Polizeianwärter heben am 23.11.2017 bei der feierlichen Vereidigung der Berufsanfänger des mittleren und gehobenen Dienstes bei der Berliner Polizei in Berlin die Hand zum Eid.
Video: Abendschau | 12.11.2018 | Kerstin Breinig | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Disziplin und Ausbildung soll verbessert werden - Neue Chefin der Polizeiakademie lässt wieder antreten

An der Berliner Polizeiakademie gibt es noch immer Reformbedarf: Vor allem die Deutschkenntnisse einiger Anwärter lassen zu wünschen übrig, sagt die neue Leiterin der Schule, Tanja Knapp. Sofortmaßnahmen sollen Abhilfe schaffen - auch bei Disziplinfragen.

Die Chefin der Berliner Polizeiakademie, Tanja Knapp, hat eine ganze Reihe von Problemen bei der Ausbildung festgemacht. Knapp nannte am Montag im Innenausschuss Schwierigkeiten mancher Schüler mit der deutschen Sprache, mit Satzbau und Formulierungen, komplexen Fragestellungen sowie mit grundsätzlichen Fragen wie Pünktlichkeit und Ordnung.

Knapp kündigte eine ganze Reihe von Handlungen an, um die Situation zu verbessern. Unter anderem soll es Unterstützung und Fördermaßnahmen besonders im Deutschunterricht geben. Aktuell stelle die Polizei außerdem Lehrer ein und untersuche, welche Schüler Förderbedarf haben.

Strenger gegen Zuspätkommer

Viele Polizeianwärter hätten sich zudem über mangelnde Disziplin beklagt, sagte Knapp. Als Reaktion habe die Akademieleitung das gemeinsame Antreten wieder eingeführt. Verspätungen sollen die Ausbilder künftig strenger ahnden. Im Frühjahr 2019 reformiert die Polizei voraussichtlich auch den Aufbau der Ausbildung. So könnten Praktika anders geplant werden, damit den Polizeischülern mehr Zeit zum Lernen für die Prüfungen bleibe.

Tanja Knapp hatte im Sommer die Leitung der Einrichtung übernommen. Ihr Vorgänger Jochen Sindberg und sein Vize Boris Meckelburg hatten nach einer Reihe von Skandalen um ihre Versetzung gebeten.

CDU fordert vom Senat mehr Geld für die Polizeiakademie

Berlins CDU-Fraktionschef Burkard Dregger verteidigte die neue Leiterin der Polizeiakademie gegen Kritik. Knapp sei erst seit Juli im Amt und habe bereits die ersten Weichen richtig gestellt, sagte Dregger am Montag dem rbb. "Große Probleme löst man nicht von heute auf morgen." Im April wolle man die Fortschritte der Reform überprüfen. Dafür, das immer noch viel Unterricht ausfalle, sei der Senat verantwortlich. Der müsse mehr Geld zur Verfügung stellen, um weitere Lehrer einzustellen, so Dregger.

"Innere Kündigung" bei Mitarbeitern

Wie der rbb im Herbst 2017 berichtete, hatte ein Ausbilder in einer anonymen Mitteilung an den damaligen Polizeipräsidenten Klaus Kandt über unhaltbare Zustände in einer Klasse geklagt. Der Mann sprach von Leistungsverweigerung, Hass und Gewalt in einer Klasse mit vielen Polizeischülern mit Migrationshintergrund. Hinzu kam der Vorwurf, dass ein Polizeischüler Kontakt zu kriminellen Clans gepflegt haben soll.

Die Polizeiführung hatte die Vorwürfe zunächst zurückgewiesen, die Senatsinnenverwaltung allerdings ließ die Lage dann von dem Sondergutachter Josef Strobl prüfen. Strobl kam in seinem 83 Seiten starken Bericht zu dem Schluss, dass die Stimmung an der Polizeiakademie in Spandau auf dem Nullpunkt und das Vertrauen zwischen der Akademie-Führung und vielen Mitarbeitern schwer gestört sei - und zwar so schwer, dass es bei vielen bereits eine "innere Kündigung" gebe.

Polizeischüler machen beim Tag der offenen Tür der Berliner Polizei in voller Montur Liegestütze.
Bild: dpa/Paul Zinken

Viele Polizeischüler versagen bei Prüfungen

Strobl hatte bei seiner Prüfung zwar keine "großartigen Missstände in Form von dienstrechtlichen Unregelmäßigkeiten oder gar strafrechtlichen Verfehlungen" gefunden, doch kritisierte er den hohen  Personalmangel und eine schlechte Bezahlung. Vor allem in den Fächern "Politische Bildung" und "Deutsch" sei zu viel Unterricht ausgefallen, so Strobl, obwohl bereits viele der Polizeischüler lediglich "unterdurchschnittliche" Deutschkenntnisse mit "großen Defiziten" aufgewiesen hätten.

