Ein Plakat am U-Bahnhof Hermannplatz (Quelle: rbb/Clara Ehrmann)
Audio: Fritz | 20.11.2018 | Studiogespräch mit Clara Ehrmann | Bild: rbb/Clara Ehrmann

"Returning from Germany" - Innenministerium irritiert mit Plakat-Kampagne

"Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" Mit diesem Slogan fordert das Bundesinnenministerium ausreisepflichtige Asylbewerber derzeit zur Rückkehr in ihre Heimat auf. Doch die Plakate sind wenig konkret - und irritieren ganz generell Menschen mit Migrationshintergrund. Von Clara Ehrmann

Eines kann man den neuen Plakaten aus dem Bundesinnenministerium von Horst Seehofer nicht vorwerfen: dass sie missverständlich sind. "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" steht da in großen Lettern, begleitet von weiteren wichtigen Informationen: "Freiwillige Rückkehr: Bis zum 31.12.2018 bis zu zwölf Monate zusätzlich Wohnkosten sichern."

Mal ist das auf Deutsch, daneben aber auch auf Englisch, Französisch, Arabisch, Russisch, Paschtu oder Farsi zu lesen. Außerdem schlängeln sich die Flaggen von Afghanistan, Russland, Ägypten, Indien, dem Libanon, der Türkei und einigen afrikanischen Ländern über die Plakatwände.

Ärger und Unverständnis, Farbbeutel und Parolen

Am U-Bahnhof Rathaus Neukölln kommen die neuen Plakate nicht gut an. Auf einige der Plakate wurden Farbbeutel geworfen, auf andere trotzig "Refugees welcome!" geschrieben. Vor allem Menschen, die gebürtig aus den genannten Ländern stammen, ärgern sich. Eine Passantin sagt: "Ich finde das widerlich, fast wie ein Gewinnspiel: Geh' mal wieder nach Hause, kriegst noch 1.000 Euro Weihnachtsgeld drauf und dann auf Wiedersehen."

Die Wut der Menschen über die Aktion entlädt sich aber auch in den sozialen Medien. So schreibt ein Facebook-Nutzer: "Ist das neue Politik und neue Toleranz? Toll...". Und der linke Satiriker Shahak Shapira kommentiert ein Bild des Plakats schlicht und einfach: "Alter!"

"Starthilfe Plus" wirbt mit bis zu 1.200 Euro

Dabei ist Unterstützung für Rückkehrer erstmal nichts Neues. Es gibt solche Programme schon seit den 1970er-Jahren. Doch im vergangenen Jahr wurde zusätzlich die "Starthilfe Plus" eingeführt. Informieren kann man sich auf der Website der Kampagne "Returning from Germany" [externer Link] oder beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Dort bekommen Rückkehrer kostenlose Beratung und maximal 1.200 Euro für den Start in ihrem Heimatland.

20.11.2018, Berlin: Horst Seehofer (CSU), Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, spricht im Bundestag (Quelle: dpa/Fischer)
Innenminister Seehofer | Bild: dpa/Fischer

Seehofer legt noch tausend Euro oben drauf

Seit dem 15. September und noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres legt Innenminister Seehofer jetzt noch einen Tausender für die Miete im Heimatland drauf. Grund dafür sind wahrscheinlich die sinkenden Rückkehrer-Zahlen: Waren es im vergangenen Jahr noch rund 29.000, wurden bis Ende Oktober 2018 nur 14.100 rückkehrwillige Flüchtlinge gezählt.

Die Dein-Land-Kampagne soll eigentlich nur Ausreisepflichtige ansprechen. Also Asylbewerber, deren Antrag sowieso abgelehnt wurde. So konkret steht das aber leider nicht auf den Plakaten.

