Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin (Quelle: imago/Boness)
Bild: imago stock&people/Boness

Nach Protestbrief - Streit um Gedenkstätten-Chef Knabe: Drei Beiräte werfen hin

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen kommt nach der Entlassung ihres Direktors Knabe nicht zur Ruhe. Drei prominente Frauen aus dem wissenschaftlichen Beirat haben ihre Ämter niedergelegt - eine Sitzung, in der sie eine Aussprache mit Knabe wollten, wurde abgesagt.

In der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen haben drei prominente Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats "unter Protest" ihre Ämter niedergelegt. Es handelt sich um die ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerinnen Heidi Bohley, Freya Klier sowie die Politikprofessorin Barbara Zehnpfennig. Die drei gehörten zu den Unterzeichnern eines offenen Briefs an Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), in dem gefordert wurde, die Entlassung von Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe rückgängig zu machen.  

Für Donnerstag geplante Sitzung abgesagt

In einem weiteren Brief an den Stiftungsrat, dessen Vorsitzender Lederer ist, monieren Bohley, Klier und Zehnpfennig, der Beiratsvorsitzende Dieter Dombrowski habe eine für Donnerstag geplante Sitzung des wissenschaftlichen Beirats eigenmächtig abgesagt, nachdem sie eine Aussprache mit Knabe angemeldet hätten. Die Frauen schreiben, sie hätten das Vertrauen in Dombrowski verloren. Es sei unklar, wessen Interessen er vertrete.

Streit schwelt seit Wochen

Um die Entlassung von Knabe ist in den vergangenen Wochen eine heftige Auseinandersetzung entbrannt. Zunächst hatte er seinen Stellvertreter Helmuth Frauendorfer nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung entlassen, kurz darauf verlor Knabe selbst seinen Job. Zur Begründung hieß es, er könne den Kulturwandel in der Gedenkstätte nicht glaubhaft vertreten.

Die Unterzeichnerinnen des Briefs an Lederer vermuten dagegen, Knabe sei für seine "politische Unangepasstheit" bestraft worden. Der Historiker Knabe hatte stets die Linke scharf wegen ihres Umgangs mit der DDR-Vergangenheit kritisiert. Die Vorwürfe gegen ihn wies er zurück.

Sendung: Brandenburg aktuell, 10.10.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Mich wundert es schon, dass Sie das vergessen haben, hatten Sie sich doch äußerst eregt bei diesem Thema gezeigt.
    Oder liegt es vielleicht daran, dass Sie hier noch nicht auf die "Echokammer" hingewiesen haben, in der sich doch die Anderen befinden?
    Denn außer Ihre roten Textbausteinkiste, aus der Sie die immer gleichen Phrasen dreschen, kommt doch nichts von Ihnen.

  2. 8.

    Auch hier? Unliebsame Meinungen werden rausgeworfen?

  3. 7.

    Das sind drei hochverdiente Frauen. Man lese nur die höchst anspruchsvollen Beiträge von Barbara Zehnpfennig in der FAZ, vergleiche sie mit dem Niveau der Äußerungen unseres "Kultursenators" und schnell wird die Richtung klar, aus welcher der Fisch stinkt....

  4. 6.

    Hubertus Knabe ein "politisch unangepasster", das ist doch wohl ein Witz.

  5. 4.

    "...und der geneigte Bürger ist in der Causa Knabe einfach nur noch entsetzt, wie eine untadelige und für seinen Posten ausgesprochene fähige Person fertig gemacht wird."

    Der "geneigte Bürger" ist vielmehr entsetzt welchen haarsträubenden Unsinn sie hier schreiben dürfen. Wenn die Damen freiwillig gehen umso besser. Die Damen haben aus der längst überfälligen Entlassung Knabes ein Politikum zum Schaden der Stiftung angezettelt.

    Es ist ja kein Geheimnis dass sich einige ehemalige Bürgerrechtler den Rechtspopulisten und sogar Rechtsextremen zugewandt haben. Es ist auch kein Geheimnis dass im Umfeld und direkt in der Stiftung zu einer Art Unterwanderung durch Rechtspopulisten gekommen ist, siehe Faust und Kürschner.

    Wo waren da die Damen? Wo waren die Damen als sich eine Volontärin an die Frauenbeauftragten der Senatsverwaltung gewandt hat?

    https://www.tagesspiegel.de/politik/stasiopfer-gedenkstaette-hohenschoenhausen-wie-es-zur-entlassung-von-hubertus-knabe-kam/23158200.html

  6. 3.

    Nun kann man auf die viel gepriesene Demokratie hoffen.
    Letztlich eine schaffende Ohrfeige für den SEDPDSLINKEN-Klüngel und deren Seilschaften.
    Wenn Herr Lederer Charakter hat, stellt es seine Stellung im Senat zur Disposition.

  7. 2.

    Der RBB Beitrag zeigt, wie Dombrowski in der Causea Knabe im Hintergrund die Fäden zieht. Drei prominente Frauen des wissenschaftlichen Beirats werden von Dombrowski passiv geschaltet und die für Donnerstag geplante Sitzung des wissenschaftlichen Beirats fällt durch Dombrowski's eigenmächtige Absage aus, bei der über den Rauschmiss von Knabe überhaupt erstmal debattiert werden sollte.

    Knabe selbst wurde bekanntlich durch sorgältige Terminhuberei von Grütters und Lederer daran gehindert, zu den anonymen Beschuldigungen Stellung zu nehmen.

    Dombrowski, der einst den Plenarsaal stürmtr und in Häftlingskleidung gegen die Linke in Regierungsverantwortung protestierte. gilt nun laut RBB als Wegbereiter einer CDU-Linke Koalition und der geneigte Bürger ist in der Causa Knabe einfach nur noch entsetzt, wie eine untadelige und für seinen Posten ausgesprochene fähige Person fertig gemacht wird.

  8. 1.

    Es war sicher ein Fehler diese "Aussprache" abzusagen - Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker*innen. Das die arrivierten Damen so gar kein Interesse am Schicksal der jungen Volontärinnen bekunden lässt tief blicken. In der DDR war ja Frauenemanzipation ein "Geschenk" des paternalistischen Staates, diese Urerfahrung sitzt offenbar sehr tief; kritisches Bewusstsein diesbezüglich? Fehlanzeige.

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