Archivbild: Ostzonale Truppeneinheiten bei der Errichtung einer Sperrmauer im geteilten fränkischen Ort Mödlareuth (Thüringen) (Bild: dpa/Karl Schnoerrer)
Video: Mittagsmagazin | 06.11.2018 | Gabi Probst | Bild: dpa/Karl Schnoerrer

Studie macht Täter zum Teil zu Opfern - Zahl der Toten an innerdeutscher Grenze vermutlich falsch

327 Todesopfer soll es an der innerdeutschen Grenze gegeben haben – so eine von der Bundesregierung geförderte Studie. Doch nach rbb-Recherchen ist diese Zahl nicht korrekt. In der Studie werden sogar Täter zu Opfern gemacht. Von Gabi Probst

Von 1949 bis 1989 trennte die innerdeutsche Grenze die beiden deutschen Staaten. Die Zahl der Opfer des Grenzregimes blieb lange unklar. Nach einer Studie der Bundesregierung waren 327 Menschen Opfer des Grenzregimes der DDR. Doch diese Zahl ist nach Recherchen des rbb nicht  belastbar. Denn in der Untersuchung werden von den Autoren sogar Täter zu Opfern gemacht.

In Auftrag gegeben wurde die 650.000 Euro teure Studie 2012 von Kulturstaatsminister Bernd Neumann. 2017 stellt seine Nachfolgerin, Monika Grütters, das Handbuch vor, gemeinsam mit den Autoren Klaus Schroeder und Jochen Staadt vom Forschungsverbund SED Staat der Freien Universität. "Es ist eine valide Zahl, die wir jetzt ermittelt haben", sagte Staadt bei der Präsentation. Die Zahl von 327 Opfern des DDR-Grenzregimes ging danach um die Welt.

Die Prüfung der Akten, die den Autoren als Grundlage dienen, hat ergeben, dass mindestens 50 Opferfälle angezweifelt werden müssen. So zählt die Studie auch Offiziere, die Suizid begangen haben, und einen in Moskau hingerichteten Ex-Waffen-SS-Mann zu den Opfern. Auch Volkspolizisten, die Opfer eines Amoklaufes wurden, werden als Opfer aufgeführt, obwohl es keinen direkten Zusammenhang mit der Grenze gibt. Viele Todesopfer entpuppen sich sogar als gescheiterte Vollstrecker des Grenzregimes. Zeitzeugen bestätigen dies dem rbb.

Suizid eines Grenzoffiziers gilt als Opfer des Grenzregimes

Fragwürdig ist etwa der Fall von Hans Schmidt aus Glöwen. Der Major erschießt sich 1988 nach einem Dienstgespräch im Grenzausbildungsregiment. Autor Staadt begründet die Aufnahme in das Buch so: "Er hat vorher als Major gedient. Er ist an den Anforderungen des Dienstes zerbrochen und hat Suizid begangen. Das ist für mich ein Opfer des DDR Grenzregimes."

Belege dafür fand der rbb in den Akten nicht. Stattdessen gibt es viele Hinweise, dass der Offizier mit seinem Alkoholproblem nicht mehr zurechtkam. Mehrere Verwandte bestätigen die Alkoholprobleme. Sein damaliger Vorgesetzter Horst Jüttner sagte dem rbb: "Das war eine eindeutige Alkoholgeschichte. Das Militärische hat damit nichts zu tun." Die Zeitzeugen wurden im Übrigen allesamt nicht von den Autoren befragt.

Archivbild: Der beleuchtete Todesstreifen an der Berliner Mauer im November 1985 (Bild: imago)

Schmidt war "Hunderprozentiger"

Alle Zeitzeugen sind sich einig, dass es sich bei Schmidt um einen "Hundertprozentigen" handelt. Sein Sohn Frank ist entsetzt, dass sein Vater ein Regimeopfer sein soll. Er stimmt der Aussage seiner Tante Elfi Schmidt zu, die im rbb-Interview berichtet: "Die aus dem Westen, die wollte er immer erschießen."

