Hubertus Knabe, Vorstand und Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, kommt zur Gedenkstätte und will dort seine Arbeit aufnehmen. Vor dem Eingang überreicht ihm eine Frau einen Blumenstrauß. Dabei hat der Stiftungsrat der Gedenkstätte am 25.11.2018 seine sofortige Abberufung beschlossen. (Quelle: dpa/Zinken)
Video: rbb24 | 26.11.2018 | Studigespräch mit Torsten Mandalka | Bild: dpa

Trotz Abberufung durch Stiftungsrat - Hubertus Knabe kehrt in die Gedenkstätte zurück

Hubertus Knabe trotzt seiner Abberufung: Der beurlaubte Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen kehrte am Montag in sein Büro zurück und verwies auf eine Entscheidung des Landgerichts. Kultursenator Lederer will sich das nicht bieten lassen.  

Hinweis: Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert. Die weiteren Entwicklungen zum Thema finden Sie hier.

Der abgesetzte Leiter der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, ist am Montag trotz eines gegenteiligen Beschlusses des Stiftungsrates in sein Büro zurückgekehrt. Vertreter von Opferverbänden begrüßten ihn mit Blumen, bevor Knabe die Gedenkstätte betrat, um an seinen Schreibtisch zurückzukehren.

Der Stiftungsrat der Gedenkstätte unter Vorsitz von Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte am Sonntagabend entschieden, Knabe mit sofortiger Wirkung als Direktor und Vorstand der Gedenkstätte abzuberufen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Stiftungsrat und Vorstand sei zerrüttet, hieß es in einer Erklärung.

Knabe verweist auf drohendes Ordnungsgeld gegen Lederer

Der Stiftungsrat reagierte mit seinem Beschluss auf eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin vom Freitag. Das hatte in einem Eilverfahren die Freistellung Knabes von seinem Amt als Gedenkstättendirektor aufgehoben. Auf diese Verfügung verwies Knabe am Montagmorgen, als er in die Gedenkstätte zurückkehrte: "Das Landgericht hat dem Kultursenator Herrn Dr. Klaus Lederer aufgegeben, mich wieder als Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen tätig werden zu lassen", erklärte Knabe. Bei Zuwiderhandlung drohe das Gericht ein Ordnungsgeld von 25.000 Euro an.

Lederer: Senat hat Widerspruch eingelegt

Kultursenator Lederer (Linke) erklärte am Montag, der Senat habe am Morgen Widerspruch gegen die Entscheidung des Landgerichts eingelegt. Er rechne mit einer "zeitnahen" Entscheidung, sagte Lederer, der ebenfalls in der Gedenkstätte erschienen war, dem "Tagesspiegel". Bis dahin werde er nichts unternehmen. Derzeit gebe es eben mit dem Beschluss des Stiftungsrates und der Verfügung des Landgerichts zwei sich widersprechende Entscheidungen.

Angesichts dieser Situation werde er im Interesse der Gedenkstätte "größtmögliche Gelassenheit" an den Tag legen, sagte der Senator. Der Betrieb müsse weitergehen – dafür seien die Voraussetzungen geschaffen.  

Sowohl Lederer als auch Knabe nahmen am Vormittag an einer Mitarbeiter-Versammlung teil. Ein Sprecher der Gedenkstätte sagte, man befinde sich in einer verzwackten Situation: mit Knabes Rückkehr gebe es mit dem kommissarischen Leiter de facto zwei Direktoren.

Der Stiftungsrat hatte bei seiner Sitzung am Sonntag Jörg Arndt zum Vorstand und Direktor der Gedenkstätte bestellt. Arndt war bis vor kurzem stellvertretender Vorstand und Verwaltungsleiter der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek. Der Stiftungsrat drängt außerdem darauf, das Ausschreibungs- und Nachbesetzungsverfahren für die Leitung der Gedenkstätte Hohenschönhausen umgehend einzuleiten.

Knabe widerspricht Vorwürfen

Knabe wird vorgeworfen, sexuelle Übergriffe seines Stellvertreters auf Mitarbeiterinnen jahrelang geduldet zu haben. Deswegen hatte der Stiftungsrat ihn zum 31. März entlassen und bis dahin freigestellt.

Knabe widersprach am Montag erneut den Vorwürfen und bekräftigte damit seinen Standpunkt, den er bereits kurz nach seiner Freistellung kundtat: Er sei Hinweisen über Belästigung stets nachgegangen. Er habe im konkreten Fall bis heute nicht erfahren, wer sich belästigt gefühlt habe.

Sendung: Inforadio, 26.11.2018, 10:00 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Anonymer-User] vom 27.11.2018 um 05:12
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24 Kommentare

  1. 24.

