Demonstrant mit Plakat "Mut Statt Wut" (Quelle: imago/Stefan Boness/Ipon)
Video: Abendschau | 19.11.2018 | Nachrichten | Bild: imago/Stefan Boness/Ipon

Berliner Senat zahlt 60.000 Euro - Kampagne soll auf Opfer rechter Gewalt aufmerksam machen

Für nicht-weiße, jüdische oder homosexuelle Menschen kann das Leben in Berlin gefährlich sein. Darauf will eine neue Kampagne aufmerksam machen. Finanziert wird sie vom Senat. Ziel sind Spenden für die Opfer. Von Klaas-Wilhelm Brandenburg

Es waren erschreckende Zahlen, mit denen der für Antidiskriminierung zuständige Berliner Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Montag die Vorstellung einer neuen Kampagne für Opfer rechter Gewalt eröffnete: 267 Angriffe von Neonazis, 947 antisemitische Vorfälle und 324 homo- und transfeindliche Taten zählten verschiedene Opferberatungsstellen in Berlin allein im vergangenen Jahr. Als "ein bedrückend großes Phänomen" bezeichnet Behrendt rechte Gewalt in Berlin deshalb.

Um den Opfern besser zur Seite zu stehen, finanziert der Senat mit 60.000 Euro eine neue Kampagne: Mit Plakaten, auf Postkarten und in den sozialen Medien soll sie in den kommenden sechs Wochen auf den Opferfonds CURA [cura-hilft.berlin] aufmerksam machen, der schon seit 1993 Spenden für Opfer rechter Gewalt sammelt. Insgesamt sechs Motive gibt es, in denen es um Homo- und Transfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus – also den Hass auf Sinti und Roma – aber auch um Obdachlosenfeindlichkeit geht.

Neue Kampagne lenkt Aufmerksamkeit auf rechte Gewalt in Berlin Klaas-Wilhelm Brandenburg. (Quelle: Amadeu Antonio Stiftung)
Zwei Motive der Plakatkampagne | Bild: Amadeu Antonio Stiftung

Neonazis drohten: "Die Kugel ist für Dich"

Die Motive der Kampagne sind Alltagsszenen, die Betrachter durch den dazugehörigen Text in die Perspektive der Opfer versetzen soll. So zeigt ein Motiv ein sich küssendes Paar, darunter steht: "Die einen küssen sich, wo und wann sie wollen. Die anderen nur, wenn sie sich trauen." Dies soll klar machen, wie gefährlich bestimmte, für viele ganz normale Situationen sind, wenn man zum Beispiel einer Minderheit angehört.

Davon kann auch die Filmemacherin Mo Asumang ein Lied singen. Sie wurde bereits oft von Neonazis bedroht – einfach nur, weil sie Schwarz ist. Die Band White Arean Rebels hatte auf einer ihrer CDs sogar ein Lied, in dem es hieß: "Die Kugel ist für Dich, Mo Asumang!" "Da war ich natürlich wirklich schockiert und dachte, die Nazis stehen gleich bei mir vor der Tür", erinnert sich Asumang. So wurde ihr Lieblingsplatz in ihrer eigenen Küche auf einmal zum kompletten Gegenteil: "Ich konnte jahrelang nicht am Fenster sitzen, weil ich immer an diese Kugel denken musste."

Kati Becker (l-r), Koordinatorin Register zur Erfassung rechtsextremer und diskriminierender Vorfälle in Berlin, Dirk Behrendt (Bündnis 90/Die Grünen Berlin), Senator für Justiz und Antidiskriminierung von Berlin, Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, und Mo Asumang, Regisseurin und Schriftstellerin, sitzen nach der Pressekonferenz zum Auftakt der Kampagne "Berlin steht an der Seite von Betroffenen rechter Gewalt" vor Plakaten. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Von links nach rechts: Kati Becker von den Berliner Registern zur Erfassung rechtsextremer und diskriminierender Vorfälle in Berlin, Senator Dirk Behrendt (Bündnis 90/Die Grünen Berlin), Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung und Regisseurin Mo Asumang. | Bild: dpa/Christoph Soeder

