Tempohome, modulare Unterkünfte für Flüchtlinge in Berlin (Quelle: dpa/Kremming)
Video: Abendschau, 18.11.2018, Ulli Zelle | Bild: dpa/Kremming

Containerdörfer für Flüchtlinge - Trotz Leerstand: Senat lehnt Baustopp bei Tempohomes ab

Bewohnbare Häuser, die leerstehen: In Berlin eigentlich undenkbar. Doch bei den sogenannten "Tempohomes", in die Flüchtlinge einziehen sollen, ist es häufig so. Denn Betreiber sind schwer zu finden. Die CDU fordert nun einen Baustopp - der Senat lehnt ab.  

Sanft rieseln die Herbstblätter auf das Containerdorf der "Tempohomes" am Rohrdamm in Siemensstadt. Seit einem Jahr rührt sich hier nichts. Auf einem Sportplatz stehen seit Oktober 2017 die weißen Metallunterkünfte dicht an dicht. Hier wäre Platz für rund 200 Menschen, die bisher in Notunterkünften ausharren müssen. Doch bei der Belegung geht es nicht voran. Bislang wurde kein Betreiber für die Häuser gefunden.

Die insgesamt 17 Containerdörfer dieser Art in Berlin sind auf Zeit angelegt, gebaut hat sie das Land Berlin. Sie sollen höchstens drei Jahre betrieben werden. Die Objekte müssen rund um die Uhr bewacht und nachts beleuchtet werden - auch wenn sie leer stehen sollten.

"Der Senat hat für die Betreiber die Voraussetzungen so hoch gesetzt", sagt Cornelia Seibeld, intergrationspolitische Sprecherin der CDU, "dass viele Betreiber, die wir bislang hatten und die auch gute Arbeit gemacht haben, gesagt haben, unter diesen Voraussetzungen lohnt sich das nicht mehr."

CDU fordert Nutzung für Obdachlose

Auch dass weniger Geflüchtete kommen, sei ein weiterer Grund für den Leerstand: "Der Senat muss sich fragen lassen, ob es nicht interimsmäßig eine Alternativnutzung gibt", so Seibeld. Die Kältehilfe für Obdachlose wäre ein Kooperationspartner, meint die CDU-Politikerin.

Zur Unterbringung von Obdachlosen seien sie allerdings nicht gemacht, sagt Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD): "Zweitens ist die baurechtliche Genehmigung dafür auch nicht erteilt worden."

Zusätzlich zu den Tempohomes entstehen auch 25 sogenannte "Mobile Unterkünfte für Flüchtlinge", kurz "MUF". Doch auch die stehen zum Teil leer. "Ich glaube auch nicht, dass wir weitere Tempohomes oder MUFs brauchen", meint Cornelia Seibeld. Beim derzeitigen Leerstand kommen wir mit den bestehenden Unterkünften aus." Zumal die Flüchtlingszahlen im kommenden Jahr laut Prognosen wohl eher weiter fallen, so Seibeld.

"Wir brauchen mehr Tempohomes"

Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) lehnt die Forderung nach einem Baustopp für Flüchtlingsunterkünfte aber erneut ab. "Wir brauchen viel mehr Tempohomes", sagte sie der rbb-Abendschau. "Nach unserer Prognose brauchen wir 38.000 Plätze bis Ende 2020."

So gebe es bei den Tempohomes in der Tat "über 3.000 Plätze, die nicht belegt sind". Allerdings würden in vielen Flüchtlingsunterkünften Sanierungsmaßnahmen oder Umbauarbeiten durchgeführt. "Die können nicht alle belegt werden." Die Tempohomes wiederum bieten zwei Zimmer mit je zwei Plätzen. Eine dreiköpfige Familie müsste also zwei der Mini-Häuser beziehen - und ein Platz bliebe frei. "Von den 3.000 Plätzen bleiben 1.500 Plätze übrig, die wir nutzen können." Und diese müssten freibleiben, weil man Flüchtlingsunterkünfte jetzt freiziehe und Plätze für besonders schutzbedüftige Menschen brauche, so Breitenbach.

Dass ganze Standorte wie in Siemensstadt leerstehen, liege in der Tat an den europaweiten Ausschreibungen. Deren Vorgaben seien streng. "Daran können wir nichts ändern", so Breitenbach. Zudem dauerten die Verfahren lange. "Mir geht es auch zu langsam, aber wir können die Regelung nicht außer Kraft setzen."

