er Zug der Demonstration gegen Rassismus und Rechtsruck mit dem Motto «Unteilbar» geht über die Leipziger Straße. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
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Video: rbb|24 | 13.10.2018 | Bild: dpa/Christoph Soeder

Für Solidarität und gegen Rassismus - #Unteilbar-Veranstalter sprechen von 240.000 Teilnehmern

"Solidarität statt Ausgrenzung": Der Aufruf zur #Unteilbar-Demo hat nach Veranstalterangaben mehr als 240.000 Menschen in Berlin mobilisiert. Der Demo-Zug erstreckte sich zeitweise vom Alex bis zum Großen Stern - mit Menschen auf jedem Meter.

Eine Demonstration diesen Ausmaßes hat auch Berlin schon lange nicht mehr erlebt: Am Samstag haben sich deutlich mehr Menschen als erwartet an der Demonstration und Großkundgebung unter dem Titel #unteilbar beteiligt.

Die Veranstalter sprachen am späten Nachmittag dann von mehr als 240.000 Menschen - ursprünglich angemeldet waren 40.000. Die Polizei wollte sich noch nicht endgültig festlegen, sie schrieb auf Twitter von einem "unteren sechsstelligen Bereich".

Als die Demonstrationsspitze auf ihrem Weg bereits das Brandenburger Tor erreicht hatte, standen die letzten Teilnehmer noch auf dem Alexanderplatz - und dazwischen: Menschen, Menschen, Menschen.

Die Demonstranten wollten ein Zeichen gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft setzen und für die Einhaltung der Menschenrechte in Deutschland auf die Straße gehen.

Mehr als Hunderttausend gehen gegen Rassismus auf die Straße

"Wir sind wahnsinnig zufrieden mit der Resonanz", sagte Felix Müller von der Inititive "Unteilbar" der Deutschen Presse-Agentur. Dies bestätige, dass viele Menschen ein Zeichen gegen rechts und für Solidarität hätten setzen wollen.

Rund 900 Polizisten waren im Einsatz, um den Demonstrationszug auf einer Strecke von knapp sechs Kilometern abzusichern. Bis zum Abend verlief die Demonstration friedlich, es wurden keine größeren Störungen gemeldet. Die Polizei sprach "eher von einem Happening-Charakter".

Teilnehmer der #Unteilbar-Demonstration versammeln sich am Nachmittag des 13.10.18 zur Abschlusskundgebung an der Siegessäule im Berliner Tiergarten (Quelle: rbb / Klüber).
| Bild: rbb / Klüber

"Wir respektieren einander, wir brauchen einander, wir gehören zusammen"

Bei der Abschlusskundgebung an der Siegessäule sagte die Geschäftsführerin der Aktion Sühnezeichen, Jutta Weduwen, sie blicke mit großer Sorge auf die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland. Rechtspopulismus wirke bis in die Mitte der Gesellschaft hinein. Die jüngsten politischen Debatten über die Abweisung von Geflüchteten an den Grenzen seien "von Entsolidarisierung, von Gefühlskälte und rassistischer Hetze" geprägt gewesen. Sozialstaat, Flucht und Migration dürften aber nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Die Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein betonte, dass Hass dem gesellschaftlichen Zusammenleben schade. Hass, Rassismus und Antisemitismus sollten offensichtlich wieder salonfähig gemacht werden. Trautwein betonte, die Menschen in Europa seien "unteilbar": "Wir respektieren einander, wir brauchen einander, wir gehören zusammen."

Der Deutschland-Chef von Amnesty International, Markus Beeko, verwies auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die vor fast 70 Jahren verabschiedet wurde. Diese garantiere jedem Menschen auf dieser Erde universelle und unteilbare Rechte: "Das Recht, zu denken und zu sagen, was man möchte; zu glauben, an wen man möchte; geschützt zu sein, vor Folter oder Verfolgung; zu heiraten, wen man liebt - was für eine große Idee!"

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) twitterte: "Eine Vielfalt der Herkünfte, Hautfarben, Religionen und Lebensstile ist für uns eine Bereicherung, keine Bedrohung."

Unterstützung von Böhmermann, den Ärzten und Amnesty International

Noch bis in den Abend lief an der Siegessäule im Tiergarten auch ein Bühnenprogramm. Dort wollten unter anderen Herbert Grönemeyer, Konstantin Wecker, Dirk von Lowtzow von der Band Tocotronic, Romano sowie Sängerin Joy Denalane und weitere Künstler auftreten.

Der Berliner Demo-Aufruf unter dem Motto "#unteilbar - Solidarität statt Ausgrenzung" wurde von mehr als 4.500 Organisationen und Einzelpersonen unterzeichnet, unter anderem von dem Schauspieler Benno Fürmann, dem Satiriker Jan Böhmermann, der Schriftstellerin Eva Menasse, der Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, Amnesty International, Pro Asyl und Bands wie "Die Ärzte" und "Die Sterne".