Zudem hatte es immer wieder auffällig viele Polizeischüler gegeben, die Prüfungen nicht bestehen. Allein bei den Zwischenprüfungen waren zuletzt 30 Prüflinge schon zum zweiten Mal durchgefallen. Für sie ist die Ausbildung damit vorbei. An der Polizeiakademie werden fast 2.500 junge Nachwuchspolizisten von 230 Lehrern und Dozenten ausgebildet.

Berlins neue Polizeipräsidentin Barbara Slowik kündigte daraufhin eine Reihe von Reformen
an, die von der neuen Leiterin Tanja Knapp umgesetzt werden sollen. Wie der "Tagesspiegel" berichtet, soll demnächst auch die Berliner Schulinspektion die Polizeiakademie überprüfen. Davon wiederum hält CDU-Fraktionschef Dregger nichts. Dregger "Ich kann nicht feststellen, dass diese Schulverwaltung die richtigen pädagogischen Konzepte hat." Eine Polizeischule sei etwa mit einer Berufsschule nicht vergleichbar, so Dregger.

Sendung: Inforadio, 12.11.2018, 12.00 Uhr

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Antwort auf [justice] vom 12.11.2018 um 19:11
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16 Kommentare

  1. 16.

    Den Bock zum Gärtner machen. Seit bekannt ist, das kriminelle Araber-Clans sich in den Polizeidienst klagen, wundert mich überhaupt nichts mehr. Der Staat BRD offenbart sich als gigantisches Irrenhaus. Diesen Eindruck bekomme ich, wenn ich mir das Foto zum Artikel ansehe.

  2. 15.

    Ich bin seit 30 Jahren bei dem Verein und erst vor kurzem habe ich einen Einsatz mit Polizeischülern miterlebt.
    Der schlechte Ruf den es in den öffentlichen Medien gibt scheint meiner Erfahrung nicht ganz gerecht.
    Die Anwärter waren motiviert und wissbegierig.
    An der Motivation scheint es nicht zu liegen.
    Also vermute ich, dass das Problem in der Organisation der PA liegt und der mangelnden Ausstattung mit Fachlehrern.
    Es gibt viel zu tun um die Fehler der letzten 10- 15 Jahre die Hr. Wowereit mit seinem Finanzsenator Hr. Sarazin gemacht haben (kaputt sparen bis es kracht und zwar überall), auszubügeln.
    Und wer die Berliner Politiker kennt weiß, dass sie für alles länger brauchen als andere. Siehe Flughafen.

  3. 14.

    Die Schulbildung wird immer schlechter. Die Abgänger haben immer mehr Defizite. Diejenigen, die trotzdem eine gute Bildung und gute Abschlüsse erzielen konnten, möchten verständlicherweise keine Berufe mit z.b. Schichtdienst und mieser Bezahlung. Daher die Nachwuchs-Misere auch bei der Polizei. Es muss eine neue Bildungspolitik her, damit die Ursachen angegangen werden können. Und dass man das jetzt hochtrabend "Akademie" nennt...schönes Wort für eine normale Ausbildungsstätte. Schwamm drüber!

  4. 13.

    "..,obwohl bereits viele der Polizeischüler lediglich "unterdurchschnittliche" Deutschkenntnisse mit "großen Defiziten" aufgewiesen hätten."
    Auweia,na das kann ja was werden in der Zukunft. Polizisten die sich in "Kanak Sprak" (laut Wikipedia) unterhalten,wie soll man die ernst nehmen? Mir bluten jedenfalls immer die Ohren,wenn ich das höre. Oder geht es nur um schriftliche Fähigkeiten?
    In dem Alter sollte man normalerweise beides beherrschen und der ausgefallene Deutschunterricht nicht die Ursache dafür sein. Was auch immer man dort in diesem Fach beigebracht bekommt.

    Die niedrigen Ausgaben für Bildung in diesem Land rächen sich halt irgendwann.

  5. 12.

    Ich auch nicht. Die Situation bei den Polizeianwärtern würde sich allerdings schlagartig ändern, wenn man das 1,5fache bis doppelte Gehalt zahlen würde. Angesichts der Probleme der heutigen Zeit, riesige Überstundenberge, die nicht abgegolten werden können etc., halte ich das für angebracht. Schweden hat mit Gehaltserhöhung auch mehr neue Polizisten gefunden.

  6. 11.

    Ist es Otto N. oder die Politik, die Unvernunft und Eigennutz vorlebt? - "Große Probleme entstehen nicht von heute auf morgen." Man darf als Staatsbürger öffentlich die Frage nach den Verursacher_innen des desolaten Zustands stellen. Mit anderen Worten, wer hat jahrelang politisch notwendige Maßnahmen verpennt? Und noch ein Aspekt: Die Polizei hält u.a. die öffentliche Ordnung aufrecht und hilft Menschen in Akutsituationen; von einer Missbrauchsfunktion für Staatskassenprobleme ist in der Berliner Verfassung und dem Deutschen Grundgesetz nichts zu lesen.

