Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin (Quelle: imago/Jürgen Ritter)
Audio: radioBerlin 88,8 | 01.10.2018 | Peter Klinke | Bild: imago/Jürgen Ritter

Offener Brief von vier Frauen - Beiräte fordern Rückkehr von Gedenkstätten-Direktor Knabe

Vier Mitglieder des Beirats der Gedenkstätte Hohenschönhausen fordern die Rückkehr des entlassenen Direktors Hubertus Knabe. Vier weibliche Beiräte unterzeichneten einen entsprechenden offenen Brief, darunter Heidi Bohley und Freya Klier.

Mitglieder des Beirats der Gedenkstätte Hohenschönhausen haben gefordert, die Entlassung von Direktor Hubertus Knabe rückgängig zu machen. In einem offenen Brief an den Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) äußerten sie zudem den Verdacht, es handele sich dabei um eine Strafaktion für Knabes "politische Unangepasstheit".

Die Unterzeichnerinnen sind die frühere DDR-Oppositionelle Heidi Bohley, die Schriftstellerin und DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier, die in der DDR politisch inhaftierte Edda Schönherz sowie die Politikwissenschaftlerin und Professorin Barbara Zehnpfennig. Knabe hatte stets die Linke scharf wegen ihres Umgangs mit der DDR-Vergangenheit kritisiert.

Die Unterzeichnerinnen des Briefs kritisieren, bei der Sondersitzung des Stiftungsrates in der vergangenen Woche sei Knabe nicht angehört worden; das lege den Verdacht der Vorverurteilung nahe. Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung richteten sich nicht gegen Hubertus Knabe, sondern gegen seinen Stellvertreter Helmuth Frauendorfer. Die Unterzeichnerinnen des Briefs kritisieren auch, dass die Mitglieder des Stiftungsrats vor der Entscheidung keine Rücksprache mit dem Beirat gehalten hätten.

Knabe entlässt Vize - und muss selber gehen

Mehrere frühere Mitarbeiterinnen, Volontärinnen und Praktikantinnen hatten im September "der Führungsetage" in einem Brief an Lederer und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sexistisches Verhalten vorgeworfen. Vor allem der Vize-Direktor Helmuth Frauendorfer stand im Fokus der Anschuldigungen.

Nachdem die Belästigungsvorwürfe öffentlich geworden waren, beurlaubte Knabe den stellvertretenden Direktor am 24. September mit sofortiger Wirkung. Einen Tag später beriet der Stiftungsrat der Gedenkstätte über die Vorgänge - mit Lederer als Vorsitzendem des Stiftungsrates. Knabe wurde vorläufig von der Arbeit freigestellt; er solle ordentlich gekündigt werden, hieß es von der Senatskulturverwaltung. Der Stiftungsrat hatte geäußert, nicht darauf zu vertrauen, dass Knabe den Kulturwandel in der Gedenkstätte glaubhaft vertreten könne. Nun soll laut Lederer die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, übergangsweise beim Neuanfang helfen.

Vier von 14 Beiratsmitgliedern unterzeichneten

Dem Beirat gehören nach Angaben der Gedenkstätte "Vertreter von Gedenkstätten, Einrichtungen, Gruppen und Initiativen, Wissenschaftler sowie sonstige qualifizierte Persönlichkeiten an, die mit dem Stiftungszweck befasst sind". Die Mitglieder würden vom Vorsitzenden des Stiftungsrates berufen, im Einvernehmen mit dem zuständigen Bundesvertreter. Derzeit gehören dem Beirat 14 Personen an, acht von ihnen Frauen.

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ging aus dem früheren zentralen Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit hervor. Sie soll an politische Willkür und Unrecht erinnern. Die Einrichtung wird von Bund und Land finanziert. Im Stiftungsrat sitzen der Vorsitzende Lederer und je eine Vertreterin von Grütters, der Senatsjustizverwaltung und dem Land Sachsen-Anhalt sowie ein Vertreter von Brandenburg.

Kommentar

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28 Kommentare

  1. 28.

    Ich kann Ihren Kommentar nicht recht deuten, es liest sich etwas kryptisch. Aber das auch Sie nachvollziehen können, dass von den fünf (mit allen Fakten & Details vertrauten) Stiftungsbeiräten alle für die Entlassung gestimmt haben, ist doch erfreulich.

