Landesparteitag der Berliner SPD am 02.06.2018 (Quelle: imago/Stefan Zeitz)
Audio: Inforadio | 15.11.2018 | Jan Menzel | Bild: imago/Stefan Zeitz

rbb-exklusiv | Frust an der Basis - Berliner SPD verliert mehr als 1.200 Mitglieder

Im Februar vermeldete die Berliner SPD noch einen Boom: Mehr als 21.600 Mitglieder zählte der Landesverband. Seitdem befindet sich die Partei im Sinkflug - mehr als 1.200 Mitglieder haben ihr Parteibuch abgegeben. Eine andere Partei erlebt hingegen regen Zulauf.

Der SPD-Landesverband verzeichnet einen Mitgliederschwund in ihren Reihen. Seit Jahresbeginn sind nach rbb-Informationen mehr als 1.200 Mitglieder aus der Partei ausgetreten - das ist ein Schwund von mehr als fünf Prozent.

Vor ein paar Monaten verzeichneten die Sozialdemokraten noch einen Boom: Im Februar 2018 zählte der Landesverband mehr als 21.600 Mitglieder und damit so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Den Mitgliederboom hatten die Sozialdemokraten dem Hype um den damaligen Spitzenkandidaten zur Bundestagwahl 2017, Martin Schulz, und der Partei-Abstimmung über die Große Koalition zu verdanken. Vor allem junge Leute beantragten ein Parteibuch.

Seitdem geht es bergab: Hunderte Mitglieder sind Monat für Monat ausgetreten. Im September sank die Zahl auf etwa 20.400. Allerdings ist die SPD damit immer noch klar die größte Partei in Berlin.

"SPD hat Glaubwürdigkeit verloren"

An der Basis herrschen Frust und Enttäuschung. Die SPD habe ihre Glaubwürdigkeit verloren, sagte Mitglied Johannes Geißler dem rbb. Schuld daran sei auch das Spitzenpersonal. "Wenn die Leute, die jetzt in der ersten Reihe stehen, Sachen umsetzen würden, die man vertreten könnte, wäre das kein Problem. Aber sie tun es halt nicht", so Geißler. Für die Motivation sei das verheerend, meint der 25-Jährige. Er überlegt, sein Parteibuch abzugeben.

Der SPD-Innensenator Andreas Geisel sieht die Probleme bei der "Performance der Großen Koalition", wie er am Donnerstag im rbb-Inforadio sagte. "Wir sind dort nur schwer erkennbar."

SPD-Parteitag soll Konturen schärfen

John Reichel, Vorsitzender der Jusos in Marzahn-Hellersdorf, glaubt, dass seine Partei eine andere Politik machen muss. Man müsse sich auch mehr um die Menschen kümmern, die arbeiten gehen und "für die wenig bei rum kommt", so der 20-Jährige. "Wir reden oft über die Leute richtigerweise, die keine Arbeit haben und wie man ihnen helfen kann. Wir müssen auch wieder mehr über die Leute reden, die 1.600 Euro netto am Monatsende haben und alles alleine bezahlen müssen."

Das Thema soll auch an diesem Wochenende auf dem SPD-Landesparteitag auf der Tagesordnung stehen. Die Sozialdemokraten wollen einen 10-Punkte-Plan beschließen, der ein kostenloses Schul- und Kitaessen für alle, einen deutlich höheren Mindestlohn und ein Gehaltssprung für die Landesbediensteten beinhaltet.

Mehr Mitglieder bei den Grünen

Während die SPD Mitglieder verliert, verzeichneten unter den großen Parteien in Berlin die Grünen in diesem Jahr den stärksten Mitgliederzuwachs: Die Partei knackte die Marke von 7.000 Mitgliedern. 700 neue Mitglieder gab es binnen Jahresfrist.

Die CDU zählt derzeit knapp 13.000 Mitglieder, das sind rund 140 weniger als Ende 2017. Die Mitgliederzahl der Linken stagniert bei um die 8.000. Die FDP kann ihre Mitgliederbasis leicht auf  rund 3.300 verbessern. Die AfD zählt nach Angaben eines Parteisprechers 1.500 Mitglieder. Das sind rund 230 mehr als vor einem Jahr.

Kommentar

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Antwort auf [Jörg] vom 15.11.2018 um 16:09
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32 Kommentare

  1. 32.

    Es ist aber genau diese Spaltung zwischen Geringverdienern und z.B. Aufstockern die damit zum Hartz IV Empfänger werden die die sPD dahin gebracht wo sie jetzt zu recht steht. Am Abgrund.

    Helfen würde die ganzen Agenda 2010 Verbrecher aus der Partei zu werfen und den Seeheimer Kreis gleich hinterher und wieder echte Klientelpolitik zu betreiben. Wobei, welche Auswüchse Klientelpolitik treiben kann sieht man ja am DGB Chef.

    Der drischt munter auf Arbeitslose ein und spielt das Lied der AfD. Zur Erinnerung, die Agenda 2010 ist als Ergebnis auch das totale Versagen des DGB.

