"Hambi bleibt" steht am 14.09.2018 auf dem Transparent an der Landesvertretung von Nordrhein Westfalen. Rund 20 Demonstranten haben das Foyer besetzt, sprechen sich für den Erhalt des Hambacher Waldes in Nordrhein Westfalen aus. (Bild: dpa/Paul Zinken)
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Audio: radioBerlin 88,8 | 14.09.2018 | Knut Müller | Bild: dpa/Paul Zinken

#HambacherForst erreicht Berlin - Polizei beendet Anti-Kohle-Protest in NRW-Landesvertretung

Braunkohlegegner haben am Freitag die Landesvertretung Nordrhein-Westfalens in Berlin zeitweise blockiert. Sie protestierten gegen die umstrittene Räumung des Hambacher Forsts. Die Landesvertretung stellte laut Polizei Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Der Streit um die Rodung des Hambacher Forsts in Nordrhein-Westfalen hat Berlin erreicht. Etwa 25 Umweltschützer und Braunkohlegegner in weißen Schutzanzügen setzten sich am Freitagvormittag ins Foyer sowie an Haupt- und Nebeneingang der Landesvertretung in der Hiroshima-Straße in Berlin-Tiergarten. Damit protestierten sie gegen das Vorgehen der Behörden im Hambacher Forst. Sie sangen Lieder, skandierten Losungen und trugen Transparente mit der Aufschrift "Hambi bleibt".

Nach etwa zwei Stunden wurden sie von herbeigerufenen Polizisten vor das Haus geführt, einige wurden getragen, andere hätten den Zugang freiwillig freigemacht, teilte die Polizei mit. Die Beamten nahmen die Personalien von sechs Frauen und 19 Männern auf. Die Räumung verlief ohne Vorkommnisse, hieß es. Gegen 13 Uhr war der Polizeieinsatz beendet. Insgesamt befanden sich rund 60 Beamte im Einsatz.

Per Twitter hatten Aktivisten von "Ende Gelände" gegen 10 Uhr mitgeteilt, sie hätten die nordrhein-westfälische Landesvertretung besetzt. Aus Solidarität mit den Umweltschützern im Hambacher Forst werde man die Besetzung so lange fortführen, bis die Düsseldorfer Landesregierung den Polizeieinsatz [wdr.de] im Wald stoppt, so die Aktivisten. "Wir bleiben hier, bis Armin Laschet den zerstörerischen, unverhältnismäßigen Polizei-Einsatz im Hambacher Forst stoppt", twitterten sie.

Polizei führt Aktivisten aus Landesvertretung

Die Landesvertretung habe einen Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs und Nötigung gestellt und um Hilfe gebeten, sagte ein Polizeisprecher. Einsatzkräfte seien darum dort zusammengezogen worden, hätten die Identität der Protestierenden festgestellt und "das Hausrecht durchgesetzt". 

Zudem wurden laut Polizei auch Strafverfahren wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet, unter anderem weil Aktivisten sich vermummt hatten. 

Energiekonzern RWE will Wald roden

Die nordrhein-westfälische Polizei ist zurzeit dabei, im Hambacher Forst Baumhäuser von Umweltschützern und Braunkohlegegnern zu räumen. Sie protestieren dagegen, dass der Energiekonzern RWE im Herbst weite Teile des Waldes roden will, um weiter Braunkohle abzubauen. "Die Rodung des Hambacher Waldes für weiteren Braunkohle-Abbau ist sinnlos und unverantwortlich", sagte Karolina Drzewo von Ende Gelände im Hinblick auf den geplanten Kohleausstieg.

Als Grund für die am Donnerstag begonnene Räumung führten die Behörden nicht den geplanten Kohleabbau, sondern den fehlenden Brandschutz in den Baumhäusern an. Die Umweltaktivisten halten das für vorgeschoben. Der Hambacher Forst zwischen Aachen und Köln ist zu einem Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle geworden: Seit 2012 ist das Waldstück von Aktivisten besetzt, die zum Teil in den 30 bis 60 Baumhäusern leben.

Sendung: Inforadio, 14.09.2018, 13 Uhr

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Ich gebe Ihnen Recht. Der inflationär angewandte Begriff "Aktivist" kommt in den Beitrag nicht einmal vor.
    Bezeichnet man die nun so, was sie in Wirklichkeit sind?