  2. 27.

    Ich kann die Entlassung von Herrn Knabe verstehen. Da pflichte Ihnen bei. Software macht man nicht.
    Nach exklusiver Einsicht der Stasi-Akte der Vorsitzenden der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane, erhob Hubertus Knabe Vorwürfe gegen den damaligen Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Es sei unverständlich, wieso »das Bundesjustizministerium ausgerechnet Kahanes Stiftung für eine sensible Aufgabe wie die Kontrolle des Internets heranzog.« Das saß. Die Ex-SED-Linke hatte, wie schon zu konspirativen Honecker-Zeiten, einen maaslosen Partner in der SPD gefunden. Knabe war zum Abschuss freigegeben.

  3. 26.

    Worum geht es hier eigentlich? Es scheint, als habe das so mancher Kommentator aus dem Blick verloren...
    Es geht um unerträglichen Sexismus & Frauen, die diesem über mehrere Jahre hinweg in dieser Gedenkstätte ausgesetzt waren. Das ist ein Fakt & die traurige Realität. Hätte dieser nicht stattgefunden, gäbe es auch keine Kritik an Herrn Knabe resp. seine Entlassung. Diese wurde einstimmig im Stiftungsbeirat beschlossen und damit steht außer Frage (auch wenn das hier der ein oder andere zu Gunsten seiner Stasi-Verschwörungstheorien anno 2018 ignorieren möchte), dass verschiedene Personen Herrn Knabe nicht mehr in diesem Amt bestätigen wollten. Hr. Lederer war also mitnichten alleiniger Entscheidungsträger dieser Entlassung - einer Entscheidung, die es ohne diese Vorfälle im Übrigen nicht gegeben hätte. Die hier ausgerufenen Theorien bzw. Diffamierungen auch ggü. Herrn Lederer sind einfach Fehl am Platz. Hier geht es um eine Personalentscheidung und die kann ich sehr gut nachvollziehen.

  4. 25.

    Warum?
    Darum: "So kritisierte er [Knabe] 2007, dass sich unter rechtsstaatlichen Bedingungen sowohl die SED-Nachfolgepartei PDS als auch – mit deren Geldern – Netzwerke der alten Stasikader neu organisieren konnten, und bemängelte ein unzureichendes Engagement politischer Entscheidungsträger bei der Aufarbeitung der Staatssicherheit als „gesamtdeutsches Phänomen“. In seinen Publikationen weist er auf personelle, programmatische und finanzielle Kontinuitäten zwischen SED, PDS und Die Linke hin und wirft der Partei vor, sich nicht kompromisslos von ihrer DDR-Vergangenheit zu distanzieren."
    Quelle: Wikipedia

  5. 24.

    Berlins linker Kultursenator will den politisch unbequemen Chef der Stiftung Berlin-Hohenschönhausen um jeden Preis loswerden. Er instrumentalisierte anonyme Vorwürfe. Jetzt gibt es massiven Protest.
    Zum Nachlesen und als Quelle: https://www.welt.de/geschichte/article181728082/Stasiopfer-Gedenkstaette-Entlassung-von-Knabe-wird-fuer-Lederer-zum-Bumerang.html

  6. 23.

    "Hamwa ditt nich een bißken kleena?" würde der Berliner sagen...

    Hier ist kein "lange(r) Arm der Stasi", das entspringt nur ihrer Phantasie, sprich Echokammer.

    Und wie kann man "Ich habe Jahrzehnte, erst die PDS, dann die LINKE gewählt," mit einem solchen Kommentar überein bringen? *kopfschüttel*

  7. 22.

    Kann mir einer mitteilen wo der offene Brief zu finden ist?
    Sind Praktikantinnen wirklich schon in der Lage Zersetzungsmethoden der Staatssicherheit anzuwenden? Hubertus Knabe, ein spätes Opfer der Stasi?
    Unglaublich, hier wissen so viele Bescheid! Waren die alle bei der Stiftungsratssitzung dabei? Bei so viel Detailwissen über die Vorgänge müssten dort hunderte Leute im Raum gewesen sein. Wusste gar nicht, dass die CDU jetzt eine linke Partei ist. Naja ich meine ja nur, weil von einer linken Verschwörung geschrieben wird.
    Ich könnte mir vorstellen, dass beim Kultursenat einiges an Beschwerden über die lieblichen Zwillinge Knabe/ Frauendorfer liegen, die schon unter dem Flughafenspezialisten angesammelt wurden. Lederer ist Chef von Hubertus Knabe, so einfach ist das. Und wenn ich mir erlauben würde, meinen Vorgesetzten so in der Öffentlichkeit zu kritisieren, wäre ich ein Vorgang beim Arbeitsamt.