  7. 9.

    Ich bin schon verwundert, dass Polizeischüler in Berlin zum Teil Nachhilfeunterricht in Deutsch brauchen. Dafür nennt sich diese Einrichtung nun Akademie, was auch für mich nicht passt. Für diese Akademie braucht man nun auch noch Deutschlehrer, was eigentlich in einem Polizeijob Voraussetzung sein sollte, die deutsche Sprache zu beherrschen. Wie soll man dann eigentlich bei komplexen Sachverhalten Strafanzeigen aufnehmen. Ich finde es erschreckend und zeigt für mich doch auch das totale Schulversagen in Berlin, was man ja in anderen Brachen auch schon hört, dass Allgemeinbildung, Deutschkenntnisse, Disziplin von Schulabgängern vielfach fehlen.
    Es kann doch diese Misere nicht nur am Lehrermangel liegen, dass wir Schüler auf die Straße lassen, welche mangels Deutschkenntnisse etc. im Berufsleben scheitern. Geschweige von den tausenden Schulabbrecher in Berlin. In unseren Berliner Schulen läuft doch auch etwas schief.

  8. 8.

    Kein Wunder wenn man bei der Eignungsprüfung nur im sportlichen Bereich hohe Anforderungen stellt und nur Menschen ohne Sehfehler einstellt... Wie (un-)sportlich oder Blind man nach 10 Jahren ist, interrssiert ja auch kein Schwein...

  9. 7.

    Warum so weit aus dem Fenster lehnen? Groß- und Kleinkriminelle mögen ja z.t. ganz schön am Rad drehen, aber was ist mit Otto N.? Welche "Normalbürger" haben denn den ständig zitierten Respekt vor der Polizei und unseren Gesetzen? Das Finanzamt und Versicherungen zu betrügen gilt doch auch nur noch als Kavaliersdelikt. Macht ja jeder. Falsch Parken, Geschwindigkeitsüberschreitungen uvm. die geahndet werden, werden von den Meisten doch auch nicht mehr als Regelbruch oder Respektlosigkeit empfunden. Es fängt im Kleinen an, nämlich bei uns stinknormalen Bürgern, dass wir Polizisten nicht mehr als Autoritäten empfinden. Darüber sollten viele erst einmal nachdenken, ehe sie Andere zum Sündenbock machen. Die eigene Nase läßt grüßen.

  10. 5.

    Qualität hat seinen Preis! - Und beim BER wird die Kohle auf Teufel komm raus verschleudert.

  11. 4.

    Da kann man Ihnen nur zustimmen ,aber wenn man sieht wer da alles angenommen wird braucht man sich nicht zu wundern .
    Hoffentlich wird da endlich aufgeräumt.

  12. 3.

    Es fängt doch schon damit an - diese Schule - Akademie - zu nennen !!!
    An einer Akademie werden Akademiker weitet gebildet - die die deutsche Sprache beherrschen !!!
    Es ist doch unmöglich, dass die Polizeischüler in einfachsten Dingen Nachhilfe benötigen - sie sollten doch für den Polizeiberuf ausgebildet werden !!!
    Durch Derartiges verliert man vor den Polizisten noch das letzte Körnchen Achtung!
    Mit ordentlicher Ausbildung, Bezahlung und gesellschaftlicher Anerkennung könnte dieser Beruf auch für GUTE Schulabgänger wieder interessant werden !!!
    Ich wünsche mir eine Polizei zu der man aufblicken kann !!!

  13. 2.

    Das Problem ist weniger die Akademie, als mehr die Tatsache, dass man am Bodensatz des jungen Intellekts fischt: junge Menschen, die vielleicht einfach in Branchen besser aufgehoben sind, die weniger Anforderungen brauchen. Auch ich muss mir eingestehen, kein Chirurg sein zu können.... ;)

  14. 1.

    Der Staat bzw. das Land ist in der Pflicht. Der Polizeiberuf muss mehr geachtet und gefördert werden, auch mit entsprechendem Gehalt und neuester Technik. Früher war ein Polizist eine "Respektsperson", heute nimmt sich jeder Groß-und Kleinkriminelle unglaubliche Dinge gegenüber Polizisten heraus. Und wenn ein Polizist sich wehren muss, hat er die Presse und Staatsanwaltschaft auf dem Halse.Und kein Staat, der ihn verteidigt. Ich würde heutzutage niemals Polizist unter diesen Umständen werden und habe große Achtung für die, die diesen Job machen.

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