    Lieber Koll. Kranz, doch es wissen sehr viele Menschen von diesen Erfahrungen zu berichten. Wir kennen uns aus unserer gemeinsamen Berufung darüber zu berichten. Ich kann und will es nicht ertragen, dass an dieser Gedenkstätte Menschen ( hier Frauen ) in ihrer Abhängigkeit gedemütigt wurden in Kenntnis von Knabe. Und diesen Fakt dürfen wir nicht ignorieren, ansonsten wir uns als Referenten unglaubwürdig machen.
    Sorry Koll. Kranz.

  2. 23.

    ich verstehe nicht, wie die ganzen Verteidiger des Herrn Knabe die Aussagen der Belegschaft ignorieren können... Sind sexuelle Übergriffe denn so unwichtig?

  3. 22.

    Ihren Hass auf die linke freien Lauf lassen? Ich dachte seit einigen Wochen läuft die Hexenjagd aus einer anderen Richtung. Und die möglicherweise berechtigten Interessen der betroffenen Frauen stehen schon lange im Hintergrund. Was den Unmut auf die Initiatoren betrifft, bzw deren politischen Hintergrund, es gibt halt Menschen die haben ihre Erfahrungen gemacht. Ich glaube die meisten derer die da so munter lustig in diesem Forum drauf los schreiben haben nicht die Spur einer Vorstellung was für Erfahrungen das sind.

  4. 21.

    Auch interessant und alarmierend in diesem Zusammenhang:

    https://www.mdr.de/kultur/themen/warum-siegmar-faust-nicht-mehr-durch-hohenschoenhausen-fuehrt-100.html

    Knabe will von Fausts Äußerungen und Ansichten bzw. dessen antisemitischen Hololaustrelatvierung und Holocaustleugnung nichts gewusst haben obwohl ener mit der Fremdenführung betraut war; im Fall der sexuellen Belästigen/Übergriffe von Frauendorfer hat Knabe davon zwar gewusst, hat aber nicht konsquent gehandelt, sondern die Übergriffe praktisch geduldet/ignoriert.

  5. 20.

    @H.Hengert

    Der Beschuldigte Frauendorfer hat das ihm vorgeworfene sexistische Verhalten/Übergriffe bereits zugegeben, hätten sie sich das Video angesehen, wüssten sie das. Nächstes Mal voher informieren und dann kommentieren.

    Beschämend wie hier in den Komentaren von einigen die sexuellen Übergriffe ignoriert oder gar in Frage gestellt werden trotz Schuldbekenntnis des Täters, es wird von Verschwörung und Hexenjagd gefaselt und den Opfern wird wieder einmal nicht geglaubt und damit der Lüge bezichtigt(!) sondern dem Täter - es sei denn der Täter ist Ausländer/Migrant/Füchtling...

    Eine weiterer Beweis für die Notwendigkeit von Feminismus in unserer misogynistischen patriarchalen Gesellschaft, wo Männer, Männerseilschaften und Männerbünde in Machtpositionen sind, wird es immer wieder frauenfeindliches Verhalten und sexuelle Übergriffe an Mädchen und Frauen geben, deshalb ist eine Frauenquote für Führungspersonen unumgänglich, besser 100% oder 75% als nur 50%.

  6. 19.

    Bleibt nur zu hoffen, dass sich der anerkannte Wissenschaftler und unermütliche Aufklärer nicht entmutigen lässt und weiter gegen die Stasi und deren Seilschaften kämpft.
    Schade aber, dass man zu diesem geschichtlich relevanten Thema, wo es um die Taten von Stasi-Schergen geht, soviel ungebildete, unqualifizierte Kommentare lesen muss. Das wird den Opfer des DDR-Regime und der SED-Herrschaft nicht gerecht und sie werden nocheinmal entrechtet und verhöhnt.
    @Lothar, Sie ermessen nicht das Leid, was diese Menschen erleiden mussten - darum ist es gut und richtig, dass Personen, wie Dr. Knabe an ihrem "Bürostuhl kleben". Wer sonst, wenn nicht solche Menschen?

  7. 18.

    Ein peinliches Gerangel um die Aufklärung der Stasi-Untaten. Scheint, der "lange Arm" der Stasi wirkt auch noch heute. DIE SED/PDSnahe Linke bedient sich ihrer und drängt einen unerschrockenen Streiter für die Opfer der DDR/Stasi-Untaten aus seinem Amt. Marionetten, an den Fäden derer, die keine Aufklärung wollen, machen sich zu Handlanger.
    IMs, inoffizielle und offizielle Spitzel, hauptamtliche Mitarbeiter brauchen jetzt keine Angst mehr vor einer Aufdeckung, bez. Strafverfolgung haben. Die Rechtsvertreter und Nachfolger der SED haben das erfolgreich verhindert. Ein Armutszeugnis für die Demokratie und eine schallende Ohrfeigen ins Gesicht die Opfer.

  8. 17.

    "sagte Lederer, [...] Derzeit gebe es eben mit dem Beschluss des Stiftungsrates und der Verfügung des Landgerichts zwei sich widersprechende Entscheidungen."
    Von der Gewaltenteilung oder einer unabhängigen Justiz in der BRD hat Herr Lederer von der SED-Nachfolgepartei "Die Linke" wohl noch nichts gehört.

