Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) steht vor dem Haupttor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Debatte über Ex-Gedenkstättenchef Knabe - "Wir reden über einen Mann, nicht aber über die Frauen"

Eine unabhängige Kommission soll jetzt die Nachfolge von Hubertus Knabe klären. Der Ex-Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte klagt derweil gegen den Vorwurf, sexuelle Belästigung nicht unterbunden zu haben. Kulturstaatsministerin Grütters hält die Debatte für einseitig.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat eine Schieflage in der Debatte um die Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen beklagt. Dem inzwischen gekündigten langjährigen Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe wird vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen die sexuelle Belästigung von Frauen durch den Vize-Direktor vorgegangen zu sein.

"Seit die Vorgänge bekannt sind, reden wir immer und ausschließlich über einen Mann, aber nicht über sechs oder sieben Frauen", sagte Grütters am Samstag mit Blick auf die mutmaßlichen Belästigungsopfer. "Deshalb müssen wir in der Union auch verdammt aufpassen, dass so nicht auch noch ein sehr problematisches Frauenbild transportiert wird", fügte sie auf einem CDU-Landesparteitag in Berlin hinzu.

Suche nach Nachfolger wird vor Politik abgeschirmt

Grütters unterstrich, dass Knabes Stelle neu ausgeschrieben werde und eine unabhängige Findungskommission dann einige Personalvorschläge unterbreiten werde. Erst danach trete der Stiftungsrat in Aktion und entscheide auf dieser Basis über die Personalie.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer sei mit diesem Verfahren einverstanden, so Grütters. Der Linken-Politiker hatte zuvor laut "Tagesspiegel" erklärt, dass Grütters das Verfahren begleiten solle. Lederer begründete den Schritt gegenüber der Zeitung damit, dass die Fachkunde bei der Auswahl gestärkt und der Unterstellung entgegengewirkt werden solle, "es sei hier etwas anderes relevant gewesen als das Handeln der bisherigen Stiftungsleitung". Damit solle jeder Verdacht zerstreut werden, ein Politiker der Linken würde die Arbeit der Gedenkstätte beeinflussen.

Vertrauenssignal an Opfer der SED-Diktatur

Zuvor hatte bereits der "Spiegel" berichtet, Grütters wolle durch das Verfahren den Anschein vermeiden, dass mit Lederer ein Politiker der Linkspartei einen Gedenkstättendirektor beruft, der das DDR-Unrecht verharmlost.

Lederer war von Kritikern vorgeworfen worden, er habe Knabe für seine "politische Unangepasstheit" bestraft. Der Historiker Knabe hatte stets die Linke scharf wegen ihres Umgangs mit der DDR-Vergangenheit kritisiert und Lederer selbst die Befähigung für den Posten des Kultursenators abgesprochen. Lederer hatte den Vorwurf zurückgewiesen und war einer offenen Konfrontation mit Knabe stets aus dem Weg gegangen.

Streit um Entlassung zieht Kreise

Im Streit um die Entlassung Knabes hatten in dieser Woche mit Heidi Bohley, Freya Klier und Barbara Zehnpfennig ihre Ämter im wissenschaftlichen Beirat der Gedenkstätte ihre Ämter niedergelegt. Zuvor hatten sie Lederer in einem Brief aufgefordert, die Entlassung Knabes rückgängig zu machen.

Knabe selbst kündigte unterdessen an, gegen seine Entlassung vor Gericht zu ziehen.

Der Unions-Fraktionsvize im Bundestag, Arnold Vaatz, forderte von Grütters Aufklärung darüber, warum Knabe abgesetzt wurde. In einem Brief an Grütters, aus dem die "Welt" zitiert, heißt es, ihre bisherigen Erklärungen reichten nicht aus.  

Sendung: Abendschau, 13.10.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    MdB Arnold Vaatz ist nun wirklich ein politisch rechtsaußen verorteter Sächsischer CDU - Politiker in einer ziemlich rechtsaußen agierenden Sächsischen Union. Politisch betrachtet ist er ein ' Altmänner - Dinosaurier', der nie aus der DDR-Nische rausgekommen ist und bis heute nicht wahrhaben will, dass die Sächsische CDU ja im Kern aus der DDR - Block CDU entstammt und zutiefst antidemokratisch und chauvinistisch strukturiert ist bzw. agierenden. Bitte mal seine 'Super-Illu' Kolumnen lesen.

