Screenshot: Das Berliner Radverkehrsnetz der Zukunft. (Quelle: adfc-berlin.de/opensteermap)
Bild: adfc-berlin.de/openstreetmap

Alternatives Konzept für Mobilitätsgesetz - Verbände planen lückenloses Radwegenetz durch ganz Berlin

Während der Berliner Senat noch nach einem Ingenieurbüro sucht, haben Berliner Umwelt- und Verkehrsverbände einen Entwurf für das Radwegenetz bereits fertig: 3.000 Kilometer Radwege durch alle Bezirke sind die Idee - und zwar lückenlos.

Sie nennen es eine "detailliert ausgearbeitete Diskussionsgrundlage": Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Berlin (ADFC), der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Verkehrsclubs (VCD) Nordost und der Verein Changing Cities haben am Donnerstag in Berlin ihren Entwurf für ein Berliner Radverkehrsnetz präsentiert.

Das Konzept sieht ein Netz von 3.000 Kilometern Radwege durch alle Bezirke vor. Wie der ADFC Berlin mitteilte, hätten etwa 30 Aktive aus den Verbänden in den vergangenen zehn Monaten an dem Plan gearbeitet. Es sei aber "kein fertiges und unverrückbares Werk", sondern ein Beitrag der Zivilgesellschaft für den Planungsprozess der Senatsverkehrsverwaltung.

Nach dem im Sommer beschlossenen Mobilitätsgesetz sollen Fahrradfahrer Vorrang vor dem Autoverkehr bekommen. Das Gesetz sieht vor, dass ein Plan bis Juli 2019 stehen soll, von Senatsseite gibt es noch keinen Entwurf.

Radverkehr in vier Stufen

Das Radverkehrsnetz besteht nach dem aktuellen Entwurf der Verbände - angelehnt an das Mobilitätsgesetz - aus Radschnellverbindungen, die über größere Entfernungen verlaufen und auch eine hohe Reisegeschwindigkeit ermöglichen sollen, aus einem innerhalb des Radverkehrsnetzes definierten Vorrangnetz mit wichtigen Verkehrsverbindungen, auf denen der Radverkehr Vorrang erhält, Radverkehrsanlagen auf oder an Hauptverkehrsstraßen, in sicherem Abstand zu parkenden Kraftfahrzeugen und ausreichender Breite, sowie als Fahrradstraßen ausgewiesene Nebenstraßen.

Das Radverkehrsnetz entsteht durch Neubau, Umbau und Umwidmung. Laut Mobilitätsgesetz sollen mindestens 100 Kilometer Radschnellverbindungen mit einer Mindestlänge von möglichst fünf Kilometern errichtet werden (MobG BE §45).

Screenshot: Radschnellwege im Berliner Radverkehrsnetz der Zukunft. (Quelle: adfc-berlin.de/openstreetmap)Hier könnten nach dem Entwurf Radschnellwege verlaufen

Der zentrale Punkt des Netzes sei, "dass es durchgängig ist, dass es keine Lücken hat, weil - sonst ist es kein Netz", erklärte Heiner von Marschall, Vorsitzender des VCD Nordost. In
Berlin-Mitte soll zum Beispiel ein besonders fahrradfreundlicher Bezirk entstehen. Außerdem sollen Nebenstraßen in der ganzen Stadt durch Poller oder Umwandlung in Fahrrad- oder Einbahnstraßen dem Radverkehr geöffnet werden.

Plan muss bis 2019 stehen

Das Mobilitätsgesetz, das Anfang Juni mit den Stimmen von Rot-Rot-Grün und gegen die der Opposition durchgesetzt wurde, schreibt vor, dass bis zum Juli 2019 der Plan
für ein neues Radnetz stehen muss. Momentan ist der Verkehrssenat noch auf der Suche nach einem Ingenieurbüro, das den Plan umsetzen kann.

Die Verbände wollen diesem dann ihre Vision präsentieren, um den Prozess zu beschleunigen; bis 2030 müssen die Pläne umgesetzt sein. Die Vertreter gaben zu, dass ihre Vorstellungen ambitioniert sind. Bis zu der Frist könnten möglicherweise nur zwei oder drei Prozent davon umgesetzt werden.

