Matratzen mit Bettzeug liegen in einer Notunkterkunft der Berliner Kältehilfe neben gestapelten Stühlen. (Quelle: imago/Rolf Zöllner)
Video: Abendschau | 01.11.2018 | Dorte Störmann | Bild: imago/Rolf Zöllner

1.000 Plätze für Obdachlose bis Ende April - Berliner Kältehilfe weitet Angebot aus

Trotz milder Temperaturen haben in den vergangenen Wochen bereits viele Obdachlose in Berlin die Angebote der Kältehilfe genutzt. Mithilfe von Senat und Bezirken weiten Diakonie und Caritas das Angebot jetzt aus. Doch die fordern noch mehr von der Politik.

Die Berliner Kältehilfe erweitert ihre Angebote. Aktuell stehen 826 Schlafplätze für Obdachlose zur Verfügung, wie die Caritas-Direktorin des katholischen Erzbistums Berlin, Ulrike Kostka, und die Direktorin der Diakonie der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Barbara Eschen, am Donnerstag miteilten. Noch in diesem Winter solle das Angebot auf 1.000 Plätze aufgestockt und bis Ende April aufrechterhalten werden.

Mehr Hilfe für Kranke

Damit stehe die Kältehilfe Obdachlosen über einen deutlich längeren Zeitraum als in früheren Jahren zur Seite, so Kostka und Eschen. Die längere Laufzeit sei auf Initiative der Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) und der Stadtbezirke ermöglicht worden, die dafür zusätzliche Gelder bereitstellten. Als eine weitere Neuerung kündigten Kostka und Eschen eine Kranken-Wohnung an, in der im November 15 Betten für kranke oder auf medizinische Nachsorge angewiesene Menschen bereitstehen werden.

Neben den Notübernachtungsplätzen will die Kältehilfe auch mehr Tagesstätten anbieten, in denen Obdachlose sich auch tagsüber aufwärmen können, zudem aber auch Beratungsangebote finden. Derzeit seien die Tagesstätten total überlastet und schlecht finanziert. Diakonie-Direktorin Eschen fordert deshalb, dass künftig der Senat für die Tagesstätten zuständig sein soll. 

Plätze bereits im Oktober gut ausgelastet

Die Berliner Kältehilfe startete in diesem Jahr bereits einen Monat früher, am 1. Oktober, zunächst mit gut 400 Plätzen. Trotz des milden Wetters seien in den ersten vier Wochen 84 Prozent der Notübernachtungsplätze ausgebucht gewesen, sagte Kostka. Im vergangenen Winter gab es in Berlin bis zu 1.264 Kältehilfeplätze.

Seit 29 Jahren bietet die Berliner Kältehilfe obdachlosen Menschen Schutz vor dem Erfrieren. Bei der Vorstellung der Pläne betonte Caritas-Direktorin Kostka auch, dass es sich bei der Kältehilfe um ein reines Notsystem handelt. Sie könne nicht "der Ausfallbürge für eine verfehlte Wohnungslosenpolitik sein". 

Die Zahl der obdachlosen Menschen in Berlin wird auf 6.000 bis 10.000 Menschen geschätzt. Eine genaue Erfassung gibt es nicht, im nächsten Jahr soll aber eine Statistik erarbeitet werden, wie Kostka und Eschen sagten. Weitere 50.000 Menschen sind ohne eigene Wohnung, leben aber nicht auf der Straße.

"Ohne preiswerten Wohnraum geht nichts"

Diakonie und Caritas haben deshalb den Bund und die Ländern aufgefordert, stärker auf den sozialen Wohnungsbau zu setzen und auch private Anbieter stärker in die Pflicht zu nehmen. "Ohne preiswerten Wohnraum geht nichts, da brauchen wir mehr", sagte Eschen. Außerdem muss die Wohnungsnotfallhilfe weiter ausgebaut werden. Hilfsangebote für Obdach- und Wohnungslose müssten künftig grundsätzlich mit Beratung verbunden werden, um besser Auswege für die Betroffenen finden zu können. Auch die präventive Hilfe soll verstärkt werden, so die Caritas, damit Zwangsräumungen vermieden werden. Wenn Menschen erst einmal auf der Straße seien, sei es schwer, sie wieder in eine Wohnung zu vermitteln. 

Neu in diesem Winter ist ein Modellprojekt der Berliner Stadtmission in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Träger "Neue Chance". Bei "Housing first" handelt es sich um den Versuch, obdachlose Menschen dauerhaft mit einer Wohnung zu versorgen und sie so von der Straße zu holen. Dazu sollen auf dem Wohnungsmarkt 40 Wohnungen akquiriert werden, in denen jeweils ein Obdachloser untergebracht wird. In ihrem neuen Umfeld werden die Menschen dann von Sozialarbeitern, Fachkräften aus der Hauswirtschaft und von Menschen betreut, die selbst Erfahrungen mit Obdachlosigkeit gemacht haben.

Sendung: rbb24, 01.11.2018, 16.00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren