Archivbild: Der umstrittene Direktor der Stasigefängnis-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Hubertus Knabe. (Quelle: dpa/Gambarini)
Audio: Inforadio | 09.10.2018 | Vera Weidenbach | Bild: dpa/Gambarini

Entlassener Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte - Knabe weist Mobbing-Vorwürfe zurück

Hubertus Knabe hat sich nach seiner Entlassung als Leiter der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte selbst zu Wort gemeldet. Vorwürfe, in der Einrichtung habe ein "Klima der Angst" geherrscht, wies er zurück.

Der entlassene Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat sich in der Debatte um Sexismus-Vorwürfe erstmals öffentlich zu Wort gemeldet. Auf Twitter schrieb er am Dienstag, die Berichterstattung über die Gedenkstätte beschädige das Anliegen der Aufarbeitung der SED-Diktatur. 

"Habe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer respektvoll behandelt"

Falsch sei insbesondere die Behauptung, dass in Hohenschönhausen ein Klima der Angst und des Mobbings geherrscht hätte, schrieb Knabe weiter. "Gerade an diesem Ort wäre dies kaum 17 Jahre lang verborgen geblieben. Ich selbst habe meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer fair und respektvoll behandelt."

Knabe kündigte zudem an, nicht in einen öffentlichen Schlagabtausch zu den Vorwürfen treten zu wollen. "Ich möchte nicht daran mitwirken, sensible Personalvorgänge in die Öffentlichkeit zu tragen. Da ich mich immer mit Leidenschaft für den Rechtsstaat eingesetzt habe, vertraue ich auch jetzt darauf, dass er der richtige Adressat ist, um die Geschehnisse politisch und juristisch aufzuarbeiten."

Widerstand gegen Knabes Entlassung

Nach den Vorwürfen sexueller Belästigung gegen den stellvertretenden Leiter der Gedenkstätte, Helmuth Frauendorfer, hatte der fünfköpfige Stiftungsrat am 25. September einstimmig beschlossen, auch Knabe zu entlassen.

Knabe wird vorgeworfen, nicht konsequent genug auf die Vorwürfe gegen seinen Vize reagiert zu haben. Mitarbeiterinnen hatten außerdem von einem Klima des "strukturellen Sexismus" gesprochen. 

Gegen Knabes Entlassung hatte es auch Widerstand gegeben. Vier weibliche Mitglieder des Beirats der Gedenkstätte forderten in einem offenen Brief die Rückkehr des entlassenen Leiters. Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus warf Kultursenator Klaus Lederer (Linke) vor, gegen einen unliebsamen Kritiker vorgegangen zu sein. Auch der Verein für die Gedenkstätte des ehemaligen KGB-Gefängnisses in Potsdam hatte gegen die Entlassung protestiert.

Lederer und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die beide im Stiftungsrat der Gedenkstätte setzen, wiesen die Vorwürfe zurück. "Alle Mutmaßungen, hinter der Kündigung des Direktors stünden parteipolitische oder ideologische Erwägungen, entbehren jeder Grundlage", heißt es in einem Informationspapier von Grütters an die Bundestagsabgeordneten.

Sendung: Inforadio, 09.10.2018, 11:40 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    Hr. Knabe hat guten Grund so zaghaft zu sein...

    https://www.tagesspiegel.de/politik/stasiopfer-gedenkstaette-hohenschoenhausen-wie-es-zur-entlassung-von-hubertus-knabe-kam/23158200.html

    Dumm nur wenn ihre wiederholt vorgebrachten Vorwürfe völlig haltlos sind.

  2. 14.

    Ich finde, Knabe geht viel zu zaghaft publizistisch gegen seinen ungerechtfertigten Raussschmiss vor. Sein Vertrauen in den Rechtsstaat in allen Ehren.
    Soweit ersichtlich gibt es keinerlei belastbare und gerichtsverwertbare Fakten, die den Rauswurf begründen könnten.
    Was es gibt sind von der Gegenpartei Lederer/Grütters vorgebrachte rechtlich substanzlose Parteienvorträge dritter Seite.

    Durch die zeitliche Steuerung wurde darüber hinaus Knabe unfair die Möglichkeit genommen, seine Entgegnung zeitnah zu veröffentlichen.
    Das angebliche anonyme Belastungsschreiben, welches Lederer/Grütters monatelang nach Erhalt in ihren Schreibtischen verschlossen haben, ist dem Beschuldigten zwecks Stellungnahme vorenthalten worden, der Vorgang entbehrt jeder Minimalvorstellung von Fairness und rechtlichem Gehör.

    Nach meiner Meinung hätte Knabe gute Chancen, das durchsichtige Treiben von Lederer/Grütters zu konterkarieren.

  3. 11.

