Archiv: Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz mit Kinderkarussell und Weihnachtspyramide (Quelle: dpa/Henkelmann)
Video: Abendschau | 20.11.2018 | Raico Thal und Sabrina Wendling | Bild: dpa/Henkelmann

Straßensperrungen, Poller, Gitterkörbe - Wie Berlins Weihnachtsmärkte ihre Besucher schützen

Rund um den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz sind seit Mittwoch die ersten Straßen gesperrt - hier wird ein Hochsicherheitskonzept getestet. Doch auch auf anderen Weihnachtsmärkten wird in diesem Jahr deutlich aufgerüstet.

Am Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche werden in diesem Jahr nie dagewesene Sicherheitsvorkehrungen getestet - dort also, wo im Dezember 2016 kurz vor Weihnachten der Islamist Anis Amri mit einem 40 Tonnen schweren Lkw zwölf Menschen tötete und mehr als 70 zum Teil schwer verletzte.

Unüberwindbare Metallpoller, Stahlgitterkörbe mit Sandsäcken sowie Stahl- und Betonsockel werden in diesem Jahr rund um den Breitscheidplatz aufgestellt. Tauentzienstraße und Kurfürstendamm sind seit Mittwoch im Zuge der Sicherheitsmaßnahmen teilweise gesperrt. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Nürnberger Straße und Joachimsthaler Straße in Richtung Adenauerplatz. Busse der Berliner Verkehrsbetriebe sowie Lieferverkehr und Radfahrer können passieren.

Ursprünglich war die Sperrung ab Freitag angekündigt. Dann soll auch der betreffende Abschnitt der Budapester Straße in Richtung Schöneberg gesperrt werden.

In Spandau wird der Weihnachtsbaum zu Barriere

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz hat mit seinem Sicherheitskonzept in diesem Jahr eine Sonderstellung unter den weit über 70 Weihnachtsmärkten in ganz Berlin. Aber auch auf den anderen Märkten spielt der Schutz vor Angriffen mit Fahrzeugen eine große Rolle. Nicht jeder Betreiber will offen darüber reden, der Weihnachtsmarkt Spandau zum Beispiel macht aus seinen Sicherheitsvorkehrungen ein großes Geheimnis. "Ich finde es nicht sinnvoll, ein Sicherheitskonzept zu veröffentlichen", sagt Veranstalter Sven-Uwe Dettmann. Man wolle potenziellen Attentätern keinen Vorteil verschaffen.  

Die Sicherheit solle an vielen Stellen eher unauffällig gesichert werden - mit riesigen Betonquadern, von denen die meisten Besucher vermutlich nur den Aufbau wahrnehmen werden. "Ein überdimensional großer Weihnachtsbaumständer", erklärt Dettmann. "Damit werden wir die Altstadt dekorieren." Die dekorierten Betonpoller sind ein paar Tonnen schwer und werden sich an vielen Zufahrten zur Fußgängerzone finden.

Der Gendarmenmarkt pollert sich ein

Auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt hingegen setzt man in Sachen Sicherheit auf Sichtbarkeit: Jede einzelne mögliche Zufahrtstelle zum Gendarmenmarkt sei im Vorfeld individuell bewertet worden, erklärt Veranstalter Helmut Russ. Um zu vermeiden, dass Fahrzeuge auf den direkten Zufahrtstraßen zum Gendarmenmarkt Geschwindigkeit aufbauen können, werden Schikanen aus Beton aufgestellt.

Jörn Waldhelm hat sich im Auftrag des Betreibers das ganze Jahr um nichts Anderes gekümmert. "Ab 26. November werden wir technische Zufahrtsperren errichten", sagt er, "das sind ganz große Betonpoller, die dreieinhalb Tonnen wiegen und 3,50 Meter breit sind, so dass kein Lkw es schafft, in die Zugänge reinzufahren. "Wir haben täglichen Kontakt zum Polizeabschnitt 32, wo wir uns abstimmen", so Waldhelm.

Riesige Stahlelemente wie am Breitscheidplatz gibt es hier am Gendarmenmarkt aber nicht. Der Veranstalter muss selbst für die Sicherheitskosten aufkommen. Diese liegen im fünfstelligen Bereich.

Betreiber sprechen sich untereinander ab

Wie für andere Veranstaltungen, braucht es auch für Weihnachtsmärkte ein mit Polizei und Feuerwehr abgestimmtes Sicherheitskonzept, das der jeweilige Bezirk genehmigt. Im Vorfeld gab es zudem Konferenzen, bei denen sich die Weihnachtsmarktbetreiber über Sicherheitsfragen austauschen konnten. Im Falle des "Weihnachtszaubers" am Gendarmenmarkt habe es die ersten Überlegungen bereits im März gegeben, sagt Russ. Der eigentliche Maßnahmenplan habe dann erst Monate später im Oktober festgestanden.