Die Forderung, die weißen Containerhäuser für Obdachlose im Winter zu öffnen, lehnte Breitenbach ebenfalls ab. Die Kältehilfe habe 1.200 Plätze, von denen noch nicht alle belegt seien.

Kurz erklärt

Was sind Tempohomes?

Tempohomes sind temporäre Unterkünfte für Flüchtlinge. In den weißen Containerhäuschen sollen sie wohnen, bis ausreichend Plätze in sanierten Bestandsunterkünften und neuen Wohnheimen (MUF) bezugsfertig sind - oder ausreichend bezahlbare Mietwohnungen zur Verfügung stehen. Gebaut werden sie vom Land Berlin, betrieben von externen Dienstleistern, die in einer europaweiten Ausschreibung ermittelt werden. Insgesamt entstehen an 17 Standorten im Berliner Stadtgebiet Tempohome-Anlagen mit insgesamt bis ca. 5.300 Plätzen.

Jede Wohneinheit besteht aus einem Eingangsraum mit kleiner Küche, Duschzelle und Toilette. Rechts und links vom Eingangsraum liegt jeweils ein Schlafraum für zwei Personen. Die Wohnungen werden mit Betten, Schränken, Stühlen, Tischen, Wäsche sowie Koch- und Essgeschirr ausgestattet. Darüber hinaus gibt es an jedem Tempohome-Standort Verwaltungs-, Versorgungs- und Gemeinschaftsgebäude.  

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

8 Kommentare

  1. 8.

    Fr. Breitenbach und Hr. Kleebank sollten sich schämen die Option zur Nutzung der Containerhäuser für Obdachlose mit fadenscheinigen Argumenten abzulehnen. Zum Glück haben wir in Berlin nur 1200 Obdachlose... Aber so lange man selbst im Warmen sitzt, hat man gut reden.

  2. 7.

    Berlin kann sich das mit seinen Milliardenschulden leisten.
    Für Obdachlose , Rentner und Studenten fühlt sich doch keiner verantwortlich.

  3. 6.

    Es ist lächerlich, dass man über eine Bleibe für Obdachlose diskutiert und hier den Leerstand reklamiert. Wozu wurde dieses Geld dann verschwendet, wenn es am Ende niemand nutzt ?

  4. 5.

    Wenn diese Räumlichkeiten leer stehen, warum werden diese nicht für Obdachlose in der Kältezeit zur Verfügung gestellt?

  5. 4.

    Ich denke ja, dass die Dinger ein Müllproblem werden. Außerdem möchte niemand darin wohnen.
    Da massenhaft Sozialwohnungen fehlen, sollte und müsste in die investieren.
    Gerade Berlin müsste wieder Miniwohnungen als Plattenbau bauen, weil die Mieten einfach nicht mehr bezahlbar sein werden. Mit 30-50 qm pP wohnen wird Luxus.

  6. 3.

    Kleine Ergänzung: Im Bereich der Hermannstraße Neukölln gibt es noch heute Einzimmerwohnungen (38 qm) mit Innenklo. Wo früher eine Familie drin gelebt hatte. Neukölln war damals Arbeiterviertel. Leinestraße ist ein gutes Beispiel. Heute kostet so eine Wohnung um die 500,- Euro monatlich.

  7. 2.

    Ist das eine Materialverschwendung, Holzhütten hättens aus gemacht.

  8. 1.

    Aha, Tempohomes sind nicht für Obdachlose genehmigt. Sind das denn etwa U-Bahnhöfe, deren Öffnung immer wieder für deren Unterbringung gefordert wird? Die Bürokratie in der EU und in diesem Land treibt manchmal wirklich groteske Blüten. Hier sollte dringend mal nachgebessert werden.

    "Rechts und Links vom Eingangsraum liegt jeweils ein Schlafraum für zwei Personen. " Das sind doch Betten für 4 Personen - weshalb sollen dann drei Personen auf zwei Tempohomes aufgeteilt werden??? Zumal in Berlin früher ganz andere Verhältnisse herrschten, als ganze Großfamilien in kleinen Wohnungen mit manchmal nur einem Zimmer neben der Küche wohnen mussten. Da hat auch keiner nach Zumutbarkeit gefragt.

Das könnte Sie auch interessieren