Sendung: Abendschau, 11.10.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Das können wir einfach aus dem Budget nehmen, das bisher für die Autoinfrastruktur vorgesehen ist und über die gezahlten Steuern hinausgeht. Damit kann man locker das doppelte Netz realisieren ;)

  2. 12.

    Dann ist diese Baustellenführung eindeutig ein Verstoß gegen das Mobilitätsgesetz
    § 39 Planung, Verkehrsführung und Information bei Baumaßnahmen (I)
    Absatz 1: “
    Baustellen...... Müssen Abschnitte von Straßen oder anderen
    Elementen im Radverkehrsnetz vollständig gesperrt werden, so ist für ausgewiesene Umfahrungsstrecken
    zu sorgen. Beschränkungen des verfügbaren Straßenraums sollen nicht zu Lasten des Umweltverbundes
    erfolgen.” (Umweltverbund= Fußgänger, Radfahrer, und ÖPNV)
    Bitte dies an: Rad+Baustelle@senuvk.berlin.de melden
    https://www.berlin.de/senuvk/verkehr/lenkung/vlb/de/radverkehr_baustellen.shtml

  3. 11.

    Ich habe mir einmal die Karte etwas näher zum Bezirk Pankow angeschaut und frage mich, was wohl die ganzen Kleingärtner sagen werden, wenn durch ihre Anlage dann ein "Sonderweg" führt.
    Bisher sind die Gartenbesitzer immer gemütlich zum Garten geradelt, dann werden sie sicherlich als "Verkehrshindernis" gelten wenn die schnellen "E-Bike" - Fahrer auf IHREM Weg fahren wollen.
    Übrigens, einige "Straßen/Wege" des "Vorrangnetzes" führen über Feldwege.
    Aber, bin für alle Träume offen.

  4. 10.

    Ja, so kann man sich das Leben zurechtträumen. Straßn mit Pollern sperren, dass keine bösen, bösen Autos durchfahren. Und was ist mit Krankenwagen. Polizei, Umzugsautos, Behindertentransport,...?

  5. 9.

    Entscheidend ist, dass das nicht auf Kosten der Fußgänger geht. Äußerst ärgerlich ist z.B. die derzeitige Regelung in Steglitz, Feuerbachstr. Ecke Fregestr., wo die Radfahrstreifen hemmungslos über den Gehweg geführt werden. Das muss zugunsten der Fußgänger korrigiert werden.

  6. 8.

    Hoffentlich werden diese Pläne auch bald realisiert. Es wird Zeit, dass Berlin sich auf den Radweg macht, eine umweltfreundliche und humane Stadt zu werden. Der Autoverkehr muss eingeschränkt werden, nicht nur durch mehr Radwege sondern auch durch Fahrverbote, damit diese Dieselstinkerspinner nicht mehr ihren egoistischen trip auf Berlins Straßen ausleben können.

  7. 7.

    Klasse Arbeit. Hätten wir doch nur eine Verwaltung, die so auf Zack ist.

  8. 6.

    Dann sollen diese Ökospinner auch gleich das Geld dafür mitbringen, bzw. sollte das über eine längst überfällige Fahrradsteuer finanziert werden.

  9. 5.

    Dann will ich aber auch kein Fahrrad mehr auf Strassen, Bürgersteig oder ÖPVN sehen.
    Ebenso sehe ich die Gefahr das an Stellen wo Fahrradwege auf was anderes stossen werden die Unfallzahlen in die Höhe steigen.
    Der Senat kann und sollte das sofort für sich umsetzen, damit Sie, wenn nach Verstand da ist, sehen was Sie für Schwachsinn produzieren. Zumal RotRotGrün hoffentlich nach der nächsten Wahl nicht mehr zu sagen hat. Was passiert dann ???

  10. 4.

    Wünscht euch alle was! Radwege, Gehewege, Tramtrasen, E-Auto-Spur, Trennstreifen mit Pollern... es ist genug Verkehrsfläche für alle da. Not.

  11. 3.

    Guter Plan! Im Vergleich zu Maßnahmen für Autos wäre das zudem geradezu lächerlich bilig. Und es würde viel nützen!

  12. 2.

    Möge es gelingen!

  13. 1.

    Pläne, Pläne, Pläne...

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