Audio: Inforadio | 25.10.2018 | Christoph Reinhardt

RIAS-Zahlen für erstes Halbjahr 2018 - 527 antisemitische Vorfälle in Berlin gemeldet

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Berlin ist auf einem konstant hohen Niveau. Im ersten Halbjahr wurden dort 527 Fälle gemeldet, wie aus einem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Bericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) hervorgeht. Das waren 13 mehr als im Vorjahreszeitraum.

158 Personen waren demnach direkt davon betroffen, darunter 81 Juden oder Israelis. Antisemitismus äußere sich zunehmend aggressiv und richte sich gezielt gegen Personen, heißt es in dem Bericht.

Bedrohungen haben zugenommen

Zu den registrierten Vorfällen zählen laut Bericht Angriffe, gezielte Sachbeschädigungen, Bedrohungen, verletzendes Verhalten und Massenzuschriften. Die Zahl der antisemitischen Angriffe hat sich demnach im ersten Halbjahr von neun auf 18 verdoppelt. Zugenommen haben den Angaben zufolge auch Bedrohungen und verletzendes Verhalten. Sachbeschädigungen und antisemitische Kommunikation nahmen hingegen ab.

 "Die Häufung der gemeldeten Angriffe und Bedrohungen nehmen wir mit Erschrecken wahr", sagte RIAS-Projektleiter Benjamin Steinitz. Mehr Betroffene als im vergangenen Jahr hätten sich an die Informationsstelle gewandt, "weil sie besorgniserregende Erfahrungen machten und uns in diesen schwierigen Situationen das Vertrauen entgegenbrachten".

Vorfälle in Friedrichshain-Kreuzberg nahezu verdoppelt

Der Anteil an gemeldeten Vorfällen im Internet (281) ist relativ konstant zum Vorjahreszeitraum. In den meisten Berliner Bezirken ist die Zahl der gemeldeten Vorfälle ähnlich denen des Vorjahres. Allerdings gibt es laut RIAS-Bericht einige auffällige Ausnahmen gibt: Während es in Mitte zu einem Rückgang von 81 auf 63 gemeldete Vorfälle innerhalb der ersten sechs Monate kam, verdoppelten sich die gemeldeten Vorfälle in Friedrichshain-Kreuzberg nahezu (1. Halbjahr 2017: 22; 1. Halbjahr 2018: 40).

Behrendt kündigt Berlin-Monitor an

Der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) würdigte die Arbeit von RIAS. Sie stärke das Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden und erhöhe die Anzeigebereitschaft für antisemitische Straftaten. Das trage dazu bei, den "Antisemitismus in seiner Gesamtheit" zu bekämpfen.

Behrendt kündigte zudem an, ab Dezember alle zwei Jahre einen Berlin-Monitor erstellen zu lassen, der etwa rechtsextreme Einstellungen, die Akzeptanz von Pluralismus und Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Berlin untersuchen soll. Dazu sollen 2.500 Berliner befragt werden. Im ersten Berlin-Monitor gehe es um antisemitische Einstellungen in der Hauptstadt. Mit der Juristin Claudia Vanoni hat Berlin zudem seit September als erstes Bundesland eine Antisemitismusbeauftragte.

Sendung: Abendschau, 19:30 Uhr, 25.10.2018

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Antwort auf [MGLoveChild] vom 28.10.2018 um 07:54
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7 Kommentare

  1. 7.

    Im Bericht selbst steht über die 18 gemeldeten Angriffe auf Personen

    "Knapp über die Hälfte der gemeldeten Angriffe (10) konnten
    keinem politischen Hintergrund zugeordnet werden,
    drei waren islamistisch motiviert und fünf
    links-antiimperialistisch."

  2. 5.

    Da können die Rechten hier noch so sehr relativieren und versuchen die Taten auf andere abschieben, die größte Gefahr für Menschen jüdischen Glaubens geht immer noch von Rechtsextremen aus.

  3. 4.

    Ich würde sagen, daß Antisemitismus nicht nur von Rechten ausgeht, sondern auch von arabisch-/türkischestämmigen Mitbürgern und Zugewanderten aus dem muslimischen Raum.
    Ich erinnere mich noch sehr genau an die Fotos von der Demo am Brandenburger Tor, wo israelische Flaggen verbrannt wurden, da sah man genau, daß diese Leute keine Rechten waren sondern anderer Herkunft. Und wie sieht es denn auf den Schulhöfen in Berliner Schulen aus? Man konnte doch immer wieder lesen, daß jüdische Schüler gemobbt etc. wurden und permanent judenfeindliche Aussprüche zu hören waren!

  4. 3.

    Guten Abend,
    wir stützen uns in dem Artikel auf den (oben verlinkten) Originalbericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin. Dort werden keine Angaben zu möglichen Tätern gemacht - wohl auch, weil sie schlichtweg nicht vorhanden sind. Wenn sie bekannt wären, würden wir sie auch nicht verschweigen. Beste Grüße

  5. 2.

    Leider kann ich dem Artikel nicht entnehmen, von wem diese antisemitischen Vorfälle ausgehen. Das ist doch sicherlich bekannt. Warum wird das verschwiegen????

  6. 1.

    Sind die Mieten in Marzahn-Hellersdorf tatsächlich so explodiert, dass die ganzen Rechtsextremen nach Neukölln, Kreuzberg, Charlottenburg oder Mitte ziehen mussten? Oder könnte es etwa sein, dass antisemitische Vorfälle doch nicht nur aus dieser Richtung kommen? Es wird zwar im gesamten Artikel kein Wort darüber verloren, im letzten Absatz aber dezent auf dieses Problem verwiesen, ohne andere Probleme zu benennen. Bitte lieber RBB, ringt euch endlich dazu durch, das Problem in Gänze anzusprechen. Unzweifelhaft geht für jüdisches Leben in Berlin eine Gefahr von Rechtsextremisten aus! Aber leider eben auch von linken Israel-Hassern und arabischstämmigen/türkischstämmigen Mitbürgern.

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