Symbolbild: Eine Gruppe von Fahrradfahrern und Skatern auf der Rollbahn des ehemaligen Flughafens Tempelhof. (Quelle: dpa/Tödt)
Video: Abendschau | 29.10.2018 | Heike Bettermann | Bild: dpa-Zentralbild

Zehn Jahre nach dem letzten Flug - Rufe nach weiterem Tempelhof-Volksentscheid verstummen nicht

Seit nunmehr zehn Jahren ist der Flughafen Berlin-Tempelhof stillgelegt. Seit vier Jahren kann das Flugfeld offiziell als Erholungsfläche genutzt werden. Dennoch ist die Diskussion über eine mögliche Bebauung noch immer nicht verstummt.

Am Dienstag ist es auf den Tag genau zehn Jahre her, dass auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof das letzte Flugzeug zu einem regulären Flug abhob. Danach erlosch die Betriebserlaubnis - und die Diskussionen über die Zukunft des Flugfeldes begannen, mit dem bekannten Ergebnis: Nach einen Volksentscheid wurde des Gesetz über den Erhalt des Tempelhofer Feldes beschlossen: Eine Bebauung, auch am Rand, wurde verboten.

Doch auch vier Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes gibt es weiter Stimmen, die den damaligen Entscheid gern rückgängig machen oder zumindest ändern würden. Insbesondere die Opposition aus FDP und CDU bringt das Thema in schöner Regelmäßigkeit wieder auf den Tisch.

FDP und CDU halten das Thema am Köcheln

"Wir wollen schon noch mal mit dem Berlinerinnen und Berlinern darüber sprechen, ob nicht eine Randbebauung sinnvoll wäre. Denn nur durch mehr Bauleistung in der Stadt können wir auch die Mieten in einem verträglichen Niveau halten und sogar senken", sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja, am Montag dem rbb.

Auch Teile der CDU würden das Volk gern noch einmal zum Thema Bebauung befragen. So jedenfalls formuliert es der parlamentarische Geschäftsführer der Berliner CDU, Stefan Evers: "Ich glaube, dass eine Volksabstimmung darüber möglich gemacht werden sollte, dann werden wir sehen, ob die Berliner bereit sind, mit uns darüber nachzudenken. Wir sollten im Vorfeld auch Überzeugungsarbeit leisten  und damit beginnen wir heute", sagte Evers der rbb-Abendschau.

Zehn Jahre Feld ohne Flughafen

Bausenatorin hat andere Prioritäten

Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) sieht hingegen erstmal keine Notwendigkeit, über eine Bebauung des Tempelhofer Feldes zu diskutieren. "Wir haben viele andere Potenzialflächen, die wir mit den Bezirken entwickeln. Wir haben dazu extra Bündnisse mit allen Bezirken abgeschlossen, und wir haben die Zahl der Stadtquartiere von elf auf 14 erhöht. Wenn wir das alles weiter gemeinsam betreiben, dann werden wir es auch schaffen, ausreichend Wohnungen zu bekommen", so Lompscher in der rbb-Abendschau.

Was das Flughafengebäude betrifft, hat sich in den vergangenen zehn Jahren ebenfalls relativ wenig getan. Das soll sich zwar ändern, doch zuvor gilt es, einige Schwierigkeiten zu bewältigen: "Hier gab es kein Konzept, keine Pläne, keine Studien und keine Bauunterlagen. Das muss alles beschafft werden", sagte die verantwortliche Architektin Jutta Heim-Wenzel am Montag dem rbb. Demnach soll aus dem Gebäude einmal ein einzigartiger Erlebnisort werden - mit einem 1,5 Kilometer langen, begehbarem Dach.

