Autolackierer Ayub Shekhan (Quelle: privat)
Audio: Inforadio | 29.11.2018 | Oliver Soos | Bild: privat

Irakischer Flüchtling in Berlin - "Damit kann man hier kein Geld verdienen"

Im Irak lief Ayub Shekhans Geschäft gut: Er verzierte Lkw und Pick-ups mit Mustern. Nach seiner Flucht 2015 wollte er möglichst rasch wieder in seinem Job arbeiten - aber dafür gibt es in Deutschland keinen Bedarf. Jetzt probiert er etwas ganz anderes. Von Oliver Soos

Ayub Shekhan ist seit August 2015 in Berlin. Er kam als kurdischer Flüchtling aus dem Nordirak. In seiner Heimatstadt Kirkuk hatte er eine gut laufende Werkstatt, in der er Lkw und Pick-up-Trucks mit Bildern und Mustern bemalt hat - mit einer Druckluft-Sprühpistole. "Ich war berühmt für meine Arbeit", sagt Shekhan. "Nicht nur in meiner Stadt, sondern auch in Tikrit, Samarra und Ramadi. Sogar aus Bagdad und Mossul kamen die Kunden mit ihren Pick-ups. Ich war ein reicher Mann, ich habe sehr gut verdient."

Ayub Shekhan bei der Arbeit als Autobemaler/lackierer im Irak (Quelle: privat)
Ayub Shekhan im Irak | Bild: privat

In Deutschland sind eher Aufkleber gefragt

Ayub Shekan erzählt, dass er fliehen musste, weil er von korrupten Sicherheitskräften erpresst, festgenommen und zusammengeschlagen wurde. Als er vor drei Jahren nach Berlin kam, war er 58. Er hatte gehofft, hier seine Tätigkeit fortsetzen zu können - doch schnell kam die Ernüchterung. In Berlin lässt kaum jemand sein Fahrzeug bemalen, hier sind eher Aufkleber gefragt.

"Ich habe viele Orte in Berlin aufgesucht, ich habe mit den Leuten hier gesprochen", sagt der inzwischen 62 Jahre alte Iraker. "Bis jetzt habe ich meine Arbeit nicht gefunden: Malen auf dem Auto. Damit kann man hier kein Geld verdienen."

Was ist der passende deutsche Referenzberuf?

Susanne Neumann vom Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (Inbas) in Berlin-Moabit kennt viele solcher Geschichten. Sie ist Projektleiterin beim Förderprojekt "IQ Netzwerk" und bei der Initiative "Arrivo Berlin" und kümmert sich dort um Berufsanerkennungen für Flüchtlinge. Beim ersten Kontakt geht es meistens um die Frage: Was ist der passende deutsche Referenzberuf zu dem, was der Flüchtling zu Hause gemacht hat. "Wenn ich zum Beispiel den Beruf des Buchhalters nehme, dann habe ich den hier nicht. Buchhaltung ist Teil verschiedener deutscher Berufe", sagt Neumann. Zudem hätten viele Flüchtlinge ihren Beruf nicht durch eine Qualifikation erworben, sondern durch "learning by doing".

Wenn Susanne Neumann den passenden Referenzberuf gefunden hat, dann gibt es für die Flüchtlinge in der Regel zwei Möglichkeiten: den ausländischen Berufsabschluss anerkennen lassen oder praktische Berufserfahrungen nachweisen und sich für eine externe Abschlussprüfung anmelden. Dafür gibt es in Berlin spezielle Vorbereitungskurse, die meist zwischen einem halben und zwei Jahren dauern.

Autoblackierer Ayub Shekhan bei der Arbeit (Quelle: privat)Shekhan bemalte Trucks, Pick-ups oder Baufahrzeuge

Kein Aufstieg nur durch gute Leistung

Doch viele Flüchtlinge wollen am liebsten sofort arbeiten, sagt Susanne Neumann. "Wir verspüren relativ viel Ungeduld, das Bedürfnis, dass es schnell in den Arbeitsmarkt gehen muss." Die Frage sei jedoch, wie es dann weitergeht. "Das Verständnis, dass ein Helfer hier in Deutschland doch relativ wahrscheinlich auf dem Helferniveau bleibt, dass man nicht durch gute Leistung und gutes Arbeiten den Aufstieg schaffen kann, sondern dass es die Hürden Bildungsabschluss und Berufsabschluss gibt - das ist ein Verständnis, das erst noch wachsen muss", sagt Neumann.