  8. 21.

    Ich bin zutiefst erschüttert, wie weit heute noch, 28Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR, der lange Arm der Stasi langt. Und das sich die Gleichen zu Handlanger machen.
    Ich habe Jahrzehnte, erst die PDS, dann die LINKE gewählt, bei den nächsten Wahlen werde ich das wohl lassen.
    Bloße Verdächtigungen, die nicht einmal untersucht wurden, Denunziation, dienen heute, wie damals, Menschen zu diskreditieren. Früher wurden diese Menschen als "politisch-schädliche Elemente" diffamiert.
    Das die SEDPDSLINKE so reagiert, zeigt, dass sie weder Interessen an der Aufarbeitung hat, noch die alten Seilschaften kappen will.
    Es ist eben eine Errungenschaft der Demokratie, dass man heute seine Meinung sagen darf.

  9. 20.

    Und die CDU lässt sich einfach so überrollen. Ein schönes Bild, dass Sie da von unseren aktuellen politischen Entscheidungsträgern zeichnen. Ob das Frau Grütters oder Herrn Dombrowski so gefällt?

  10. 18.

    @ ErichBerlinMontag, 01.10.2018 | 15:14 Uhr
    Er hat es über Jahre hinweg geschehen lassen; sagt selbst, dass bereits 2016 seinem Freund und Vize gesagt, er soll das lassen, dann tauchen die Vorwürfe im Januar 2018 wieder auf und kochen hoch und danach, beurlaubt Knabe seinen Vize in einer Hauruck-Aktion im September... schlechte bzw. fehlende Führung kann man ihm vorwerfen. Das ist relevant denn darum geht es bei Knabe. Offensichtlich hat er das alles nicht Ernst genommen und der Stiftungsrat hat das Recht einem Direktor zu kündigen, der nicht nach seinen Grundsätzen handelt. Und dies ist nach allem, was man lesen kann, sogar einstimmig geschehen, mit den Stimmen der CDU. Und da jetzt eine Verschwörung nach dem Motto "die Linke wollte ja schon immer..." ist zu kurz gesprungen.

  11. 17.

    Also gegen Berufsverbote waren die SED und ihre im Westen beheimateten Freunde und Nützlichen immer sehr. Da konnten sie gar nicht genug demonstrieren und protestieren und eine Kampagne nach der nächsten fahren (genug Geld dafür kam ja aus Ost-Berlin).

    Natürlich nur gegen Berufsverbote im Westen. Denn im Arbeiter- und Bauernparadies gab es so etwas ja nicht.

  12. 16.

    "Falls sie da etwas missverstanden haben,gegen Herrn Knabe gibt es keinerlei sexuelle Vorwürfe und auch sonst NICHTS relevantes."

    Ja, aber weshalb sich denn mit Fakten aufhalten, wenn es eine so schöne Gelegenheit zum Rufmord gibt?

    Und nebenher: Wer sagt uns dann, daß die vier Unterzeichnerinnen des Offenen Briefes niemals sexuell belästigt wurden und deshalb - wohl nach Meinung von Herrn "Doktor" - überhaupt nicht mitreden dürfen, sondern mal hübsch ihre Klappe halten sollen?

  13. 15.

    Wenn sie das Vorgehen in einem Rechtsstaat mit der Diktatur in der DDR vergleichen haben sie offensichtlich etwas nicht verstanden.

  14. 14.

    Wenn sie das Vorgehen in einem Rechtsstaat mit der Diktatur in der DDR vergleichen haben sie offensichtlich etwas nicht verstanden.

  15. 13.

    Wie schon vermutet. Nur heiße Luft, Ihre Standardstrategie hier. Wie billig! Wenn Sie Vorwürfe haben, dann haben Sie doch wenigstens den Arsch in der Hose, die auch zu benennen, auch wenn man Sie dann vielleicht ausnahmsweise mal drauf festnageln könnte.

