Bei dem Pressetermin zu der offiziellen Eröffnung des ersten geschützten Radwegs an der Holzmarktstraße fährt die Verkehrssenatorin Regine Günther (M) mit dem Fahrrad auf dem Radfahrstreifen (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 08.11.2018 | Anja Herr | Bild: rbb

Mehr Sicherheit für Fahrradfahrer - Erster geschützter Radweg in Berlin eingeweiht

Eine 3,50 Meter breite Spur, die durch dicke Plastikpoller vom Autoverkehr getrennt ist: Auf der Holzmarktstraße in Berlin-Mitte können Radfahrer nun einen besonders geschützten Radweg nutzen. Laut Verkehrssenatorin Günther ist Berlin damit Vorreiter.

In Berlin ist am Donnerstag der erste besonders gesicherte Radweg eingeweiht worden. Verkehrssenatorin Regine Günther hat den 450 Meter langen Abschnitt in Mitte freigegeben. Der Radweg befindet sich in der Holzmarktstraße und ist durch weiß-rote Poller von der Straße abgetrennt. Das soll für mehr Sicherheit sorgen. Außerdem hat der Radstreifen einen grünen Belag und ist mit 3,50 Meter breiter als andere Radwege, sodass sich Radfahrer bequem überholen können.

Die geschützten Radfahrstreifen sind ein Modellversuch und werden in Berlin fünf Jahre lang erprobt. In einer begleitenden Untersuchung werden verschiedene Protektionsformen und Materialien getestet und Radfahrerinnen und Radfahrer nach ihren Erfahrungen befragt. Bislang sind geschützte Radfahrstreifen in Deutschland weder in der Straßenverkehrsordnung, noch in den bundesweiten Regelwerken als Standardlösung verankert.

Lob und Kritik für den neuen Radweg

Verkehrssenatorin Günther sagte bei der Einweihnung: "Berlin geht neue Wege in der Verkehrspolitik – und Berlin baut daher auch neue Wege." Ziel sei es, durch farblich hervorgehobene, breite und abgetrennte Fahrradwege für mehr Sicherheit und für die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer zu sorgen.

Radaktivisten äußerten Lob und Kritik. "Der eigentliche Radstreifen ist so, wie wir uns das vorstellen", sagte Nickolas Linck vom Fahrradclub ADFC. Eine Bushaltestelle und das Ende des Streifens im Kreuzungsbereich seien aber so angelegt, dass Radfahrer doch wieder in den fließenden Autoverkehr eingefädelt und damit in gefährliche Situationen gebracht würden.

Acht weitere Radstreifen in Bau oder Planung

Darüber hinaus sollen die Poller das regelwidrige Zuparken von Radwegen verhindern. Die geschützten Radfahrstreifen gehören zum Ausbau der Fahrradinfrastruktur, die im Mobilitätsgesetz verankert ist. An welchen Straßen geschützte Radfahrstreifen umgesetzt werden können, hängt laut Senatsverkehrsverwaltung von den örtlichen Gegebenheiten ab und sei unter anderem eine Platzfrage.

Bereits in Planung oder in Bau sind acht weitere geschützte Radstreifen. Auf der Karl-Marx-Allee in Berlin-Mitte werden zwischen Alexanderplatz und Strausberger Platz im Zuge der umfassenden Sanierung von Fahrbahn, Geh- und Radwegen beidseitig geschützte Radfahrstreifen angelegt. Baubeginn war im Juni 2018. An der Hasenheide in Kreuzberg soll Ende November mit dem Bau begonnen werden. Für 2019 ist der Bau geschützter Radverkehrsstreifen an der Karl-Marx-Straße (Neukölln), der Frankfurter Allee (Friedrichshain), in Altfriedrichsfelde (Lichtenberg), der Amrumer Straße (Wedding), dem Dahlemer Weg (Zehlendorf) und der Märkischen Allee (Marzahn-Hellersdorf) geplant.

Sendung: Inforadio, 08.11.2018, 16 Uhr

Kommentar

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39 Kommentare

  1. 39.

    Da sich doch einige hier über die Kosten und die Ästhetik von geschützen Radwegen aufgeregt haben:

    "Mehr als 7.000 Radunfälle ereigneten sich allein im letzten Jahr in Berlin. ... Über die Todesfälle wird in Zeitungen und im Fernsehen berichtet. Doch ein Blick in die Unfallstatistik zeigt, dass die tödlichen Unfälle nur die Spitze eines riesigen Eisbergs sind. ... Neben den neun Toten wurden im letzten Jahr fast 5.000 Radfahrende bei Unfällen verletzt, 627 von ihnen schwer. Von ihrem Schicksal bleiben eine knappe Polizeimeldung und eine Zahl in der Unfallstatistik."

    https://radzeit.de/hinter-jeder-zahl-ein-mensch/#more-3976

  2. 36.

    So ein Irrsinn, Ne halbe Mio für das Stück. Schildbürgerstreich. Abgrundtief hässlich obendrein.

  3. 35.

    Wie sehr solche unsinnigen Maßnahmen die Verkehrssicherheit erhöhen sieht man an Kraftfahrern, gell?

  4. 34.

    Jetzt hab ich es ;) Aber vor allem weil ich das so noch nicht gesehen habe. Wenn viel Verkehr ist,entsteht dadurch doch sehr schnell ein Stau. Ich kann mir gut vorstellen,dass so ein Falschparker schnell von den anderen Autofahrern gelyncht wird^^ So dreist muss man auch erst mal sein.