Nizza, London, Stockholm, Barcelona, Berlin

Das Sicherheitskonzept am Breitscheidplatz sei das Ergebnis einer langen Suche, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) im rbb: "Wir waren europaweit unterwegs, haben uns in verschiedenen Städten angeschaut, welche Sicherheitskonzepte bei großen Veranstaltungen eingesetzt werden." Die Sperrmaßnahmen im Rahmen des Pilotprojekts könnten möglicherweise bald zum Standard in Berlin werden. "Vor allem planen wir, öffentliche Räume wie den Alexanderplatz stationär zu sichern", sagt Geisel.

Eine Arbeitsgruppe innerhalb der Innenverwaltung habe sich die Opferzahlen bei unterschiedlichen Anschlagsarten in Europa in den vergangenen Jahren angeschaut, erklärt der Sprecher der Senatsinnenverwaltung, Martin Pallgen, auf Nachfrage von rbb|24. Zum Beispiel in Nizza, London oder Stockholm. Das Ergebnis sei eindeutig: Terroranschläge mit Lkw- oder Pkw-Angriffen seien für den überwiegenden Teil der Verunglückten verantwortlich.

Eines der Probleme beim Anschlag auf den Breitscheidplatz sei gewesen, dass Amri mit seinem Lkw ungehindert über eine längere Strecke beschleunigen konnte, sagt Pallgen. Ziel der Sicherheitskonzepte bei Veranstaltungen - nicht nur bei Weihnachtsmärkten - sei es daher, einerseits Zufahrten zu sperren und andererseits durch Hindernisse das Beschleunigen von Fahrzeugen zu verhindern, sagt Pallgen.

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Weihnachtsmärkte werden zu einer Art Festung ausgebaut. Wieso nur? Woher kennen wir das?

  2. 9.

    Lol ich hab beides in Zusammenhang miteinander gebracht,das sollte man als Journalist schon mitbekommen haben.
    Dann dürfte ja wenigstens mein erster Satz gestattet sein,dass immerhin die Wirtschaft von der ganzen Sache profitiert..

  3. 8.

    Sie sagen es: Komplett anderes Thema. Sie haben von Radfahren in Berlin gesprochen - hier geht es um Sicherheitskonzepte von Berliner Weihnachtsmärkten zum Schutz vor terroristischen Anschlägen. Wenn Sie dazu kommentieren möchten, sehr gerne.

  4. 7.

    Und wieder mal sind einfachste,der Wirklichkeit entsprechende Tatsachen beim rbb unerwünscht. Trauriger Haufen.

    Bezieht sich auf einen zensierten Kommentar,in dem es nicht um die üblichen Themen ging.

  5. 6.

    Die Anlieferung der Waren erfolgt ?
    1. auf Eselskarren
    2. Pferdefuhrwerke
    3. Handkarren
    5. Sackkarren.
    Ironie Ende.

  6. 5.

    @ Peter87BerlinMittwoch, 21.11.201

    alles diffuse Ängste, Deutschland ist doch sicher, wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen... Einzellfall, nicht pauschalisieren . Das kennen wir alle aus Politikermund . Ergebnis: Hochsicherheitstrakt Weihnachtsmarkt , wobei der Veranstalter muss selbst für die Sicherheitskosten aufkommen. Diese liegen im fünfstelligen Bereich. Also werden die Preise deutlich steigen müssen. Gegen Selbstmordattentäter besteht trotzdem kein Schutz. Möchte man so einen Weihnachtsmarkt wirklich besuchen ?

  7. 4.

    Auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche ist man also nun vor Angriffen von außen geschützt. Wird jedenfalls behauptet. Soweit so gut.
    Nur, was ist, wenn ich mich in diesem Fort Knox befinde und es dort einen Angriff, Explosionen, Feuer o.ä. gibt? Ach ja, raus komme ich dann wohl nicht.

  8. 3.

    Die sollten mal lieber Personenkontrollen wie an Flughäfen machen, am besten auch gleich noch an den U-Bahnhöfen usw.

  9. 2.

    Mal eine Frage: die Medien und Politiker werden ja nie müde zu betonen, dass Deutschland so sicher wie nie zuvor ist, und all die Ängste der Bevölkerung lediglich gefühlt sind und nicht der Wahrheit entsprechen. Warum müssen dann aber seit einigen Jahren Weihnachtsmärkte geschützt werden, was vor kurzem noch nicht nötig gewesen ist?

  10. 1.

    ...Lieferverkehr darf passieren...also LKW und Transporter ???!!!

    Ich verstehe diese Welt immer weniger, oder denkt einfach keiner mehr nach vor einer Entscheidung?

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