Kreuzberger Zentrum in Berlin (Quelle: Imago/Schöning)
Audio: Inforadio | 29.09.2018 | Thorsten Gabriel | Bild: Imago/Schöning

Vereinbarung zum Neuen Kreuzberger Zentrum - Wie Mieter und Eigentümer das NKZ voranbringen wollen

Anfang 2017 wurde das Neue Kreuzberger Zentrum am Kottbusser Tor an die städtische Gewobag verkauft. Mieterrat und Eigentümer wollen den Wohnkomplex gemeinsam voranbringen - und das soll am Montag besiegelt werden. Von Thorsten Gabriel

Vor 40 Jahren zog Mona Barthelmeß von Rudow nach Kreuzberg – ins damals frisch gebaute "Neue Kreuzberger Zentrum" am Kottbusser Tor. Heute leben hier im NKZ Menschen aus mehr als 30 Nationen. Und Mona Barthelmeß sagt über sich, sie sei so etwas wie ein "Urgestein am Kotti, hab ich das Empfinden so langsam".  

Vor zwei Jahren ging bei ihr wie bei anderen Mieterinnen und Mietern im NKZ allerdings die Angst um. Was würde werden bei einem Verkauf an einen privaten Investor? "Ich bin 75 Jahre alt, ich hab gedacht: Jetzt - wohin noch?", sagt Barthelmeß. "Die Kinder sind weg, in aller Welt verstreut - was machen wir jetzt?"

"Viel positiv bewegt"

Doch es kam anders. Für stolze 56 Millionen Euro ging das Haus überraschend nicht an Privat, sondern an die städtische Gewobag. Für die bangenden Mieter war es ein Hoffnungssignal. Und diese Hoffnung sei bisher nicht enttäuscht worden, sagt Marie Schubenz, Sprecherin des Mieterrats im NKZ. Im Gegenteil: "Die Hoffnung hat sich auf jeden Fall insofern erfüllt, dass wir uns natürlich freuen, dass den Mieterinnen und Mietern hier auf Dauer leistbare Mieten gewährleistet sind, dass ihnen eine große Existenzunsicherheit genommen wurde."

Die Menschen, die hier wohnen, wollen mitreden, wenn es um die Zukunft geht – auf Augenhöhe. Das ist auch für die Gewobag eine neue Erfahrung. Sie hat zwar eigene Mieterbeiräte - aber keine unabhängige Mietervertretung für ein einzelnes Wohnobjekt.

Doch Peter Burgfried vom Gewobag-Bestandsmanagement sagt: "Wenn man das Objekt schon ein bisschen begleitet hat, dann sieht man, mit welchem Engagement dort gearbeitet wird." Die Menschen seien mit viel Herzblut dabei. "Die haben tatsächlich in den letzten Jahren dort auch aus unserer Perspektive viel positiv bewegt", bilanziert Burgfried. Die Hoffnung sei, gemeinsam diesen Ort nach vorne zu bringen. "Denn wir sind zwar vor Ort, aber wir leben nicht vor Ort und insofern hoffen wir, dass das sehr fruchtbar sein kann."

Berlin-Kreuzberg - 26.5.17 Mieterprotest Kotti und Co Demonstration 6 Jahre Mietergemeinschaft Kotti und Co (Quelle: Imago/Homann)
2017 gab es Proteste der Mieter gegen einen Verkauf des NKZ. | Bild: Imago/Homann

Wichtige Entscheidungen im Konsens

Ein Jahr lang haben Gewobag und Mieterrat nun – mit Unterstützung des Senats – zu verschiedenen Themenfeldern eine Kooperationsvereinbarung ausgehandelt. Peter Burgfried vom Gewobag-Bestandsmanagement nennt die Kernpunkte: "Da ist einmal die Gewerbeentwicklung vor Ort; das ist die Frage: Wie entwickeln wir ein Sicherheitskonzept vor Ort? Wie sehen Investitionen aus? Es muss irgendwann auch mal was gemacht werden."

In der Vereinbarung, die am Montagvormittag am Kottbusser Tor unterzeichnet werden soll, geht es also vor allem um den Umgang miteinander. Wichtige Entscheidungen will man im Konsens fällen. Marie Schubenz vom Mieterrat zeigt sich erfreut: "Ich empfinde das Besondere an dem gesamten Prozess, dass man sieht, was gelingen kann, wenn wirklich alle an einem Strang ziehen." Die Gewobag habe sich "über ihre eigentlich etwas starren Strukturen hinweg" eingelassen. Es sei sehr erfreulich, dass es gemeinsam gelungen sei zu sagen "Wir haben ein gemeinsames Ziel, nämlich den Ort in einem positiven Sinne weiterzuentwickeln".

Modernisierungen als Chance

Das gilt auch für so heikle Themen wie Modernisierungen. Gerade wenn es um viel Geld geht, läuten bei Mietern oft die Alarmglocken. Aber Marie Schubenz sagt: "Es muss viel gemacht werden, das ist klar." Die alte Hausverwaltung habe das nach "bestem Wissen und Gewissen" bereits versucht. "Jetzt ist es natürlich eine Chance: Ein Unternehmen wie die Gewobag hat ganz andere Mittel." Für die Mieterinnen und Mieter bedeute das durchaus eine Verbesserung.

Das NKZ und damit auch das Kottbusser Tor insgesamt sollen aufgewertet werden – aber ohne dass der Ort dabei sein ganz eigenes Gesicht verliert. Oder, wie es Mieterin-Urgestein Mona Barthelmeß sagt: "Kotti ist Kotti und bleibt auch Kotti."

Beitrag von Thorsten Gabriel

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