Der rbb legte dem Historiker und Vertreter der Union der Opferverbände, Christian Sachse, die Akten vor. Major Schmidt ist "ein gescheiteter Täter des Grenzregimes, aber niemals ein Todesopfer dessen", bewertet Sachse den Fall. Sachse spricht dem Buch auch zu Teilen die Wissenschaftlichkeit ab: "Ich denke, dass es an vielen Stellen Lyrik ist, was hier drin steht, ja. Klingt zwar ein bisschen hart für einen Kollegen, aber es ist so."

Suizide aus Liebeskummer und Depression

Ein weiterer Fall ist der Grenztruppenanwärter Bodo Panke aus Plauen. Der Unterleutnant erhängt sich nach einer Auseinandersetzung mit seiner Ex-Frau. Die Autoren mutmaßen, dass er Repressalien fürchtete, weil er einen Tag zuvor mit einer kanadischen jungen Frau flirtete. Doch von diesen Sorgen schreibt er nichts in seinem Abschiedsbrief an seine Exfrau und seinen Sohn. Sein Bruder Ulrich Panke erklärt gegenüber dem rbb: "Bodo hat sich nicht aus politischen Gründen umgebracht, ganz sicher nicht. Das war wegen seiner Exfrau. Das wusste hier jeder."

In der Opferliste steht auch Rainer Weiß. Der Gruppenführer arbeitet auch als Spitzel für die Staatssicherheit. Doch Weiß ist psychisch krank, sieht Bilder, wo keine sind. Er fühlt sich nutzlos und dem Leben nicht gewachsen. Keiner hätte Schuld, schreibt er in seinem Abschiedsbrief.

Historiker Sachse sieht teilweise Manipulation

Scharfe Kritik übt Historiker Sachse im Fall des Ex-Waffen-SS Mannes Walter Monien. Monien bewirbt sich nach dem Krieg bei der Volkspolizei. 1951 will er in den Westen flüchten. Für Staadt ist er ein Opfer. Weil Monien "Fahnenfluchtabsichten hatte, ist er einem sowjetischen Militärtribunal übergeben worden [...] und in Moskau zum Tode verurteilt und hingerichtet worden."

Staadt schreibt, dass ein Stasi-Mitarbeiter Monien verraten habe. Die Stasi wird auf Monien allerdings aufmerksam, weil er vor Kameraden mit seinem SS-Blutzeichen und Morden im Krieg prahlt. Der Haftgrund von 1951 liest sich eindeutig: "Erschießungen von sowjetischen Kriegsgefangenen, beleidigt Persönlichkeiten der Sowjetunion und der DDR…" Der Waffen-SS-Mann will offenbar vor einer Verurteilung wegen Kriegsverbrechen flüchten. "Den Fall des SS-Mannes Monien kann ich nur als  gewollte Manipulation verstehen", kritisiert Sachse.

Archivbild: Am 17.08.1962 wird der zuvor erschossene Peter Fechter von einem Grenzsoldaten weggetragen (Bild: dpa)

Grütters will Studie überprüfen

Autor Staadt versprach dem rbb, eine Liste der Zeitzeugen zu nennen, die er und seine Kollegen gesprochen hätten. Es bleibt bei dem Versprechen. Kritik an Verharmlosung, Manipulation und fragwürdigen Einordnungen weist er zurück. "Das können Sie ja so sehen", meint er.  "Wir haben das so formuliert nach gutem Denken und Überlegen, wie wir mit solchen Biografien umgehen."

