Auf einem Zettel steht "Keine freien Kitaplätze" (Quelle: rbb/Tina Handel)
Bild: rbb/Tina Handel

Serie | Kitajagd - Berlin, der Platzkampf und ich | Teil 14 - Bunte Zettel sollen Eltern abschrecken

Wer auf der Suche nach einem Kitaplatz in Berlin ist, braucht ein dickes Fell und sollte immun gegen Ablehnung sein. Tina Handel wird sogar zur Party-Crasherin und trotzt auch zahlreichen klaren Botschaften an Kita-Türen.

Partycrashen Mama-Style: zu einer Kita-Gartenparty gehen, ohne eingeladen zu sein. Ja sogar ohne überhaupt annähernd einen Krippenplatz hier zu haben. Als ich hereinkomme, sitzt die Leiterin im Foyer neben einer Urne zur Elternvertreterwahl. Sie schaut mich fragend an. "Also wir waren ja auch hier zum Tag der offenen Tür und haben uns für einen Platz 2019 angemeldet", sage ich. Und dass wir jetzt auch einen Kitagutschein hätten. Also falls das was bringe.

Die Leiterin gibt mir einen Zettel, damit ich noch einmal meinen Namen aufschreibe und den von Junior*. Dann wisse sie, dass ich noch einmal da war. Immerhin. Es hat vielleicht ein bisschen was gebracht, einfach zur Gartenparty zu kommen.

Selbstschutzmaßnahmen an Türen und Fenstern

Man muss sich heutzutage eine Strategie überlegen: Wie kommt man überhaupt noch in die Kita rein oder an die Entscheider ran? Denn die Kitas greifen zu Selbstschutzmaßnahmen an Türen und Fenstern und überhaupt. Das fällt allen auf, für die die Elternzeit ein nie endender Spaziergang ist. Berlins Kitakrise ist sichtbar in der Stadt.

Zettel im Fenster einer Kita (Quelle: rbb/Tina Handel)
Bild: rbb/Tina Handel

Da gibt es die Kindergärten, die es ganz unmissverständlich machen: "Keine freien Kitaplätze", dicke schwarze Schrift auf rotem Grund. Ein Warnsignal: "Fragt besser gar nicht erst!" Mit der Leiterin dieser Friedrichshainer Kita habe ich tatsächlich mal ein Gespräch nur durch die Gegensprechanlage geführt - ins Haus kam ich nicht.

Zettel im Fenster einer Kita (Quelle: rbb/Tina Handel)
Bild: rbb/Tina Handel

Etwas netter formuliert heißt es ein paar Straßen weiter: "Wir haben leider keine freien Plätze". Ein kleiner Zettel im Fenster eines Altbaus. Die Buchstaben sind schon verblichen, waren aber mal bunt und optimistisch. Andererseits hängt der Zettel da auch schon ewig. Mit dieser Formulierung kann man das Schild einfach von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr hängen lassen. Praktisch.

Zettel im Fenster einer Kita (Quelle: rbb/Tina Handel)
Bild: rbb/Tina Handel

Klingeln oder anrufen nicht erwünscht

Zugleich scheinen die vielen fragenden Eltern zunehmend den Kindergarten-Betrieb lahmzulegen: "Bitte sehen Sie davon ab, während des Kita-Alltags hier zu klingeln oder anzurufen", steht an der Tür eines kleinen Kinderladens. Stattdessen solle man an eine Google-Mailadresse schreiben. Auf solche Mails kriegt man manchmal etwas zurück. Einige Kitas haben auch schon standardisierte Antwortmails, die ein paar Sekunden später eintrudeln, egal, was man selbst geschrieben hat.

Zettel im Fenster einer Kita (Quelle: rbb/Tina Handel)
Bild: rbb/Tina Handel

Mit etwas druckvollerer Schrift mahnt ein anderer Zettel im Bezirk: "Bitte nehmen Sie Rücksicht auf unseren Kita-Alltag und klingeln Sie nicht, um Auskünfte zur Kitaplatzvergabe einzuholen!" Ausrufezeichen, alles klar.

Am besten die Kinder zuhause lassen

Die heftigste Botschaft aber kommt erst einmal etwas verklausuliert daher: "Aufgrund der schwierigen Personalsituation bitten wir insbesondere Eltern um Unterstützung, die die Möglichkeit haben, Ihre Kinder zu Hause zu lassen bzw. früher als gewöhnlich abzuholen". Das steht an der Tür einer etwas größeren AWO-Kita in Friedrichshain. Übersetzt heißt das doch: "Bitte lasst Eure Kinder zu Hause!" Die Eltern hier haben einen Kitaplatz und haben doch keinen. Gleichzeitig ist das vielleicht die wirkungsvollste Strategie, um schon direkt an der Kita-Tür klar zu machen: Hier gibt es nichts zu holen! Die ganze Krise auf einem kleinen Zettel.

*Junior: Natürlich heißt unser Sohn anders, aber was er im Internet so macht, soll er später selbst entscheiden.

Sendung: Inforadio, 21.09.2018, 18:45 Uhr

Mehr zum Thema

Eine Mutter betätigt mit ihrem Smartphone den Kita-Navigator. (Quelle: rbb/Tina Handel)
rbb/Tina Handel

Berlin startet 2019 Online-Portal - "Kita-Navigator" soll Wartelistenchaos entwirren

Die Kitaplatz-Suche in Berlin bedeutet Stress für Eltern wie Kitas und ein Chaos an Wartelisteneinträgen. Mit dem "Kita-Navigator" will der Senat das ab 2019 ändern - und gibt bereits jetzt Einblick in das Onlineportal. Ein Haken ist schon erkennbar. Von Tina Handel

Was bisher geschah

Beitrag von Tina Handel

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

4 Kommentare

  1. 4.

    Einfach einen Zugug nach Berlin unterbinden.
    Für die Berliner wäre eigentlich alles vorhanden.
    Kann halt nicht die halbe Bundesrepublik oder Welt hier wohnen.

  2. 3.

    Ich kann die kita Leitung verstehen, vor lauter anfragen kommen die ja zu gar nichts mehr. Entweder klingelt permanent das Telefon oder die Türklingel und jedesmal wird man aus dem tun herausgerissen. Da ist so ein Aushang, der natürlich freundlich klingen sollte, hilfreich und auch nötig.

  3. 2.

    Es werden Milliarden gescheffelt und sonst wo hingeschoben, ohne Sinn und Verstand, aber in die Förderung der Kinder und Jugend, den Ausbau von Schulen und Kitas passiert in Verhältnis gesetzt, mehr als zu wenig. Eine Schande für solch ein reiches Land wie dieses. Ich frage mich, ob die Kaste der Herrschenden und Politik und Wirtschaft annähernd ohne rot zu werden in den Spiegel schauen kann.
    Ach..... ich vergaß: das setzt Reflektion und Gewissen voraus.

  4. 1.

    Es kommt noch schlimmer: in die neue Europa City ziehen bald 10000 Menschen. Das sind mit Sicherheit keine Rentner und Arbeitslosen, sondern Leistungsträger, die sich ihre Wohnung nur mit zwei Einkommen leisten können. Entweder die verzichten auf Kinder oder sie bekommen einen Kitaplatz. Ich habe noch nicht gesehen, dass dort eine Kita gebaut wird.

Das könnte Sie auch interessieren