  2. 17.

    Also; in der Aufarbeitungsszene (Kommunismus- wie NS-Aufarbeitung) ist bekannt, dass Hr. Knabe in der Tat ein vormodernes bzw. rückständiges Frauenbild pflegt und dass seine Art die Gedenkstätte HSH zu leiten, narzisstische bzw. selbstherrliche Züge getragen hat. Verbale wie körperliche Übergriffe durch Führungspersonal in der Gedenkstätte - insbesondere gegenüber Praktikantinnen bzw. Mitarbeiterinnen mit sehr kurzen befristeten Verträgen - waren seit längerem bekannt. Der Skandal ist, dass Beirat wie Stiftungsrat sowie das Land Berlin und der Bund dem machohaften Treiben der Gedenkstätten-Leitung so lange zugeschaut haben.
    Auch fachlich liegt bei der Arbeit der Gedenkstätte einiges im Argen. Das betrifft sowohl die Qualität einzelner Zeitzeugenführungen sowie die NICHTEINHALTUNG wissenschaftl. Standards in der Präsentation historischer Zusammenhänge.
    Ärgerlich auch, dass CDU-MdB wie der Sachse Arnold Vaatz glauben, dem CDU-Mann Hubertus Knabe unter die Arme greifen zu müssen.

  3. 16.

    Ob hier StGB § 184i (Sexsuelle Belästigung) einschlägig ist, müßte durch eine Strafanzeige geklärt werden. Soweit ersichtlich, ist eine Strafanzeige nicht gestellt worden. Weder gegen Knabe noch gegen den Abteilungsleiter von Knabe.

    Als schwächere "Nebenwirkung" wird das Arbeitsgericht die behaupteten Belästigungen, wofern arbeitsrechtlich relevant, beleuchten müssen.

    Frau Grütters sollte beim gegenwärtigen Stand der Unklarheit nicht nur kritisieren, sondern die aufgeworfenen Fragen von CDU Vaatz beantworten, ob tatsächlich Knabe sich bei der Gedenkstättenleitung versichern wollte, ob seine erfolgten Maßnahmen gegen Belästigungen als ausreichend erachtet wurden und Knabe erfolglos auch Anzeige erstattet hat, allerdings die Staatsanwaltschaft das Geschehen wg. unterhalb der Schwelle der Erheblichkeit eingestellt hat.
    Ferner sollte Grütters die Frage beantworten, warum sie erst Monate nach Zugang des Beschuldigungsschreibens Knabe davon in Kenntnis setzte.

  4. 15.

    Na dann auch für sie noch einmal:

    https://www.tagesspiegel.de/politik/stasiopfer-gedenkstaette-hohenschoenhausen-wie-es-zur-entlassung-von-hubertus-knabe-kam/23158200.html

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/stasiopfer-gedenkstaette-hohenschoenhausen-nach-knabe-rauswurf-neuer-brief-der-belaestigten-frauen/23166438.html

    Es ist schon bezeichnend wie sich hier einige Leute versuchen an der Realität und Tatsachen vorbei zu lavieren.

  5. 14.

    Wie kann ich Anteilnahme für Frauen ausdrücken, die anonym bleiben wollen? Ich frage mich, ob nur die schriftlichen Äußerungen der Frauen eingesehen wurden (von wem?)und sozusagen als Anklageschrift ausreichten? Wie können namenlose Frauen für so glaubwürdig gehalten werden, dass ihre Briefe (waren es mehrere oder nur einer?)dazu führen, einen verdienstvollen, wenn auch kantigen Vorgesetzten mit sofortiger Wirkung zu entlassen? Bitte verstehen Sie mich richtig: Ich finde sexuelle Belästigung widerlich, eklig, unangemessen, grausam, und für jedes Arbeitsverhältnis zerstörerisch wirkend. Ich kann auch sagen, ME TOO. Aber ein anonymer Brief wäre mir nicht eingefallen. Wenn der Schule macht, wie im Fall Knabe, wird jeder Vorgesetzte leicht zum Opfer und dann Anteilnahme bekommen.