  16. 12.

    Mag ja sein, dass Sie die Biographieen gelesen haben, aber ob Sie sie auch verstanden haben?
    Sicherlich haben Sie die Begriffe "Auftrittsverbot", "Haft", "Ausweisung" nicht zuordnen können, denn die gehen mit der DDR/Stasi-Diktatur einher.
    Das die SED Nachfolgepartei Die Linke um ihre Aufarbeitung ihrer Vergangenheit und die Verknüpfung mit der Stasi ziert, ja auch verhindern will, zeigt doch dieser Fall. Ein allseits anerkannter Historiker und Kenner des Unrechtsstaat DDR soll genau mit den Stasi Methoden mundtot gemacht werden, wie sie damals Desidenten und Andersdenkende diffamiert haben. 28 Jahre später, in einer Demokratie!

  17. 11.

    Naja, mein angebliches Vorgehen kommt eher aus ihrer Ecke. Das machen sie doch ständig, also kein Grund sich hier so aufzuplustern.

    Und ein bißchen recherchieren über die Biografien könnte ihnen auch nicht schaden.

  18. 10.

    Halten wir kurz die Fakten fest: der Stiftungsbeirat, der sich zur Entlassung von Herrn Knabe abgestimmt hat, besteht aus 5 Personen. Diese unterschiedlichen Personen haben einstimmig (!) für die Entlassung Knabes votiert. Nachvollziehbare Begründung: "In einer solch sensiblen Führungs-Position muss man sich absolut korrekt verhalten. Und das war bei Knabe augenscheinlich nicht der Fall." Von 14 Beiräten haben sich nun vier Frauen (von 8) zu Wort gemeldet, die Knabes Entlassung jetzt als politischen Racheakt verstanden wissen wollen. Es geht also plötzlich nicht mehr um die Anklage der Opfer, die den Vorwurf durchaus auf das jahrelang gepflegte Gefüge der Führungsetage bezogen haben. Sondern um eine politisches Ränkespiel, dass hier gegen einen (!) Mitentscheider der Entlassung veranstaltet wird. Und ja, wer als Chef solcherlei Umgang duldet (das gilt genauso für Mobbing, Rassismus und Co.), ist moralisch durchaus zu krisieren und hat sich selbst nicht gerade empfohlen. Vom Vorstand dieser Gedenkstätte erwarte ich couragiertes Auftreten gegen jegliche Diskriminierung und ein waches Auge für das Klima des Miteinanders im eigenen Haus.

    Haben diese vier Frauen vor ihrem Vorstoß mit ihren betroffenen Kolleginnen das Gespräch gesucht? Man kann es nur hoffen...

  19. 9.

    Halten wir kurz die Fakten fest: der Stiftungsbeirat, der sich zur Entlassung von Herrn Knabe abgestimmt hat, besteht aus 5 Personen. Diese unterschiedlichen Personen haben einstimmig (!) für die Entlassung Knabes votiert. Nachvollziehbare Begründung: "In einer solch sensiblen Führungs-Position muss man sich absolut korrekt verhalten. Und das war bei Knabe augenscheinlich nicht der Fall." Von 14 Beiräten haben sich nun vier Frauen (von 8) zu Wort gemeldet, die Knabes Entlassung jetzt als politischen Racheakt verstanden wissen wollen. Es geht also plötzlich nicht mehr um die Anklage der Opfer, die den Vorwurf durchaus auf das jahrelang gepflegte Gefüge der Führungsetage bezogen haben. Sondern um eine politisches Ränkespiel, dass hier gegen einen (!) Mitentscheider der Entlassung veranstaltet wird. Und ja, wer als Chef solcherlei Umgang duldet (das gilt genauso für Mobbing, Rassismus und Co.), ist moralisch durchaus zu krisieren und hat sich selbst nicht gerade empfohlen. Vom Vorstand dieser Gedenkstätte erwarte ich couragiertes Auftreten gegen jegliche Diskriminierung und ein waches Auge für das Klima des Miteinanders im eigenen Haus.

    Haben diese vier Frauen vor ihrem Vorstoß mit ihren betroffenen Kolleginnen das Gespräch gesucht? Man kann es nur hoffen...

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