Die Bundeszentrale für Politische Bildung sponsert derzeit eine Sonderauflage von  2000 Exemplaren des Buches. Die Zahl 327 könnte einst in den Geschichtsbüchern stehen. Das Land Sachsen-Anhalt will demnächst Opfertafeln für die Todesopfer aufstellen. Auch deshalb müssen die zweifelhaften Fälle den Prüfstand.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat das gegenüber dem rbb in Aussicht gestellt und erklärt: "Wenn es ernsthafte Zweifel gibt, dann werde ich dem sofort nachgehen." Es ist höchste Zeit, so Historiker Sachse. "Wenn Täter zu Opfern gemacht werden, dann ist das eine Verhöhnung der Opfer."

Sendung: Abendschau, 06.11.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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118 Kommentare

  1. 118.

    einige wichtige Lebensstationen des Horst Stechbarth (13.04.1925-08.06.2016), der 2 Diktaturen diente:
    1943 Eintritt in die NSDAP
    1943-1945 Wehrmacht
    1951 Eintritt in die SED
    1972 stellvertretender Verteidigungsminister der DDR
    1976 Generaloberst der DDR

  2. 117.

    Gen. Stechbarth, Samstag, 10.11.2018 | 10:39 Uhr:
    "... die traurige Lebensgeschichte des scheinbar einsamen Schreibers mit einem ausgeprägten Mitteilungszwang."

    Gen. Stechbarth offenbahrt hier seine fehlende Menschenkenntnis.
    Ich habe weder eine "traurige Lebensgeschichte", noch bin ich "einsam".
    Mir geht es sehr gut im Gegensatz zu Gen. Stechbarth, der immer noch einer finsteren Diktatur nachtrauert und es offenbar noch nicht verarbeitet hat, dass das Volk seine DDR-Diktatur nie wollte.

  3. 116.

    Gen. Stechbarth, Samstag, 10.11.2018 | 10:39 Uhr:
    "Leider geht es hier um die im nachherein zu ändernde Anzahl von den zu Tode gekommenen, bei dem Versuch den antifaschistischen Schutzwall auf illegale Weise zu überwinden, um nach Westen zu kommen ..."

    Das war kein "antifaschistischer Schutzwall". Die Grenze diente in erster Linie dem Einsperren der DDR-Bürger durch die nicht demokratisch gewählten Diktatoren Ulbricht, honecker, Mielke & Co. und nicht dem Schutz vor irgendwelchen Faschisten!

    Es war nicht illegal, die innerdeutsche Grenze zu überwinden, weil diese Grenzbefestigung und der Schießbefehl menschenrechtswidrig und damit illegal waren, da ein Verlassen der DDR auf anderen Wegen ohne Schwierigkeiten nicht möglich war. Kein Staat - erst recht keine nicht vom Volk gewählten Diktatoren - haben das Recht ein Volk einzusperren. Die DDR-Grenzbefestigung war genauso illegal wie eine KZ-Umzäunung.

  4. 115.

    Leider geht es hier um die im nachherein zu ändernde Anzahl von den zu Tode gekommenen, bei dem Versuch den antifaschistischen Schutzwall auf illegale Weise zu überwinden, um nach Westen zu kommen und nicht um die traurige Lebensgeschichte des scheinbar einsamen Schreibers mit einem ausgeprägten Mitteilungszwang.
    Schön, dass man ihm aus seiner "Leibeigenschaft"gestattete wurde zu studieren. Ohne Gegenleistung und nur, weil er Guter war. Wer weiß, ob er das auch im Westen geschafft hätte. Letztlich hat er wohl alles abgegriffen, was ihm in der DDR, unter den Diktatoren "Ulbricht, Honecker, Mielke & Co." geboten wurde.

  5. 114.

    Leider geht es hier um die im nachherein zu ändernde Anzahl von den zu Tode gekommenen, bei dem Versuch den antifaschistischen Schutzwall auf illegale Weise zu überwinden, um nach Westen zu kommen und nicht um die traurige Lebensgeschichte des scheinbar einsamen Schreibers mit einem ausgeprägten Mitteilungszwang.
    Schön, dass man ihm aus seiner "Leibeigenschaft"gestattete wurde zu studieren. Ohne Gegenleistung und nur, weil er Guter war. Wer weiß, ob er das auch im Westen geschafft hätte. Letztlich hat er wohl alles abgegriffen, was ihm in der DDR, unter den Diktatoren "Ulbricht, Honecker, Mielke & Co." geboten wurde.

