Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe vor einer Zelle in der Stasiopfer-Gedenkstätte
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Audio: Inforadio, 11.10.2018, Kirsten Buchmann | Bild: imago

Klage gegen Entlassung - Geschasster Gedenkstättendirektor Knabe zieht vor Gericht

Hubertus Knabe wehrt sich juristisch gegen seine Entlassung als Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen. Den Vorwurf, nicht genug gegen sexuelle Belästigung durch den früheren Vize-Direktor getan zu haben, weist er vehement zurück.

Der ehemalige Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, geht gegen seine Kündigung vor. Am Berliner Arbeitsgericht ging seine Klage gegen die Gedenkstätten-Stiftung ein, wie eine Sprecherin am Donnerstag sagte. Ein Verhandlungstermin stehe noch nicht fest. Auch Knabes bisheriger Stellvertreter habe Klage gegen seine Kündigung eingereicht, hieß es weiter.

Lederer und Grütters weisen Vorwurf der "Intrige" zurück

Knabe war vorgeworfen worden, nicht entschieden genug gegen die sexuelle Belästigung von Frauen durch den Vize-Direktor vorgegangen zu sein. Der Stiftungsrat, dessen Vorsitzender Kultursenator Klaus Lederer (Linke) ist, hatte den langjährigen Direktor deshalb einstimmig von seinen Aufgaben entbunden. Wegen der Entscheidung waren jüngst drei Stiftungsbeiräte zurückgetreten.

Sowohl Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) als auch Lederer hatten betont, Knabe sei keiner Intrige oder ideologischen Erwägungen zum Opfer gefallen. Der frühere Gedenkstätten-Leiter gilt als scharfer Kritiker der Linken. Auf Twitter wies er den Vorwurf zurück, dass in Hohenschönhausen ein Klima von Angst und Mobbing geherrscht habe.

Grütters schrieb in einer Information für Bundestagsabgeordnete, entscheidend sei das verloren gegangene Vertrauen in Knabes Führungskraft gewesen. Der Stiftungsrat habe den Eindruck gewonnen, dass der Historiker über Jahre Missstände in seinem Haus geduldet und durch Führungsstil und eigenes Verhalten sogar befördert habe.

Die Führungsspitze in der Gedenkstätte soll laut Lederer durch eine öffentliche Ausschreibung neu besetzt werden. Derzeit berät die frühere DDR-Bürgerrechtlerin und frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, die Einrichtung.

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Keine übersprunghandlung von Grütters, sondern wohl eher Kallkül.

    Mit wem soll denn die CDU in den Ostländern eine Koalition bilden? Merkel ist natürlich gegen die AfD, das Verhältnis basiert auf gegenseitiger Abneigung.
    Da bleibt im Osten nur die Linkspartei. Was ja in der Brandenburg-CDU auch so gesehen wird.

  2. 9.

    "Hochproblematisches Führungsverhalten" von Knabe wurde bisher nur in dem Parteienvortrag von Grüttgers/Lederer kommuniziert. Woher haben Sie das?

    Was zur Zeit Substanz sein soll ist dies:

    "Sechs betroffene Frauen kritisierten dagegen „eine bedenkliche Schieflage“ der Debatte, in der „das unangemessene und belästigende Verhalten von Vorgesetzten in der Gedenkstätte“ weiterhin ausgeblendet werde."

    Das ist wenig konkret und nicht justiziabel, wenn da nicht mehr kommt.

  3. 8.

    Sie scheinen Ahnung von der Thematik zu haben. Sicherlich waren Sie auch dabei. Oder warum beteiligen Sie sich an der Vorverurteilung des Herrn Knabe? Ich glaube eher, Ihr Sinn für Anstand ist "hochproblematisch".
    Warten wir doch den Prozess ab, warten wir auf die Ausführengen der Frauen, des genannten Umfeldes und lassen wir uns in den Wissenstand eines Herren Lederer versetzen. Dann bleibt Ihnen noch genug Zeit sich zur Causa Knabe zu äußern.
    Und warum Frau Prof. Grütters dem Linken beispringt, kann ich nur mit dem Begriff "Übersprunghandlung" erklären. Hat die Professorin nicht gleich nach dem Fund unschätzbarer Kunstwerke bei Gurlitt, von Beutekunst fabuliert? Vier Jahre danach konnten sieben(!) Kunstwerke zugeordnet werden.
    Und was die Fachwelt von Frau Kultusstaatssekretärin hält, kann man hier lesen:
    https://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article142360322/Die-Heilige-Monika-von-den-Kulturguetern.html

  4. 6.

    Nein! Die Beweislast im Kündigungsschutzverfahren liegt beim Arbeitgeber.
    Und da bin ich jetzt echt mal gespannt, wie der werte Kultursenator sich da rauswinden will.

  5. 5.

    Alleine die Linke kann Herr Knabe für die Entscheidung wohl kaum verantwortlich machen. Immerhin stimmt auch die CDU-Frau der Linken zu. Dass ein Mann, der hochproblematisches Führungsverhalten zeigte, nun nicht gehen will, wundert mich aber wenig.

  6. 4.

    "Der Stiftungsrat habe den Eindruck gewonnen, dass der Historiker über Jahre Missstände in seinem Haus geduldet und durch Führungsstil und eigenes Verhalten sogar befördert habe."

    Arbeitsrechtlich dürfte das ein Schuss ins Knie darstellen. Das Problem sind inkompetente Politiker als Arbeitgeber.

  7. 3.

    Die Beweislast liegt beim Kläger. Es wird vermutlich noch viel schmutzige Wäsche gewaschen.

  8. 2.

    Das Herr Knabe vor Gericht zieht, zeigt, dass er volles Vertrauen in die demokratischen Justiz der BRD hat.
    Die SEDPDSLINKEN-Seilschaften werden hoffentlich schnell in die Schranken verwiesen. Lederer, als Kultursenator, sollte Charakter zeigen und sich aus der Politik zurück ziehen. Knabe ist nicht der einzige grobe Fehler, der die Inkompetenz dieser Personalie unter Beweis stellte. Gehen Knabe und dieser schäbigen Charade, ist der Umgang mit der Causa Volksbühne lächerlich.

  9. 1.

    Was die Hauptakteure Grütters und Lederer in eigener Sache "zurückweisen" ist ein Parteienvortrag. Das Gericht will sicherlich keine Parteienvorträge, sondern verifizierbare Fakten. Daher ist es gut, daß Knabe den Rechtsweg beschreitet. Das Gericht wir ggfs. die Zeitachse, unter der Grütters und Lederer das anonyme Beschuldigungsschreiben als Rausschmissgrundlage einsetzten, bewerten.

    Ich habe trotz wortreicher Erläuterungen bisher noch keine Begründung dafür gefunden, warum beide, denen ja ja parallel das Beschuldigungsschreiben zugegangen sein soll, trotz eigentlich angesagter pflichtgemäßer Anhörung des Beschuldigten, wie das in einem normalen Unternehmen üblich ist, ihm wochenlang das Schreiben verheimlichten.

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