Bauarbeiter arbeiten in Berlin auf einem Dach (Quelle: dpa/Sophia Kembowski)
Video: Abendschau | 04.09.2018 | Studiogast Katrin Lompscher | Bild: dpa/Sophia Kembowski

Berliner Senat - Rot-Rot-Grün einigt sich auf Aktionsplan zum Wohnungsbau

Um den gefragten Berliner Wohnungsmarkt zu bedienen, will die Stadtentwicklungssenatorin Lompscher (Linke) Neubauten erleichtern: durch schnellere Genehmigungen und niedrigere Naturschutzhürden. Die Grünen sind überraschend einverstanden.

Den Wohnungsbau in Berlin will Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) durch ein Aktionsprogramm beschleunigen - der Senat einigte sich dazu am Dienstag auf ein Konzept. Am Mittag päsentierte Lompscher das Programm der Öffentlichkeit.

Die Grünen, die im Vorfeld mögliche Aufweichungen beim Naturschutz scharf kritisiert hatten, stimmten nach Worten von Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos/für Grüne) jetzt in wesentlichen Punkten zu. Einige Punkte, wie beispielweise der Umgang mit Kleingärten, wurden aber offenbar ausgeklammert.

Plattenbauten sollen aufgestockt werden

Das Konzept sieht unter anderem vor, die Verwaltungsabläufe durch mehr Personal und Modernisierung zu optimieren, erläuterte Lompscher. Außerdem sollen Genossenschaften beim Neubau unterstützt werden. Für Wohnungsbaugenossenschaften wolle das Land 20 Grundstücke bereitstellen. "Wenn wir schneller bauen wollen, dann müssen wir diejenigen, die bauwillig sind, aber Schwierigkeiten bei der Grundstücksbeschaffung haben, stärker unterstützen", so die Senatorin.

Fachleute sollen zudem genauer untersuchen, inwieweit Dächer von Supermärkten, aber auch von Parkhäusern oder Plattenbauten systematisch aufgestockt werden können. Nach den Worten von Stadtentwicklungssenatorin Lompscher könnten selbst Zehn- bis Elfgeschosser mit flachen Dächern um zwei oder mehr Geschosse aufgestockt werden.

Lompscher will nicht "auf Vorrat Bäume fällen"

Ein vorab bekannt gewordener Entwurf Lompschers sah auch vor, das Abholzen von Bäumen für Bauprojekte oder Dachgeschossausbauten zu erleichtern - hier hatten sich die Grünen vorab ablehnend geäußert. Am Dienstag betonte Lompscher, es gehe nicht darum "auf Vorrat Bäume zu fällen". Eingriffe in der Vegetationsperiode sollten auf Projekte beschränkt werden, die auch wirklich realisiert würden. Zudem gehe es hauptsächlich um Spontanbewuchs auf Brachflächen und nicht um die Berliner Wälder, ergänzte sie im rbb.  

Der Beschnitt von Straßenbäumen für Rettungsmöglichkeiten bei Dachwohnungen könnte, so Lompscher, durch bauliche Maßnahmen vermieden werden, indem beispielsweise Treppen gebaut werden. Hier müssten allerdings dann die zuständigen Ämter "großzügiger" Genehmigungen erteilen.

In der rbb-"Abendschau" bezeichnete die Bausenatorin den Aktionsplan als "Meilenstein". Erstmals sei es gelungen, dass der gesamte Senat hinter dem Thema stehe und mehrere Verwaltungen eingebunden gewesen seien.

Grüne grundsätzlich einverstanden

Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos/für Grüne) sprach von einem "großen Einvernehmen" im Senat über das Konzept - in Hinsicht auf mehr Personal und die Stärkung von Baugenossenschaften. Mit Bezug auf Naturschutzfragen schränkte Günther aber auch ein: "Wir haben natürlich auch die Hemmnisse identifiziert und werden hier gegensteuern." Wörtlich sagte sie: "Wir haben uns, glaube ich, auf eine Vorlage verständigt, die eine Beschleunigung erreichen wird, ohne - was uns allen am Herzen liegt - das Stadtgrün hinten anzustellen."

Es sei aber auch wichtig, in manchen Fällen unkompliziertere Regelungen zu finden, zum Beispiel wenn auf Brachen junge Vegetation aufgewachsen sei. Sonst bringe man die Eigentümer nur dazu, unbebaute Flächen systematisch "runterzumähen", nur damit am Ende problemlos gebaut werden könne. Das sei ökologisch nicht sinnvoll.