Ziel: auch Kosten für psychologische Hilfe übernehmen

Deshalb unterstützt Asumang die Kampagne. Ziel ist, Menschen zum Spenden für den Opferfonds CURA zu animieren. "Mit diesem helfen wir Opfern rassistischer, rechter und antisemitischer Gewalt ganz unbürokratisch", sagt Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, die den Fonds seit 2004 betreut. So könne aus dem Fonds beispielsweise der Anwalt bezahlt werden, wenn ein Opfer rechter Gewalt im Prozess gegen den Täter als Nebenkläger auftreten möchte. "Genauso wie Umzugskosten, wenn die Leute so stark unter Druck stehen, dass sie nicht mehr in ihrer Wohnung bleiben können – das gibt es leider relativ häufig", berichtet Kahane. Aber auch ganz alltägliche Sachen wie die Kosten für eine kaputte Brille oder ein kaputtes Handy werden vom Fonds übernommen.

In den vergangenen Jahren kamen durch Spenden stets zwischen 20.000 und 30.000 Euro im Jahr zusammen – das reiche aber nicht für alles, was Opfer rechter Gewalt eigentlich benötigen, so Kahane. "Kosten für psychologische Beratungen können wir oft nicht übernehmen, weil das unser Budget übersteigt", sagt sie. Menschen, die keine Versicherungen haben, könnten dann ihr Trauma nicht richtig verarbeiten."Dabei brauchen die Menschen das sehr dringend", sagt Kahane. Sie hoffe, dass dieses Geld jetzt mithilfe der Kampagne zusammenkommt.

Sendung: Abendschau, 19.11.2018, 19.30 Uhr  

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Beitrag von Klaas-Wilhelm Brandenburg

46 Kommentare

  1. 46.

    ...was glauben Sie wohl, wer hier im Forum daran auffallend großen Anteil hat?

    Abgesehen davon - wer greift denn in der Gesellschaft wen an? Wer fordert denn dazu auf, Personal der AfD zu attackieren? Und wer kommt dieser Aufforderung bereitwillig nach?

  2. 45.

    Der Zusammenhang meines Kommentars auf den Beitrag ist durch Ihre Reaktion darauf noch offensichtlicher geworden. Zu Ihrer Frage: JA! Die AfD ist irgendwo auch schuld am Antisemitismus in den Schulen. Zumindest ist sie dafür mitverantwortlich, dass der Alltagsrassismus gesellschaftsfähig wurde und der gesellschaftliche Ton diesbezüglich immer rauher wird (siehe als aktuelles Beispiel auch den Beitrag, dass die AfD in Sachsenhausen den Holocaust verharmloste/leugnete). Soviel dazu. Mit dem Alltagsrassismus beginnt alles und öffnet Tür und Tor für rechte Gewalt!

  3. 44.

    Eigentlich ist mit # 5 alles gesagt.

    rechte Gewalt richtet sich vorrangig auf Andersartigkeit, die in der Person liegt. Also etwas, was ein Mensch nicht ändern kann. Die Farbe der Haut, die sexuelle Orientierung oder die Nationalität. Linke Gewalt richtet sich meist gegen den Staat oder den kaptalismus. Das ist mal ganz grob der Unterschied, infosefern sind Opfer rechter Gewalt echt am Arsch. Sie werden Opfer, weil sie sind wie sie sind. Besonders bei Juden ist das völliger Irrsinn, war es schon immer, die Nazis haben die eigenen Landsleute ermordet, nur weil sie Juden waren. Und mal zurück zu Chemnitz. Was bitte hatte das jüdiche Lokal mit der ganzen Sache zu tun? Rechte kommen immer an und zeigen dann auf die Linken, hier geht es um Opfer rechter Gewalt. Das wird auch nicht besser, bloß weil es auch linke Gewalt gibt. Beides Scheisse.

  4. 43.