"Kommunikation in sehr komprimierter Form"

Pressesprecher Steve Alter vom Bundesinnenministerium ist sich dieses Problems bewusst. Die Schwierigkeit bei solchen Informationsangeboten bestehe darin, dass die Kommunikation in sehr komprimierter Form erfolge. Die Aktion, sagt Alter, solle über aktuelle Möglichkeiten der freiwilligen Rückkehr und die damit in Verbindung stehende staatliche Unterstützung informieren. "Sie richtet sich nicht an Menschen, die rechtmäßig in Deutschland leben", betont der Ministeriumssprecher.

Trotzdem fühlen sich auch die rechtmäßig in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten angesprochen. Auf U-Bahnhöfen wie dem Rathaus Neukölln ist ihr Unmut jedenfalls deutlich zu spüren. "Ich ärgere mich schon darüber, weil ich auch einen Migrationshintergrund habe", sagt stellvertretend eine Frau. Ein Mann fügt hinzu: "Ich war sehr enttäuscht, sowas in der U-Bahn-Station zu sehen."

Beitrag von Clara Ehrmann

Kommentar

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50 Kommentare

  1. 50.

    Nun ja, ersteres ist eben auch international normal ;-) Daher sind wir eben ein normales Land. Wir müssen ja nicht besser sein als andere, aber schlechter sollten wir auf keinen Fall sein. Nur weil andere Staaten totalitär sind bzw. rückständig was die Menschenrechte anbelangt, müssen wir das nicht mitmachen.

  2. 48.

    "Wir sind ein normales Land." Welches sich erlaubt Gaunern, Abzockern, Steuerbetrügern wie Banken und deren Kunden Milliarden hinterherzuwerfen. Da kräht kein Hahn nach.

    Aber wenn es um Menschlichkeit geht, da wird rumgekräht und gepöbelt was das Zeug hält...

    Die Milliarden der Abzocker sehen wir nie wieder, die "Investition" in Menschen aber zahlt sich aus.

  3. 47.

    "Die BRD ist von einer Solidargemeinschaft geprägt und Neubürger verursachen erstenmal Kosten."

    Nicht erst einmal, die Neubürger von '89 kosten bis heute Milliarden und einige haben sich bis heute nicht integriert, in einigen Regionen wie z.B. Cottbus sogar mit einem Anteil bis zu 20%! :-P

    Nee, im Ernst. Nach ihrer Milchmädchenrechnung hätten wir niemals ~ 17 Millionen reine Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen dürfen. Schon mal darüber nachgedacht?

  4. 44.

    Daß - Zitat "ausreisepflichtige Asylbewerber" ausreisen, wäre in einem normalen Land eine Selbstverständlichkeit. Daß man hier mit Plakaten darum betteln muß, zeigt, wie desaströs die hiesige Asylpolitik ist.

  5. 43.

    Ich komme aus Argentinien und MEIN Land ist Deutschland.
    Ich arbeite seit 30 Jahren hier, zahle MONATLICH 2000 Euro Steuern und 800 Euro für die Krankenkasse. Sie auch? Ich meine, weil Sie doch hier in Deutschland geboren sind, müßte das nach der Logik einiger MeinungsgeberInnen so sein...

  6. 42.

    Wie hier schon wieder alle um's Geld weinen... 4 Milliarden haben Flüchtlinge den deutschen Steuerzahler in 2017 gekostet. Ganze 4 Milliarden! Hört sich viel an, oder? Zum Vergleich: ca 13 Milliarden gehen pro Jahr durch gewöhnliche Steuerhinterziehung verloren. 55 Milliarden hat die cum-ex Geschichte und gekostet. Und über 100 Milliarden kosten die ganz legalen Steuer Tricks von amazon, Apple, Starbucks und Co. Kann sich außerdem noch wer an die Panama papers erinnern? Und was ist mit diesen Steuerrückzahlungen für gar nicht existierende Aktien, was grade raus kommt?
    Schon mal überlegt, dass auch die Flüchtlingszahlen zurück gegangen sind? Vielleicht gehen daher ja auch die Zahlen der "freiwilligen" Rückkehrer zurück?
    Und was wohl diese Plakate gekostet haben? Nur weil weniger Leute diese "Hilfen" in Anspruch nehmen. Ich lese da einen ganz miesen Unterton raus, den ich nicht von meinen Steuern finanziert wissen will! Diese Plakataktion gehört auf der Stelle gestoppt!