  9. 16.

    Herr lederer will sich also die Entscheidung des Landgerichts "nicht bieten lassen". Was bildet der sich denn eigentlich ein? Was ist das für ein Demokratieverständnis?

  10. 15.

    Kikeriki kikeriki Kaiser Nero ist wieder hi...

    Die arme blumenübergende Frau, sie ahnt wohl nicht, wie sehr sie von der Knabe-Connection ausgenutzt wird.
    Diese hat den Fall erst politisiert!

    Zweifelsfrei hat Hr. Knabe der Gedenkstätte u.a. zu viel Bekanntheit geführt, durch sein Verhalten im Fall Frauendorfer
    aber diese Lorbeeren verloren. Es gibt eben keinen Gedenkstättenleiter auf Lebenszeiten (Kaiser). Die Zeit ist abgelaufen, er kann jetzt nur "seiner" Gedenkstätte einen Dienst erweisen und den Stuhl vorzeitig räumen.

    Es ist auch äußerst erstaunlich, das weder von den belästigten Frauen noch von den Mitarbeitern gesprochen wird. Die möchten Hrn. Knabe vielleicht gar nicht mehr als Leiter.

  11. 14.

    Es ist schon erstaunlich, was sich manche Leute für Verschwörungstheorien einfallen lassen, um ihrem Hass auf die Linke freien Lauf lassen zu können...

  12. 13.

    Mittlerweile ist das Auftreten von Vorwürfen sexueller Belästigung ein sicheres Zeichen dafür, daß es um was komplett anderes geht, gegen das der Angeschuldigte und derart Vorverurteilte sich nicht mehr wehren können soll.

    Quasi moralische Vollstreckung vor der juristischen Anklage.
    Ist ja jetzt modern geworden.

  13. 12.

    Werte Fr. Tellshow, all das ist bekannt. Trotzig und unbeugsam sein macht die Lage nicht besser, eher schlechter. Läßt den Hernn Knabe beiweitem nicht gut dastehen. Wenn ich eine Führungsposition inne hätte und es von allen Seiten Kritik ü.meinen Führungsstil gibt, dann nehme ich den Hut und gehe. Ist meine ehrliche Grundauffassung. Er tut nur etwas, was viele andere i.hohen Positionen oftmals tun, abwarten und aussitzen bis es kracht.

  14. 11.

    Ich freue mich über die Entscheidung des Gerichtes und hoffe, dass auch die Kündigung aufgehoben wird. Eine wichtige Stimme bei der Aufarbeitung von SED-Unrecht würde sonst fehlen.

  15. 10.

    was meint dieser Lederer wer er ist...es gibt nur eine Entscheidung...die des Landgerichts...aber typisch Politiker ...Gerichtsentscheidungen kritiisieren oder sogar noch ignorieren...

  16. 9.

    Ja, bis jetzt läuft dieser Aktion ja auch sehr erfolgreich. Die mediale Hinrichtung war doch schon hervorragend ausgearbeitet. Die Menschen aus der Nachbarschaft von der Gedenkstätte reiben sich die Hände. Ich befürchte die Hexennacht wird weitergehen und wir haben noch einige Kapitel vor uns.. Eines ist jetzt schon sicher, es gibt einen echten Verlierer und das ist Gedenkstätte in Berlin Hohenschönhausen.

  17. 8.

    Ich habe mich schon gewundert, dass man die Galionsfigur des Antikommunismus, im Kampf gg. die #DDR, deren Sicherheitsorgane, die zum Schutz des Volkseigentums beauftrag waren, hat einfach so verschwinden lassen.

  18. 7.

    It`s amazing, Eine Hexanjagd auf den Hexenjäger!

  19. 6.

    Dahinter steckt etwas ganz ganz anderes als welche wie auch immer geartete Vorwürfe auch immer. Diese sind bis dato nie bewiesen worden. Oder wurde etwa Herr Knabe rechtskräftig verurteilt. Es geht nur darum diese Gedenkstätte zu demontieren und irgendwann einmal ganz verschwinden zu lassen. Schon komisch diese unheilige Koalition aus CDU und SED Nachfolgeorganisation Die Linke. Da müssen einige Leute ganz schön viel Angst haben, dass sie so Front machen.

  20. 5.

    Nein Herr Knabe klebt nicht an seinem Stuhl. Es geht hier um politisches Ansehen. Klaus Lederer hatte fieberhaft nach einem Grund gesucht Herrn Knabe loszuwerden. Keiner hat so mutig zu jeder Zeit die ehemalige SED (heutige Linke) an den Pranger gestellt wie Hubertus Knabe. Das hat vor allem den ehemaligen Bediensteten der Haftanstalt in Hohenschönhausen nicht gefallen. Monika Grütters (CDU)stellte sich noch hinter Klaus Lederer, anstatt gegen ihn vorzugehen.

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