Ein Bagger hinter einem Bauzaun (Foto: rbb|24/Vanessa Klüber)
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Video: rbb|24 | 30.11.2018 | Vanessa Klüber | Bild: rbb|24/Vanessa Klüber

Neubau beim Kottbusser Tor - Zehn Geschosse, 253 Hotelzimmer, mitten in Kreuzberg

Der Kiez um das Kottbusser Tor fehlt in keinem Berlin-Reiseführer. Zurzeit entsteht dort ein großer Hotel-Komplex - zum Ärger von Anwohnern, die noch mehr Touristenrummel befürchten. Der Bezirk gab jetzt Details über den Neubau bekannt. Von Vanessa Klüber und Annika Klügel

Bagger schaufeln Schutt und Erde an der Skalitzer Straße Ecke Mariannenstraße um. Mitten im Kiez um das Kottbusser Tor entstehen ein Hostel und ein Hotel, wo früher ein Autohaus stand. Ein Bauschild gibt es zwar nicht, aber Bezirkssprecherin Sara Lühmann bestätigte rbb|24 das Vorhaben am Freitag - und gab Details bekannt.

Initiative gegen den Neubau

Geplant seien ein neunstöckiger Gebäudeteil mit 105 Zimmern und ein Zehngeschosser mit 148 Zimmern, sagte Lühmann. Es handele sich dabei um Stockwerke mit niedriger Geschosshöhe. Im Untergeschoss, Erdgeschoss und ersten Obersgeschoss seien  Einkaufszeilen geplant, dort solle dann auch ein Supermarkt einziehen.

Die Baugenehmigung liegt seit Mai 2014 vor, bestätigte Lühmann. Damals war Monika Herrmann bereits Bezirksbürgermeisterin.

Anwohner protestieren

Eine Anwohner-Initiative mit dem Namen "NoHostel36" protestiert gegen den Bau. Die Gegner befürchten, dass noch mehr Touristen nach Kreuzberg kommen als ohnehin schon und dass der Kiez sich zum Negativen verändert.

"Der Großbau hat miese Auswirkungen auf unsere Nachbarschaft", heißt es in einer Mitteilung auf Facebook. Man wolle keinen "Massentourismus" und "keine steigenden Mieten", stattdessen "nützliche Dinge wie Kitas, soziale Zentren, Wohnungen." Die Initiatoren des Protests werfen dem Bezirk außerdem vor, er habe lange verheimlicht, dass der Bau genehmigt ist. Ein zunächst aufgestelltes Bauschild sei wieder entfernt worden.

Bauschild müsse erst bei Baubeginn aufgestellt werden

Der Bezirk äußerte sich zu den Vorwürfen bis Freitag nicht. Zum fehlenden Bauschild hieß es, dass Bauschilder erst aufgestellt werden müssen, sobald der Bau beginnt. Der werde derzeit vorbereitet.

Dazu wann der Bau abgeschlossen sein soll gab der Bezirk ebenso wenig Auskunft - dies sei Sache des Bauherrn. Laut "NoHostel36" heißt der Bauherr "Pro Area 36 GmbH." Aus Datenschutz-Gründen wollte der Bezirk dies jedoch nicht bestätigen.

Einige Anwohner schauen sich die Baustelle an, manche bleiben stehen. Eine von ihnen ist klar gegen den Neubau: "Der passt nicht zum Kiez", sagt sie. Dass sie ihn zusammen mit anderen verhindern können, daran glaubt sie nicht. Die Bagger haben bereits ein großes Loch gebuddelt.

Die Karte zeigt, wo der geplante Hotel-Komplex in der Mariannenstraße in Berlin-Kreuzberg entstehen soll (Bild: mappa/rbb|24)

Beitrag von Vanessa Klüber und Annika Klügel

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 14.

    I'm shocked by the intolerance of the otherwise tolerant Kreuzbergers

  2. 13.

    Sind Sie finanziell involviert in diese Bauprojekt, ein Bot oder wollen schlichtweg provozieren? Dieser Kommentar zeigt einfach nur, dass Sie den Kern überhaupt nicht durchschauen. Die Zahl der Obdachlosen steigt und statt Wohnungen zu bauen, schafft man neue Hotels und Einkaufmöglichkeit, obwohl dieser Markt in Berlin mehr als übersättigt ist. MfG, M. Storch

  3. 12.

    Ich finde Tourismus grundsätzlich keine schlechte Sache - denn meistens sind die Meisten von uns Touristen - auf jeder Reise quasi. Und der Protest der Anwohner richtet sich auch nicht gegen Tourismus - sehr wohl aber gegen die Art und Weise, wie ohne Diskurs und ohne Respekt, ohne Dialog und Kompromissbereitschaft die Interessen weniger durchgesetzt werden, wohlwissend, dass die meisten Bürger einer anderen Meinung sind, wenn es um das WIE einer Umsetzung von Modernisiserungs - und Bauvorhaben in einem schützenswerten Stadtmilieu geht. Aber es müssen neue Konzepte entworfen werden, wie Tourismus nachhaltig sein kann und vor allem verträglich für Anwohner und auch für den öffentlichen Raum.
    Aber vor allem müssen die Menschen, die täglich hier Leben, die hier aufgewachsen sind, die zugezogen sind, die Kreuzberg zu dem machen was es ist, die sich Kreuzberg ausgesucht haben, weil es ist wie ist, in Entscheidungen dieser Tragweite einbezogen werden. Seid solidarisch!

  4. 11.