Bau- und Ausweichflächen in Brandenburg

Umweltsenatorin Günther zeigte sich auch einverstanden mit dem Plan Lompschers, für Bauflächen in Berlin Ausgleichsflächen in Brandenburg auszuweisen. "Prioritär" sollten diese aber in Berlin gefunden werden, forderte Günther.

Lompscher forderte erneut, auch die Bauplanungen enger mit Brandenburger Kommunen abzustimmen. "Berlin ist keine Insel", sagte Lompscher. "Entwicklungsachsen" nach Brandenburg hinein müssten untersucht und der Wohnungsbau mit dem Umland abgestimmt werden.

Wohnungsbaugesellschaften begrüßen Pläne Lompschers

Der Verband der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaften begrüßt die Pläne. Verbandssprecher David Eberhart sagte im rbb, es seien viele gute Einzelschritte aufgelistet.

Jetzt müssten die Pläne aber auch zügig umgesetzt werden. Man dürfe sich jetzt nicht im klein-klein verlieren, so Eberhart. Wenn die Pläne schnell umgesetzt würden, würde man auch schnell eine positive Entwicklung bei den Bauzahlen sehen, so der Sprecher.

Sendung: Inforadio, 04.09.2018, 16.00 Uhr

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Vergleicht man die Entwicklung Berlins mit Orten, an anderer Stelle der Welt, so beschleicht einem das Gefühl, dass Berlin in ferner Vergangenheit spielt, als man noch kleine Hütten baute. Als man technisch noch rückständig war.
    An anderen Orten der Welt, z.B New York, findet die Gegenwart und Zukunft gleichzeitig statt. Während Berlin in Tristesse erstarrt, kommt man bei der Entwicklung dieser Städte aus dem Staunen nicht heraus.
    Vergleichen Sie mal: http://europacity-berlin.de/ mit https://www.hudsonyardsnewyork.com/

  2. 17.

    Senioren in Berlin ?
    was ist das-------
    WENIG : abgesenkte Strassenübergänge--längere Ampelschaltungen---Eingänge für Rollstuhlfahrer und Behinderte
    -----------preiswerte Seniorenheime o.ä.
    noch mehr??---endlos !

  3. 16.

    Zunehmend wurden Studentenwohnungen in der Innenstadt gebaut und Familien und Senioren verdrängt. Bleibt die Frage,für wen die neuen Wohnungen gebaut werden? Wird man sich am tatsächlichen Bedarf orientieren oder ausschließlich wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund stellen?

  4. 15.

    Die langweiligen Kleingärten können alle weg, dafür ein paar mehr öffentliche Parks anlegen.
    Zehngeschosser weiter aufzustocken führt aber nur zur Ghettobildung.

  5. 13.

    Wohnungsnot kommt ja wohl nun nicht einfach wie schlechtes Wetter. Hätte die meist doch links gerichtete Regierung in den letzten 15 Jahren dafür Sorge getragen, dass genug sozialer Wohnungsbau vorhanden ist und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen, dass Spekulanten hier eben nur wenig Spekulationsmasse finden, bräuchten wir heute nicht darüber diskutieren. Wenn man viele Sachen im Vorfeld richtig plant, dann brennt's auch seltener. Aber vermutlich kommt die zunehmende Besiedelung von Ballungsgebieten ganz kurzfristig und überraschend. Da ist Berlin auf der Welt die einzigartige Ausnahme. Genauso so überraschend, wie die plötzlich innerhalb eines Jahres ansteigenden Schülerzahlen...

  6. 11.

    Wie soll das denn funktionieren bei fast 60 Milliarden Schulden,,,?

  7. 10.

    Wohin in Brandenburg soll man denn ausweichen? Doch nicht etwa in die Prignitz? Der Speckgürtel ist in den letzten 25 Jahren schon hoffnungslos zubetoniert worden, vergessen hat man dabei leider die Verkehrsinfrastruktur. Und damit Zugezogene, die es sich leisten können, ins "Grüne" ziehen konnten, wurden 'zig tausend Bäume gefällt. Und versuchen Sie doch mal, beispielsweise in Teltow oder Erkner eine bezahlbare Wohnung zu finden.

  8. 9.

    Sie Glücklicher scheinen viel Geld oder mindestens eine schöne Immobilie zu haben, die Ihnen keine Sorgen bereiten kann. In Berlin herrscht WOHNUNGSNOT. Und die hat wie eh und je das Zeug zum sozialen und politischen Sprengstoff.