  6. 13.

    Wie bezeichnend. Fr. Grütters kritisiert in dem rbb24-Artikel das unangebrachte Phänomen, dass die jahrelange Belästigung der Frauen in dieser Causa völlig aus dem Fokus verschwunden ist und prompt folgt die Bestätigung. Hätte es eine zusätzliche Bestätigung der Aussage von Fr. Grütters gebraucht, haben Sie diese frei Haus geliefert.

    Herzlichen Dank dafür Herr Glatzel, dass Sie persönlich hier im Forum dazu beitragen, dass statt einer Debatte über den Umgang mit den sexuell belästigten Frauen, die politisch motivierte Debatte um ein Unrecht an Herrn Knabe immer wieder angeheizt wird. Ihre Vermutungen sind im Gegensatz zu den Straftaten nicht ansatzweise belegt. Aber um Belege oder die Frauen geht es Ihnen wohl auch gar nicht, sondern nur darum Ihrer Theorie Ausdruck zu verleihen.

  7. 12.

    StGB § 184i Sexuelle Belästigung ist geschechtsneutral formuliert.

    https://dejure.org/gesetze/StGB/184i.html

  8. 11.

    Wichtige Schutzgesetze für Frauen, die auch für private Unternehmen gelten, sind der Mutterschutz und der Erziehungsurlaub sowie die Regelungen gegen sexuelle Belästigung. Näheres unter...
    http://www.wirtschaftslexikon.co/d/frauenf%C3%B6rderung/frauenf%C3%B6rderung.htm und http://www.wirtschaftslexikon.co/d/frauenbeauftragte/frauenbeauftragte.htm
    Den betroffenen Frauen stehen in dieser Angelegenheit also besondere Persönlichkeitsrechte zu!

  9. 10.

    Wer behauptet es wurde mit Knabe nicht fair umgegangen, der vertritt eine unbewiesene Beschuldigung, Oder haben sie Beweise? Na dann mal raus damit!

    Herr Knabe hat seine Unzulänglichkeiten zur Führung hinlänglich bewiesen und hatte mehrmals die Möglichkeit das zu korrigieren.

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/stasiopfer-gedenkstaette-hohenschoenhausen-nach-knabe-rauswurf-neuer-brief-der-belaestigten-frauen/23166438.html

    "Mit Knabes Führungsqualitäten als Direktor der Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen ist die Senatsverwaltung schon früh befasst. Es ist ein Abteilungsleiter in der Senatskanzlei, ein Jurist, der im September 2013 mit Knabe ein Personalgespräch führt."

    2013!

    https://www.tagesspiegel.de/politik/stasiopfer-gedenkstaette-hohenschoenhausen-wie-es-zur-entlassung-von-hubertus-knabe-kam/23158200.html

  10. 9.

    Gibt es spezielle "Schutzgesetze für Frauen"? Sexsuelle Belästigungen sind bei jeder Ausrichtung möglich. Ihr Statement enthält im Augenblick nur eine unbewiesene Beschuldigung. Nur, weil diese Beschuldigung häufig geschrieben wird, muss sie nicht richtig sein.
    Durch das von Knabe angestrengte Arbeitsgerichtsverfahren ist das Problem dort angelangt, wo es hingehört. Denn das verspricht eine rechtsstaatliche Aufklärung und einen fairen Umgang mit dem Beschuldigten.

    Was an Fakten bekannt ist, etwa den Vorhaltungen von CDU Vize Vaatz und zu denen Grütters schweigt, läßt vermuten, dass bisher mit Knabe nicht fair umgegangen wurde.

  11. 7.

    Wie konnte die Stasi-Gedenkstätte verfassungskonform im Sinne des Grundgesetzes wirken, wenn die Grundrechte und Ansprüche aus Schutzgesetzen für Frauen in dieser Institution verletzt wurden?

