, dass er letztlich nach seiner Entlassung Kontakte mit dem Abou-Chaker-Clan geknüpft hat. Aber mehr ist noch nicht bekannt, also hat die Polizei noch nicht öffentlich gemacht.

Man kann also jetzt noch nichts dazu sagen, was das für das Berliner Clan-Milieu generell bedeutet? Diese Figur ist jetzt weg - könnte das zu Racheakten, zu weiteren Auseinandersetzungen führen? Was vermuten Sie?

Ja, genau das. In diesem kriminellem Milieu gilt nur Gewalt, und derjenige, der am meisten Gewalt leistet, ist sozusagen ein Held und dominant in der Szene. Sein Clan als Großfamilie an sich ist nicht so schlagfertig wie andere Clans in der Stadt - aber er dominiert die Ereignisse und ein Bündnis mit ihm ist sehr vorteilhaft.

Die Polizei hat noch keine heiße Spur vom Täter oder von den Tätern. Sie musste eine Twitter-Meldung, dass angeblich jemand festgenommen wurde, wieder zurückziehen. Jetzt wird nach möglichen Tätern gefahndet. Wie stehen die Chancen, dass die Polizei sie findet?

Das ist hier ein heikles Problem, weil die Berliner Polizei keine Erfassung der Clans durchführt. Da bleiben die Verhältnisse unklar. Aber nach bestimmten Aussagen handelt es sich um einen Clan außerhalb des arabischen Milieus. Das heißt es handelt sich in einem größeren Umfeld um organisierte Kriminalität, was die Sache nicht erleichtert. Die Chancen, den Fall schnell zu klären, sind ziemlich schwierig.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Nancy Fischer, Radioeins

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