  2. 31.

    Die Behauptung,1.200 Mitglieder hätten ihr "Parteibuch abgegeben", ist schlicht falsch. Nur ein Teil der 1.200 Mitglieder, die die SPD Berlin heute weniger hat als im Februar 2018, ist aktiv aufgetreten. Viele sind auch schlicht weggezogen und einige sind leider verstorben. Aber seriöse und differenzierte Berichterstattung ist leider auch nicht mehr das Ding der Öffentlich-Rechtlichen ... :(

  3. 30.

    Die SPD ist ein Relikt des letzten Jahrhunderts. Sie hat seit der Agenda 2010 an Glaubwürdigkeit verloren. Gut so, wenn sie in Selbstauflösung begriffen ist.

  4. 28.

    Erstaunlich, dass es ein Juso ist (John Reichel), der im Ansatz mal eine richtige Analyse bringt. Leider wird er damit keine Mehrheiten finden. Eher läuft man der Linkspartei hinterher.

  5. 27.

    Einfach mal nach SPD und 1914 suchen,dann wird dir vielleicht ein Licht aufgehen. Ich würde sagen,das gehört zum erweiterten Geschichtswissen ;)

  6. 26.

    Ich bin selbst von der SPD enttäuscht, anstelle konkrete Punkte im Parteiprogramm zu haben wie Abschaffung von Hartz IV setzte sie nur auf den Heilsbringer Schulz,nachdem auch die CDU in der Wahl versagt hatte wurde so lange hemauschelt bis die SPD die CDU wieder zum Regieren verholfen hatte. Die SPD hätte nach der letzten Wahl in NRW die GroKo verlassen sollen umso zu zeigen das sie einen Neuanfang wollen !

  7. 25.

    Wen soll denn die SPD 1914 "verraten" haben? Die KPD wohl nicht, die gab es erst bei den Reichstagswahlen 1920. Da erreichte die KPD 2%.
    Sie meinen sicherlich den Putschversuch 1918 von Spartakusbund-Mitglied Liebknecht, der die sozialistische Republik, ein Rätesystem nach Vorbild Russlands "ausgerufen" hat. Das hat allerdings die SPD nicht mitgemacht.

  8. 24.

    Echt, Ernst Thälmann. Das ist der, der sich durch einen Putsch in der eigenen Partei an die Macht gebracht hat und danach seine Kritiker aus der Partei schmiss. Etliche hat er in den 20er nach Moskau geschickt, wo sie dort umgebracht wurden. Ein verhinderter Diktator

  9. 21.

    Doch das ist mir schon bewusst, deshalb wähle ich ja nicht die SPD. Die ist mir zu rechts. Aber ich bin halt kein Rechter ! Sind Sie einer ?

  10. 20.

    Die spd im freien Fall? Von einer Volkspartei kann wirklich keine Rede mehr sein! Das Bild oben spricht deshalb Bände!

  11. 19.

    All das unsinnige Geschwätz, von Konturen die geschärft werden sollen, dazu müsste man erst mal welche haben! Die SPD hat kein Profil und wird die Talfahrt nicht aufhalten können, auch wenn hier da eventuell bei einzelnen Wahlen 2 bis 3% dazu gewonnen werden sollten. Die Partei ist schon lange keine Volkspartei mehr, Arbeiter und kleine Angestellte fühlen sich betrogen.

  12. 18.

    dafür, dass ja Berliner kaum in einer Partei sind, tummeln sich hier genügend Besserwisser und Kritiker. Reingehen in die Parteien, mitmachen und Tacheles reden. Ständig dieses Jammern über Politik nervt nur. Meckern geht immer, gestalten ist schwierig und das dann noch verkaufen.... Machen heisst die Devise. So, habe fertig. Jammert alleine weiter. Bin wieder weg. Antworten lese ich nicht, denn ich kenne sie schon.

  13. 17.

    Offensichtlich ist Ihnen nicht bewußt, was die SPD so alles auf dem Kerbholz hat. Es ist seit 1914 der immerwiederkehrende Verrat an der eigenen Basis als oberstes Parteiprinzip, der der SPD jetzt endlich auf die Füße fällt. Dafür braucht es keine AfD. Und Sie brauchen hier auch nicht zu verleumden.

    "Linke Pareien, die so etwas mittragen, sind dem Untergang geweiht und haben ihn verdient." (Norbert Häring)

  14. 16.

    Dann wird Sie das ja "freuen", dass die SPD tatsächlich immer wieder nach Steuererhöhungen ruft, und das nach der bereits höchsten Steuererhöhung unter Merkel. Es gibt kein "Maß" und keine Grenze für das Auslutschen von Berufstätigen.

  15. 15.

    Beratungresistente "Kapitäne".

  16. 14.

    Leute ( Kommentatoren ) passt auf das ihr nicht die Arbeit der Afd macht. Arme gegen noch Ärmere ausspielen, spalten und Sündenbocke erfinden.

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