    Selten so gelacht... Ein Beispiel, wenn auch fiktiv.
    Adolf, 96, ehemaliger Hauptsturmführer der SS.
    "Es tut mir leid, was ich getan habe". Und, jetzt alles gut oder ist die Diktatur entscheidend, in für die man gedient hat?

  5. 42.

    Ich möchte nur daran erinnern, was für eine Person Frau Kahane ist und wer sich ihrer bedient.
    Ich glaube eben nicht, dass sie zu ihrer Tätigkeit als Spitzel für die Stasi steht, macht sie doch genau da weiter und ruft zur Denunziation von Mitbürgern auf.
    Ich will sie auch nicht von dem Intrument trennen, das sie dafür geschaffen hat.
    Es hat nur ein "Geschmäckle", wenn eine enttarnt Stasispitzelin, (denn sie hat sich nicht selber geortet, sondern wurde durch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Stasiarbeit durch Dr. Knabe enttarnt) sich jetzt als Hüter der Moral und des Anstandes inszeniert.
    Auch dafür gibt es Unterlagen einzusehen, die in der Stasi-Haftanstalt Hohenschönhausen einzusehen ist.
    Quelle u.a.: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Anetta_Kahane

  6. 41.

    Das ist Unsinn, wo soll denn das stehen? Natürlich darf man die Unterstützung von Gewaltopfern nicht von der politischen (oder religiösen oder kulturellen oder Geschlechtsrollen-) Einstellung des Täters abhängig machen.

  7. 40.

    Ich verkläre überhaupt nichts! Wer mich kennt weiß wie ich zu der Dikatur in der DDR stehe.

    Sie steht aber zu ihrer Tätigkeit als IM und es tue ihr leid. Das kann man von den allermeisten rechten Hetzern hier und anderswo aber nicht behaupten.

    Außerden können sie die Person Kahane nicht von der Amadeu Antonio Stiftung trenne oder wie hier von der mehr als wichtigen und bitte notwendigen Kampagne für Opfer von rechter Gewalt.

    Bezeichnenderweise kommt dieser Vorwurf der Spietzeltätigkeit aus der immer gleichen Ecke!

    "Viele rechtsextreme und rechtskonservative Akteure hätten sich wegen „punktueller gemeinsamer Interessen“ gegen die AAS engagiert, weil diese „erfolgreich gegen die weitere Verbreitung rechter Propaganda“ arbeite."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Amadeu_Antonio_Stiftung#Angriffe_und_Vorw%C3%BCrfe_gegen_die_Stiftung

  8. 39.

    ...für das jetzige System nützlich ist. Ist er's nicht, kriegt er Schwierigkeiten. Ist er den Eliten nützlich, kann es passieren, daß er - wie im vorliegenden Fall - mit Geld nur so überhäuft wird.

  9. 38.

    "Unterstützung von Gewaltopfern von der politischen Einstellung des Täters abhängig macht" nach ihrer Ansicht sollte man auch alle Entschädigungen für die Opfer des SED-Regimes und des NSDAP-Regimes rückgängig machen.

  10. 37.

    Es wundert mich nicht, dass von wenigen die Stasitätigkeit von Frau Kahane verklärt wird. Es ist genau der selbe Personenkreis, der dem ausufernden Linksradikalismus begrüßt.
    Was mich aber wirklich an dieser ins Leben gerufenen Aktion stört, ist, dass man als Bürger aufgerufen wird, seine Mitmenschen zu denunzieren. Das PENG ruft auf, die Polizei zu denunzieren, hier den Nachbarn.
    Trägt das dazu bei, dass unser Zusammenleben friedlicher wird.
    Scheiterten daran nicht schon Systeme? Die DDR und der Nazistaat gründete doch auch auf Denunziation des Nachbarn*innin?

  11. 36.

    Stimme Ihnen zu. Und, ich nehme manchmal einen anderen Nick, damit ich nicht gleich wegen einer früheren Aussage in eine Schublade komme und der Inhalt des Kommentars untergeht. Leider lebt man als toleranter Mensch etwas zwischen den Stühlen. Extremisten können mit Toleranz nicht umgehen.

