Archivbild: Hubertus Knabe in der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (Quelle: Bernd von Jutrczenka)
Bild: dpa/Bernd Von Jutrczenka

Entlassener Direktor der Gedenkstätte Hohenschönausen - Kritik an Knabe-"Kaltstellung" auch aus Brandenburg

Gegen "die Kaltstellung von Doktor Knabe" protestiert jetzt auch der Verein für die Gedenkstätte des ehemaligen KGB-Gefängnisses in Potsdam. Er spricht von "einer Rufmordkampagne" und sorgt sich, die Kündigung könnte ideologisch begründet sein.

Gegen die Absetzung des Direktors der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, kommt nun auch Kritik aus Brandenburg. "Wir protestieren, im Namen vieler ehemaliger Häftlinge und Hinterbliebener, gegen die fristlose Kaltstellung von Doktor Knabe", heißt es in einer Erklärung des Vereins für die Gedenkstätte des ehemaligen KGB-Gefängnisses in Potsdam, die am Montagabend verbreitet wurde.

Ebenfalls am Montag hatten vier weibliche Mitglieder des Beirats der Gedenkstätte in einem offenen Brief die Rückkehr von Knabe gefordert. Die Unterzeichnerinnen sind die frühere DDR-Oppositionelle Heidi Bohley, die Schriftstellerin und DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier, die in der DDR politisch inhaftierte Edda Schönherz sowie die Politikwissenschaftlerin und Professorin Barbara Zehnpfennig.

In der vergangenen Woche hatte auch die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus scharfe Kritik an der Entlassung von Knabe geäußert. Vor allem FDP und AfD warfen Kultursenator Klaus Lederer (Linke) vor, gegen einen unliebsamen Kritiker vorgegangen zu sein.

"Mancherorts die Dimension einer Rufmordkampagne"

Die Entscheidung zu Knabes fristloser Absetzung sei, so der Verein des ehemaligen KGB-Gefängnisses in Potsdam, "mit größtem Befremden" aufgenommen worden. Für die öffentlich verbreiteten und bislang weitgehend anonymen Vorwürfe einer sexuellen Belästigung durch Führungspersonal der Gedenkstätte "fordern wir eine umfassende rechtsstaatliche Klärung der Sachverhalte sowie eine arbeitsrechtliche Klärung", so der Verein weiter. Die gegen Knabe gerichteten Vorwürfe der Duldung oder gar Billigung sexuell übergriffigen Verhaltens hätten "die Dimension einer Rufmordkampagne erreicht".

Der Verein warf zugleich den Medien eine "einseitige Berichterstattung" vor. Die Staatsanwaltschaft habe schließlich ein von Knabe beantragtes Strafverfahren zu Vorwürfen sexueller Belästigung eingestellt, so der Verein weiter. Spätestens seit der noch von Knabe vollzogenen Freistellung seines damaligen Stellvertreters gehe zudem von diesem keine Wiederholungsgefahr mehr aus.

Knabe habe sich "immer konsequent und kompromisslos für die Opfer kommunistischer Diktaturen eingesetzt", betonte der Verein weiter. Dies habe "bei manchen Kreisen, besonders bei ehemaligen DDR-Eliten und bei Links-Extremisten für lauten Unmut und Unbehagen gesorgt". Sollten "solche ideologisch begründete Emotionen" bei der Suspendierung von Knabe eine Rolle gespielt haben, wäre dies "absolut unakzeptabel".

Hubertus Knabe war den Angaben zufolge mehrere Jahre lang Vorsitzender des Vereins "Gedenk- und Begegnungsstätte ehemaliges KGB-Gefängnis Potsdam e. V. (Leistikowstraße)".

Knabe soll nicht konsequent genug reagiert haben

Nach den Vorwürfen sexueller Belästigung gegen den stellvertretenden Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Helmuth Frauendorfer, hatte der fünfköpfige Stiftungsrat am 25. Oktober einstimmig beschlossen, auch Knabe zu entlassen.

Knabe wird vorgeworfen, nicht konsequent genug auf die Vorwürfe gegen seinen Vize reagiert zu haben. Dem Gedenkstätten-Leiter werde ordentlich gekündigt, hatte die Senatskulturverwaltung mitgeteilt. Wegen interner Ermittlungen sei er vorläufig von der Arbeit freigestellt. Knabe hatte die Vorwürfe immer wieder vehement von sich gewiesen. Der 59-jährige Historiker betonte, Beschwerden über seinen Stellvertreter nach bestem Wissen und Gewissen nachgegangen zu sein.

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