Der Fahrzeug-Bemaler Ayub Shekhan kann sich nicht vorstellen, in einem Beruf zu arbeiten, der seinem Beruf ähnelt, wie beispielsweise Maler oder Lackierer. "Häuser bemalen ist ein anderer Beruf", sagt er. "Es wäre schade, wenn ich eine andere Arbeit mache. Ich habe 20 Jahre Erfahrung."

Immerhin hat er ab Mitte Dezember eine Halbtagsstelle in Aussicht, bei der allerdings ganz andere Kompetenzen gefragt sind: Shekhan wird für einen Verein arbeiten, als Dolmetscher in Flüchtlingsheimen. Er spricht fließend Kurdisch, Arabisch, Persisch und Turkmenisch.

Beitrag von Oliver Soos

Kommentar

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23 Kommentare

  1. 23.

    "Ich will hier jetzt nicht Klugscheißen, doch...." Dann lassen Sie es doch. Er "bemalt".... Eigentlich lackiert er. Auf dem Bild mit eine Airbrushpistole und mit Atemschutz. Wenn Sie schon auf Fotos verweisen, dann bitte auch alle ansehen.

  2. 21.

    Ich will hier jetzt nicht Klugscheißen, doch der gute Mann“ bemalt“ Autos ( seine Aussage) und hat mit den ehrenwerten Beruf des Lackiererhandwerk wenig gemein. Das zeigt schon das abgelichtete Photo v.ihm. Einen Wagen richtig zu Lackieren muß dieser in einen staubfreien Raum abgestellt sein. Den Mundschutz, den er dabei trägt, schützt ihn dabei nicht vor austretenden Dämpfen ( Lösungsmittel). Dies nur so nebenbei bemerkt. Ihre positive Bemerkung zu den Pakistanischen Bussen stimme ich voll zu.

  3. 20.

    Gut, über den Lackierer redet hier offenbar keiner mehr... Ich finde es mutig, in seinem Alter hier in D noch echt arbeiten zu wollen, selbst mir würde es da schwer fallen, eine Stelle zu finden, in seinem Alter. Aber ich habe gestern rasch geschaut, es gibt hier einige Airbrush-Lackierwerkstätten in der Region, die gerade amerikanische Pickups oder Oldtimer beeindruckend lackieren. Auch gibts viele Maler/Lackierer, die öffentliche Wände, Stromkästen etc. als Auftragsarbeit verschönern. Vielleicht findet sich doch was in der Branche? Ich hoffe mal, jemand hilft ihm bei der Vermittlung. Motivierte Leute finde ich immer gut, egal woher und wo. Die jüngeren deutschen "Abhänger" gehen mir hingegen aufn Zwirn....
    (btw: ich finde diese total bunt bemalten pakistanische Busse so klasse)

  4. 19.

    Würde jetzt am Thema des Artikels zu weit wegführen, hier weiter zu diskutieren. Daher lasse ich es mit jenem Hinweis auf die Regelungen zu den Oldtimern bewenden. Schauen Sie einfach, was alles mittlererweile für mind. 30 Jahre alte Autos durch die Gegend fahren.... Dieses "Hobby" wird auch noch gefördert. Zurück zum Thema. Jeder, der sein Auto bemalen lassen will, kann dies gerne tun. Offenbar findet der Mann aber keine Leute, die es machen lassen.

  5. 18.

    in seinem alter würde er wohl kaum einen Job als Autolackierer finden, aber warum werden seine sprachkenntnisse nicht genutzt? ( Er spricht fließend Kurdisch, Arabisch, Persisch und Turkmenisch.)
    ideal für dolmetschertätigkeit bei ausländerbehörde, Gericht, etc.
    da ist doch mehr drin als nur ein eventueller halbtagsjob bei einem verein.

  6. 16.