  7. 41.

    Einige hier scheinen nicht verstehen zu wollen, dass sehr wohl viele Geflüchtete arbeiten und wegen ihres geringen Durchschnittalters mehr in die Krankenversicherung einzahlen als sie rausbekommen, von der Rente brauchen wir gar nicht zu reden. Wenn wir in Integration investieren, statt potentielle Arbeitgeber mit Abschiebungen zu verunsichern, dann tragen Flucht und Migration zur Stabilisierung unserer Rentenversicherung bei. Die feindselige Haltung Flüchtlingen gegenüber kann ich nicht verstehen, unsere Vorfahren mussten auch vor Krieg fliehen und wir können dankbar sein, dass wir soetwas nicht erleben mussten.

  8. 40.

    Wieviele Neuzugänge haben Sie denn schon in ihre Wohnung aufgenommen, um tolerante und solidarische Hilfe zu leisten? Reines Gerede, wenn Sie das von anderen verlangen, dass die auf ewig eine wachsende Anzahl anderer versorgen können sollen, und die sonst als "untolerant" oder so abstempfeln, oder?

  9. 39.

    Ich gebe Ihnen Recht, wenn Sie vorschlagen, mehr in die "deutsche Sprache und Grammatik" zu investieren. Das tut wirklich Not. Wer im Glashaus sitzt, ....
    Ansonsten muss ich aber dem Einwand ob der Rentenkassen, der Sozialleistungen, Krankenversicherung u.a. beipflichten. Das tragen WIR ALLE. Nicht nur die Kommentatorin, die Sie hier angreifen. Die BRD ist von einer Solidargemeinschaft geprägt und Neubürger verursachen erstenmal Kosten. Selbst, wenn sie später ausgewiesen werden sollten. Darum ist das plakative Ansinnen nicht von der Hand zu weisen und für die Gemeinschaft preiswerter bez. kostengünstiger.
    Damit kann man dann in Bildung, Gesundheit, Kultur investieren.

  10. 38.

    Wen meinen Sie mit "wir"? Sicherlich nicht die gesamte Bevölkerung Deutschlands.... . Sprechen sie nicht für andere sondern für sich selbst. Dann wird evtl. ein Schuh draus.
    Meiner Meinung nach wäre jeder Euro der in Bildung investiert würde - auch in Ihre - besser investiert und ich als Leser der Kommentare hier müsste nicht ständig versuchen Ihren Text in die deutsche Sprache und Grammatik zu übersetzen.

  11. 37.

    Die Kampagne ist getragen von einer Allmachts-Phantasie, bestimmen zu können, was in den "Rückkehr-Ländern" passiert und garantiert werden könne und sie ist getragen von einem Nichtverständnis derjenigen, die sie ansprechen sollen.

    Sprachregelungen, die an Orwellsche Newspeak grenzen, wäre den Besitzern von Lebensmittel-Karten nach dem Krieg wie glatter Hohn vorgekommen, "wir" aber haben uns, so scheint es, dran gewöhnt: "Beweisen Sie Weitblick! That´s Your Future! - Sichern Sie sich per App Ihr Brot und Ihr Gemüse. Jetzt!"

  12. 36.

    Jeder Euro, den wir für Ausreisewillige und Zurückkehrende bezahlen, schlägt nicht so ins Kontor, wie die Summen, die wir später für die Grundsicherung, der Krankenversicherung und anderen Sozialleistungen bezahlen.
    Jemehr also annemiert werden, wieder in ihre Herkunftsländer zurück zu kehren, um so mehr bleiben an Steuern und Renten übrig, den wir für diesen Bevölkerungskreis bezahlen würden.