  2. 16.

    Ich hatte mich schon daran gewöhnt, dass die Guten immer die "Aktivisten" sind. Das macht es auch für simpel Strukturierte einfacher, Gut und Böse zu unterscheiden.

  3. 15.

    Den AktivistInnen wünsche ich Kraft, Durchhaltevermögen und Unterstützung im Widerstand gegen die Umweltmörder unserer Gesellschaft und Politik!

  4. 14.

    7, 8, 10, 11... Ramona, rorrbart, Gisela, Holger... - was soll nun diese Miesepetrigkeit? Wollen Sie damit andeuten, dass man gar nichts tun sollte, weil eh alles egal ist?? Und rorrbart, warum werfen Sie ausgerechnet den Demonstranten und Aktivisten vor, dass in Berlin Strassenbaeume gefaellt wurden (abgesehen davon, dass das teilweise leider aus verschiednen Gruneden noetig war?) Und wo waren SIE denn, als das passiert ist? Und sind Sie z.B. regelmaessig bei Pflegemassnahmen der Naturschutzverbaende aktiv, um die Natur in Berlin zu unterstuetzen?
    Hoert endlich auf, staendig ausgerechnet auf genau die zu meckern, die was zum Besseren veraendern wollen. Werdet lieber selber mal aktiv - in einem der noch immer freiesten Laender der Erde!

  5. 13.

    So kurzsichtig wie RWE handelt auch die NRW-Landesregierung: Sie legt angeblich Wert auf Heimat, indem sie vor kurzem ein Heimat-Ministerium geschaffen hat und lässt ein Stück Heimat von einem Konzern zerstören. Und das in einer Zeit, in der die erneuerbaren Energien bereits für über 40% Strom in Deutschland erzeugen. Das Ziel der Bundesregierung ist: 65% bis 2030. Und eine solche Idiotie nach diesem Hitze-Sommer in Mitteleuropa, der auch dem letzten Zweifler am Klimawandel die katastrophale Folgen bewusst gemacht hat.
    Tausende Menschen haben bei Garzweiler wegen der Braunkohle bereits ihre Heimat verloren. Kirchen wurden abgerissen, hunderte Häuser abgebaggert, Heimat zerstört. Jetzt endlich haben wir durch Sonnen- und Windkraft Alternativen und brauchen die Braunkohle nicht mehr, aber RWE will gnadenlos weitermachen.
    Wer noch bei RWE Stromkunde ist: den Anbieter sofort wechseln!

  6. 12.

    "Die Bevölkerung aus NRW hat aber diese industrie- und arbeitgeberfreundliche Regierung gewählt."

    Genau dafür betreibt RWE eine intensive "politische Landschaftspflege".

    https://de.wikipedia.org/wiki/RWE#Unternehmenskultur

    https://de.wikipedia.org/wiki/RWE-Aff%C3%A4re

  7. 11.

    Wenn ich die riesigen Müllmengen und die massenhafte tagtägliche illegale Müllentsorgung in Berlin sehe muss ich zu der Annahme kommen dass sehr vielen Menschen die Umwelt und die Zukunft gleichgültig sind.
    @ Peter, Cottbus, Freitag, 14.09.2018 - Zu viele Menschen sind gedankenlos und/oder möchten sich nicht einschränken.

  8. 10.

    Beim tatsächlichen (Konsum-)Verhalten sind doch 70 Prozent der Bürger, oder eher 80 Prozent(?) selbst nicht bereit ihr Verhalten hinsichtlich Resourcenverbrauch zu ändern. Zugelassene Autos haben immer mehr Motorleistung und werden immer schwerer. Kreuzfahrten mit Schweröl verzeichnen rasante Steigerungen. Fliegen zu Dumpingpreisen erfreut sich wachsender Beliebtheit. Der hohe Fleischkonsum aus der Massentierhaltung ist ungebrochen. Und auch beim Kleidungskauf (überwiegend) aus anderen Ländern sind Umwelt und Arbeitsbedingungen einer großen Mehrheit von Konsumenten doch weiterhin offensichtlich egal. Für das eigene Haus werden immer mehr Flächen versiegelt.
    Und daher werden unsere Enkel 2070 in Hamburg und den Niederlanden möglicherweise in Gummistiefeln spazieren gehen müssen. Is ja noch so lange hin.