  6. 113.

    ""Auch" steht hier im Sinne von "ebenfalls"."

    Na, das nenne ich Definitionshoheit.

    Selbstverständlich gab es in der DDR wie in jedem anderen Staat ja auch sowohl die Regel als auch die Ausnahme. Die Beispiele habe ich in meinem Beitrag Nr. 81 angeführt.

    Grundlegend war die Durchgriffsebene, in der Strafjustiz das "Durchstellen" von Urteilen bei politisch Unliebsamen, das Nicht-Ausreisen-Können bei Menschen unter 65 Jahren. Das andere waren eher glückliche Umstände, an jemand "anderen" geraten zu sein.

  7. 112.

    Volkert van der Graaf, 09.11.2018:

    "Darum meine Zweifel, wo sich dieser User angedIent hat, was er und wen er ausspioniert hat, um an sein Studium zu kommen."

    Ich habe mich NIEMANDEN angedient! Ich habe als Schüler lediglich versucht, nicht anzuecken. Diese Angepasstheit wich mit zunehmendem Alter einer zunehmend vorsichtig offenen DDR-Kritik. Mein Privileg, in der DDR studieren zu dürfen, verpflichtet mich nicht dazu, die BRD zu hassen. Ich messe die BRD mit denselben kritischen Maßstäben wie die DDR. Das bedeutet aber auch, dass das Privileg der Diktaturkritik allein die DDR hat. Ich war weder in der DDR noch in der BRD für den Staat tätig.

    Sie sollten sich von Ihren Stereotypen lösen, dass jeder, der in der DDR studieren durfte, "sich der DDR angedient" hat und sich heute der BRD "anbiedert".

    Ich hatte einfach auch Glück. Und in der DDR brauchte man auch Glück, weil einen Studienplatz-Einklagen gab es nicht.

    Es tut mir Leid, dass Sie da Pech hatten.

  8. 111.

    @ Volkert van der Graaf, 09.11.2018 | 10:18 Uhr

    Ihre Unterstellungen sind infam und unsachlich. Ich kam 1978 (als einer von 3 Schülern in meiner POS-Klasse) zur 9. Klasse an die EOS. Meine Zensuren an der POS waren überdurchschnittlich, an der EOS nur noch durchschnittlich. Die Entscheidung fiel in der 8. Klasse. Da waren SED, Stasi und Armee noch kein Thema. Alle Schüler an der EOS bekamen einen Studienplatz. Um aber den Wunschstudienplatz zu bekommen wurde in der 12. Klasse für 3 Jahre NVA geworben. Das grenzte an Nötigung. Aufgrund meiner Ausmusterung war ich davon glücklicherweise verschont. Ich war nur - wie alle Schüler/Studenten - in FDJ, DSF und FDGB passives Mitglied, aber auch nur bis Studienende. Kurz vor Studienende bekam ich dann noch einmal Ärger mit drohender Exmatrikulation wegen einer unvorsichtigen Äußerung in einem Leserbrief an eine DDR-Zeitung. Ich profitierte dann wohl vom dem Geist Gorbatschows, der viele an der Hochschule mehr oder weniger stark beeinflusste.

  9. 110.

    Volkert van der Graaf, 09.11.2018 | 10:18 Uhr:
    "Auch wenn man, wie dieser Kommentator vorgibt, einfach mal so in der DDR studiert zu haben, keinen Glauben schenkt, bleiben die Zweifel, wie er zu seinem Studium kam."

    Sie sollten sich nicht anmaßen, verallgemeinernd für ALLE ("man") zu schreiben. Warum schreiben Sie nicht, was SIE persönlich denken ("ICH schenke dem keinen Glauben, ...")?