    Langfristige Strategien zu entwickeln, ist natürlich schön. Aber was würden Sie sagen, wenn Ihr Haus brennt und die Feuerwehr, statt zu löschen, mit Ihnen erstmal eine Brandschutzstrategie entwickeln möchte?

  9. 8.

    Zu DDR-Zeiten wurde - schon aus bautechnischen Gründen - meist großflächig gebaut, mit enormem Abstand der Wohnzeilen und relativ wenigen Punkthochhäuser zueinander, was zu einem hohen Flächenverbrauch und einer relativ niedrigen Besiedlungsdichte führte. Die vielen Freiflächen wurden, so sie nicht als Parkplätze dienten, mit Grün aufgefüllt. Das können Sie noch heute in Lichtenberg, Marzahn, Hohenschönhausen, Hellersdorf sehen. Leider auch in dieser öden Schlafstadt, die zwischen Alex und Ostbahnhof errichtet wurde und bis heute nur "belebt" wird durch den starken Autoverkehr, der sich auf einigen Ausfallstraßen hindurchwälzt. Hier ist übrigens noch viel Platz für Verdichtung. Aber Sie sehen hier ja schon jetzt "möglichst graue Betonwände und möglichst wenig Grün". Vielleicht sollten Sie mal hinfahren.

  10. 7.

    bravo---Ihr Kommentar
    von STADTENTWICKLUNG ist höchstwahrscheinlich im Senat nix bekannt-----
    Wohnungen kann man baun-auch in die Höhe-da bleibt genug GRÜN-----
    Berlin is doch keen Dorf nich mit lauter kleene Häusgens-----
    Aber Fläche ist doch da : TEMPELHOFER FELD z. B. für eine Kleinstadt
    aber da haben sich sone Handvoll Leute stakk gemacht für einen Spielplatz---------

  11. 6.

    Die Grünen in der Berliner Landesregierung sollten sich in Grund und Boden schämen. Für Fahrradwege werden unzählige Bäume gefällt. Dem Wohnungsbau werden Bäume und Grünflächen geopfert. Warum? Weil man nicht wirklich einen Plan für diese Stadt hat. Schon gar keinen grünen.
    Schäbig ist das. Und sehr traurig.

  12. 5.

    Leider interessiert es niemanden, Berlin auf lange Sicht lebenswert und attraktiv zu gestalten. Das Legislaturperiodendenken der Politik fordert kurzfristige, vorzeigbare Erfolge: Seht her, ich habe x Wohnungen gebaut. Soll es wirklich das Ziel sein, soviel Bewohner wie möglich in Berlin reinzuquetschen? Es wäre schön, wenn eine Strategie für die Berliner Stadtentwicklung vorhanden wäre...zu schön....Aber stattdessen wird in allen Bereichen (Schulen, Kitas, ÖPNV, etc.) ausschließlich reagiert.

  13. 4.

    Auf in ein hässliges Berlin ,mit möglichst grauen Betonwänden und möglichst wenig Grün.
    Auf eine neue DDR .
    Und das bei einem teils grünen Senat.
    Ein Trauerspiel.

  14. 3.

    RRG scheint sich endlich zusammenzureißen. Aber bitte noch mehr Förderung der Genossenschaften, denn sie sind das eigentliche Gegengewicht zu den Spekulanten.

  15. 2.

    Es ist leider immer noch das Maß aller Dinge INNERHALB Berlins bauen zu müssen. Wegen der Steuereinkommen. Damit werden wir diese Stadt über kurz oder lang zu einer nicht lebenswerten Beton-Landschaft verwandeln. Berlin ist durch seinen hohen Grün-Anteil geprägt und wird dafür geschätzt. Aus Sicht von Klimaforschern ist es ein Muss, eine Stadt atmend (als durch Grün) zu gestalten. Gerad bei den Schadstoffbelastungen durch den nicht abnehmenden Verkehr (wäre ja möglich hier einzugreifen, nur in Autoland will das niemand).
    Es gäbe ja die Option, die auch anklang, nach Brandenburg auszuweichen. Warum nicht? Damit liessen sich deutlich besser ÖPNV-Optionen integrieren, nahe günstigen Verkehrswegen planen, IN Berlin Grünzüge und Innenhöfe und Parks und Friedhöfe bewahren. Mit einer Länderfusion und integrierten Politik wäre das möglich, statt hier alles dicht zu machen.

  16. 1.

    Kündigung der Pachtverträge landeseigenen Grundstücken, Blankenburger Feld z.B., und Bauland ist zur Genüge da.

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