Mieterproteste gegen die Deutsche Wohnen in Berlin-Kreuzberg (Quelle: imago/Christian Mang)
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Video: Abendshow | 08.11.2018 | Marco Seiffert befragt Michael Prütz | Bild: imago/Christian Mang

Mietaktivist verteidigt Enteignungskampagne - "Die Großkonzerne pressen die Leute aus wie Zitronen"

Wohnungspolitische Aktivisten in Kreuzberg fordern die Enteignung großer Konzerne. Wenn die Wohnungen wieder dem Land gehörten, würden weniger Menschen aus ihren Kiezen verdrängt. Im rbb erklärte Aktivisten-Sprecher Michael Prütz die drastische Forderung.

Die Berliner Mieterinitiative "Deutsche Wohnen und Co. enteignen" hat ihre Forderung verteidigt, Unternehmen, die mehr als 3.000 Wohnungen besitzen, zu enteignen. "Das sind die Wohnungen, die verschiedene Landesregierungen an internationale Raubritter verscherbelt haben", sagte Kampagnen-Sprecher Michael Prütz am Donnerstag dem rbb.

Bei der Kampagne "Deutsche Wohnen und Co. enteignen" gehe es darum, dass rund 200.000 Wohnungen wieder in die öffentliche Hand kommen sollten, so Prütz. Die "Deutsche Wohnen" steht im Fokus der Kampagne, weil sie die größte Zahl an Wohnungen in Berlin hält. Der geplante Volksentscheid zielt aber auch auf weitere Unternehmen, die 3.000 oder mehr Wohnungen besitzen.

"Fledermäuse und Biber werden mehr geschützt als Mieter"

"Die Großkonzerne haben eine Geschäftspolitik, die darauf abzielt, die Leute auszupressen wie Zitronen", stellte Prütz fest. Gleichzeitig würden sie aber nichts für den Unterhalt der Wohnungen tun. Diese Konzerne würden sich so verhalten, dass sämtliche Regulationsmechanismen - wie etwa der Mietpreisspiegel - nicht für sie gelten. Er plädiert dafür, dass Berlin es wie Wien machen sollte, wo zwei Drittel der Wohnungen der Stadt gehörten und die diese auch vermiete. In der Berliner Politik würden Fledermäuse und Biber mehr geschützt als Mieter, so Prütz.

Sollten den Immobilienfirmen tatsächlich die Wohnungen weggenommen werden, würde es auch Entschädigungen geben, erklärte er. Diese müssten aber "deutlich unter dem aufgeblasenen Marktwert sein, die die Deutsche Wohnen an der Aktienbörse verkündet", sagte Prütz in der rbb-Abendshow. Natürlich könne man in Deutschland mit Entschädigung enteignen, fügte er hinzu. Prütz ist Versicherungsmakler in Kreuzberg, lebt aber in Schöneberg. Er ist bekennender Aktivist und meldet regelmäßig die Revolutionäre 1. Mai Demo an.

Marco spricht mit Michael Prütz über Enteignung
Michael Prütz (links) zu Gast bei Marco Seiffert in der Abendshow | Bild: rbb

Volksentscheid angestrebt

Berliner Mieterinitiativen streben eine radikale Lösung an, um Mietsteigerungen zu stoppen. Über einen Volksentscheid wollen sie erreichen, dass private Immobilienunternehmen ihre Wohnungen vergesellschaften müssen. Ein entsprechendes Papier haben die Initiatoren der Kampagne "Deutsche Wohnen und Co. enteignen" auf ihrer Website hochgeladen. Das Papier ist Ergebnis eines vorläufigen Beschlusses, in dem es wörtlich heißt, der Senat werde aufgefordert, "ein Gesetz zur Überführung von Immobilien sowie Grund und Boden in Gemeineigentum zum Zwecke der Vergesellschaftung nach Art. 15 Grundgesetz" zu erarbeiten.

Sendung: Abendshow, 08.11.2018, 20.15 Uhr   

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    "Ich glaube kaum, dass ganz Berlin die Deutsche Wohnen hasst. Bis auf die Mieter dürfte diese Gesellschaft den meisten Berliner schlicht egal sein."

    Ja, leider. Das kommt davon wenn unsere Ellenbogengesellschaft jede Solidarität und Empathie vermissen lässt. Erst wenn man dann selbst von hemmungslosen "Heuschrecken" betroffen ist wachen die Leute auf. Also hilft nur enteignen, bzw. Rückkauf. Auch um den Mietspiegel wieder auf ein normales Maß zu bringen.

    Nur dass sich auch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften an dem beteiligen, was sie hier sehr treffend als "Sinnlose und überteuerte Sanierung zu Lasten der Mieter, die damit eine unermessliche Renditesteigerung bezahlen." beschrieben haben.