    P.S.
    Tut mir leid, dass Sie sich durch die Anzahl meiner Beiträge belästigt fühlen, aber diese stereotypen stalinistischen Rechtfertigungen der DDR-Diktatur provozieren bei mir immer Widerreden.

  10. 109.

    Ich muss dem rbb24 danken, dass sie Kommentatoren soviel Raum einräumen, obwohl es sich letztlich nur um Wiederholungen altbekannter Sichtweisen handelt. Substanzielles kann man wohl nicht mehr erwarten, nach dem der Kommentator wohl die ganze Nacht dazu brauchte, in nahezu 12 Beiträgen das Gleiche zu schreiben. Auch wenn man, wie dieser Kommentator vorgibt, einfach mal so in der DDR studiert zu haben, keinen Glauben schenkt, bleiben die Zweifel, wie er zu seinem Studium kam. Ich selbst hatte auf der POS und der EOS einen sehr guten Durchschnitt und durfte dennoch nicht studieren. Natürlich wurde mir nahegelegt für drei Jahre den Dienst in der NVA anzutreten. Wie geschrieben, ich habe nicht studiert. Darum meine Zweifel, wo sich dieser User angedIent hat, was er und wen er ausspioniert hat, um an sein Studium zu kommen. Leider gibt es solche Personen zu Hauf, die die Früchte der DDR ernteten und sich heute der BRD anbiedern.

  11. 108.

    Peter Kahrig, 26129 Oldenburg, Mittwoch, 07.11.2018 | 19:32 Uhr:
    "Leider fällt es einigen Politikern immer noch sehr schwer es einfach mal zu akzeptieren das es diesen ostdeutschen Staat gegeben hat, und das war gut so, nur sehr schade das der Warschauer Pakt zerbrochen ist"

    Keine Diktatur und keine nicht vom Volk in freien, demokratischen Wahlen legitimierte Regierung hat irgendeine Existenzberechtigung!

    Aber das wollen Stalinisten, Nazis und andere Diktaturfreunde nicht akzeptieren, dass nicht sie bestimmen dürfen, welche Regierungsform egitim ist, sondern das Volk.

  12. 107.

    Beobachter, Mittwoch, 07.11.2018 | 17:39 Uhr:
    "Wenn Sie schon vergleichen wollen, dann vergleichen Sie die frühe DDR mit der frühen Bundesrepublik. Dort hat man etwa 9.000 Linke allein wegen ihrer Gesinnung zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt und Hunderttausende ihrer Sympathisanten kriminalisiert und verfolgt."

    "Lanngjährige Gefägnisstrafen" für politische Gefangene? Die gab es nur in der DDR. In der BRD gab es lediglich Berufsverbote und auch nur für den öffentlichen Dienst.

    Beobachter, Mittwoch, 07.11.2018 | 17:39 Uhr:
    "Auch die Bundesrepublik war seit Kriegesende (und ist es bis heute - NSA) ein flächendeckender Überwachungsstaat (sh. Foschepoth)."

    Flächendeckende Überwachung gab es nur in der DDR. Und Sie dürfen die Überwachungsmöglichkeiten der 80er Jahre nicht mit den heutigen vergleichen.
    Wenn ich heute demokratisch, aber regierungskritisch mit Freunden und Kollegen diskutiere, interessiert das heute Keinen. In der DDR war das ganz anders!

  13. 106.

    BeobachterMittwoch, 07.11.2018 | 17:39 Uhr:
    "Wer die Verbrechen der Nazis mit denen der DDR vergleicht, relativiert den Nationalsozialismus und verhöhnt dessen Opfer."

    Unfug!

    Natürlich darf man die Verbrechen beider Diktaturen vergleichen:
    Die DDR-Diktatur dauerte länger als die Nazi-Diktatur.
    Die Nazi-Diktatur verursachte sehr viel viel viel mehr Opfer und Leid als die DDR-Diktatur.

