DDR-Grenzsoldaten an der Berliner Mauer bei Spandau 1981 (Quelle: Imago/Schneider)
Audio: Inforadio | 08.11.2018 | Birgit Raddatz | Bild: Imago/Schneider

rbb-Recherche hat Konsequenzen - Bundeszentrale nimmt Studie zu Grenztoten aus dem Sortiment

Die Zahl der Todesopfer an der innerdeutschen Grenze, die eine offizielle Studie auflistet, ist nach rbb-Recherchen nicht korrekt. Jetzt zieht die Bundeszentrale für politische Bildung Konsequenzen - und nimmt die Studie vorerst aus ihrem Programm.

Die Recherche des rbb zur zweifelhaften Zahl von Toten an der innerdeutschen Grenze hat Konsequenzen. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) dem rbb am Donnerstag mitteilte, hat sie die kritisierte Studie vorerst aus dem Sortiment genommen. 

Bundeszentrale begrüßt öffentliche Debatte

Zugleich verteidigt sie die ursprüngliche Entscheidung, die Untersuchung in ihren Bestand aufgenommen zu haben. "Es handelt sich dabei um die erste umfassende Studie mit wissenschaftlichem Anspruch, die sich der Gesamtzahl der Opfer an der innerdeutschen Grenze widmet", erklärte die Bundeszentrale in einer Stellungnahme an den rbb. Es habe bei der Prüfung des Bandes keinerlei Anlass gegeben, an der wissenschaftlichen Redlichkeit der Arbeit des renommierten Forschungsverbundes SED-Staat der FU Berlin zu zweifeln. 

Zwar äußerte die Bundeszentrale ihr Bedauern darüber, dass nun Zweifel an einzelnen Ergebnissen aufgetaucht seien. Gleichzeitig begrüßte sie "die öffentliche Debatte um dieses wichtige Thema der gesamtdeutschen Nachkriegsgeschichte". Bis zur Klärung der offenen Fragen sei der Band nicht verfügbar. 

Zweifel in mindestens 50 Fällen

Die Studie wurde vom Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin erstellt, im Auftrag der Bundesregierung. Sie führt 327 Grenztote auf.

Nach rbb-Recherchen sind aber in mindestens 50 Fällen Zweifel angebracht. So wurden auch Offiziere als Grenzopfer aufgeführt, die beispielsweise für die Stasi spioniert haben und sich später das Leben nahmen.

In Auftrag gegeben wurde die 650.000 Euro teure Studie 2012 von Kulturstaatsminister Bernd Neumann. 2017 stellt seine Nachfolgerin, Monika Grütters, das Handbuch vor.

Sendung: Abendschau, 08.11.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Wollen Sie nun die DDR Diktatur verharmlosen? Das diese Statistik neu bewertet und richtig gestellt werden muß ist vollkommen richtig. Auch muß kritisch hinterfragt werden, wie es dazu kam u.was richtig ist.

  2. 8.

    Schon meine Oma wusste zu berichten: Trau keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast.

  3. 7.

    Gen. Stechbarth, Donnerstag, 08.11.2018 | 18:07 Uhr:
    "Eine gute Entscheidung der Bundeszentrale für politische Bildung, die fehlerhafte Studie zurück zu ziehen?
    Wenn ich ehrlich bin, hatte ich es nicht erwartet, dienten doch auch die Mauertoten auch zur Dämonisierung des DDR-Staates."

    Niemand dämonisiert(e) die DDR. Die DDR-Regierung delegitimierte sich schon selber als Diktatur und aufgrund fehlender Legitimation durch das Volk mangels freier, demokratischer Wahlen.

  4. 6.

    "Es habe bei der Prüfung des Bandes keinerlei Anlass gegeben, an der wissenschaftlichen Redlichkeit der Arbeit des renommierten Forschungsverbundes SED-Staat der FU Berlin zu zweifeln." - Nun gibt es einen Anlass. Ich hoffe, dass die Bundeszentrale für politische Bildung in Zukunft Aussagen und Behauptungen von dieser Forschungsgruppe kritisch hinterfragt!

  5. 5.

    Als ehemaliger Chef der Grenztruppen sollte er es doch wissen, wie viele DDR-Flüchtlinge den Weg in die gelobte BRD nicht schafften.

  6. 4.

    Selbstredend soll es am Schluss heißen:
    Die ganze Wirklichkeit ist nur für diejenigen zu fassen, die Menschen NICHT mit materiellen Gegenständen gleichsetzen und ihnen die Verhaltensfreiheit, so oder so zu handeln, absprechen. ( - Erst daraus ergibt dann der Folgesatz einen Sinn. )

  7. 3.

    Eine sehr souveräne Entscheidung, auch was Hinweis auf die öffentliche Diskussion darüber angeht.
    Auf die DDR bezogen, hätten derart Diskutierende ganz anderen Folgen zu spüren bekommen, als dass das als Quell von Neuerkenntnissen gewertet worden wäre.

    Die ganze Wirklichkeit ist nur für diejenigen zu fassen, die Menschen mit materiellen Gegenständen gleichsetzen und ihnen die Verhaltensfreiheit, so oder so zu handeln, absprechen. Deshalb greift messerscharf eingeteilte Wissenschaft auch zu kurz.

  8. 2.

    Herr General, wollen Sie ernsthaft behaupten, die Bundeszentrale für politische Bildung ist ein Propagandaapparat des kapitalistischen Westens und die DDR war ein demokratischer Rechtsstaat? Gehen Sie doch mal hin und machen sich mal ganz persönlich ohne ideologische Scheuklappen ein Bild vom Sortiment der Einrichtung, vieles kann man kostenfrei mitnehmen. Oder kleben Sie etwa selbst an gewissen Vorurteilen? Klassenfeind war gestern ....

  9. 1.

    Eine gute Entscheidung der Bundeszentrale für politische Bildung, die fehlerhafte Studie zurück zu ziehen?
    Wenn ich ehrlich bin, hatte ich es nicht erwartet, dienten doch auch die Mauertoten auch zur Dämonisierung des DDR-Staates.

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