Ralf Reinhardt am 06.09.2018 bei der Landratswahl in Ostprignitz-Ruppin (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 07.09.2018 | J. Wochnik-Sachtleben | Bild: rbb

Entscheidung per Los - Ralf Reinhardt bleibt Landrat von Ostprignitz-Ruppin

"Ich bin dankbar, dass es ein gutes Ende genommen hat", sagte Ralf Reinhardt, nachdem er vom Kreistag als Landrat von Ostprignitz-Ruppin bestätigt wurde. Und auf dieses Ende musste der SPD-Politiker am Donnerstag lange warten.

Nach einem turbulenten Wahlabend im Kreistag von Ostprignitz-Ruppin ist Ralf Reinhardt (SPD) als Landrat bestätigt worden. Erst das Los entschied über die Amtsvergabe.

Im ersten Wahlgang hatte noch Reinhardts Herausforderer Egmont Hamelow (CDU) mit einer Stimme vorn gelegen, doch das reichte nicht aus, um gewählt zu werden. Im zweiten Wahlgang kam es zur Stimmengleichheit, weil eine der 45 abgegeben Stimmen ungültig war. Deshalb - so sieht es die Wahlordnung vor - musste schließlich das Los über den neuen Landrat entscheiden. "Das Glück war auf meiner Seite. Ich bin dankbar, dass es ein gutes Ende genommen hat", zeigte sich Reinhardt anschließend erleichtert. 

Die Landratswahl hatte im Vorfeld für besonderes Aufsehen gesorgt, weil im Kreistag CDU und Linke eine Zusammenarbeit verabredet hatten. Gemeinsam mit dem Kreisbauernverband und den Freien Wählergruppen hatten sie sich dabei unter anderem auf Hamelow, Vizelandrat in Oberhavel, als Kandidaten für das Amt geeinigt. Als Gründe dafür nannte der CDU-Kreisvorsitzende Jan Redmann gegenüber dem rbb gelegentliche selbstherrliche Entscheidungen des bisherigen SPD-Landrats Reinhardt sowie nicht eingehaltene Absprachen im Kreistag.

Bündnis hat mehr Stimmen als SPD und Grüne

Die Grünen kritisierten diese Vereinbarung als "Postengeschacher", damit werde der Bürgerwille missachtet. Grüne und SPD unterstützten den bisherigen Amtsinhaber Reinhard, der hatte bei der Stichwahl im Mai in der Wählergunst vorn gelegen, jedoch nicht das nötige Quorum erreicht. Im Kreistag haben beide Parteien deutlich weniger Sitze als das Bündnis. Allerdings hatte sich auch der FDP-Kreisverband für Reinhardt ausgesprochen. Mit Hinweis auf dessen deutlichen Vorsprung bei der Stichwahl erklärten die Liberalen, der Wählerwille müsse respektiert werden.

Neben Hamelow und Reinhardt stand auch der parteilose Kandidat Christian Schmidt zur Wahl. Dem Richter am Neuruppiner Landgericht waren jedoch im Vorfeld nur geringe Chancen eingeräumt worden.

Was steht an für den künftigen Landrat?

Ostprignitz-Ruppin entwickelt sich: Der Wegzug ist gestoppt und auch die Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren einen erheblichen Schritt nach vorn gemacht. Das bestätigt auch eine Studie der Industrie- und Handelskammer, die der Region eine positive Entwicklung voraussagt. Der Kreis will sich als Wirtschaftsstandort weiter etablieren.

Bessere Bahnverbindungen, den Ausbau der digitalen Infrastruktur, aber auch die Niederlassung von Fachärzten, solide Kommunalfinanzen und eine Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft sind deswegen die großen Herausforderungen in Ostprignitz-Ruppin.

Drängende Themen: Öffentlicher Nahverkehr, Notfallrettung und digitale Infrastruktur

Seit Jahren kämpft die Region für eine bessere Bahnanbindung an die Hauptstadtregion. Selbst Rheinsberg ist als Anziehungspunkt für Touristen nicht ganzjährig mit der Bahn erreichbar. Auch der öffentliche Nahverkehr und – damit verbunden – die Busverbindungen sind immer wieder in der Diskussion. Die Einsatzzeiten der Notfallrettung dauern nach wie vor viel zu lang. Entscheidend ist aber auch der schlechte Ausbau der digitalen Infrastruktur im kompletten Kreis – und das, obwohl schnelles Internet als eine der wichtigsten Voraussetzungen für das wirtschaftliche Wachstum gilt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 06.09.2018, 19.30 Uhr 

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1 Kommentar

  1. 1.

    Es stimmt nicht, dass das Bündnis um CDU und Linke auf 30 Stimmen kommt, denn die beiden Abgeordneten der FDP stimmen für Reinhardt. Die FDP kritisiert das Kooperationspapier von CDU und Linken wegen zusätzlicher Ausgaben auf Kosten des Steuerzahlers und der Schaffung eines unnötigen, gut dotierten Postens für einen der Verbündeten. Reinhardt hatte den Zuspruch der meisten Wähler erhalten, an seiner Stelle einen dritte zu präsentieren, halten wir für eine Missachtung des Wählerwillens, die zu mehr Politikverdrossenheit führt. Mehr Informationen unter www.fdp-opr.de

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