Video: Brandenburg aktuell | 13.10.2018 | Theresa Majerowitsch

"Es ist ein Angriff, der uns allen gilt"

In dem Aufruf zur Demo hieß es, es finde derzeit eine dramatische politische Verschiebung statt: "Rassismus und Menschenverachtung werden gesellschaftsfähig." Humanität und Menschenrechte, Religionsfreiheit und Rechtsstaat würden offen angegriffen. "Es ist ein Angriff, der uns allen gilt", schrieben die Unterzeichner. 

Nach München und Hamburg war die Kundgebung in Berlin die dritte Großdemonstration unter dem Titel "Herbst der Solidarität". Am 3. Oktober waren in der bayerischen Landeshauptstadt unter dem Motto "Jetzt gilt's" laut Veranstaltern 40.000 Menschen unterwegs. In Hamburg gingen am 29. September rund 30.000 Menschen auf die Straße.

Berliner CDU unterstützt "#Unteilbar"-Demo nicht

Die Berliner CDU unterstützte die Großkundgebung am Samstag nicht. Das unterstrich ihr Generalsekretär Stefan Evers zum Auftakt des Landesparteitags in Friedrichshain. Anmelder der Demo sei ein Anwalt der "Roten Hilfe", also einer Organisation, die "linksextremistische Verbrecher" unterstütze, begründete Evers diese Entscheidung. Zudem werde die Aktion mitgetragen "von vielen anderen dubiosen Organisationen". "Wenn heute demokratische Politiker oder gar Minister Seite an Seite mit linksextremistischen Organisationen durch die Stadt ziehen, dann ist das entweder naiv oder politisch unverantwortlich", sagte Evers.

Kritik kam auch von liberalen Muslimen, unter anderem von der Imamin Seyran Ates, Gründerin der Ibn-Rush-Goethe-Moschee in Berlin-Moabit. Sie finde es "sehr irritierend", dass die Organisatoren von "#Unteilbar" die Verflechtungen des Zentralrats der Muslime mit islamistischen und rechtsextremen Gruppen nicht störe, sagte Ates. "Es ist eine sehr naive Idee von Toleranz, wenn man mit Leuten auf die Straße geht, die keine Toleranz wollen."

Sendehinweis - Samstag | 19.30 Uhr | rbb Fernsehen

rbb-Abendschau-Sondersendung: "Wie tolerant sind wir?"

Besondere Abendschau-Ausgabe am Samstag: Die Sendung beschäftigt sich mit Fragen wie: Was für eine Gesellschaft wollen wir? Wie tolerant sind wir? Die Reporter schauen dorthin, wo sich Berliner manchmal fremd fühlen in der eigenen Stadt. Wie fühlen sich die, die täglich mit offensichtlichem oder subtilem Rassismus konfrontiert sind?

Kommentarfunktion am 15.10.2018, 10:48 Uhr geschlossen

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177 Kommentare

  1. 177.

    Wenn MAZYEK (Vorsitzender des Zentralrates der Muslime) Redeerlaubnis bekommt, ist für mich diese Demonstration, gleich welcher Art und welchen Inhaltes total inakzeptabel. Nicht umsonst haben die liberalen Muslime wie Seran Ates (sie benötigt sogar Polizeischutz) etc. die Teilnahme abgelehnt.

  2. 176.

    Nanana, das mit dem Nickname gehört sich nicht, also lassen Sie den Unsinn.

  3. 175.

    @rbb-24 Zu den "nachgemachten" nicks und meinen vorherigen Beitrag. So OT ist das gar nicht, sondern mitten beim Thema #unteilbar. Das soll nämlich der Versuch aus der rechten Ecke bewirken. Teilen. Trennen.

  4. 174.

    OT

    Sie müssen uns mal den tieferen Sinn erklären warum sie Nicknames "nachmachen"? Schein ein neuer Trend zu sein...

    Ärgern die, die sie nachmachen so sehr oder hat das einen anderen Grund?

    In der freien Wirtschaft könnte man so jemanden verklagen, nicht dass ich das vorhätte (wäre sowieso witzlos) aber ich wüßte zu gerne den Grund aus ihrer Feder. Frust? Schabernack?

    Ich wüßte einen Grund...

    BTT

    Auch sie verwechseln Meinung mit Gesinnung. Und meine Meinung lese ich nirgendwo ab, wozu auch? Dann wäre es ja nicht meine.

  5. 173.

    Na, auf jeden Fall hat er eine eigene Meinung und liest sie so wie Sie und ihresgleichen irgendwo ab.

  6. 172.
    Antwort auf [Schmittchen Schleicher] vom 14.10.2018 um 20:52

    Nee. Hat auch keiner behauptet. Das „Nazi“-Wort scheint Ihnen aber ja offenbar so wichtig gewesen zu sein, dass Sie‘s unbedingt hier lassen mussten. Danke auch für die hochinteressanten Informationen zu Ihrer Freizeitgestaltung irgendwo ganz anders!

  7. 170.

    Immer diese Übertreibungen von Ihnen.

  8. 169.