    Fragen sie mal einen GeWOBAG Mieter.

  2. 10.

    Ich wohne in einem Haus, dem Deutsche Wohnen gehört. Wir hier hassen die, weil unser Hausflur stinkt dauerhaft nach Abwässer. Wenn jemand sich darüber beschwert, bekommt er oder sie Kündigung Androhung.

  3. 9.

    Mich würde mal eine Selbstauskunft aller Damen und Herren in den Landtagen und im Bundestag über ihren Besitz an Mietshäusern und Mietwohnungen interessieren. Ich habe die Vermutung, dass Mitglieder aller Parteien hier im eigenen Interesse eine Politik forcieren gegen die "weniger Wohlhabenden", die bezahlbare Mietwohnungen benötigen. Alles was dazu beiträgt, tatsächlich für alle bezahlbare Wohnungen verfügbar zu machen, erscheint mir absolut gerechtfertigt. Wenn das nur über Enteignungen von "Investoren" (sic) realisierbar ist, dann bitte damit anfangen.
    @rbb Das Wiener Modell ist sehr gemeinwohlorientiert, gerne noch mehr im Detail darüber berichten.

  4. 8.

    Der ''Aktivistenwahn'' der Medien wird immer krankhafter!

  5. 7.

    "Fledermäuse und Biber werden mehr geschützt als Mieter" - Den Satz kann ich unterschreiben. "Interessant" war auch bei der Koalitionsbildung der derzeitigen Regierung Dt., dass Merkel erklärte, man werde die Mietpreisexplosion während der ganzen Wahlperiode weiterhin nur beobachten, statt zu bremsen. Es ist das Verdienst der SPD, das das Thema in der Politik mehr auf den Tisch gekommen ist, allerdings ist es aufgrund der Versäumnisse der Politik in der Vergangenheit eben schon sehr "spät".
    Ich würde gern mal eien Statistik zum Anstieg der Zahlen dt. Obdachloser lesen, die ich in den letzten jahren immer öfter auf der Straße sehe.

  6. 6.

    Um mal auf das Titelbild zu sprechen zu kommen: Ich glaube kaum, dass ganz Berlin die Deutsche Wohnen hasst. Bis auf die Mieter dürfte diese Gesellschaft den meisten Berliner schlicht egal sein. Die Forderung nach Enteignung nach § 15 GG ist einfach nur populistisch und ohne jede Aussicht auf Erfolg. Da braucht man kein Geld für einen Volksentscheid rauswerfen. So sehr ich die Verärgerung verstehen kann, aber sozialistische Mittel sind wohl kaum die richtige Antwort auf steigende Mieten, vor allem so lange nicht, wie das Hauptproblem nicht angegangen wird: Sinnlose und überteuerte Sanierung zu Lasten der Mieter, die damit eine unermessliche Renditesteigerung bezahlen. Die Miete enthält ja auch einen Anteil für Instandhaltungen. Werden diese einfach nicht durchgeführt und das Haus verfällt, muss der Mieter das Ganze nochmals voll bezahlen, wenn die neuen Materialien auch nur geringfügig besser sind als die "vergammelten", eine Vermischung von Sanierung und Modernisierung.

  7. 5.

    Wenn man keine Ahnung von den Begriffen wie Gesellschaftsordnung und Marktwirtschaft hat, sollte man besser schweigen und sich nicht im Stil der "Altgenossen von drüben" blamieren. Kleiner Tip: Googeln oder beim alten Duden nachblättern und dann evtl. kritisieren. Im übrigen sind die Wohnungen die aufgekauft wurden, nicht vergleichbar mit dem Zustand derer im sog. Arbeiter- und Bauernparadies.

  8. 3.

    Ist nur eben fast unmöglich, auch politisch nicht. Diese Gesellschaftsordnung nennt sich Kapitalismus mit Maximalprofit und nicht mehr soziale Marktwirtschaft. Die Fehler, die die Politik in vielen Städten und Kommunen in den 1990er Jahren gemacht hat mit dem Verkauf der eigenen kommunalen Wohnungen, sind jetzt nicht mehr auszugleichen. So viel Geld kann z.B. Berlin gar nicht aufbringen, um die ehemaligen eigenen Wohnungen vom Kapitalmarkt wieder zurückzukaufen.

  9. 2.

    Das "Hassen"(siehe Foto)bzw. zum Hass aufzurufen scheint im Trend zu liegen.

  10. 1.

    Kann ich nur begrüßen. Besonders Die Deutsche Wohnen muß ein Riegel vorgeschoben werden von Seiten des Senats.

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