Archivbild: Marianne Birthler, die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen. (Quelle: dpa/Pedersen)
Video: rbb24 | 27.09.2018 | Dorit Knieling | Bild: dpa/Pedersen

Gedenkstätte Hohenschönhausen - Stiftungsrat beruft Birthler als Vertrauensperson

Nach den Sexismus-Vorwürfen in der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen musste der bisherige Leiter Hubertus Knabe gehen. Nun wurde Marianne Birthler vom Stiftungsrat als Vertrauensperson für die Mitarbeiter ernannt.  

Marianne Birthler, die ehemalige Bundesbeauftagte für die Stasi-Unterlagenbehörde, soll als Vertrauensperson für die Mitarbeiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen eingesetzt werden. Das gab Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus bekannt. Der bisherige Direktor der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, war am Dienstag über seine Kündigung informiert worden.

Schnittstelle zwischen Stiftungsrat und Gedenkstätte

Knabe soll sexuelle Übergriffe seines Stellvertreters Helmuth Frauendorfer auf Mitarbeiterinnen nicht konsequent aufgearbeitet haben. Frauendorfer wurde ebenfalls abberufen.

Birthler werde den Übergangsprozess als Schnittstelle zwischen Stiftungsrat und Gedenkstätte begleiten, sagte Lederer. Zudem werde sie bei der Nachfolgesuche für die Leitung der Gedenkstätte beraten und auch als Vertrauensperson für die Menschen in der Gedenkstätte da sein. Die 70-Jährige war Parteivorsitzende der Bündnis90/Die Grünen und Mitarbeiterin der Bundestagsfraktion. Von 2000 bis 2011 war Birthler Beauftragte für die Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes.

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ging aus dem früheren zentralen Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit hervor. Sie soll an politische Willkür und Unrecht erinnern.

Mitarbeiterinnen kritisieren "strukturellen Sexismus"

Am Dienstag hatte Lederer, der auch  Vorsitzender des Stiftungsrates ist, dem rbb gesagt, eine Prüfung habe ergeben, dass die Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Frauendorfer berechtigt seien. Frühere Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte hatten außerdem von einem Klima des "strukturellen Sexismus" gesprochen. Es sei jetzt wichtig, bestehende Verunsicherung und Ängste zu nehmen, damit die Gedenkstätte möglichst bald wieder ungestört arbeiten könne, sagte Lederer der rbb-Abendschau.

Knabe weist Vorwürfe vehement zurück

Nach den Vorwürfen sexueller Belästigung gegen den stellvertretenden Gedenkstättenleiter Frauendorfer hatte der fünfköpfige Stiftungsrat am Dienstagabend einstimmig beschlossen, auch Knabe zu entlassen. Knabe werde ordentlich gekündigt, teilte die Senatskulturverwaltung mit. Wegen interner Ermittlungen werde er vorläufig von der Arbeit freigestellt.

Der langjährige Gedenkstättenleiter dagegen wies die Vorwürfe vehement zurück. Der 59-Jährige betonte, Beschwerden über seinen Stellvertreter nach bestem Wissen und Gewissen nachgegangen zu sein. Er habe Frauendorfer bereits im Frühjahr 2016 untersagt, "derartige Kommunikationsformen" weiterzuführen. Auf Twitter zeigte sich Knabe "erschüttert" über seine Kündigung.

AfD übt scharfe Kritik an Kultursenator

Am Donnerstag musste sich Kultursenator Lederer in einer Fragestunde im Abgeordnetenhaus heftiger Vorwürfe der Opposition erwehren. AfD und FDP hatten den Rauswurf Knabes scharf kritisiert. Am Donnerstag warfen sie Lederer erneut vor, sich eines unliebsamen Kritikers entledigen zu wollen. Wie rbb-Reporter Boris Hermel aus dem Abgeordnetenhaus berichtete, geht die AfD von einer linken Kamapagne gegen einen antikommunistischen Historiker aus.

So warf Carsten Ubbelohde von der AfD Lederer vor, mit zweierlei Maß zu messen und wollte wissen, was dieser unter "Kulturwandel" verstehe.

Als Beispiel wählte der AfD-Politiker die frühere Polizei-Vizepräsidentin Margarete Koppers. Während diese zur Generalstaatsanwältin in Berlin gemacht werde, obwohl wegen maroder Schießstände und des Verdachts der "Körperverletzung im Amt mit Todesfolge" gegen sie ermittelt werde, werde dem "renommierten Gedenkstättenleiter" Knabe lediglich vorgeworfen, ungenügend auf Verfehlungen seines Stellvertreters reagiert zu haben.

Lederer reagierte gereizt und warf der AfD vor, das Thema auf die falsche Ebene zu ziehen. "Wenn man sich an die Einrichtungsleitung wendet, keine Unterstützung zu erwarten hat, sondern eher zusätzliche Drangsalierung, dann muss man handeln", sagte der Linken-Politiker.

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8 Kommentare

  1. 8.

    Das sind Informationen, die wohl nicht von der Wiki-Seite stammen und somit das wahre Leben spiegeln. Natürlich gibt es User, deren schmaler Blick auf die Deutsche Geschichte, auf agierende Persönlichkeiten, die Sicht äußerst beschränken. Nun, ich habe im Jahr 1989 in Neubrandenburg bei einer Spezialeinheit der NVA (MB5) gedient und kann mich erinnern, als die ersten Unruhen in der DDR stattfanden, schwor uns erst der 1.Sekretär der SED-Kreisleitung, Genosse Chemnitzer auf die Situation ein. Wochen später, ich glaube es war August, stand uns der Genosse Zelm vor, der uns in kämpferischer Art und Weise, die Konterrevolution, die durch "Negativ wirkende Kräfte aus der BRD gesteuert" den Sieg des Sozialismus absprechen wollten, eingeschworen. Der Befehl, nach Leipzig verlegt zu werden, lag wohl auf dem Tisch, wurde aber nicht unterschrieben. So konnten wir die "Wende" in unseren Kasernen erleben.
    Was aus den beiden 100%tigen SED-Kadern geworden ist, weiß ich nicht.

  2. 7.

    Die Partei Die Linke hat sehr grosse Probleme mit der Aufarbeitung der Geschichte. Dazu muss man nicht einmal die Stasi bemühen. Vielen wäre schon geholfen, wenn die Menschen endlich wüssten wo die SED Millionen sind? Das ist nämlich das Geld der ehemaligen DDR Bürger und die mehrfach gewendete SED Nachfolgeorganisation Die Linke hat genau in diesen Millionen ihre wirtschaftliche Basis. Der RBB wie der ORB berichteten dankenswerter Weise viel über dieses leidige Thema. Auch wäre es endlich an der Zeit, die Rolle von Hans Modrow im Herbst 89 in Dresden näher zu beleuchten. Immerhin schickte er tausende von Soldaten gegen Demonstranten in die Stadt. Gleiches wäre bezüglich Potsdam und der damaligen Rolle von Heinz Vietze interessant. Auch in Potsdam waren bewaffnete Kräfte gegen Demonstranten im Einsatz. Im Archiv vom RBB findet man dazu die passenden Bilder.

  3. 6.

    Netter Versuch! Kommt aus der gleichen Richtung.

    Welche Probleme hat den die Partei DIE LINKE mit der Aufarbeitung ihrer Geschichte?

    Herr Knabe hat seine Mängel zur Führung einer so wichtigen Gedenkstätte nicht zum ersten Mal offenbart.

    Die Zeit als Bürgerrechtlerin ist lange her, die Frau hat sich Rechtsextremen zugewandt, mit der "IB" sogar einer Gruppierung die wegen ihrer verfassungsfeindlichen Bestrebungen sogar vom VS beobachtet wird.

    Zu wiki, es steht ihnen frei auch dort zu schreiben und erst recht steht es ihnen frei die Behauptungen in meinem Zitat zu widerlegen. Ich warte gespannt.

  4. 5.

    Was für ein Vorwurf meinen Sie?
    Das SED Nachfolgepartei Die Linke Probleme mit der Aufarbeitung ihrer Geschichte hat?
    Das Herr Knabe sich nicht von denen vereinnahmen ließ? Das Stasi-Verstrickungen einzelner Mitglieder dieser Partei ans Tageslicht kamen?
    Und: sind Alle, die einen begründeten Zweifel an der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel haben, für Sie Rechtsradikale?
    Da verfügen sie aber über ein sehr eingeengtes Weltbild.
    Als ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin hat Frau Lengsfeld alle Voraussetzungen, dieses Amt zu bekleiden.
    Nebenbei: sich auf Wikipedia zu berufen, wo Jeder hinein schreiben kann, was er will …. naja ...

  5. 4.

    Können sie ihre haltlosen Anschuldigungen auch irgendwie belegen? Oder einfach mal mit Dreck werfen, irgendetwas wird schon hängenbleiben?

    Aus welcher Richtung der Vorwurf kommt sieht man daran ausgerechnet Fr. Lengsfeld vorzuschlagen.

    In der letzten Zeit macht Lengsfeld eher mit ihrer Nähe zu Rechtsextremen auf sich aufmerksam.

    "Spätestens seit 2018 unterstützt Lengsfeld offen die AfD, sympathisiert mit teilweise rechtsextremen Gruppierungen wie Pegida und der sogenannten Identitären Bewegung und bekämpft vor allem die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung unter Angela Merkel."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Vera_Lengsfeld

  6. 3.

    Frau Birtler ist eine gute Wahl.
    Nun müssten noch konkretere Schritte zur Aufarbeitung des DDR Unrechts folgen.
    Vera Lengsfeld wäre eine ebenso gute Wahl, lässt sie sich nicht von der SED Nachfolge Die Linke vereinnahmen.
    Wollen wir doch ehrlich sein, die plötzliche Ablösesumme von Herrn Knabe hängt doch auch damit zusammen, weil er die Aufarbeitung der Parteigeschichte Der Linken forcierte und wehemend vorerst trieb.
    Das was doch dieser Partei ein Dorn im Auge und sie nutzten die bisher unbewiesene Vorwürfe gegen Herrn Knabe.

  7. 2.

    Was denn nun sex. Nötigung oder Sexismus?

  8. 1.

    Das verstehe ich unter allseits vernünftiges Vorgehen. Viel Erfolg!

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