  12. 6.

    Da möchte ich der Kommentatorin herzlich Recht geben.
    Ich habe zu diese Thema verschiedene rbb24-Artikel und deren Kommentare beobachtet und viel zu häufig habe ich dann - neben anfänglich vereinzelter Anteilnahme an den Erfahrungen der Opfer - immer wieder von irgendeiner Theorie zur Unrechtmäßigkeit von Herrn Knabes Entlassung gelesen. Der O-Ton reichte dabei von "war ja vielleicht doch nicht so schwerwiegend", "warum haben die Frauen nicht gleich..", "es ist doch seltsam, dass sie nur anonym geschrieben haben" und so weiter und so fort... Einige Kommentatoren haben nicht mal ansatzweise die Reflektion erkennen lassen, dass es eine Personaldebatte und entsprechende Entlassungen nur gibt, weil hier Straftaten passiert sind. Als Frau bleibt mir nur das Kopfschütteln. Die belästigten Frauen sind vehement aus dem Fokus "Ihres eigenen Falles" gedrängt worden. Stattdessen wird unablässig spekuliert, ob und inwiefern Herrn Knabe Unrecht geschehen sein könnte. Die Debatte IST einseitig!

  13. 5.

    Wenn dem Leiter einer Behörde bekannt ist, das Kolleginnen sexuell belästigt werden und er nicht konsequent dagegen vorgeht, müssen entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Wie in dem Artikel gesagt - über die belästigten Frauen wird kein Wort verloren, es wird wieder nur über die beteiligten Männer diskutiert. Und das ziemlich genau ein Jahr nach #MeToo. Traurig.

  14. 4.

    Ich kenne zwar nicht den Vertrag zwischen Knabe und der Stasi-Gedenkbehörde, aber totale Willkür wird sich Knabe nicht gefallen lassen müssen. Falls das Arbeitsgericht die Kündigung als rechtsunwirksam einordnet, stehen ja Weiterbeschäftigung bzw. happige Abfindungen im Raume.

  15. 3.

    Unabhängige Kommission? Frau Prof. Grütters, war Herr Knabe nicht unabhängig genug? Hat er nicht die Stasi-Machenschaften aufgedeckt, hat er nicht die von Ihnen finanzierten Stiftungen, derer Sie sich gerne bedienen, die sich als moralische Instanz geben, aufgedeckt? IM und Stasi-Zuträger, die sich unter dem Deckmantel der Demokratie agieren und etablieren, entlarvt?
    Was hat Herr Dr. Knabe nicht gemacht, dass Sie eine "Unabhängige Kommission" einsetzen wollen?

  16. 2.

    Am glaubwürdigen wäre es jetzt wohl, einfach mal die Füße still zu halten. Statt der Suche nach einem Nachfolger sollte doch erst einmal das Ergebnis des Gerichtsverfahrens von Herrn Knabe gegen seine Entlassung abgewartet werden. Alles Andere ist eine Ohrfeige für das Gericht und für die Demokratie.

  17. 1.

    Die Geschichte mit den Akteuren Grütters und Lederer in der Causa Knabe wird ja immer seltsamer.

    Jetzt fragt, wie hier berichtet, CDU Vize Vaatz bei Grütters nach, "warum Knabe abgesetzt wurde". Vaatz dürften bei seiner Frage sicherlich alle bisherigen Verlautbarungen von Grütters und Co vorgelegen haben, mit denen Grütters gegenüber der Öffentlichkeit den Raussschmiss begründet hat.

    Diese Verlautbarungen sind offensichtlich so dürftig, daß sie einen Aussenstehenden nicht überzeugen können.

    Hinzu kommen weitere Merkwürdigkeiten, die Vaatz von Grütters aufgeklärt haben möchte, zu denen allerdings Grütters auf Tauchstation geht.
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article181975866/Stasi-Gedenkstaette-CDU-Politiker-fordert-von-Gruetters-Antworten-zur-Causa-Knabe.html?wtrid=onsite.onsitesearch

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