Zwei Medizinstudentinnen proben in der Charité in Berlin den Krankentransport in einem Rettungswagen. (Quelle: Archivbild imago von Januar 2016/Britta Pedersen)
Audio: Inforadio | 16.10.2018 | Maren Schibilsky | Bild: dpa/Britta Pedersen

Frist läuft bis Ende 2019 - Charité mahnt Tempo bei Reform der Studienplatzvergabe an

Auch zum Wintersemesterbeginn 2018 ist Medizin das nachgefragteste Studium bundesweit. Wer kein Einser-Abitur vorweisen kann, hat in der Regel keine Chance oder muss jahrelang warten. Das soll sich bis 2020 ändern. Doch die Zeit läuft davon. Von Maren Schibilsky

386 Studenten beginnen diese Woche in Berlin ihr Medizinstudium an der Charité. Sie könnten die letzten Studenten sein, die nach reiner Numerus-Clausus-Regelung oder durch einen Wartezeitbonus ihren Studienplatz bekommen haben. Der Grund: Ende 2017 hatte das Bundesverfassungsgericht das bisherige Zulassungsverfahren für ein Medizinstudium teilweise mit dem Grundgesetz für unvereinbar erklärt.

Vor allem die Wartezeit soll nun abgeschafft werden, sagt Burkhard Danz, Geschäftsbereichsleiter für Studium und Lehre an der Charité dem rbb. Ein reines "Absitzen" werde es künftig nicht mehr geben. "Das ist ein ganz klarer Kritikpunkt des Bundesverfassungsgerichtes. Die haben uns die Auflage erteilt, Möglichkeiten zu finden, dass sich Bewerber noch weiter verbessern können im Laufe der Zeit, dass sich das in den Auswahlkriterien abbildet."

In einem Staatsvertrag sollen die Kultusminister der Länder die Neuregelung verankern. Die Kultusministerkonferenz letzte Woche hat darüber wieder einmal beraten. Den bundesweit 36 Medizinfakultäten geht das ganze Verfahren viel zu langsam, meint Burkhard Danz von der Charité. "Eigentlich müssten wir den Staatsvertrag im Entwurf jetzt schon sehen. Denn der muss ja auch noch ratifiziert werden. Wir müssen ja die Bedingungen schaffen, dass die Bewerber für 2020 alle Voraussetzungen erfüllen."

Talentquote soll Wartesemester ablösen

Bisher gibt es nur ein Eckpunktepapier vom Juni 2018. Darin schlägt die Kultusministerkonferenz vor, auch in Zukunft 20 Prozent der Studienplätze an die Abiturbesten zu vergeben. Dabei soll die Vergleichbarkeit der Abiturnoten aller Länder sichergestellt sein. Neu ist, dass künftig 20 Prozent der Medizinstudienplätze über eignungsorientierte Kriterien, eine Talent- oder Erfahrungsquote vergeben werden sollen. Der Rest der Studienplätze geht ins Auswahlverfahren der Hochschulen. Für die Talentquote soll ein gänzlich neuer Eingangstest entwickelt werden. Unter anderem sollen die Bewerber mit bestimmten Situationen konfrontiert werden, beispielsweise mit Patientengesprächen. Getestet werden soll vor allem, wie die potenziellen Bewerber mit schwierigen Situationen umgehen. Zusätzlich soll es andere Komponenten geben, darunter der klassische Eingangstest, der naturwissenschaftliches Wissen und Textverständnis umfasst.

Nach rbb-Informationen möchte der Freistaat Bayern 30 Prozent Abiturquote und nur zehn Prozent Erfahrungsquote durchsetzen. Da machen aber nicht alle Bundesländer mit und deshalb kommt die Reform kaum voran. Der Sprecher der Kultusministerkonferenz Torsten Heil äußert sich trotzdem zuversichtlich. "Wir sind auf einem guten Weg, einen finalen Staatsvertrag hinzubekommen.Ich gehe fest davon aus, dass wir das 2020 schaffen."

Was wird angerechnet?

Der freie Zusammenschluss von Studierenden unterstützt die Reform, da sie mehr Gerechtigkeit bringt. Wichtig ist Vorstandsmitglied Kevin Kunze, dass die bisherigen Studienanwärter auf Wartelisten nicht leer ausgehen. "Ich glaube, die Leute, die jetzt gewartet haben und noch warten, haben die Zeit ja nicht verstreichen lassen. Dass, was sie derzeit gemacht haben, muss natürlich eingerechnet werden."

Das sieht auch die Kultusministerkonferenz so. Wie in einer Übergangsphase Wartezeiten und erworbene Kompetenzen angerechnet werden soll, ist aber noch unklar.

Sendung: Inforadio, 16.10.2018, 08:40 Uhr

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