Ein Obdachloser liegt in Berlin auf einer Bank in einer U-Bahnstation (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 15.10.2018 | Dietmar Ringel | Bild: dpa

Einigung zwischen Senat und BVG - Obdachlose dürfen im Winter doch in U-Bahnhöfen übernachten

Vor einem Monat hatte die BVG für Entsetzen gesorgt: Sie hatte öffentlich darüber nachgedacht, ausgewählte U-Bahnhöfe im Winter für Obdachlose zu schließen. Nach viel Kritik haben sich Senat und BVG jetzt auf ein neues Konzept geeinigt.

Die Berliner BVG wird auch weiterhin im Winter Übernachtungsräume für Obdachlose bereitstellen. Darauf haben sich BVG-Chefin Sigrid Nikutta und Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) am Montag geeinigt. Die BVG sei nicht Teil der Obdachlosenhilfe, sehe sich aber in der Pflicht, Übernachtungsmöglichkeiten bereitzustellen, sagte Nikutta. Im September hatte die BVG noch angekündigt, dass es im kommenden Winter keine Kältebahnhöfe mit Sonderöffnungszeiten mehr geben werde.

Kältehilfe hat noch Kapazitäten

Allerdings sollen nicht alle U-Bahnhöfe nachts geöffnet bleiben, es werde niemand "auf den Bahngsteigen schlafen", sagte Senatorin Breitenbach. "Da gibt es auch große Sicherheitsprobleme."

An einigen U-Bahnhöfen sollen deshalb bislang ungenutze Räume als Notschlafplatz dienen. Es handelt sich um Räume, die zur Erweiterung der U-Bahn gebaut aber bislang nicht genutzt wurden. "Wir haben große ungenutzte Räumlichkeiten in unseren U-Bahnhöfen. Die werden wir gerne zur Verfügung stellen", so Nikutta. Vor den Bahnhöfen werden zudem mobile Toiletten aufgestellt. Passende Standorte sollen in den nächsten Wochen geprüft werden. "Wir gehen mal von zwei bis drei aus", sagte Sozialsenatorin Breitenbach dem rbb. "Eher zwei."

Wichtig sei dabei die Nähe zur Kältehilfe, sagte Breitenbach. Deren rund 1.000 Plätze seien bisher nur zu 85 Prozent ausgelastet. "Diese Plätze reichen aus." Sozialarbeiter sollen deswegen in den U-Bahnhöfen, die nachts geöffnet bleiben, Obdachlose direkt ansprechen, sich um die Menschen kümmern und ihnen anbieten, in einer Kältehilfe-Einrichtung zu übernachten. 

Sendung: radioBerlin 88,8, 15.10.2018, 16:00 Uhr

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Pepe Das ist doch nicht Ihr Ernst ? Nicht jeder Obdachlose ist Drogenabhängig und Alkoholkrank. Und wenn dann hilft man dieser Klientel trotzdem. Es werdem für andere Dinge viel mehr Gelder verschwendet und ausgegeben Ich war selber mal kurze Zeit obdachlos mit 17 Jahren....vor 35 Jahren. Es gehört nicht viel dazu seine Wohnung heut zu Tage zu verlieren. Das sollten auch Sie wissen.

  2. 10.
    Antwort auf [Störenfrieda] vom 17.10.2018 um 08:42

    Ihre zur Schau gestellte Überheblichkeit ist beachtenswert! Es hat halt nicht jeder die Größe, auch mal zuzugeben, dass man etwas falsch aufgefasst und deshalb überreagiert hat. Aber belassen wir es einfach mal dabei.

  3. 9.
    Antwort auf [Christian] vom 16.10.2018 um 18:35

    "Lieber Gott, lass mir alles ausgehen, nur meine Ausreden nicht!" (mit dem Auto zu fahren). Wenn die Existenz dieser armen Menschen so belastend für Sie ist, müssen Sie dann wohl auf die BVG verzichten. Das ist die wahre Welt. In allen Großstädten weltweit. Dem nicht gewachsen zu sein ist traurig.

  4. 8.

    Daniel
    es wird sich rein gar nichts ändern ...sehr viele obdachlose in Berlin sind massiv Alkohol und Drogenabhängig und wenn sie sich wieder ins Nirvana schießen ,ist es der Klientel egal wo sie ihren rausch ausschlafen oder sich erleichtern . Man tut so als hätte man es mit rationale denkenden Menschen zu tun die nur keine Wohnung haben ...das ist aber nicht der Fall ! Diese Leute leben nur für ihren nächsten rausch und sonst nichts .Sie lassen sich kaum helfen da sie sich dann an bestimmte Regeln halten müssten was sie aber nicht wollen .
    Woher ich das weiß ....ich hatte eine Zeit lang Tag ein Tag aus mit diesem Klientel zu tun und ja mein Mitleid hält sich sehr in Grenzen .
    Die einzigsten die sich darüber freuen werden sind unsere Sozialarbeiter ....Your crash, my cash .
    Die Drecksarbeit dürfen die Mitarbeiter der BVG ,Feuer-Sanitäter und Polizei machen nur weil der Senat unfähig ist mal eine vernünftige Lösung für diese Verwahrlosung zu finden.

  5. 7.

    Wieso werden nicht die großen beheizten Eingangsbereiche (mit öffentlichen Toiletten & Wachschutz) der bezirklichen Rathäuser "im Winter als Übernachtungsräume für Obdachlose" bereitgestellt? Morgens wird dort sogar geputzt bevor der Betrieb losgeht.

  6. 6.

    Ich stimme Ihnen zu hundert Prozent zu - es ist so unendlich unfassbar, dass wir solche Zustände in unserer reichen Gesellschaft zulassen und akzeptieren. Wer sich mit den Zahlen beschäftigt wird erkennen, dass die Zahl der angebotenen Plätze mit den offiziellen Zahlen der Menschen ohne Unterkunft nicht mal der Hälfte entspricht. Ich glaube dass BERLIN hierfür genug Geld über hätte (und im übrigen auch leerstehende Kasernen) um das Problem zu lösen.

  7. 5.

    Sind die modularen Bauten ausgegangen, dass Obdachlose in Bahnhöfen übernächsten müssen?

  8. 4.

    Sollte es nicht heißen "...müssen doch wieder in U-Bahnhöfen übernachten"? Die Stadt könnte sich ja auch alternativ um genügend echte Schlafplätze kümmern, anstatt Menschen in windige Schächte zu schicken.

  9. 3.

    Richtig so! Tut niemanden weh. Klar auf dem Bahnhof ist so eine Sache, schön ist es nicht. Aber wenn es Räume gibt, warum nicht. Klingt nach einer guten Alternative. Aussperren ist definitiv die falsche Lösung. Ich verstehe so etwas in einem Sozialstaat nicht und habe auch wenig Verständnis für solche Obdachlosen aber sie sind nun mal da und denen muss auch geholfen werden. Und beschmierte Häuser stören mich mehr als ein Obdachloser der schläft, und wenn es im Bahnhof ist...

  10. 2.

    Für entsetzen sorgt hier höchstens der Senat, der hier nicht tun will oder kann und sämtliche Verantwortung auf andere Hilfskräfte abschiebt. Die verdreckten, stinkenden Bahnhöfe erfreuen dann zum Dienstbeginn alle U-Bahn Nutzer. Danke

  11. 1.

    Gute, menschliche Entscheidung! Das bedeutet aber hoffentlich nicht, dass der Senat sich wieder darauf ausruht und trotzdem aktiv dran bleibt und sich dieser Problematik stellen wird.

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