Die Skelette verschiedener Dinosaurierer werden im Naturkundemuseum in Berlin von Besuchern betrachtet.
Video: Abendschau | 07.11.2018 | Anja Herr | Bild: dpa/Jens Kalaene

660 Millionen Euro für Naturkundemuseum - Die Dinosaurier sollen im 21. Jahrhundert ankommen

Das Berliner Naturkundemuseum bekommt 660 Millionen Euro von Bund und Land. Damit könnte das Haus den Sanierungsstau auflösen - und seine Ausstellungsfläche vergrößern. Denn bislang kann das Museum nur einen Bruchteil seiner 30 Millionen Objekte zeigen.

Das Berliner Naturkundemuseum erhält eine umfangreiche Sonderfinanzierung in Höhe von insgesamt 660 Millionen Euro. Die Mittel sollen für eine umfassende Sanierung und Erweiterung verwendet werden, wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Mittwoch gemeinsam mit Museumsvertretern und Haushaltspolitikern des Bundestags bekannt gab.

Am Donnerstag werde der Haushaltsausschuss des Bundestages aller Voraussicht nach beschließen, das Museum in den nächsten zehn Jahren mit 330 Millionen Euro zu unterstützen. Das Land Berlin gebe noch einmal die gleiche Summe dazu, sagte Müller. Er sprach von einem Meilenstein. Die Investition von mehr als einer halben Milliarde Euro werde dafür sorgen, dass sich das Museum zu einem der weltweit besten und führenden Naturkundemuseen weiterentwickle. 

Nicht nur Wissenschaftler, auch die Berlinerinnen und Berliner sollen Müller zufolge von dem Geldsegen profitieren. Sie können künftig die gesamte Sammlung des Museums sehen - aktuell wird nur ein Bruchteil ausgestellt. "Es ist uns ein Anliegen, Wissenschaft erlebbar zu machen. So können wir heute die Forscher von morgen begeistern", sagte Müller.

Ermöglicht wurde der unerwartet hohe Geldsegen durch die hohen Steuerüberschüsse, die dem Land Berlin und dem Bund Handlungsspielräume für Sonderinvestitionen eröffnen.

Ausstellungsfläche könnte vervierfacht werden

Der Generaldirektor des Museums, Johannes Vogel, sagte, mit dem Geld könnte nun die Ausstellungsfläche vervierfacht werden, auf mehr als 20.000 Quadratmeter. Außerdem sollen alle Ausstellungsstücke auch digital zugänglich gemacht werden. Bislang kann ein Großteil der rund 30 Millionen Objekte des Museums nicht gezeigt werden. Vogel hatte in den vergangenen Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass fast 70 Prozent der Sammlungen der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden könnten. Weite Teile seien zudem nicht angemessen gelagert.

Gleichzeitig soll das Museum auch dazu beitragen, die Menschen näher an die Arbeit der Forscherinnen und Forscher heranzubringen, sagte Vogel. Das Naturkundemuseum erhalte damit auch die Möglichkeit, das weltweit einzige Museum zu sein, dass alle Dinosaurierzeitalter mit echten Objekten zeigen könne, so der Generaldirektor.

Vogel und sein Team wollen das Haus zu einem weltweit vernetzten Forschungsmuseum mit den Themen Biodiversität, Evolution, Wissenschaft und Gesellschaft weiterentwickeln. "Wenn in Ghana eine Rinderpest ausbricht, haben wir die Fliege, die sie auslöst", sagt er. Er sieht das Museum in gesellschaftlicher Verantwortung in Sachen Natur. "Wir leben in einer Welt, der es nicht ganz gut geht. Wir müssen wissenschaftliche und gesellschaftliche Lösungen finden." 

Viele Sammlungssäle noch im Zustand von 1945

Wie der "Tagesspiegel" berichtet, sind viele Sammlungssäle im Naturkundemuseum zurzeit noch in dem Zustand von 1945, der Brandschutz veraltet. Museumsdirektor Vogel, hatte in den vergangenen Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass fast 70 Prozent der Sammlungen der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden könnten. Weite Teile der Sammlungen seien zudem nicht angemessen gelagert.

Mit dem nun in Aussicht stehenden Geld könnten nun umfangreiche Sanierungen vollzogen werden. Zudem wollen die Museumsmanager laut "Tagesspiegel" umfangreiche Neubauten in Auftrag geben. Unter anderem sollten Hörsäle, ein Konferenzzentrum und ein von der Humboldt-Universität betriebener Wissenschaftscampus entstehen.

Sendung: Inforadio, 07.11.2018, 07.11.2018, 15:40 Uhr

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3 Kommentare

  1. 2.

    Mich freut das sehr! Dieses Museum hat etwas ganz besonders!

  2. 1.

    Gut investiertes Geld. Immerhin ist der Brandschutz im Museum in vielen Gebäudeteilen mangelhaft! Wenn wir keine Katastrophe wie beim Museumsbrand in Brasilien haben wollen und einige der weltweit bedeutendsten Sammlungen aus Spargründen riskieren wollen, sind diese Investitionen dringendst nötig!

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