Sendung:  Abendschau, 29.10.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Ihre Sprache ist deutlich genug. Daher gehe ich auf Sprüche zu "Ökos" etc. nicht weiter ein. Aus heutiger Sicht würde niemand mehr einen innerstädtischen Flughafen bauen. Unnötiges Risko. Daher, so bequem ich Tegel auch finde, es ist einfach nicht nötig einen Flughafen in dichtbesiedelter Lage zu betreiben. Wichtig ist bei einem Flughafen nur die Anbindung, und zwar sowohl für den Individualverkehr als ich den ÖPNV.

    Eine Bitte, definieren Sie mal "Ökos"?

  2. 17.

    Es gab kein Referendum, es gab einen riesigen Betrug unter Vorspiegelung falscher Tatsachen!

    Sie wollen also Tegel und Tempelhof für eine kleine Minderheit offenhalten damit weiterhin 30.000 Menschen vom Luftterror betroffen sind? Von schwerer Krankheit und frühen Tod durch Lärm und Dreck?

    Tagtäglich schwebt dazu noch eine drohende Katastrophe gigantischsten Ausmaß über unseren Köpfen.

    Wer Tegel und Tempelhof für eine kleine Clique offenhalten will verspielt absichtlich die Zukunft unsrer Kinder.

  3. 16.

    Auf Zynismus kann ich verzichten. Dieses Land zerstört seit einiger Zeit mit Wonne eine wichtige Infrastruktureinrichtung nach der anderen, und Berlin mit seiner Flughafen-Phobie ist leider ein Paradebeispiel. Es ist absolut deprimierend. Das ist eine massive Selbstbeschädigung, die wir noch bitter bereuen werden. Ich mag mich irren, aber ich halte die Ökos und ihre Ideologie für die Schuldigen. Offensichtlich wollen die Mehrheiten das aber nicht (s. Tegel-Referendum), es ist eine illegitime Top-Down-Politik.

  4. 15.

    Ach Quatsch! Die Luft war noch nie so sauber wie jetzt, wen interessiert der Strassenlärm und wer durchatmen will, soll sich ne Tüte Luft im Bio-Laden kaufen, oder auf's Land ziehen ;-) So und so ähnlich schrieben viele bei anderen Gelegenheiten zu dem Thema. Na klar, Sie haben natürlich völlig Recht. Eine Stadt wie Berlin braucht solche Naherholungsgebiete. Macht nen riesigen Park draus und ruft die Bevölkerung auf zum Bäume pflanzen :-)

  5. 14.

    Aha, Bild dir Deine eigene Meinung. Sehr lehrreich(?). Hält man sie schräg, fließt Blut aus den Seiten und das täglich.

  6. 13.

    Die Idee eines Central Parks finde ich richtig gut. In diesem Jahrhundert - Sommer haben wir es doch alle feststellen können, die Berliner Luft wird immer dicker. Ab 25 Grad Celsius kann man in der Stadt kaum noch atmen, es stinkt nach Abgasen und ist stickig, und da möchte die Bausenatorin die grüne Lunge für gleich mehrere Bezirke zubauen? ! Ich glaub, es hakt.

  7. 11.

    Irrwitzig, was in der Zwischenzeit an Hinterhofkultur gebaut wurde. Auf anderen zentralen Flächen. Nun sogar Aufstockung der Huste-bloss-nicht-Bauten der 50er um 2 Etagen bei mir in der Nähe.
    Wir machen nichts nach, wir machen was vor.
    Auch beim Verkauf von Sozialwohnungen vor Ablauf der Sozialbindundung, is nich wirtschaftlich. Mitbekommen?
    Zauberland ist abgebrannt.
    Ich packe meinen Koffer, und was nehme ich mit?

  8. 10.

    Nach vier Jahren mit seinen Veränderungen kann man ja schon einmal den Willen der Berliner in Frage stellen, das Tempelhofer Feld nicht zu bebauen. Von 1904 bis 1915 kämpften die Berliner erfolgreich gegen die ausufernde Bebauung des Grunewaldes. Seitdem hat sich doch viel mehr verändert und viel größer ist er auch. Dann lasst uns doch zur Freude der Wirtschaftsverbände und klugen Politikern erst einmal den Grunewald städtebaulich entwickeln! Mit der Vermarktung idyllischer Wassergrundstücke mit eigenem Steg an der Havel wird die Stadt sämtliche Schulden los und kann von dem Rest Schulen und Brücken sanieren. Worauf warten wir noch?

