Ein Mann steckt eine Rose am 09.11.2017 hinter die Gitterstäbe des neuen Mahnmals zur Erinnerung an ein DDR-Kindergefängnis in Bad Freienwalde (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg aktuell | 28.11.2018 | Theresa Majerowitsch | Bild: dpa/Patrick Pleul

Bilanztagung in Brandenburg - Fonds entschädigt tausende DDR-Heimkinder

Sie waren zum Teil noch Kinder - und in DDR-Heimen wie in Spremberg oder Bad Freienwalde zur Arbeit gezwungen. Vor sechs Jahren wurde ein Fonds eingerichtet, um die früheren Heimkinder zu entschädigen. Tausende erhielten Finanzhilfen. Nun wurde Bilanz gezogen.

Der Entschädigungs-Fonds "Heimerziehung in der DDR in den Jahren von 1949-1990" hat seine Arbeit abgeschlossen. Am Mittwoch wurde bei einer Abschlusstagung Bilanz gezogen.

Demnach erhielten in Brandenburg 3.530 Betroffene finanzielle Hilfen von bis zu 10.000 Euro. 1.777 Menschen bekamen eine Rentenaufbesserung für die Arbeit, die sie in den Heimen leisten mussten.

Fonds 2012 eingerichtet

Der Fonds war 2012 vom Bund und den neuen Bundesländern eingerichtet worden. Er sollte das Schicksal von teils noch kleinen Kindern und Jugendlichen aufarbeiten, die zwischen 1949 und 1990 in DDR-Kinder- und Jugendheimen untergebracht wurden, unter anderem in Gorgast, Spremberg, Bad Freienwalde und Gerswalde. Viele wurden zur Arbeit gezwungen, seelische und körperliche Gewalt war Alltag. Die Repressalien betrafen nicht alle in DDR-Heime; aber erst seit der Wende konnten die Betroffenen über erlittenes Unrecht offen reden.

Bis zum Anmeldeschluss Ende September 2014 hatten sich in Brandenburg 4.284 anspruchsberechtigte Betroffene bei der mit dem Fonds verbundenen Beratungsstelle gemeldet.

Die Leiterin der Potsdamer Beratungsstelle, Maria Nooke, erklärte, der Fonds habe das "Leid und Unrecht" anerkannt, das Kindern und Jugendlichen in den Heimen geschehen sei. "In der DDR ging es nicht zuerst um Fürsorge, sondern um Umerziehung zum sozialistischen Menschen." Brandenburgs Jugendministerin Britta Ernst (SPD) sagte, der Fonds habe dazu beigetragen, "den Opfern den Rücken zu stärken und die Folgen des erlittenen Leids zu lindern".

"Wir können das Unrecht, dass diese Menschen im Kindesalter erlitten haben, nicht wieder gutmachen", sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Mittwoch. Aber man könne dazu beitragen, dass sich ihr Leid nicht wiederhole.

Kritik von Betroffenen

Im Vorfeld der Abschlusstagung hatte Roland Herrmann, Sprecher des Vereins "Kindergefängnis Bad Freienwalde", kitisiert, dass Bundesfamilienministerin Giffey nicht anwesend sein würde. Die Betroffenen würden zudem die willkürliche Befristung des Fonds und eine "demütigende Beantragung der auf Sachleistungen beschränkten Unterstützung" der Bundesregierung beklagen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 28.11.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Ich war 3 Jahre in einem Jugendwerkhof in Freital und weiss jetzt das ich dort auch verstrahlt wurde. Für mich war der Fond und seine Bedingungen eine weitere Verhöhnung der Betroffenen. Und die Befristung kommt einem Tritt ins Gesicht der Opfer gleich. Leider hat keiner an dieser Gesetzgebung beteiligter je erfahren was es bedeutet hat in der DDR in einem Heim oder Jugendwerkhof zu sein. Wenn man gewollt hätte wäre es ein Einfaches gewesen die Betroffenen anzuschreiben aber dann hätte es vieleicht ein vielfaches gekostet, der Fond musste ja schon aufgestockt werden. Der Westen der immer so scheinheilig vermittelt hat der gute und gerechte zu sein ist nichts anderes als der Büttel der Finanzinteressen. In der DDR haben Sie dich wegen einer Idiotie/Utopie über die klinge springen lassen und hier und heute lassen Sie die Moral wegen Geld über die Klinge springen. Niedriglohn und Perspektivlosigkeit und das passt der Fond rein ins Bild. Man müsste ja sonst oben die steuern erhöhen.