    In jeden Fall zeigt Herr Knabe mehr Größe, als Sie und ihresgleichen je zeigen können bez. werden.
    Wenn Sie die Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stasi-Vergangenheit einiger LINKEN, als "alternative Fakten" aus der "rechten Propagandermaschine" abtun, dann sollten Sie Ihr Demokratieverständnis überprüfen.
    Es ist ja geradezu beschämend, wie Sie das Ansehen von integeren Personen beschädigen, nur weil sie Ihnen und ihresgleichen den Spiegel vorhalten.

  4. 10.

    "Das zeigt Größe, die einige vergessen lassen."

    Stimmt, vor allem sie und ihresgleichen. Das manifestiert sich dann in solchen Sätzen:

    "Das "Klima der Angst" verbreitet sich doch eher in den Reihen der Tschekisten, die die Fäden, an denen die LINKEN hängt, in der Händen halten, vor deren Entdeckung. Von denen will doch keiner, dass die SED-Diktatur aufgearbeitet wird."

    Maßlose Übertreibungen, "alternative Fakten"... also nicht neues aus der rechten Propagandamaschine.

  5. 8.

    Natürlich ist/war Herr Knabe den Altkadern der SED und dem MfS ein Dorn im Auge. Nicht auch zuletzt durch die Aufdeckung der Stasi-Verstrickung und die IM-Tätigkeit von Frau A.Kahane und dem Linken Dehm.
    Beide haben sich toll in der BRD etabliert und spielen sich zu einer moralischen Instanz auf.
    Das ist Knabe zu verdanken, dass man die wahren Gesichter erkannte.

  6. 7.

    @ Martin Müller
    >Es geht hier eher um eine mensch ... ung überzugehen!<

    .
    Sie meinen wohl:
    Den Umgang mit mutmaßlich unangemessenen Vorkommnissen. ....
    .... inakzeptabel wäre auch gegenüber den mutmaßlichen Betroffenen ....

    Oder doch immer schön präjudizieren?

  7. 6.

    Selbstkrititische Worte findet Herr Knabe nicht, er wagt sogar, für seine "Belegschaft" zu sprechen, es hätte kein "Klima der Angst" geherrscht, die von seinem dicken Kumpel und Ex-Vize angegrabenen Frauen sind kein Thema. Das ist eben gerade Knabes Problem: sein stetes Beharren darauf, Recht zu haben und zu behalten. Vielleicht packen jetzt doch mal Mitarbeiter der Gedenkstätte aus, um mehr Licht ins neblige Halbdunkel zu bringen?

  8. 5.

    Das Argument haut Ihnen in unserem Rechtsstaat jeder Arbeitsrichter um die Ohren, wenn Sie es nicht mit nachweisbaren Fakten unterlegen können, ab wann Herr Knabe was gewusst haben muss und was er dagegen unterlassen hat. Wir können hier alle weiter gegeneinander diskutieren und uns verbal die Köpfe einhauen. Fakt ist, dass der Öffentlichkeit bisher keine entsprechenden Indizien oder Tatsachen bekannt gegeben wurden, um zum selben Ergebnis zu kommen, wie die Kommission. Bekannt ist dagegen, dass gegen elementare Grundprinzipien verstoßen wurde, dass Herrn Knabe nicht die Gelegenheit eingeräumt wurde, sich VOR der Entscheidung zu den Vorwürfen zu äußern.

  9. 4.

    Natürlich ist/war Herr Knabe den Altkadern der SED und dem MfS ein Dorn im Auge. Nicht auch zuletzt durch die Aufdeckung der Stasi-Verstrickung und die IM-Tätigkeit von Frau A.Kahane und dem Linken Dehm.
    Beide haben sich toll in der BRD etabliert und spielen sich zu einer moralischen Instanz auf.
    Das ist Knabe zu verdanken, dass man die wahren Gesichter erkannte.

  10. 3.

    Es geht hier eher um eine menschliche Einstellung, gegenüber Frauen, den Umgang mit unangemessenen Vorkommnissen, und auch dass führen von Personen als Vorgesetzter. Wenn hier andere Einstellungen an den Tag gelegt werden kann eine Fortsetzung nicht als zukunftsweisend genannt werden. Inakzeptabel wäre auch gegenüber den Betroffenen zur Tagesordnung überzugehen!

  11. 2.

    Das Klima der Angst kommt ganz woanders her. Nachdem nun länger schon die alten Tschekisten Morgenluft wittern, haben sie natürlich vor Menschen wie Herrn Knabe Angst.

  12. 1.

    Natürlich wehrt sich Herr Knabe zurecht.
    Das "Klima der Angst" verbreitet sich doch eher in den Reihen der Tschekisten, die die Fäden, an denen die LINKEN hängt, in der Händen halten, vor deren Entdeckung. Von denen will doch keiner, dass die SED-Diktatur aufgearbeitet wird.
    Respekt zollen ich auch Herrn Knabe, dass es sich nicht an der öffentlich Debatte beteiligen will und er trotzallem auf den Rechtsstaat vertraut. Das zeigt Größe, die einige vergessen lassen.

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