Enwurf von Cobe Berlin für den Checkpoint Charlie (Quelle: Cobe berlin)
Audio: Inforadio | 29.11.2018 | Nina Amin | Bild: Cobe Berlin

Umstrittener Investor - Senat streitet über Neubauprojekt am Checkpoint Charlie

Der ehemalige Grenzübergang Checkpoint Charlie teilt die Stadt erneut: In der rot-rot-grünen Koalition gibt es Widerstände gegen einen Investor, mit dem der Senat bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet hat.

Der Senat streitet über ein Neubauprojekt am Checkpoint Charlie.
 
Der Investor Trockland plant ein Hotel, Büros und Wohnungen am ehemaligen Grenzübergang. Die Firma ist jedoch umstritten wegen undurchsichtiger Kapitalgeber.

Spuren führen nach Russland und in Steueroasen

Die Linken wollen nun Informationen darüber, woher das Geld des Investors kommt. Allerdings hat der Senat mit der Firma Trockland schon eine Absichtserklärung mit geheimem Inhalt unterzeichnet. Sie wurde auf Staatssekretär-Ebene zwischen den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, Finanzen und Kultur mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) und Trockland unterschrieben.

Die "Berliner Zeitung" und der "Tagesspiegel" haben in ihren Donnerstagsausgaben darüber berichtet, wie schwer es ist, den Ursprung des Investorengeldes nachzuvollziehen.

Die Spuren des schwer zu fassenden Gesellschafter-Gestrüpps führen demnach vor allem nach Russland, aber auch zur Familie des früheren turkmenischen Staatschefs Saparmurat Nijasow, der 2006 gestorben ist. Mehrere andere Gesellschafter sitzen in Steueroasen, etwa in Liechtenstein, Luxemburg oder Zypern.

Option für Kaufvertrag endet im Januar 2019

Zwei Firmen heißen Trockland IX Real Estate West GmbH und Trockland IX Real Estate Ost GmbH, denen die beiden noch zu bebauenden Grundstücke rechts und links der Friedrichstraße gehören. Im Grundbuch gibt es eine Eigentümerübertragungsvormerkung für Trockland IX Real Estate Ost und West aufgrund der Übernahme der Grundschuld von knapp 90 Millionen Euro.

Damit hat Trockland die Grundstücke allerdings noch nicht erworben. Die Option für den Kaufvertrag endet am 31. Januar 2019. Noch könnten die Pläne des Investors scheitern, der die Planung bereits weit vorangetrieben hat. Das Land Berlin verfügt über weitgehende Vorkaufsrechte. Falls die Option verstreicht, könnte der Senat mit dem Insolvenzverwalter eine Übernahme der Flächen in Landeseigentum verhandeln. Möglich ist aber auch eine Zwangsversteigerung, bei der das Land Berlin dann wie jeder private Investor mitbieten müsste.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) sagte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus, an einem Ort wie dem Checkpoint Charlie sei es wichtig, mit Partnern zusammenzuarbeiten, bei denen es "keinen Anschein eines bösen Scheins" gebe.

Innerhalb der rot-rot-grünen Koalition gibt es allerdings unterschiedliche Auffassungen, wer am Checkpoint Charlie bauen soll, teilweise auch innerhalb der Parteien. Eine endgültige Entscheidung ist bislang nicht getroffen.

Berlin soll Miete für Museumsfläche zahlen

Nach langem Hin und Her hatten sich im Sommer Politik und der private Investor auf Eckpunkte einer künftigen Bebauung geeinigt. In einem der neuen Gebäude soll demnach auch ein "Bildungs- und Erinnerungsort" eingerichtet werden. Das Museum, das an die Geschichte des Ortes und den Kalten Krieg erinnern soll, ist unterirdisch geplant, Berlin soll eine jährliche Miete von etwa 800.000 Euro zahlen.

Anfang Oktober hatte sich auch eine prominent besetzte Initiative um die ehemaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) und Walter Momper (SPD) dafür ausgesprochen, den einstigen Brennpunkt der Weltgeschichte zu einem Ort der Information zu machen.

Zudem wurden sieben Testentwürfe für die Gestaltung der Kreuzung Friedrichstraße Ecke Zimmerstraße präsentiert. Nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung sollten daraus Empfehlungen für einen Architekturwettbewerb entwickelt werden.

Sieben Entwürfe, wie es am Checkpoint Charlie aussehen könnte

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Wie wäre es denn mit einem großen Parkhaus für all die vielen Touribusse und ganz oben eine Aufsichtsplattform mit Rundumblick? Ironie Ende.

  2. 1.

    Mann sind das piefige Gestaltungvorschläge, da punktet Berlin ja richtig, wenn sich da mal nicht der Senat wiederspiegelt. Museum im Keller für jährlich 800.000,-Euro Miete, da verstehe ich allerdings das die Absichtserklärung im geheimen unterzeichnet wurde,bauernschlau waren die ja schon immer. Da sind ja die selben Koryphären am Werk wie beim BER.

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