    Ich finde die Hotel-Bauvorhaben toll, schließlich möchten viele den Szenekiez kennenlernen, Touristen finden den Siff dieser Gegend bestimmt lustig, also ich finde das hört absolut zu den Sehenswürdigkeiten, also als Abschreckung.

  5. 10.

    Es ist unverständlich, wieso eine Baugenehmigung von 2014 eigentlich noch gültig ist? Wer hat denn da wieder die Hand aufgehalten?
    Ein Hotel für noch mehr Touristen und Ladenflächen sind genau das was wir in Kreuzberg und Berlin brauchen. Bezahlbaren Wohnungen haben wir ja im Überfluss.

  6. 8.

    Sie haben so recht: Berlin den Besserverdienenden! Deutschland den Besserverdienenden! Wir wollen junge, gutaussehende, ganzkörperoptimierte, kreative, konsum- und leistungsorientierte, aprilfrischweichgespültduftende und vor allem zahlungskräftige Menschen. Die sich dann auch gern durch ein wenig Kultur bespaßen lassen. Keine feindlich-negativen Elemente, die einem bspw. durch ihre Armut den Appetit auf den nächsten Becherkaffee verderben.

    P.S.: Schöne Grüße an Ihre FDP-Ortsgruppe.

  7. 7.

    Die Musik im Hintergrund des onlin-Videos ist wirklich übertrieben düster gewählt. - Wo ist denn das Problem bei diesem Bau?

    Das Autohaus, welches dort vorher auf einer Kriegsbrache stand, schien aus der Zeit gefallen und "passte ebenfalls nicht" zum durchschnitts Kreuzberger. (Ich bin selber seit 25 Jahren Kreuzberger.) - Auch handelte es sich bei der vorherigen Bebauung um einen Flachbau, der jede Menge Fläche in Anspruch nahm.

    Jetzt wird endlich nachverdichtet. - Und wenn man das Hotel neunstöckig baut, wird anderswo weniger Fläche für Tourismus 'verbraucht'. Das Gebäude liegt an einer Hauptverkehrsader. Für entspanntes Wohnen ist dies sicher keine gute Lage.

    Die - ach so tolerante - Kreuzberger Bevölkerung sollte mehr Toleranz gegenüber internationalen Gästen zeigen. Ich versuche im Wrangelkiez mit gutem Beispiel voranzugehen und zeige Touristen mit Stadtplan in der Hand gerne mal den Weg.

  8. 6.

    Kreuzberg und Neukölln haben sich mit dem steigendem Tourismus und Zuzug von neuen Anwohner deutlich verbessert in den letzten Jahren. Weniger Müll, tolle Cafés und Restaurants, weniger Kriminalität und weniger Asoziale, die auf der Straße herum hängen und die Straßen zumüllen... Da geht noch einiges! Allerdings würde ich mir noch etwas mehr öffentlichen Raum für Kunst; Kultur und Bildung wünschen und saubere gepflegte Grünanlagen.

  9. 5.

    Ich finde es gut, dass in Kreuzberg Hotels gebaut werden. Warum sollte es da anders sein, als in jeden anderen Stadtbezirk?
    Hotelgäste, die das Urbane lieben, suchen, miterleben wollen, können das jetzt.
    Sicher, hinter Panzerglas sitzend, einen Mouchito schlürfend, können sie dann den allnächtlichen Sturmlauf linksradikaler Aktivisten verfolgen, die versuchen, die Scheiben einzuwerfen, die Fassade mit umgebauten Feuerlöscher beschmieren. Vorher gibt es Erfahrungsberichte des Hoteliers, dessen Hotel am Moritzplatz, das schon hinter sich brachte.
    Erlebnispark Kreuzberg. Eine schöne Idee, dessen Umsetzung ich begrüße.

  10. 4.

    Wenn die letzten Investoren aus Berlin vertrieben worden sind, mit Unterstützung des aktuellen Baustadtrates von Xhain,
    die Steuereinnahmen wieder drastisch gesunken sind, die Kitagebühren darauf hin wieder eingeführt werden müssen, werden auch die letzten Xhainer merken, daß man unrealistische Kiez Romantik nicht essen kann.

  11. 3.

    Die Stadt will immer mehr Steuereinnahmen über Hotels und Hostels und lässt dafür eben unsere Stadtzentren veröden. Das geht viel schneller als gedacht. Diese Politik hat schon einwohnerleere Stadtzentren, viel zu hochpreisige Mieten und dann natürlich Touristenfeindlichkeit in Spanien usw. erzeugt. Hier lernt man keinesfalls dazu, denn man will ja Steuereinnahmen und nicht etwa bürgernah ausgeben. Unser Viertel vermüllt u. a. durch höchste Dichte an Hostels europaweit, interessiert absolut niemanden.

  12. 2.

    Ist doch mal eine sehr erfreuliche Nachricht. Gerade in dieser schmuddeligen und kriminellen Ecke der Stadt kommt was Vernünftiges hinzu und bringt den Leuten Niveau, Arbeit und ein anständiges Aussehen. Nicht nur Farbschmierereien.

  13. 1.

    Solche Nachrichten machen einen nur traurig und resignativ. Wessen Interessen werden hier denn verfolgt? Die der Menschen vor Ort oder irgendwelcher Investoren und Geschäftemacher? Dass der Bezirk so etwas genehmigt, ist echt ein Armutszeugnis. Aber scheinbar sind so unsere Zeiten. Bonjour tristesse! – stand doch schon mal an einem Haus in Kreuzberg als Graffiti.

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