Der im deutschen Exil lebende türkische Journalist Can Dündar (Quelle: imago/Günther Ortmann)
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Audio: Inforadio | 10.10.2018 | Bild: imago/Günther Ortmann

Erdogan-Kritiker - Polizei verschärft Schutz von türkischem Journalisten Dündar

Seit Erdogans Staatsbesuch in Deutschland steht der türkische Journalist Can Dündar unter verschärftem Polizeischutz. Der regierungskritische Journalist sagte am Mittwoch im rbb-Inforadio, er fühle sich einer zunehmenden Bedrohung ausgesetzt.

"Wenn ich in der Öffentlichkeit auftreten soll, dann trifft die deutsche Polizei die nötigen Maßnahmen. Sie tun alles, damit ich mich sicher fühle", so Dündar. Die Bedrohung habe nach dem Eklat um die Pressekonferenz von Kanzlerin Merkel und den türkischen Staatspräsidenten zugenommen.

Seine Verfolgung durch die türkische Regierung bezeichnete der Journalist als Hexenjagd. Erdogan wolle sich für Berichte über Korruption und den türkischen Geheimdienst bei ihm rächen. Er hatte bereits vor Erdogans Staatsbesuch Sonderbewachung durch die Polizei erhalten.

Autos mit Emblem der türkischen Anti-Terror-Einheit in Berlin unterwegs

Auch für andere Erdogan-Kritiker wird es ungemütlich in Deutschland. Nach Informationen der B.Z. sollen in Berlin mehrere Fahrzeuge mit dem Emblem der türkischen Anti-Terror-Einheit "Özel Harekat" herumfahren. "Der Gedanke, dass solche Fahrzeuge des Erdogan-Regimes jetzt auch auf den hiesigen Straßen unterwegs sind und von verfolgten Kritikern beobachtet werden, lässt mir keine Ruhe", sagte Hakan Tas, Innenpolitiker der Linken im Abgeordnetenhaus, der Zeitung. Er erstattete Anzeige.

Strafrechtliche Verstöße lägen laut Polizei und Staatsanwaltschaft allerdings erst vor, wenn Blaulicht eingesetzt werde oder die Insassen sich als Polizeibeamte ausgeben würden.

Am Mittwoch soll in Istanbul ein weiterer Prozess gegen Dündar beginnen. Der Journalist war bereits zuvor in Abwesenheit zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Das Urteil wurde später wieder aufgehoben.

Sendung: Inforadio, 10.10.2018, 06:28 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Schlimm finde ich , daß Erdogan Regimekritiker auch noch durch Interpol festnehmen läßt, wenn sie z.B. ins europäische Ausland in Urlaub reisen wie erst in diesem Jahr zweimal geschehen. Zum Glück wurden diese beiden nicht ausgeliefert.
    Erdogan u. die Türkei ignorieren, nicht mehr dorthin in Urlaub fahren, kein türk. Produkt mehr kaufen u. in kein türk. Restaurant, Imbißbude o. Laden in D gehen, außer man weiß genau, daß dies totale Erdogan - Gegner sind, aber immerhin haben ca. 68 % der in D lebenden Türken Erdogan gewählt. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
    Ich wünsche, daß Cum Dündar sicher in D leben kann u. daß auch irgendwann seine Ehefrau kommen darf! Daran sieht man doch schon, was man von der Türkei und Erdogan zu halten hat!
    Und wenn die in D lebenden Erdogan-Anhänger ihm wirtschaftlich helfen wollen, können sie ja türk. LIRA-Staatsanleihen kaufen. Sinnvoller als der Vorschlag v. NAHLES, die Türkei finanziell mit dt. Steuergeld zu unterstützen.

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