Audio: rbb | 08.10.2018 | Maria Wölfle | Bild: dpa

Für rare MINT-Fächer - Berlin ködert Lehramtsstudenten mit 500-Euro-Stipendien

Das Land Berlin vergibt ab dem Wintersemester 2018/19 Stipendien für den Wechsel in ein Lehramtsstudium. Wie die Senatsverwaltung für Bildung am Montag mitteilte, können Studierende 500 Euro pro Monat erhalten, wenn sie ein MINT-Fach studieren oder studiert haben und als Quereinsteiger einen Master of Education anstreben. Das betrifft die Fächer Mathematik, Informatik, naturwissenschaftlich-technische Fachrichtungen, aber auch Musik.

"Mit dem Lehramt-Stipendium setzen wir auf zielstrebige Persönlichkeiten aus dem MINT-Bereich, die ihre Fachexpertise in die Berliner Schule einbringen wollen", teilte Senatorin Sandra Scheeres (SPD) mit. "Mit der Maßnahme wollen wir den Fachkräftemangel in besonderen Bedarfsfächern im Lehramt lindern." Berlin stelle in diesem Jahr 600.000 Euro zur Verfügung, im kommenden Jahr 1,2 Millionen Euro.

Der Deal: drei Jahre als Lehrer in Berlin

Jährlich werden demnach 100 Stipendien vergeben, die Förderung beträgt 500 Euro brutto. Sie gilt für die Dauer der Regelstudienzeit, in der Regel also vier Semester. Zugleich gibt es die Zusage einer Zulassung zum Vorbereitungsdienst - quasi das Referendariat in 1,5 Jahren - und einer Festanstellung nach bestandener Staatsprüfung.

Absolventen verpflichten sich, nach bestandener Staatsprüfung mindestens drei Jahre als Lehrkraft im Land Berlin tätig zu sein und zuvor die Vorbereitung zu absolvieren. Werden die 4,5 Jahre nicht absolviert und der Vertrag mit dem Land gebrochen, so müssen Studierende das Geld zurückzahlen.

Bewerben können sich Studierende, die einen Quereinstieg-Master (Q-Master) für das Lehramt an der FU Berlin, TU Berlin oder der Humboldt-Universität begonnen haben.

Die Mehrzahl hat nicht auf Lehramt studiert

2017 schlossen 736 Lehramtsstudenten mit einem Master oder Staatsexamen ab. In diesem Schuljahr wurden in Berlin 2.700 neue Lehrkräfte eingestellt. Nur rund 1.000 sind voll ausgebildet. Knapp 750 von ihnen sind Quereinsteiger, die ein an den Schulen gelehrtes Fach studiert, jedoch keine pädagogische Ausbildung haben. Diese werden berufsbegleitend ein Referendariat absolvieren.

915 weitere Neueingestellte haben keines der üblichen Berliner Schulfächer studiert. Diese sogenannten Lehrkräfte ohne Lehrbefähigung (LovL) werden sehr häufig zunächst befristet beschäftigt. So wurden zum neuen Schuljahr auch Pensionäre reaktiviert oder Studenten Halbjahres- oder Jahresverträge angeboten.

Sendung: radioBerlin 88,8, 08.10.2018, 16:00 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Hier kann man auch Facharbeiter aus DDR Zeiten als Quereinsteiger einsetzen, die können den MINT-Lehramtslevel schon seit der POS, Lehramtsstudenten sind bestimmt unterfordert, oder nicht?! Man braucht hier nicht extra 500 Euro verpulvern.

  2. 1.

    Für mich macht es zwar wenig Sinn, das Stipendium nur auf Lehramtsstudenten zu begrenzen, aber um mehr MINT-Lehrerinnen zu gewinnen, ist ein Stipendium auf jeden Fall der richtige Weg. Gute Sache. Ergänzend sollte man vielleicht in den Schulen Informationskampagnen starten, um die MINT Fächer attraktiver zu machen. Macht die Bundeswehr ja auch in den Schulen. Eigenwerbung.

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