    Und ich glaube sie sollten Lesen lernen! "...Bayern. DAS Land der cSU, die Mutter aller rechtspopulistischen Parteien."

  9. 168.

    "Uns beide eint doch, dass wir zuversichtlich aus diesem Wochenende gehen. Ist doch erfreulich!"

    sehe ich auch so.einen angenehmen abend noch.wobei ich nicht umhin komme ein leicht ironischen unterton herauszuhören.^^;)und meine vorstellungskraft reicht für so einiges,auch wenn sie es nicht für möglich halten...

  10. 167.

    Wie?
    Bayern "die Mutter aller rechtspopulistischen Parteien"?
    Früher War das doch immer Sachsen oder Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen.
    Ich glaube, Sie hängen Ihr Fähnchen nur in den Wind.  

  11. 166.

    Ja und? 11% von 9,5 Millionen Wahlberechtigten in Bayern. DAS Land der cSU, die Mutter aller rechtspopulistischen Parteien.

    Was hat das mit der gestrigen Demo zu tun? Mal abgesehn davon wer womit seinem Land einen größeren Dienst erwiesen hat.

    Wenn 11% Bayern eine im Kern rechtsextreme Partei wählen zeigt es sich wie wichtig die Demonstration war. Und lassen sie mich raten, es wird nicht die letzte gewesen sein.

  12. 165.

    Das ist wirklich die köstlichste Abendunterhaltung - steht’s jetzt 1:0 für die AfD, ja? :D Haben Sie messerscharf nachgerechnet, treffender Vergleich! Wählerzahlen in Bayern und Teilnehmer einer Demonstration in Berlin. Da scheint Ihnen ja jemand wirklich Ihr Förmchen im Sandkasten weggenommen zu haben. Aber holen Sie sich mal schön Ihr Land zurück, viel Erfolg! :)

  13. 164.

    Gemach, Gemach - hier schmollt schon niemand. Sehen Sie, dass Ihre Vorstellungskraft nicht dafür ausreicht, dass „vielfältiges Spektrum“ sich nicht auf „Extremisten“ reduzieren lässt, zaubert mir eher ein Schmunzeln ins Gesicht. Wie gesagt: Nichts womit nicht zu rechnen gewesen wäre und schon gar nichts, was einem im demokratischen Diskurs Angst machen müsste. Uns beide eint doch, dass wir zuversichtlich aus diesem Wochenende gehen. Ist doch erfreulich!

  14. 162.

    Netter Versuch die Tatsachen umzudrehen! Sie haben doch mich beleidigt, nicht umgekehrt. Argumente haben sie auch keine. Nur frei erfundene Behauptungen.

    "Erwarten tue ich, dass Sie von Gesinnungs- auf Verantwortungs-ethik umschalten." ist eine Diffamierung/Beleidigung, zumindest eine Unterstellung.

    "Bis zu zwei Drittel der Afrikaner tragen sich mit dem Gedanken auszuwandern (Welt.de)." ist eine frei erfunde Behauptung.

    Wo sind ihre Zahlen? Wo sind ihre Belege für ihre Aussagen? Nichts außer heißer Luft...

  15. 161.

    an IchMeinJaNur und Bernhard...
    na nu nicht schmollen.^^
    > Glauben Sie, das würde irgendwen einschüchtern?
    sollte es?warum?wir leben doch in einer demokratie.sie nicht?
    > das seien alles linksgrünversifftespdmerkel-Jünger
    tolles wortkonstrukt.darauf wäre ich nicht gekommen.hut ab.^^
    > Es waren Menschen aus einem viel vielfältigeren Spektrum
    dazu habe ich mich schon ausgelassen;)
    >einer schwachen SPD dürften viele von ihnen kaum hinterhertrauern.
    wer oder was ist die SPD?
    ________________________________________________________________

    >Was haben die 11% bei bayrischen Landtagswahlen mit den 240.000 Menschen gestern zu tun?
    weil sie immer noch glauben das politik auf der strasse gemacht wird und nicht an der wahlurne.
    >Mal abgesehen dass man ihre unverhohlene Freude für diese rechtsextreme "Partei" herausliest?
    soll ich jetzt in tränen ausbrechen?

  16. 159.

    Was haben die 11% bei bayrischen Landtagswahlen mit den 240.000 Menschen gestern zu tun?

    Mal abgesehen dass man ihre unverhohlene Freude für diese rechtsextreme "Partei" herausliest?

    Und danke für nichts, ich habe den ARD Liveticker der Tagesschau an.

    https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-wahl-bayern-101.html#Prognose-1800-Uhr

  17. 158.

    Ja und? Glauben Sie, das würde irgendwen einschüchtern? Ihr Denkfehler ist eben, dass Sie nur in der schlichten Kategorie denken, diese Viertelmillion, das seien alles linksgrünversifftespdmerkel-Jünger gewesen. Das Blöde ist nur: Es waren Menschen aus einem viel vielfältigeren Spektrum - einer schwachen SPD dürften viele von ihnen kaum hinterhertrauern.

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