Symbolbild: Ein junger Mann im blauen Hemd sitzt vor einer schriftlichen Prüfung. (Bild: imago/Michèle Constantini)
Bild: imago/Michèle Constantini

Bericht: Viele Berliner Polizeischüler fallen durch - Schlechter als die Polizei erlaubt

Die Hälfte der Polizeischüler, die im Herbst 2017 ihre Ausbildung an der Berliner Polizeiakademie im mittleren Dienst starteten, soll beim Verkehrsrecht durchgefallen sein. Auch in anderen Bereichen gibt es offenbar Wissenslücken.

An der Berliner Polizeischule in Ruhleben sorgen offenbar schlechte Prüfungsergebnisse der Polizeischüler für neue Probleme. Der "Berliner Morgenpost" (Dienstag) zufolge fiel knapp die Hälfte der Auszubildenden für den mittleren Dienst der Schutzpolizei, die im Herbst 2017 gestartet waren, durch eine Prüfung zum Thema Eingriffsrecht, Verkehrsrecht und Öffentliches Recht.

Politische Bildung: 6

Nach dem Bericht der Zeitung bestanden lediglich 122 Schüler, 121 aber brauchen den zweiten Anlauf. Auch im Jahrgang vom Frühjahr 2018 soll es Probleme geben: Jeder Fünfte soll die Prüfung politische Bildung nicht bestanden haben.

Nach den Recherchen der "Morgenpost" begründen mehrere Schüler ihr Scheitern unter anderem mit hohem Unterrichtsausfall an der Schule. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht die Ursachen demnach ebenfalls in strukturellen Problemen.

Schlechte Deutschkenntnisse

Bereits in den zurückliegenden Monaten hatte es immer wieder Berichte über Missstände an der Polizeiakademie gegeben. Der Senat ließ sogar einen Sonderbeauftragten, Josef Strobl, Hinweise untersuchen, wonach es an der Akademie Fälle von Disziplinlosigkeit und angeblich sogar eine Unterwanderung durch arabische Familienclans gegeben haben soll.

Strobl stellte im Juni zwar keinerlei "großartige Missstände in Form von dienstrechtlichen Unregelmäßigkeiten oder gar strafrechtlichen Verfehlungen" fest, sah aber dringenden Personalmehrbedarf und empfahl eine bessere Bezahlung. Strobl mahnte, Unterrichtsausfälle in Politischer Bildung sowie in Deutsch zu vermeiden: Beim Einstellungsjahrgang Herbst 2017 seien 37 Prozent des Deutschunterrichts ausgefallen, obwohl bereits viele der Polizeischüler "unterdurchschnittliche" Deutschkenntnisse mit "großen Defiziten" aufgewiesen hätten.

Sendung: radioBerlin88,8, 10 Uhr, 23.10.2018

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11 Kommentare

  1. 10.

    1. Fehlende gesellschaftliche Anerkennung.
    2. Oftmals keine überzeugende Rückendeckung durch die Politik
    3. Respekt wird immer weniger,denken sie nur an die Rigaer Straße,wo die Beamten permanent mit Steinen beworfen werden. Da gibt es noch viel mehr Ecken in Berlin, wo man denkt ,unsere Polizisten bespucken zu können.....und dies auch tut.
    4. Viel zu wenig Gehalt für diese Arbeit. Sie halten in jeder Schicht ihren Kopf für uns hin.
    Da muss man sich nicht wundern, wenn sich keine geeigneten Bewerber melden.
    Diese Entwicklung ist ganz schlimm.

  2. 9.

    Auch hier ist die Ursache in der maroden Bildungspolitik Berlins zu suchen. Nicht nur bei der Polizei, auch in allen anderen Branchen stöhnen die Arbeitgeber, weil das normale Basiswissen eines mittleren Schulabschlußes bei vielen nicht vorhanden ist. Die jungen Leute sind nicht dümmer als früher, Eltern und Bildungssystem setzen einfach andere Prioritäten als früher. Es muss dringend etwas passieren.

  3. 8.

    Willkommen in Berlin!
    Senken Sie einfach die Anforderungen noch weiter, damit mir demnächst ein Uniformierter in gebrochenem Deutsch Geld für etwas abknöpft, das gar kein Vergehen ist, was er nicht weiß, da er die Gesetze nicht kennt. Und dann wundert man sich über schwindenden Respekt vor der Polizei...

  4. 7.

    Wäre schon mal interessant was in den Problemfächern so gefragt wird. Mn könnte z.B. Aufgaben aus dem 2016`er Jahrgang mal veröffentlichen, damit der Normalbürger sich selbst einmal ein Bild machen kann.

  5. 6.

    Da stimme ich Ihnen voll zu - es würde vielen Beamten schon reichen, wenn sie wieder einen gewissen Respekt und Anstand spüren würden. Ich kenne selber viele Beamte und fast alle sind damit am meisten unzufrieden. Leider - ich könnte den Job auch nicht meistern. Hut ab vor allen, die täglich bereit sind, den Kopf für uns hinzuhalten...

  6. 5.

    Menschlich absolut nachvollziehbar! Das Problem hierbei ist, dass die Löhne vieler Branchen darunter liegen. Eine Schande, wenn ich an Gehälter der Pflege oder Logistik denke. Aber die Löhne immer nach oben zu drehen ist eine Alternative. Ich hingegen stehe für das absenken der Kosten, die wir zum existieren brauchen, wie Miete, Strom, Wasser, Gas, Nahverkehr. Das gehört einfach nicht in den spekulativen Mark! Daran sollten wir arbeiten, sonst steigen Gehälter und werden wie immer von steigenden Preisen aufgefressen.

  7. 4.

    ... dann stellt sich aber auch die Frage nach der Attraktivität des Berufes eines Polizeibeamten/-in. Unter den derzeitigen Voraussetzungen wird man weiterhin nehmen müssen was man bekommt. Und da sehe ich auch für die Zukunft schwarz, wenn die Anforderungen noch weiter herabgesetzt werden.

  8. 3.

    "Jobs mit einem Einstiegsgehalt ab 40k Jahresverdienst" Bei den Mieten und Eigenheimpreisen was soll man da auch anders machen? Stehlen und Rauben gehen? Ist auch eine Alternative...

  9. 2.

    Ganz so einfach ist das nicht. Es mangelt an der Anzahl an Interessierten, die den Job überhaupt annehmen wollen. Ferner kann die Polizei die Fehler der Grund- und Oberschule nicht korrigieren. Das Bildungssystem ist zunehmend schlechter geworden und die jungen Auszubildenden träumen von Jobs mit einem Einstiegsgehalt ab 40k Jahresverdienst. Ein weiterer Punkt ist die Verrohung unserer Gesellschaft. Die Polizei ringt um jeden Bewerber und hat bereits die Anforderungen senken müssen um überhaupt noch an Einsteiger zu kommen...

  10. 1.

    Das ist das Ergebnis von "einstellen um jeden Preis" Hauptsache die Zahlen stimmen, die Qualität kann da mal schon auf der Strecke bleiben.
    Und wenn ich mich recht erinnere unterstand die PA direkt der damaligen Vizepräsidentin.

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