    Man darf die beiden Diktaturen nur nicht gleichsetzen wegen der großen Unterschiede der Opfer sowohl quantitativ wie auch qualitativ. Die DDR-Diktatur war sehr viel humaner als die Nazi-Diktatur. Obwohl die DDR-Diktatur im Vergleich zur Nazi-Diktatur ein Pradies war, war sie aber trotzdem nach demokratischen Maßstäben eine menschen(rechts)verachtende Diktatur ohne jegliche Legitimation.

  14. 105.

    Gen. Stechbarth, Mittwoch, 07.11.2018 | 09:50 Uhr:
    "Und ich sage nochmals: es gab andere Wege die DDR zu verlassen, als durchsiebt im Stacheldraht zu enden."

    Bei welcher Behörde in der DDR konnte man sich denn über eine kurzfristige legale Ausreise diskriminierungsfrei (ohne Jobverlust etc.) beraten lassen??? Wo gab es in der DDR die offiziellen Informationen dazu???

    Ich kenne zu diesem Thema nur § 17 Paß- und Visa Anordnung (DDR): "Entscheidungen über Anträge auf Aus- und Einreise oder Transitreisen bedürfen keiner Begründung."

    Und dieser rechtsstaatswidrige Paragraf wurde konsequent angewandt.

  15. 104.

    Gen. Stechbarth, 07.11.2018 | 09:50 Uhr:
    "Ich habe anderthalb Jahre meinen Dienst an der Grenze zur BRD geleistet und war mir der Verantwortung bewusst, die auf meinen Schultern lag."

    NEIN, Sie waren sich NIE Ihrer Verantwortung bewusst, dass Sie eine Diktatur gegen das Volk unterstützen, sonst hätten Sie Ihren Dienst an der Grenze für die Diktatur und gegen das Volk der DDR abgelehnt und in der normalen NVA gedient, statt DDR-Bürger zu bedrohen, die nur ihr Menschenrecht auf Ausreise wahrnehmen wollen, das auf legalem Weg nicht wahrnehmbar war. Ich kenne jedenfalls keinen Fall, indem jemand an die Grenze gegangen ist, seinen Ausweis gezeigt und ausgereist ist. Im Gegenteil: Menschen, die dies gemacht hatten, wurden festgenommen und "wegen Behinderung staatlicher Organe" in den Knast gesteckt.

    Sie haben es bis heute nicht begriffen, dass die DDR-Regierung keinerlei Legitimität hatte. Nur das Volk hätte in freien und demokratischen Wahlen eine legitime Regierung wählen können.

  16. 103.

    bubu, FFM, Dienstag, 06.11.2018 | 21:40 Uhr:
    "und dennoch muss man dinge immer im kontext sehen.
    in der BRD sind im gleichen zeitraum 1000 obdachlose erfroren und 30,000 an ihrer drogenssucht gestorben, und die USA als primäres exempel für die westliche, freie welt haben in vietnam 6 millionen zivilisten mit chemiewaffen hingerichtet."

    Was hat das mit dem Thema zu tun? Soll dies das Abknallen an der Mauer rechtfertigen?
    Hat das nicht genügende Kümmern um Sozialfälle aus Überforderung denselben Grad an Verwerflichkeit wie das Hochrüsten an der Grenze, um die eigenen Bürger abzuknallen???

    bubu, FFM, Dienstag, 06.11.2018 | 21:40 Uhr:
    "insofern sind die mauertoten in der DDR eben genau kein argument dafür, dass der realsozialmus unmenschlicher gewesen wäre als das, was wir hier haben."

    Doch! Die DDR investierte bewusst in die Bedrohung ihrer Bürger. Der Westen war mit den sozialen Problemen überfordert. Das ist der Unterschied!

  17. 102.