  9. 8.

    Ein gut gemeinter Vorschlag und beiweitem gar nicht einmal so schlecht. Doch jetzt schon gesehen ist das Tempelhofer Feld ein gelungenes Projekt durch Bürgerbescheid und wird auch sehr gerne so genutzt wie er ist. Persönlich kann ich mir allerdings eine behutsame ökologisch/ ökonomisch vertretbare Randbebauung gut vorstellen.

  10. 7.

    Es stellen sie viele grundsätzliche Fragen zum Thema Stadtentwicklung und speziell Bebauung:

    1. Wie will man eine Stadt lebenswert halten? Was ist lebenswert in diesem Sinne?
    2. Soll man einen unbegrenzten Bewohnerzuwachs zulassen?
    a)Wenn nein: Wie begrenzt man ihn? Automatisch durch steigende und für bestimmte Einkommensgruppen nicht mehr leistbare Mieten bei relativ gleichbleibendem Wohnungsbestand? Durch Zuzugsstopp? Durch Eingriffe in die Vertragsfreiheit (Mietpreisbremse)?
    b) Wenn ja: Wie bringt man die Zuzügler unter, ohne die schon vorhanden Bevölkerung aufgrund explodierender Mieten zu vertreiben? Welche Möglichkeiten bieten sich, den Wohnungsneubau zu forcieren? Will man dafür freie Flächen nutzen, die die Stadt aus Sicht vieler Bestandsbewohner erst lebenswert machen? Haben die Bestandsbewohner ein Anrecht darauf, dass die Stadt so lebenswert bleibt, wie sie diese kennen, oder haben Zuzugswillige ein Recht auf Zuzug und damit die erforderliche Umgestaltung?

  11. 6.

    Ich fänd's ganz schön, wenn da wieder Flugzeuge landen würden.

  12. 5.

    Das wäre sinnvoll und auch langfristig nötig. Die Stadt wächst unaufhörlich und Naherholungsgebiete sind unverzichtbar.

  13. 4.

    Vielen Dank and CDU und FDP. Was wäre die Politk ohne “Volksvertreter”, die über Jahre hinweg versuchen, demokratisch erwirkte Beschlüsse zu sabotieren.

    Statt wertvolle Grünflächen zuzubauen sollte man vielleicht zuerst die Flachbau-Supermärkte mit mehr Stockwerken ausstatten und die riesigen Parkplätze unterirdisch legen.

  14. 2.

    ich bin für einen zweiten Großen Tiergarten. Einen Central Park wie New York. Eine bauliche Verdichtung ist angesichts der Klimaveränderung nicht wünschenswert.

  15. 1.

    Wohle eine weltweit einmalige verschrobene Entwicklung im Millieu des RRG Senats:

    Eine riesige Brachfläche in hochpreisiger Stadtlage und im normalen Wohungsbestand wird der letzte Wohnraum herausgepreßt durch extreme Nachverdichtung.

    Parallel das Wegekeln von potenten Investoren, in Berlin qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen, siehe Google und Siemens.

    Berlin hat seinen Gründer-Spitzenplatz eingebüßt, in Berlin gibt das leistungsschwache RRG Milleu den Ton an, die politische Stimmung in Berlin kippt, zumindest auf manchen Ebenen. Der Teil-Rückzug von Google könnte einen Wendepunkt markieren. Mindestens aber hat die Absage hohe Symbolkraft. Denn dahinter steckt eine gewisse investorenfeindliche Stimmung. Schreibt die WELT

    https://www.welt.de/wirtschaft/article182942374/Google-Rueckzug-Berlin-als-Standort-fuer-Start-ups-weniger-attraktiv.html

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