    Alle,die sich hier über Rotfahrer beschweren,haben hoffentlich noch nie eine rote Ampel ignoriert,ansonsten wäre das eine unerträgliche Doppelmoral.
    Es ist auch etwas anderes,ob man als Fußänger,Fahrrad- oder Autofahrer rot überquert. Stichwort Gefährdung anderer.

  5. 33.

    Es ist ein Träumchen,dieser wunderschöne Radweg....450mlang,3.5mbreit,schön abgegrenzt...max.Durchfahrzeit 1min.ohhh Berlin....gibts denn nichts wichtigeres...:o((in Berlin zu tun

  6. 32.

    Meine eigene Erhebung 2x am Tag auf einer Strecke von insgesamt 20 km ist:

    So gut wie nie ein Autofahrer, der bei rot fährt.
    Täglich mind. 15 Radfahrer, die bei rot fahren und noch ganz andere gefährliche Situationen herbeiführen.

  7. 30.

    Wenn man den Erheben die gemacht werden traut, werden je nach Messung 80 - 96 % aller Rotlichtvertöße von AutofahrerInnen gemacht. Aber ja ich habe auch schon mal so ein Radfahrer gesehen, der bei Rot über die Ampel gefahren ist oder am Stopschild nicht gehalten hat!

  8. 29.

    Ich fragte mich nach dem Beitrag ob Frau Verkehrssenatorin Günther und Frau Kapek wirklich mit dem Fahrrad zu diesem feierlichen Termin gekommen sind. Denn dann hätten sie bestimmt bemerkt, dass es viele Radfahrer gibt, die sich nach ihren eigenen Verkehrsregel in unserer Stadt bewegen.

  9. 28.

    Oder auch einfach den Blick nach Münster/Westf.( ok,Münster i.nicht Berlin)werfen. Dort funktioniert das Miteinander der Verkehrsteilnehmer schon lange. Und die Fahrradfahrenden nutzen diese Möglichkeit auch gerne wie man sieht. Diese paar Meter grüner Streifen i. Berlin mit den Platikpollern war nur nütze für einen Pressetermin. Schaut her wir würden ja gerne, aber weshalb die Autonutzer völlig verärgern? Halbgar und nicht zuende gedacht.

  10. 27.

    Die vielen Stangen verschandeln das Stadtbild. Ein erhöhter Weg wäre besser.

  11. 26.

    Vorreiter? Mit einem 450 m langen Radweg in einer Millionenstadt? Lächerlich.
    Das Straßennetz in Berlin hat eine Gesamtlänge von 5500 km. Dieser Radweg ist also weniger als ein Zehntausendstel (!) dieser Länge. Wenn Berlin weiter in dem Tempo macht, kann es sich in 100 Jahren loben. Vorher nicht.

  12. 25.

    Was soll der quatsch mit den Pollern ? Stelle mir vor wie das wohl aussieht wenn alle Radwege mit solch Pollern zugepflastert werden wie scheisse das aussieht. Haben wir wirklich so viel Geld? Ok der Radweg soll nicht zugeparkt werden ...aber an dieser stelle würde keiner Parken, nicht mal was entladen da hier keine Geschäfte und keine Hauseingänge sind. Danke an den Rot Rot Grünen Senat in der Hoffnung das eure Verkehrspolitik gegen Autofahrer sich nicht Durchsetzt...meine Stimme bekommt ihr nicht

  13. 24.

    Schauen Sie sich doch die Radwege in Holland und Dänemark an (und dort noch die Energiegewinnung) - geht es in diesen Ländern nicht vorwärts?

  14. 23.

    Lt. https://www.berlin.de/senuvk/verkehr/politik_planung/rad/infrastruktur/de/gruene-radwege/ werden für die "Farbe" Kaltplastik und Epoxidharz verwendet.
    Der Anteil am Abrieb von Straßenmarkierungen am Mikroplastik in Meeren beträgt lt. einer Studie der Weltnaturschutzorganisation ca. 7%.
    https://portals.iucn.org/library/node/46622

    -> ist also leider alles andere als ökologisch, auch noch Plastikfarbe auszubringen und Plastikpoller aufzustellen...

  15. 22.

    Absolut richtig, so sehe ich das auch. Ampelphasen für Fußgänger/Radfahrer und Autofahrer trennen. Nur das viele Radfahrer leider das Rot übersehen. Solange es hier nicht die gleichen Bußgelder und Punkte mit Fahrverbot hagelt wie bei Autofahrern passiert da nichts.

  16. 21.

    Frau Günther sollte wieder dahin gehen, wo Sie herkommt und gleich alle anderen Grünen Politiker mitnehmen, damit es in Berlin wieder sinnvoll vorwärts geht.Die Idee und Umsetzung eine einzige Katastrophe.

  17. 20.

    Inwieweit die Ausfädelung praktisch und/oder gefährlich ist oder nicht, das wird sich m. E. noch zeigen. Ggf. helfen Blinklichter, die auf querende Verkehrsteilnehmer hinweisen, analog zu Bahnen. Ansonsten ist das ein sehr guter Ansatz.

    Dass Autofahrende sich ereifern, entspringt der erdrückenden Macht eingeschliffener, träge machender Gewohnheiten. Gewohnheiten, die zu Lasten anderer gehen. Weil "die anderen" eben nur diejenigen sind, die eigentlich ja gar nicht richtig zum Verkehr gehörten. Auch die Verkehrsplanung spricht immer noch von Haupt- und von Nebenanlagen, allein aufgrund der Finanzierungsinstrumente.

    Es bleibt mithin noch viel zu tun, bis das Problem nicht nur per (technischer) Anlage, sondern auch in den Köpfen gelöst ist.

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