  13. 35.

    Nicht immer ist gut gemeint auch gut gemacht. Und gerade in solch atmosphärisch angespannten Zeiten sollte besonders behutsam formuliert werden. Und bei Befragungen von Flüchtlingen stellte sich auch heraus, dass viele tatsächlich irgendwann gerne zurück in ihr Ursprungsland möchten. Aber jetzt sind diese Menschen hier und bleiben es auch. Klar, es hört sich nach verklärter "Sozialromantik" an, aber wäre es nicht langsam angebracht und für uns alle wichtig, dass wir versuchen tolerant zu sein, uns freundlich und offen zu verhalten, damit der Riss, der sich so langsam durch unsere Gesellschaft zieht, nicht noch größer wird? Man muss nicht alles hinnehmen und sollte auch Kritik üben dürfen, aber respektvoll und in angemessenem Ton müsste das schon sein. Es scheint nur noch Jeder gegen Jeden und das um jeden Preis zu gelten. Das macht mir mehr Angst, als es die Flüchtlingssituation jemals könnte.

  14. 34.

    Wirklich ein Skandal. Bekanntlich hat jede/r/s Mensch/in auf der Welt das Recht, in Deutschland zu leben. Natürlich auch, wenn er sich ein klein wenig (oder ganz ordentlich) danebenbenommen hat.

    Gestern in einem Supermarkt habe ich den Unmut schon deutlich gespürt. Und irgendeine Frau hat irgendetwas gesagt. Womöglich war sie wütend und traurig. Vielleicht könnte der RBB das mal recherchieren? Er weiß ja, wie moderner, unabhängiger, objektiver Journalismus geht.


  15. 33.

    Geschmacklos, dass jetzt schon mit Steuergeldern Stimmung gegen Menschen gemacht wird! Da wird einem einfach nur schlecht.

  16. 32.

    Das ist offenbar nur eine politische Kampagne, bei der es darum geht, deutschen zu signalisieren, dass die Politik sich bemüht, die Ausländer loszuwerden (man beachte: die Plakate sind auf deutsch, nicht auf arabisch o.ä.). Den Politikern ist eigentlich klar, dass die Geflüchteten die Wirtschaft eher ankurbeln und es aus unterschiedlichen Gründen extrem Konjunkturstärkend ist. Das ist leider nicht so leicht zu vermarkten. Inhaltlich ist die Unterstützung der Rückkehr ja zu begrüßen. Die Sprache mit der dort gesprochen wird, ist werbesprache. Als würde man einen handyvertrag abschließen. Das ist respektlos gegenüber den Menschen. Ich kann nur sagen: Thema verfehlt. Note 6. Zurücktreten.

  17. 31.

    Selbst Deutschland hat nach '45 für den Wiederaufbau immense Hilfen bekommen, da werden 1000 € "Handgeld" nicht reichen.

    Diese Plakataktion ist extrem populistisch und dumm. Sie spricht nicht die Betroffenen an, sondern in allerester Line Leute wie sie.

    Und diese Leute sind entweder reichlich naiv (s.o.) oder es interessiert sie aus den verschiedensten Gründen (Rassismus, Neid, Ausländerhass) nicht was aus den Leuten da wird.

    Dumm ist sie deswegen, weil wenn ich Menschen in ein total zerstörtes Land schicke, wie weit meinen sie kommen die Leute mit diesem erbärmlichen "Handgeld"? Sie müssen also wiederkommen.

    Aber erst mal sind sie weg und unser ich-schenke-mir-zum-Geburtstag-ein-paar-Abgeschobene-Asylbewerber-Horst streut dummen Leuten Sand in die Augen und klopft sich auf die Schulter und kann im nächsten Bierzelt damit angeben.

    Von unseren Steuergeldern!

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