Obdachloser im Winter auf dem Alexanderplatz
Audio: Inforadio | 19.11.2018 | Nina Amin | Bild: imago

rbb exklusiv | Kooperation zwischen BVG und Senat geplatzt - Tunnel am Alex wird doch kein Nachtquartier für Obdachlose

Der Versuch, Bahnhöfe der BVG als Nachtquartiere im Rahmen der Kältehilfe anzubieten, war bereits gescheitert. Dann hieß es, Obdachlose könnten bald in einem Tunnel am Alexanderplatz unterkommen. Doch hier winkt der Senat ab.

Ein ungenutzter Fußgängertunnel am Alexanderplatz wird nun doch nicht zum Nachtquartier für Obdachlose während der kalten Winterzeit umfunktioniert. Der Tunnel habe keinen ordentlichen Notausgang, die Belüftung sei schlecht und der Brandschutz unzureichend, sagte ein Sprecher der Verkehrsverwaltung dem rbb. Für diesen Winter seien die notwendigen umfangreichen Bauarbeiten nicht mehr zu schaffen.

Das gemeinsame Ziel von BVG und Senat, Räume für Obdachlose bei den Verkehrsbetrieben zu finden, ist somit vorerst gescheitert. Im Oktober hatten sich Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) und BVG-Chefin Sigrid Nikutta noch darauf verständigt, für die kommenden Winternächte passende Räumlichkeiten in U-Bahnhöfen zu suchen. Diese Zusammenarbeit war kürzlich gescheitert, der Tunnel zwischen dem Haus des Reisens und dem U-Bahnhof Alexanderplatz war die vorerst letzte mögliche Option.

Vorerst keine Lösung

In den vergangenen Jahren hatten die Berliner Verkehrsbetriebe bestimmte Bahnhöfe im Winter nachts für Obdachlose geöffnet. Im September kündigte die BVG jedoch an, unter den bisherigen Bedingungen keine Bahnhöfe mehr zum Übernachten bereitzustellen - aus hygienischen und sicherheitstechnischen Gründen.

Die Senatsverwaltung für Integration und Soziales kritisierte die Entscheidung. Beide einigten sich im Oktober dann darauf, in den Bahnhöfen geeignete Räumlichkeiten ausfindig machen zu wollen - ohne gefährliche technische Anlagen (wie Starkstromleitungen). Auch sollten gegebenenfalls Toiletten aufgestellt werden.

Bislang wurden jedoch keine Orte benannt. BVG-Sprecherin Petra Reetz kündigte am Freitag an, die Mitarbeiter würden Obdachlose notfalls an Unterkünfte der Kältehilfe vermitteln.

Sendung:  Inforadio, 19.11.2018, 15:30 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    Lieber Berliner,

    der von Ihnen angestellte Vergleich steht auf etwas wackligen Füßen. Der Tunnel wurde 1968/69 als Fußgängertunnel gebaut, welcher nach mehreren Seiten verlassen werden und von ebenso mehreren betreten werden konnte. Insofern gab es ausreichend Fluchtwege und viel Belüftung. Abgesehen davon galten seinerzeit in der DDR gänzlich andere Sicherheits- und Brandschutzvorschriften, welche mit den heutigen nicht mehr kompatibel sind.
    Der Tunnel wurde ja damals nicht gebaut, um Menschen darin übernachten zu lassen ...

    Freundliche Grüße

  2. 11.

    Ein Wunder, dass der Tunnel mal als Unterführung gebaut und genutzt werden durfte, so ganz ohne Notausgänge und Belüftungsanlage.

  3. 10.

    Die letzten beißen natürlich wieder mal die Hunde selbst die achso linken und sozialen Parteien sind hier um Antworten verlegen. Eine große Schande!
    und Bürokratie ist natürlich mal wieder viel wichtiger als Menschenleben :-(

  4. 9.

    Es ist eine Schande für unser Land dass wir dieses Problem seit Jahren nicht dauerhaft gelöst bekommen ! Armes Deutschland !

  5. 8.

    Immer mehr Menschen müssen in Berlin unter unmenschlichen Lebensbedingungen leiden, sodass es beispielsweise zwischen Obdachlosen und Gefangenen keinen Unterschied mehr zu geben scheint. https://www.huffingtonpost.de/oliver-rast/haft-politik-gefaegnis-schlieen_b_15487620.html Derartige Zustände lassen begründete Zweifel an vermeintlich ehrlichen Absichten von Staat und Regierungspolitik entstehen. Ich vermisse bei dieser Thematik echte christliche Nächstenliebe nicht nur zur Weihnachtszeit.

  6. 7.

    "die Belüftung sei schlecht" Den Eidruck hatte ich heute wieder auf den verrauchten U-Bahnhöfen der U8 Kottbusser Tor & Herrmannstraße und der U9 Amrumer Straße.

  7. 6.

    Sorry- aber das wurde doch gestern schon geklärt:
    CDU fordert Nutzung für Obdachlose
    Auch dass weniger Geflüchtete kommen, sei ein weiterer Grund für den Leerstand: "Der Senat muss sich fragen lassen, ob es nicht interimsmäßig eine Alternativnutzung gibt", so Seibeld. Die Kältehilfe für Obdachlose wäre ein Kooperationspartner, meint die CDU-Politikerin.

    Zur Unterbringung von Obdachlosen seien sie allerdings nicht gemacht, sagt Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD): "Zweitens ist die baurechtliche Genehmigung dafür auch nicht erteilt worden."

  8. 5.

    Viele Obdachlose haben Hunde und andere Tiere, die sie aktuell nicht in die Unterkpnfte der Kälthilfe mitnehmen dürfen. Würde man auch für sie Unterkünfte schaffen wären wieder Etliche untergebracht.
    Da die Tiere "ihre Familie" sind, kann ich das gut nachvollziehen.

  9. 4.

    Sicherer als dieser Fußgängertunnel scheint die Übernachtung im Freien zu sein. Dort sind die genannten Probleme Brandschutz +Belüftung +Fluchtweg nicht vorhanden. Sarkasmus aus.

  10. 3.

    Weil für die tempohomes noch kein Betreiber gefunden wurde

  11. 2.

    Warum zum Henker werden dann nicht die leerstehenden Tempohomes in der Siemensstadt dafür geöffnet??? Für Flüchtlinge wird mehr gebaut, als benötigt wird, sie werden relativ unbürokratisch untergebracht. Warum kann das mit den Notleidenden des eigenen Landes nicht auch passieren????

  12. 1.

    TEMPOHOMES STEHEN FÜR DEN WINTER ZUR VERFÜGUNG SEHR GEEHRTE DAMEN UND HERREN POLITIKER!

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