    Ja, schimpfen Sie ruhig auf die Oldtimerfahrzeuge. Ihnen dürfte aber schon klar sein, das ein Besitzer dieser Klassiker sein Auto bestimmt nicht jeden Tag durch die Gegend fährt. Deshalb sind diese wenigen Schmuckstücke auch so selten im Straßenverkehr anzutreffen. Im übrigen besitze ich nichteinmal einen Führerschein, geschweige denn ein Auto. Nur so nebenbei.
    Aber ich bewundere nun mal eben „schöne Autos“. Dazu zählen nur eine kl. Handvoll der neu zugelassenen Fahrzeuge.

  7. 14.

    Offensichtlich wissen Sie nicht, welcher Ressourcenverbrauch und welche Umweltverschmutzung durch die Herstellung eines Kraftfahrzeuges entsteht. Auf diesem Auge sind Ideologen regelmäßig stockblind. Aber Hauptsache für den Absatz der Autoindustrie werben.

  8. 13.

    Was wollen Sie damit sagen? Das die Mehrheit einfach zu dumm ist, weil sie die Autos nicht bemalen lässt? Sie können gerne Ihres bemalen lassen. Aber lassen Sie anderen einfach ihren Geschmack.

  9. 12.

    Ich denke beim Oldtimer eher daran, ob der die Umwelt noch mehr verschmutzt als moderne Autos. Wenn ich mir die Abgaswolken bei Oldtimern anschaue frage ich mich, ob wir die echt auf der Straße haben wollen.

  10. 11.

    Ja, und? Dann lassen Sie den Mann Ihr Auto bemalen. Offenbar gibt es aber nicht viele, die es wollen.

  11. 10.

    Verstehe nicht ganz was Sie mir damit sagen wollen, oder meinen Sie tatsächlich jetzt, alle Neufahrzeuge sind ein schöner Anblick. Naja, wer einen Führerschein besitzt, die nötige Kohle hat, oder gar riskiert für nen Flitzer einen Bankkredit in Kauf nimmt, findet auch ein passendes Stück( SUV z.B. u.andere dicke Schlitten) zu seinen Lebensstil. Oldtimer hingegen sind immernoch Zeitlos ( bei guter Pflege) wunderschöne Autos, während bes. viele Dieselfahrzeuge viel zu früh jetzt auf den Schrottplatz landen. Aber um beim Thema zu bleiben, ein schön handbemaltes Auto auf den Straßen wäre doch auch ein toller Blickfang. Denke ich zurück an die vielen selbstbemalten VW Bullis. Heute darf nichteinmal eine Fliege auf den Neuwagen scheißen.

  12. 8.

    Schrecklich finde ich heutzutage die einseitig windschnittig gestylten Autos auf den Straßen. Kommt mal ein Oldiefahzeug daher, ist dies für mich zumindest ein echter Blickfang.

  13. 7.

    Ich habe nichts gegen individuell gestaltete Fahrzeuge. Heutzutage sehen doch alle Autos irgendwie gleich (langweilig) aus, da ein bisschen persönliche Note und optische Abwechslung rein zu bringen, ist doch eine schöne Idee. Außerdem findet man dann sein geparktes Auro leichter wieder ;-)

  14. 6.

    Der Geschmack einer Bevölkerung ist eben in jedem Land anders.
    Ich persönlich fände es schrecklich, wenn solche bemalten Kisten bei uns überall zu sehen wären.

  15. 5.

    Ach das tut mir aber leid,dass er keine Autos bemalen kann . Es gibt aber sehr viele offene Stellen im Maler und Lackier Gewerbe.

  16. 4.

    Angebot und Nachfrage. Nur, weil ich etwas gut kann heißt es nicht, dass andere meine Dienste brauchen. Der Mann ist ja auch schon fast im Rentenalter und hat nun einen Halbtagsjob. Eine Umschulung macht also nicht viel Sinn. Da muss er sich entscheiden, was er will. Wenn er seine Fähigkeit zu Geld machen will, dann muss er andere Objekte bemalen. Allerdings gibt es schon genug Künstler, die zB Garagentore für Kunden kreativ bemalen.

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