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Audio: Inforadio, 19.1..2018, Wolf Siebert | Bild: Wolf Siebert/rbb

Streit um Projekt "Eckwerk" - "Holzmarkt"-Genossenschaft verklagt Berlin auf Millionenbetrag

Die "Holzmarkt"-Genossen traten einst an, um das Spreeufer vor der Gier der Investoren zu retten - und schufen ein Dorf für Kreative, Aktivisten und Gründer. Ihr Meisterstück sollte das "Eckwerk" werden. Doch dieser Traum endet nun vor Gericht.

Das alternative Projekt "Holzmarkt" am Spreeufer verklagt das Land Berlin auf Schadenersatz. Nach rbb-Informationen machen die Betreiber Amtshaftungsansprüche geltend und wollen erreichen, dass das Land finanzielle Schäden in Höhe von rund 19 Millionen Euro ausgleicht.

Streit um "Eckwerk" gefährdet Holzmarkt

Der Streit dreht sich um ein Grundstück an der Michaelbrücke im Stadtteil Friedrichshain, das sogenannte "Eckwerk". Dort will die "Holzmarkt"-Genossenschaft seit Jahren Räume für Künstler, Start-ups und Studenten bauen und verlangt nun einen finanziellen Ausgleich für entstandene Planungskosten, die über Darlehen vorfinanziert wurden. Die "Holzmarkt"-Betreiber stützen sich dabei auf einen Vertrag mit dem Land aus dem Jahr 2013. Bis heute gebe es aber noch kein Planungsrecht, so der Vorwurf. Damit werde das gesamte "Holzmarkt"-Projekt gefährdet.

In einem ersten Bauabschnitt ist bereits das sogenannte "Dorf" entwickelt werden, ein Ort für Off-Kultur, Gastronomie und Werkstätten. Eröffnet wurde es 2017. In einem zweiten Schritt wollten die "Holzmarkt"-Macher und ihre Partner das "Eckwerk" bauen.

Auf einem angrenzenden dreieckigen Grundstück zwischen S-Bahn-Viadukt, Holzmarktstraße und An der Michaelbrücke sollten die Wohn- und Arbeitsräume für Kreative, Firmengründer und Studenten entstehen. Fünf bis zu 30 Meter hohe Häuser aus Holz waren geplant, circa 80 Millionen Euro sollten investiert werden. Der Plan wurde gefeiert und fand auch international Beachtung.

Entwurf: GRAFT & kleihues + kleihues: Eckwerk Berlin (Quelle: Make City © GRAFT, kleihues + kleihues)So sollte das "Eckwerk" einmal aussehen

Baugebiet ist rechtlich kompliziert

Ein Problem gab es jedoch von Anfang an: Der Bauplatz für das "Eckwerk" liegt in einem Kerngebiet, dort können vorwiegend Wirtschaft, Handel, Verwaltung und Kultur angesiedelt werden. Wohnen ist möglich, aber schwierig. Zudem musste ein neuer Bebauungsplan her.

Vier Jahre wurde verhandelt und geplant. Anfangs unterstützte auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg das "Eckwerk"-Projekt. Als das Bauressort aber eine neue Leitung bekam und Florian Schmidt (Grüne) Baustadtrat wurde, stockte die Entwicklung - über die Gründe gibt es unterschiedliche Darstellungen. Bis heute fehlt ein neuer Bebauungsplan und damit auch gültiges Planungsrecht. Das brachte die "Holzmarkt"-Genossenschaft in Schwierigkeiten. Denn die Genossen hatten die Planungskosten vorgestreckt und dafür ein Darlehen aufgenommen.

Stiftung "Abendrot" will weitermachen

Das Grundstück wurde dem "Holzmarkt" von der Schweizer Stiftung Abendrot" auf Erbbaurecht-Basis zur Verfügung gestellt. Hinter "Abendrot" steckt eine Pensionskasse, die ihr Vermögen in nachhaltige Anlagen investiert. Das "Eckwerk" entwickelte sich dann zum zentralen Streitpunkt zwischen "Holzmarkt"-Genossenschaft auf der einen und dem Land Berlin, dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und dem Projekt-Partner Gewobag auf der anderen Seite. 2017 hat die Abendrot-Stiftung Grundstück und Erbbaurecht wieder zurückgenommen. Wie der rbb erfuhr, will die Stiftung das Grundstück nicht verkaufen sondern hält an der Idee von "sozialverträglichem Wohnen am Spreeufer" fest. Es werde darüber weiter vertraulich verhandelt.

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