Das Pictogramm einer Ueberwachungskamera zeigt im Bahnhof Suedkreuz an, dass hier das Projekt zur automatischen Gesichtserkennung durchgefürt wird. (Quelle: imago/photothek)
Audio: Inforadio | 11.10.2018 | Peter Klinke | Bild: imago/photothek

Trefferrate der Gesichtserkennung über 80 Prozent - Innenministerium wertet Pilotprojekt am Südkreuz als Erfolg

Ein Jahr lang wurden am Berliner Bahnhof Südkreuz Gesichter von Passanten per Kamera erfasst und mit einer Freiwilligen-Datenbank abgeglichen. Nach der Auswertung des Pilotprojekts zeigen sich die Behörden von der Trefferquote angetan.

Das umstrittene Pilotprojekt zur automatischen Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz wertet das Bundesinnenministerium als Erfolg. Die durchschnittliche Trefferrate lag unter realistischen Testbedingungen bei mehr als 80 Prozent, wie das Ministerium am Donnerstag mitteilte. Dabei sei unerheblich gewesen, "ob eine oder mehrere Personen den Testbereich durchschreiten, die Personen eine Brille oder einen Schal tragen".

Für das Pilotprojekt hatten 300 Testpersonen ein Jahr lang ihre Daten speichern lassen und Computer erkannten, wann diese Menschen am Südkreuz auftauchten. Kameras erfassten dazu die Gesichter aller Passanten, die sich in den gekennzeichneten Bereichen des Bahnhofs bewegten.

Bundespolizei sieht Erleichterung ihrer Arbeit

Die jetzt abgeschlossene Auswertung der am 31. Juli beendeten Tests zeige, "dass Gesichtserkennungssysteme in Zukunft einen wesentlichen Mehrwert für die polizeiliche Arbeit, insbesondere der Bundespolizei, darstellen können", hieß es weiter. Die Technik erleichtere es, Straftäter ohne zusätzliche Polizeikontrollen zu erkennen und festzunehmen, sagte Bundespolizeipräsident Dieter Romann.

Die Bundespolizei war verantwortlich für das Pilotprojekt. Sie wollte dabei gemeinsam mit Bundeskriminalamt und Bundesinnenministerium herausfinden, wie gut drei verschiedene Softwares Gesichter erkennen. Innenminister Horst Seehofer (CSU) äußerte sich zuversichtlich mit Blick auf eine künftige Einführung des Systems. Gespräche dazu sollen laut Innenministerium nun zeitnah aufgenommen werden. 

Gegner kritisieren Verletzung der Persönlichkeitsrechte

Datenschützer kritisieren die automatisierte Gesichtserkennung scharf. Sie sagen, durch die Technik würden die Persönlichkeitsrechte von Menschen verletzt, der Überwachungsstaat weite sich aus.

In einem zweiten Versuch soll voraussichtlich ab Januar 2019 getestet werden, inwieweit Computerprogramme gefilmte Situationen und Gegenstände analysieren können. Damit will die Deutsche Bahn feststellen, wie gut die Programme seltene oder gefährliche Abweichungen von der Normalität im Bahnhof erkennen können. Dazu zählen beispielsweise hilflose Menschen und Gegenstände, die stehengelassen wurden.

Sendung: Abendschau, 11.10.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

9 Kommentare

  1. 9.

    Mich würde hier mal interessieren, wie man bei einem automatisiertem IT-Verfahren, welches eine von Fehlerquote von 20% aufweist, von einem Erfolg sprechen kann. Jeder 5. Treffer daneben?

    Was hat das für folgen? In Zukunft bekomme ich dann Besuch von der Polizei, weil ich am Bahnhof, im Zuge einer dort-aufgetretenen Straftat falsch "erkannt" wurde?

    Und wieviele der erkannten Personen waren nun eigentlich registrierte, "echte" Kriminelle? Hat das System nun im Verhältnis mehr Täter erkannt, als es zwei Schutzmänner auf Streife?

    Fragen über Fragen, ich hoffe, der RBB bohrt nach.

  2. 7.

    Szenen wie aus dem Film "Minority Report"... aber sicherlich eine hilfreiche Technologie. Es ist bereits vorprogrammiert, dass all unsere Daten und Beschaffenheiten irgendwann vollständig digitalisiert sind. Das ist der Wandel der Zeit - nicht immer für alle angenehm, aber unausweichlich.

  3. 6.

    Mehr Bereiche sollten damit ausgestattet werden. Wer nichts zu verbergen hat, freut sich wenn " Übeltäter" identifiziert werden.Datenschutz ist kein Freibrief.

  4. 5.

    Schön das es endlich mal wieder eine Meldung aus Berlin gibt, wo man von „Erfolgreich“ spricht. Was absolut nicht passt ist der Kontext dazu.
    Wenn ich am Südkreuz unterwegs war, habe ich bewusst die Bereiche der Überwachung vermieden, doch richtig geglaubt das ich nun deswegen nicht erfasst werde, hab ich es nicht. Ich finde es auch bis heute nicht wirklich schön das bei der BVG überall Kameras baumeln, mal sichtbar, mal weniger und hier wird nicht einmal von Gesichtserkennung gesprochen... Noch nicht.
    Man rückt dem Überwachungsstaat wieder ein Stück weit näher, natürlich immer mit der wehenden Fahne voran die uns sagt, es sei alles nur zu unserem Wohle. Das ist es aber nur so lange bis die Technik irgendwann mal versagt und unschuldige Personen verdächtigt oder gar in Haft genommen werden, nur zum Wohle unserer Sicherheit versteht sich.

  5. 4.

    Keiner will es haben, aber so wie hier immer laut geschrien wird, um insbesonders gegen die Bandenkrimminalität vorzugehen, müssen auch Prioritäten geschaffen werden. Zweifel werden immer bleiben. London und Umgebung scheinen damit schon seit Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht zu haben. Selbst bei der Fahrzeugerfassung(Nummernschilder) durch Kameras.

  6. 3.

    "1984"....

    wie es leibt & lebt!

    Prima! ganz große Klasse!

    Dann wird es uns allen ganz sicher gleich ganz viel bessergehen!!

  7. 2.

    Noch mehr Überwachung. Da jubeln die Konservativen.

  8. 1.

    Überraschung: Behörde ist vom Erfolg der totalen Überwachung der Untertanen "angetan".

    Die alten Stasi-Leute können einem fast leid tun: Mit was für primitiven Mitteln die sich damals rumzuschlagen hatten! (Natürlich auch nur zum Wohle und für die Sicherheit der lieben Bürgerinnen und Bürger.)

Das könnte Sie auch interessieren