Razzia in Tempelhof (Quelle: dpa/Zinken)
Audio: Inforadio | 19.11.2018 | Silke Mehring | Bild: dpa/Zinken

Organisierte Kriminalität - Geisel will Behörden im Kampf gegen kriminelle Clans vernetzen

Berlin will und muss effektiver gegen kriminelle Clans vorgehen. Aber mit Polizei und Justiz allein ist organisierten Strukturen nicht beizukommen. Innensenator Geisel will nun auch andere Behörden in die Fälle einbinden. Denn ein mächtiges Druckmittel heißt: Geld.

Im Kampf gegen kriminelle Clans soll Berlin nach einem Vorschlag von Innensenator Andreas Geisel (SPD) künftig behördenübergreifend vorgehen. Kriminalpolizisten, Staatsanwälte, Zollfahnder, Vertreter der Jugendämter und Jobcenter sollen sich regelmäßig treffen, um über das gemeinsame Vorgehen in Einzelfällen zu beraten, bestätigte ein Sprecher von Geisel am Montag einen entsprechenden Bericht der "Berliner Morgenpost".

"Clan-Gipfel" am kommenden Montag

"Der direkte Informationsaustausch zwischen den Behörden ist enorm wichtig. Wir müssen das unterschiedlich vorhandene Wissen über die Täter bündeln, um gezielt gegen diese Art der Kriminalität vorzugehen", sagte Geisel der Zeitung. Der Innensenator will seinen Plan am kommenden Montag (26. November) bei einem Treffen mehrerer Senatoren und Experten zum Thema Clans vorstellen. Dabei werden die Ressorts Innen, Justiz und Finanzen sowie die Staatsanwaltschaft vertreten sein. Es soll um illegal erworbenes Vermögen gehen sowie um Wege, abgeschottete Strukturen aufzubrechen.

In dem Berliner Zentrum könnte etwa die Polizei darüber informieren, dass ein Mitglied eines Clans neuerdings mit teuren Luxusautos unterwegs sei. Das könnte dann die Mitarbeiter des Jobcenters auf den Plan rufen, wenn dieses Clan-Mitglied Sozialleistungen bezieht, so die Morgenpost. Die Polizei wiederum müsse informiert sein, wenn ein jugendliches Clan-Mitglied in der Schule auffällig wird.

GdP und FDP fordern entsprechendes Personal

Die Gewerkschaft der Polizei Berlin begrüßte Geisels Vorschlag. Gleichzeitig mahnte sie, der nachhaltige Kampf gegen die organisierte Kriminalität binde Personalressourcen. Personal ließe sich bei der Berliner Polizei nicht so einfach finden, "ohne woanders Löcher zu reißen", hieß es in einer Mitteilung vom Montag.

Nach Ansicht der Berliner FDP-Fraktion ist der Vorschlag für einen behördenübergreifenden Arbeitskreis ein Zeichen der Hilflosigkeit. Berlin brauche eine leistungsfähige Polizei und Justiz, sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Marcel Luthe. An dem Fehlen von aktuell 3.500 Polizeivollzugsbeamten in Berlin ändere ein Arbeitskreis gar nichts.

Sendung: Inforadio, 19.11.2018, 15:20 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

11 Kommentare

  1. 11.

    Bitte den Kommentar lesen, auf den ich geantwortet habe. Dann dürfte meine Antwort verständlich sein. Gegen die gegenwärtige Praxis der Vermögensabschöpfung ist nichts einzuwenden.

  2. 10.

    Es gibt in Dt. keine Sippenhaft und es ist Polemik, überhaupt darüber reden zu wollen.
    Das Vermögen wird neuerdings aber trotzdem eingezogen, wenn die Leute trotz ihrer zig Schein- und Verschleierungsfirmen nicht nachweisen können, dass es redlich erworben wurde. Und das wurde auch höchste Zeit.

  3. 9.

    Hätten Sie bitte noch eine Quelle dazu, dass in Kanada regulär ganze Familien bei Straftaten einzelner Familienmitglieder ausgewiesen werden - also auch Familienangehörige, die mit der Straftat nichts zu tun haben?

  4. 8.

    Auch in Kanada werden ganze Familien ausgewiesen, besonders wenn es Flüchtlinge sind, wenn einer der Familie mit der Justiz in Konflikt kommt. Kanada ist ein liberales Land, läßt sich aber nicht wie Deutschland sich von Kreti und Pleti auf der Nase herumtanzen, sondern macht kurzen Prozeß. Und in Kanada sind sie auch nicht im Mittelalter sondern im 21. Jahrhundert.

  5. 7.

    Ihr Kommentar zeigt vor allem eines-dass Sie mit dem Begriff Rechtsstaatlichkeit nichts anfangen können. Sippenhaft-Enteignung-Vertreibung, sind da "altbewährte"Mittel einer scheinbar von ihnen glorifizierten Zeit ausgegraben worden? An der Art und Weise ihresgleichen, wie die Maßnahmen von Polizei und Justiz kritisiert werden, Versteckt sich scheinbar die Angst, diese könnten greifen, und auch der letzte könnte merken, dass die ganze Idiologie um eine bestimmte Marktschreierpartei so sinnvoll ist wie ein Furunkel.

  6. 6.

    Das klingt, als wäre diese Zusammenarbeit selbstverständlich. Warum erst jetzt?

  7. 5.

    Mit den aktuellen rechtsstaatlichen Mitteln kann man diesen Personen nichts. Neue Gesetze speziell für solche Familien. Ausweisen und das Vermögen verfällt an den Staat. Und ja, die gesamte Familie unabhänging ob straffällig oder nicht. Hier geht es nicht um bedauerliche Einzelfälle sondern um die Sicherheit der hier lebenden Menschen und den Erhalt unserer FDGO.

  8. 4.

    @rbb Klingt irgendwie nach Sippenhaft, oder?! "Die Polizei wiederum müsse informiert sein, wenn ein jugendliches Clan-Mitglied in der Schule auffällig wird." Sippenhaftung war zwecks Stigmatisierung und Bestrafung im Mittelalter weit verbreitet und wurde auch in der NS-Zeit praktiziert - heute angeblich noch in Nordkorea und jetzt bald wieder in Berlin?!
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sippenhaftung
    Organisierte Kriminalität bekämpfen - gerne! Davon gibt es in Berlin leider viel zu viel. Doch dabei sollten nicht alleinig die kriminellen Familien Fokus der Ermittlungen sein - Bankenskandal... ;)

  9. 3.

    Das ist schon ziemlich belustigend, dass die Behörden sich bisher nicht "vernetzt" haben - bei jahrzehntelang gewachsener Schwerkriminalität. Man hätte ja auch bis 2050 oder 2118 abwarten können. Wie beim BER mahlen die Mühlen langsamer als langsam....

  10. 2.

    Hoffentlich wird das nicht genauso eine unendliche Geschichte, wie der BER. Sonst ist Berlin komplett Clan-Land, bevor überhaupt die ersten beiden Behörden vernetzt sind.

  11. 1.

    Ich hoffe Herr Geisel hat die richtigen Leute mit im Boot.Diese hervorragende Idee erschüttert die Grundlagen der gesamten Verwaltung : " das geht nicht , das haben wir noch nie so gemacht,da könnte ja jeder kommen und wo kommen wir denn da hin"

Das könnte Sie auch interessieren