  12. 35.

    Themenfernes Derailen. Es wird immer öfter reflexartig "AfD" gerufen, wenn einem zum Thema sonst nichts einfällt. Zusammenhang fehlt hier einfach. Soll die AfD auch irgendwie für den wachsenden Antisemitismus in den Berliner Schulen hinhalten? ;)Und Foristen wollen Sie auch irgendwie pauschal für irgendwas beschuldigen - halten Sie so ein Reden denn für "nicht" aggressiv?

  13. 34.

    Zuerst war ich/waren wir oft verärgert und befremdet, dass hier jede Möglichkeit und jedwedes Thema von vielen Leuten dafür mißbraucht wurden, braunen Schmu abzusondern und /oder die AfD zu feiern. Inzwischen kommentiere ich häufig etwas überzogen oder ironisch, um die Reaktionen darauf lesen zu dürfen. Klappt immer, man lernt nie aus und kann sich dadurch ein relativ gutes Bild über die Gesinnung einiger Mitkommentatoren machen. Ist trotzdem häufig ziemlich gruselig. Viele neigen inzwischen auch dazu, mit neuen Nicks noch heftiger auszuteilen und Aggressionen abzulassen, als ohnehin schon. Böse Falle Anonymität im Internet ;-) Rechte Gewalt muss immer Thema bleiben. Die Kampagne ist grad jetzt ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Lieber nicht RECHTS lang...

  14. 33.

    Man sieht doch, wohin das führt: da wird man schon für seinen Nick verunglimpft.
    Man kann eben nicht aus seiner Haut.
    Frau Kahane eben auch nicht.
    Das sich aber die Grünen im Kampf gegen Rechts sich einer solchen Person anbietert, sich ihrer bedienen?
    Zeigt doch, dass die Grünen sind in der Mitte der "Gesellschaft" angekommen sind.

  15. 32.

    Es ist schon beachtlich, wie Sie die Spitzeltätigkeit für die Stasi verklären, wären Sie Verfehlungen Andere erbarmungslos verurteilen.
    Frau Kahane aka IM "Viktoria" war freiwillig als Spitzel für den Staatssicherheitdienst der DDR tätig. Freiwillig, ohne Not, aus tiefster Überzeugung denunziert sie, horchte sie aus und fertigte Berichte. Ob sie, wie sie versucht glauben zu machen, dort "kündigte", gehört zu ihrer geschaffenen Legende.
    Ich persönlich kenne keinen, der zu seinem Führungsoffizier gegangen ist und erklärte, wer wolle nicht mehr spitzeln. Wer das glaubt, kann sich die Arbeitsweise im Stasi-Knast Hohenschönhausen ansehen. Da hat der von den Linken geschasste Dr. Knabe jede Menge Anschauungsmaterial zusammen getragen.

  16. 31.

    Die generelle Klassifikation als "rechte Gewalt" ist ja wohl Käse. Es geht um Hasskriminalität, mit Unterkategorie "rechtsextreme Täter". Verstehe nicht, warum man sich dann die Rechts-links-Debatte überhaupt ans Bein bindet, das ist kontraproduktiv für die Sache.

  17. 30.

    Was verstehen sie denn unter "Wahrheiten"? Und das immer ausgerechnet die, die unsere Demokratie am liebsten gestern abschaffen wollen oder anderen die demokratischen Grundwerte vorenthalten wollen von anderen fordern deren Demokratieverständnis zu überprüfen ist ja auch nicht neu.

    Und die rechten Schmutzkampagen gegen Fr. Kahane auch nicht.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Anetta_Kahane#Reaktionen_und_rechte_Kampagnen_nach_Bekanntwerden_der_IM-T%C3%A4tigkeit

  18. 29.

    Wenn Wahrheiten als "Hetze" von Ihnen verunglimpft werden, sollten Sie Ihr Demokratieverständnis überprüfen.

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