  2. 11.

    Zwanzig Jahre Kinderheim und man weiss nicht warum.Mit Zehn Tage nacht der Geburt habe ich mein ersten Stempel im Impfausweis des Landessäuglingsheim Güstrow erhalten und mit 16 Jahre habe ich erfahren das ich eine Mutter habe und dazu noch 13 Geschwister.

  3. 10.

    Das mit der Entschädigung is ja alles wunderschön, mir wurde 2016 ganz lapidar mitgeteilt,daß ich (wie immer)
    zu spät käme und der Fond ausgeschöpft sei und man wünschte mir noch einen schönen Tag.
    Übrigens, ich war in einem 'Säuglingheim', 'Normal' , 'Spezial' ,und Durchgangsheimen und im Jugendwerkhof
    Tja, wer zu spät kommt....

  4. 9.

    Ich stimme Ihnen soweit zu, würde aber nicht von der Dummheit der Opfer sprechen, weil die betroffenen, verletzten Menschen aus verschiedenen Gründen (mangelnde Gesundheit und Kraft, Unwissen, Scham, etc.) ihre Rechte noch nicht umfangreich und wirksam geltend machen können. Hier scheint weiterhin ein enormer Hilfebedarf zu bestehen.

  5. 7.

    Lieber RBB, wer entschädigt wurde, braucht keine Unterstützung oder Hilfen! Hilfe über Sachleistungsbezug wurde den Opfern nur schmackhaft gemacht, um sich vor Entschädigungsansprüchen aus Gebotsrechten der Vereinten Nationen, z. B. der Kinderrechtskonvention Art. 39 und weiterer Normen zu Wiedergutmachungsansprüchen unterzeichneter Vertragswerke und Resolutionen den Opfern vorzuenthalten, der Gesellschaft dieses Theater willkürlicher Schenkung als staatliche Entschädigung vorzugaukeln, das Opfer in seinen tatsächlichen Ansprüchen zu betrügen. Dreist, die Dummheit der Opfer auszunutzen, zu einer Abschlussveranstaltung der Tätervereinigung die Gebeutelten einzuladen, sich das Verbrechen mit deren irrsinnigen Zutun auch noch absegnen zu lassen, wenn diese nach Verlängerung dieses Missstandes rufen. Weder der RBB noch die Opfergruppe scheint sich darüber im Klaren, dass am Ende ein Bild entsteht, welches das Recht des Menschen beleidigt. 70 Jahre nach deren Begründung der Menschenrechte.

  6. 6.

    Nein, Sie haben leider weder meine Intention noch die Bedeutung meiner Worte zielführend interpretiert. Nach meiner Meinung, ist die öffentliche Aufarbeitung der Machtmissbräuche in DDR-Heimen bislang unvollständig vollzogen worden, können diese Geldbeträge das erlittene Unrecht nicht ausreichend kompensieren, sind die verrantwortlichen PolitikerInnen und Täter nicht bestraft worden, und nicht abschließend, wird der Terminus "Sozial" zu oft als Deckmantel einer Lüge verwendet.

  7. 5.

    Leider wird auch mit der Entschädigung deren gestohlene Kindheit nicht zurückgegeben. Ich war im Jugendwerkhof und warte schon ein halbes Jahr auf das Rehabilitierungsurteil um die Entschädigung dafür zu bekommen.

  8. 4.

    Ich weiß worauf Sie hinaus woll(t)en. Vielleicht hilft folgende Info:

    http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/235221/eine-zwischen-bilanz-der-aufarbeitung-der-ddr-heimerziehung

    Neuere Erkenntnisse hab ich leider nicht

  9. 3.

    Hier ist der Sozialismus der DDR für meinen Kommentar mit begründend, nicht der Nationalsozialismus. Entschädigungen sind nur ein Teil der Gerechtigkeit, die den Opfern zusteht. Für umfassende Gerechtigkeit bleibt die Frage im Raume stehen, welche Strafe die Peiniger und womöglich zugleich Straftäter für ihre unverhältnismäßige sowie rechtswidrige Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen zu erwarten haben. P.S.: HartzIV als Ausdruck von SOZIALdemokratie.

  10. 2.

    nur weil das Wort "Sozial" in Sozialismus vorkommt? Denken Sie an den Nationalsozialismus. Eine Definition des Begriffes Sozialismus, die allgemeingültig wäre, gibt es nicht.

  11. 1.

    Was ist mit den Peinigern geschehen, die das Soziale im Sozialismus missbrauchten?

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