Der Hörsaal 1a der Freien Universität Berlin ist vor einer Prüfung noch komplett leer. (imago/Peter Udo Maurer)
Audio: Inforadio | 11.09.2018 | Kirsten Buchmann | Bild: imago/Peter Udo Maurer

Unis fehlt es noch an Räumen und Lehrkräften - Zu wenig Lehramtsstudenten machen einen Abschluss

750 Quereinsteiger stellt Berlin für die Schulen ein – denn in der Hauptstadt gibt es zu wenig ausgebildete Pädagogen. Auch die Universitäten tun ihr Bestes, aber es zeigt sich: Es reicht nicht aus, nur die Studienplätze zu erhöhen. Von Kirsten Buchmann

Angesichts des Nachwuchsmangels im Lehramt haben die Berliner Universitäten ihre Lehramtsstudienplätze ausgeweitet. Allein die Freie Universität hat sie in den letzten vier Jahren für Grundschullehrer vervierfacht. Die Folge ist dort jetzt auch, dass Vorlesungssäle zu klein werden - Vorlesungen müssen per Video in den Nachbarhörsaal übertragen werden.

Die Humboldt-Uni baute ebenfalls ihre Kapazitäten aus, etwa für angehende Sportlehrer. Allerdings gebe es weiterhin nicht genügend Absolventen, um den eklatanten Lehrermangel zu beheben, sagt die Vize-Präsidentin der HU für Lehre und Studium, Eva Inés Obergfell.

Absolventenzahl reicht bei weitem ncht

Es werden wohl noch einige Jahre vergehen, bis die größere Anzahl von Studienanfängern so weit ist, ihren Abschluss zu machen. Denn die Studienplatzzahl wurde erst vor einigen Jahren ausgeweitet. Im Grundschullehramt beispielsweise an der Humboldt-Uni von 120 auf zunächst 300 und künftig auf 400. Bis 2022 sollen berlinweit 2.000 Absolventen mit Lehramt abschließen.

In einer Antwort auf die schriftliche Anfrage der CDU-Abgeordneten Hildegard Bentele teilte der Berliner Senat mit, 2017 hätten 736 Lehramtsstudenten mit einem Master oder Staatsexamen abgeschlossen. Die Zahlen seien damit im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. 

Viele brechen das Studium ab

Für die Humboldt-Uni ist es nach wie vor ein Problem, dass es relativ viele Studienabbrecher gibt - trotz Unterstützung im Studium etwa durch Tutorien und weitere Angebote.

Natürlich versuche die Uni, in solchen Fällen durch Beratung zu unterstützen, sagt Obergfell. Allerdings sei ein Abbruch aus der Perspektive eines Studenten oder einer Studentin nicht immer ein Drama: "Der Abbruch kann ja auch bedeuten, dass jemand sagt: 'Okay, ich gründe ein Start-up.' Oder es kann bedeuten, dass man tatsächlich ein ganz anderes Fach wählt. Oder den Studienort wechselt."

Ein weiterer Grund, das Studium abzubrechen, ist finanzieller Natur: Einigen Studierenden fehle das Geld, um ihren Lebensunterhalt während des Studiums zu bestreiten. Da könne die Universität nicht wirklich unterstützen, meint Obergfell. Sie tue aber, was sie könne: "Wir versuchen, die Curricula [Lehrpläne, d. Red.] so zu stricken, das es möglich ist, auch mit einer Nebentätigkeit abzuschließen." Und die Beratung solle Wege aufzeigen, wenn das Geld mal ein Problem sein sollte.

Der Senat sieht eine positive Tendenz

Unter dem Strich haben laut der Bildungsverwaltung in diesem Jahr berlinweit rund 600 Studierende ihr Masterstudium beendet. Unter ihnen sind 100 Lehrer für die Grundschule. Das ist deutlich zu wenig, um den Bedarf an ausgebildeten Grundschullehrern zu decken.

Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach sieht die Tendenz aber positiv, was die Studienanfänger und den Übergang ins Masterstudium angeht. Er rechnet damit, dass in ein bis zwei Jahren deutlich mehr Lehramtsabsolventen zur Verfügung stehen werden.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Wenn man den Lehrern bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen böte hätte man auch keinen Mangel. Lehrer ist ein harter Beruf mit recht geringer Wertschätzung in der Gesellschaft. Gepaart mit wenig Gehalt und ausgesetzter Verbeamtung wundert es nicht wenn es nicht viele Kandidaten gibt.

  2. 3.

    - dass Lehramtsstudenten nur mit einem Master oder Staatsexamen unterrichten dürfen ist etwas übertrieben vor allem weil die maximal Abiturnineau machen. Vor bei Grundschullehrern ist der Zeitaufwand übertrieben.

    - dass angehende Lehrer, Ärzte aber auch zb Studenten in den MINT Studiengängen teilweise eine Nebentätigkeit ausüben müssen um über die Runden zu kommen ist ein schlechter Witz. Vor allem bei diesen Mieten.

    Der Gesamtwirtschaftliche Verlust durch Studienabbrüche, Zeitverschwendung, mangelnde Zeit zum Lernen, Forschen und Ausprobieren ist weitaus grösser als die 8 Euro die man da in einer Nebentätigkeit verdient. Kompletter Irrsinn.

    Dort wo es einen besonderen Fachkräftemangel gibt, bezahlen fortschrittliche Länder ihren Studenten schon längst ihre Unterhaltskosten. Das Bafög ist ein unflexibles Bürokatiemonster aus der Vorzeit.

  3. 2.

    Kein Mensch lernt über das Hören. Insofern sind Vorlesungen eh Quark - und sind schon immer Quark gewesen.
    Die deutschen Unis und Hochschulen sollten endlich anfangen, ihre Didaktik zu verbessern. Die könnten gut aus den allgemeinbildenden Schulen lernen. Ebenso sollten die Profs und deren dozierende Mitarbeiter*innen alle vier-fünf Jahre in die pädagogische Praxis entlassen werden, um zu wissen und zu erfahren, was die Berliner Schule braucht und wofür sie auszubilden haben.
    Vielleicht wäre auch ein duales Ausbildungssystem mit wechselnden Praxis-Theorie-Modulen a la Handwerkerausbildung tragfähiger. Dann würde sich das finanzielle Problem vieler Studis etwas mildern.
    Auch manche „Raumprobleme“ wären dann nicht mehr existent. Und die Absolventen würden nicht so völlig ahnungslos und überfordert ihr Ref beginnen, wie derzeit.

  4. 1.

    Wieder einmal zeigt sich die Planlosigkeit deutscher Hochschulpolitik. Dem Berliner Senat fällt reichlich spät ein, daß er zuwenig Lehrernachwuchs hat (kein Wunder bei den Arbeitsbedingungen in Berlin; rbb online hatte ja darüber vor kurzem erst wieder berichtet). Dann schließt er mit den Unis Hochschulverträge, damit die den Nachwuchs ausbilden. Und so wie ich das Prozedere in Berlin kenne (ich war an der FU Berlin von 2003 bis 2015 Jura-Professor), haben die FU und die HU nicht etwa eine Vielzahl neuer ausfinanzierter Studienplätze geschaffen, sondern sind mit ökonomischen Daumenschrauben dazu gezwungen worden, die ohnehin schon überfüllten Studiengänge zu überbuchen. Ja, es hat dafür zusätzliches Geld gegeben, aber ganz bestimmt nicht genug. Und jetzt merkt man, oh Wunder, daß man die Hörsaalgebäude nicht einfach aufpumpen kann.

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