    Bernhard S., Falkensee, Dienstag, 06.11.2018 | 20:34 Uhr:
    "Wer tröstet die US-amerikanischen Mütter, deren Söhne als Piloten von der Türkei aus über sowjetischem Gebiet spioniertenund dabei abschossen wurden? Diese Angehörigen der ca 15 Opfer warten BIS HEUTE auf Aufklärung durch die US-Armee Das nur einmal zur Einordnung.
    Und die Opfer an den Außengrenzen der EU, wie jemand erwähnte, passen da genau hinein. Freiheit ud Freizügigkeit ist nun einmal keine Einbahnstraße."

    Sie vergleichen Äpfel mit Birnen!

    1. Auf der einen Seite waren Soldaten befehligt von demokratisch gewählten Regierungen. Auf der anderen Seite waren von Diktatoren befehligte Regierungen.

    2. Sie vermischen Ausreise- mit Einreiseverboten: Jeder Staat darf Ausländer an der Einreise hindern. Kein Staat darf Staatsangehörige an der Einreise hindern. Kein Staat darf Menschen an der Ausreise hindern. Die DDR hat gegen die letzten beiden Verbote verstoßen.

  18. 101.

    Die "Opfer" in den Grenztruppen waren - im Gegensatz zu den Maueropfern - nicht nur Opfer, sondern auch Täter, weil sie die DDR-Bürger, die ihr Menschenrecht auf jederzeitige Ausreise ausüben wollten, menschenrechtswidrig mit Gewalt drohten. Diese Auch-Täter-Opfer sollten nicht mit den Nur-Opfern vermischt werden. Jeder konnte den Dienst an der Grenze ablehnen und stattdessen in der normalen NVA ableisten. Niemand sollte in einer Diktatur sich für Aufpassertätigkeiten hergeben.

  19. 100.

    Gen. Stechbarth, 06.11.2018 | 20:12 Uhr:
    "Und ja, persönlich ich halte ich es für Richtig, seine Außengrenzen zu schützen. Und im besonderen Fall, wie es hier schon angeklungen ist, dass sich in Berlin, an der Staatsgrenze zur BRD zwei feindliche Machtblöcke gegenüber standen."

    Das ist ein kindlich naives Weltbild.

    Es standen sich eine Demokratie mit vom Volk gewählter Regierung und eine Diktatur mit demokratisch nicht legitimierten Diktatoren gegenüber. Die Diktatoren sperrten "ihr" Volk ein, die Demokraten taten dies NICHT.

    Gen. Stechbarth:
    "Und das es den einen oder anderen Provokateur, gab der bewaffnet wer, zeigen doch die hinterhältigen Angriffen auf die Soldaten der Grenztruppen."

    Gegen Diktaturen sind Provokationen, Hinterhalt und Kampf auch mit Gewalt legitim, gegen Demokratien nicht.

    Gen. Stechbarth:
    "Auch in deren Reihen sind Tote und verletzte zu beklagen."

    Dafür sind die Diktatoren Ulbricht, Honecker, Mielke & Co. verantwortlich!

  20. 99.

    Irgendwie kommt mir eine bestimmte Argumentationslinie aus den Rechtfertigungen der Nazis bekannt vor: Jeder wusste doch, dass scharf geschossen wird, wenn jemand ohne Genehmigung versucht die DDR / das KZ zu verlassen. Wer das wusste und trotzdem versucht hat die DDR / das KZ ohne Genehmigung zu verlassen, ist selber schuld.

    Wenn ich ein Schild aufstelle, dass auf jeden geschossen wird, der ohne meine Erlaubnis ein von mir vereinnahmtes Gebiet verläßt, dann habe ich auch das Recht, auf Flüchtende zu schiessen. Denn schließlich seid Ihr meine Leibeigenen, über die ich nach Gutdünken entscheiden darf. Was ist dies? Leibeigenschaft/Feudalismus! Was sonst? Natürlich auch Diktatur!

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