  9. 8.

    In Berlin wurden 2017 rund 7.900 Straßebäume gefällt. Das in der Stadt wo Grüne in Verantwortung stehen. Wo waren denn da die "Aktivisten"?

  10. 7.

    Nahezu 100 Prozent der Erdbevölkerung sollten ein Interesse daran haben dass es auch in hundert Jahren noch saubere Luft und kostenloses Trinkwasser gibt.
    Die Milliarden Menschen die tagtäglich ums Überleben kämpfen nehme ich mal aus.
    Welche erwachsenen Eltern und Mitbürger in Deutschland und Europa möchten sie denn ansprechen und an ihr Gewissen bezüglich der Zukunft der Umwelt appellieren? Die SUV-Fahrer oder die Fans von 500 PS-Autos? Die Viel-Fleischesser und Vielgriller? Die Vielflieger? Die Käufer von Kleidung aus Asien. Die Mitbürger, die jedes Jahr die neuesten Elektronikgeräte kaufen? Etc., pp.

  11. 6.

    Um das nochmal klarzustellen: Es ist derzeit ueberhaupt nicht noetig, diesen 12.000 Jahre alten Wald zu roden, weil die dortige Kohle noch laengst nicht gebaggert werden soll. RWE moechte aber womoeglich Fakten schaffen, BEVOR die von der Bundesregierung eingesetzte Kohle-Kommission, die regelmaessig tagt, einen Plan entwickelt hat, ob und wie es mit der Braunkohle weitergehen soll. Selbst die IGBCE nennt die Braunkohle nur eine Uebergangsenergie. Es geht hier also um Protest FUER einen 12.000 Jahre alten Wald, GEGEN eine voellig veraltete, in mehrfacher Hinsicht fossile Energieform - und damit auch um das Erbe, die Gesundheit und den Lebensraum Eurer Kinder und Enkel! Die Demonstranten verdienen Respekt und Applaus statt Kriminalisierung und Paragrafenreiterei! Die Unterschrift in der Kampagne, auf die in #5 verwiesen wird, ist das mindesteste, was JEDER Buerger an Unterstuetzung geben kann.

  12. 5.

    Wer tatsächliches Interesse daran hat den Hambacher Forst zu bewahren, sollte schnell den Appell an die Bundesregierung auf campact.org mit unterzeichnen: https://campact.org/hambi-wa 270.000 sind wir bereits. Brauchen aber 300.000 Unterschriften. Also bitte teilen! Lieben Dank!

  13. 4.

    Was Recht ist muss nicht zwangsläufig auch richtig sein. Wie erklären Sie Ihren Enkeln wenn die Sie mal danach fragen " Ihr habt gewusst was kommt,warum habt ihr nichts dagegen unternommen?"
    Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer drastischer deshalb ist der Protest nicht nur richtig sondern notwendig. Und das solange bis die Politik im Sinne von über 70% der Bevölkerung endlich handelt statt sich hinter der Kohlelobby zu verstecken. Alle die jetzt Verantwortung tragen haben diesen Planeten verlassen wenn die Auswirkungen unumkehrbar sind, das ist das Problem.

  14. 3.

    Statt einfach vor der Tür im öffentlichen Raum zu demonstrieren - und damit auch Bürger zum Protest einzuladen, die sich ans geltende Recht halten möchten... Es ist aber auch irgendwie traurig, dass Rechtsverstöße anscheinend medienwirksamer als rechtskonforme Demonstrationen sind.

  15. 2.

    Ist es der Presse irgendwann mal möglich zwischen Aktivisten und kriminellen /Straftätern zu unterscheiden?

  16. 1.

    Stromgewinnung aus Kohle belastet Klima und Atemluft. Der dortige Forst ist ein Naturgut.
    Die Bevölkerung aus NRW hat aber diese industrie- und arbeitgeberfreundliche Regierung gewählt. Das jetzt zu Gunsten von RWE entschieden wurde war vorhersehbar. Das muss man sich vorher überlegen.
    In diesem Land kann jeder gehen alles klagen. Nun haben Gerichte das Vorgehen der Regierung und von RWE für Rechtens erklärt. Jetzt müssen Vereinbarungen und Gesetze im Namen des Volkes auch umgesetzt werden.

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